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Wikileaks und die Folgen

Hausarbeit 2012 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Struktur, Ideologie und Finanzierung von Wikileaks

3. Bekannte Aktionen von Wikileaks

4. Folgen der Aktionen
4.1 Folgen für die Politik
4.2 Folgen für die Akteure
4.3 Folgen für die Informationsgesellschaft

5. Zusammenfassung und Analyse der Diskussionsergebnisse aus dem Seminar

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das Auftauchen von Wikileaks im Internet und die damit verbundenen Enthüllungen haben weltweit in den letzten Wochen und Monaten Aufsehen erregt. Veröffentlichungen von geheimen Informationen aus Kriegsgebieten oder von Botschaftsdepeschen haben in der internationalen Politik Spuren hinterlassen, welche in der folgenden Ausarbeitung genauer betrachten wird. Dabei soll ein Fokus auf die Veränderungen und die Konsequenzen dieser neuen Form der Transparenz gelegt und die Auswirkungen im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des Internets betrachtet werden. Zusätzlich wird die Diskussion im Seminar betrachtet und dabei auf die Bedeutung der Veröffentlichung für die politischen Prozesse, die beteiligten Personen sowie die Plattform Wikileaks selbst eingegangen.

2. Struktur, Ideologie und Finanzierung von Wikileaks

Wikileaks ist eine durch Spenden finanzierte Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Transparenz zu schaffen, sie selbst sieht sich als Interessenvertretung für Quellen und als Enthüllungsplattform.

Der Name setzt sich dabei aus den Begriffen „Wiki“, also einer durch die Leser beeinflussbare Plattform, sowie dem Begriff „Leak“, zusammen. Der Begriff Leak steht in diesem Zusammenhang für eine undichte Stelle, durch welche geheime Informationen nach außen gelangen.

Das WikiLeaks-Manifest: „Conspiracy as Governance“ dient hierbei als Handlungsgrundlage.

Initiator des Netzwerkes ist Julian Assange, welcher die Idee für diese Plattform zusammen mit fünf weiteren anonymen Personen hatte. Die Datenbanken von Wikileaks umfassen mehrere millionen Dokumente und Dateien.

Die Homepage, welche der Veröffentlichung der Daten dient, wird vom schwedischen Anbieter PRQ.se gehostet. Von dem Datenmaterial liegen permanent mehrere Sicherungskopien auf zwanzig weltweit verteilten Servern vor, damit eine Löschung eines Servers weitgehend folgenlos für die Funktion der Seite bleibt. Der Datenverkehr ist hierbei komplett verschlüsselt, um die Anonymität von Informanten zu schützen und eine Rückverfolgung durch staatliche Kontrollorgane zu erschweren oder am besten ganz zu verhindern. Zusätzlich wurden diverse Adressen für das Portal angelegt, damit eine Sperrung einer einzelnen Adresse nicht die Funktionsfähigkeit der Plattform einschränken kann (Domscheit-Berg, 2011).

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus Spenden von Unterstützern angewiesen und arbeitet als Non-Profit-Organisation. Dieser Umstand hatte bereits im Winter 2009 eine kurzzeitige Abschaltung der Seite aufgrund von Finanzierungsproblemen zur Folge. Das derzeitige Finanzembargo großer Kreditkartenfirmen und des Bezahldienstes Paypal führen ebenfalls zu finanziellen Schwierigkeiten für die Betreiber. Wikileaks vermeidet Spenden aus der Wirtschaft, da diese die Neutralität des Netzwerkes angreifbar machen könnten. Nach dem Finanzembargo fanden diverse DDos-Attacken auf die Homepages der großen Kreditkartenfirmen als Protest statt. Bei diesen Angriffen werden mit Hilfe von speziellen Programmen und gehackten Rechnern tausende von Anfragen an die Server der Banken gesendet, was diese nicht lange verarbeiten können, die Homepage zusammenbricht und somit nicht mehr erreichbar ist.

Um den Finanzierungsproblemen zu begegnen steht derzeit zur Diskussion, diverse Objekte (z.B. Originaldokumente) zu versteigern, um Einnahmen zum weiteren Betreiben der Seite zu erlangen. Ansonsten sind Organisation und Betreiber auf die Hilfe von Gönnern angewiesen, welche zum Beispiel bei Strafprozessen kostenlos die Verteidigung vor Gericht übernehmen oder ähnliches.

Das Vorgehen von Wikileaks ist in dem Manifest mit der folgenden Aussage beschrieben:

„Wenn Einzelheiten über das innere Arbeiten autoritärer Regime bekannt werden, sehen wir verschwörerisches Zusammenwirken bei der politischen Elite nicht bloß wegen Vorteilsnahme und Begünstigung innerhalb des Regimes, sondern als hauptsächliche Planungsmethode zum Zwecke der Erhaltung und Stärkung der autoritären Herrschaft.“ (http://becklog.zeitgeist-online.de/2010/12/13/julian-assange-wikileaks-sein-manifest-conspiracy-and-governance-auf-deutsch/ (07.04.12 08:43 Uhr)

Dieser basiert auf der Grundlage des Krypto-Anarchismus, welcher prinzipiell postuliert, dass der Staat seinen Bürgern Informationen vorenthält. Inwiefern dieses Zurückhalten von Informationen relevant für ein Funktionieren des Staates ist, wird dabei ignoriert. Ziel der Ideologie ist dabei eine totale Transparenz, bei welcher der Bürger umfassend über die Aktivitäten der Herrschenden informiert. Das Material wird vor der Veröffentlichung jedoch gesichtet und gegebenenfalls nur eingeschränkt freigegeben, zum Beispiel wenn Informanten geschützt werden sollen.

Assange selbst antwortete die Frage ob auch Informationen, welche zum Tod von Menschen führen könnten, veröffentlicht werden mit der Aussage, dass diese vorher gewarnt würden.

Es ist nicht auszuschließen, dass Veröffentlichungen durch die Plattform Menschenleben in Gefahr gebracht haben oder sogar zum Tode einzelner Personen oder Informanten Geführt haben.

Die Maxime „In doubt we publish“ zeigt, dass Informationen nicht zwangsweise verifiziert sein müssen, um auf Wikileaks veröffentlich zu werden. Zwar werden die Informationen gesichtet und auf ihre Richtigkeit geprüft, bei Zweifeln werden sie jedoch auf der Plattform frei zugänglich hochgeladen und dem Leser selbst bleibt das Urteil überlassen, inwiefern das vorliegende Material seriös erscheint.

Bei der Veröffentlichung von Material findet eine Zusammenarbeit mit der Presse statt, um möglichst viele Personen zu erreichen. Dabei stehen besonders große Nachrichtenagenturen wie Reuters im Vordergrund. In Deutschland findet eine starke Zusammenarbeit zwischen dem Spiegel und Wikileaks statt, welche sich durch eine rege Nutzung der Daten auszeichnet, wie zum Beispiel an der veröffentlichten interaktiven Karte über die Cablegate-Depeschen ersichtlich wird.

3. Bekannte Aktionen von Wikileaks

Zu den wohl bekanntesten Aktionen von Wikileaks zählt die Veröffentlichung des „Collateral-Murder“-Videos sowie Cablegate. Zudem wurden die Dokumente und Berichte aus dem Irak- und dem Afghanistankrieg veröffentlicht, welche ebenfalls zahlreiche brisante Daten erhielten.

Erstere Aktion bestand in der Veröffentlichung der Aufzeichnung der Zielkamera eines Kampfhubschraubers. Während des Videos sind verachtende Kommentare des Piloten und der Schützen zu hören, während eine vermeintlich bewaffnete Gruppe von Aufständischen unter Beschuss genommen wird. Später stellte sich heraus, dass es sich um den Journalisten Namir Noor- Eldin und seinen Fahrer handelte, welche beide für die Nachrichtenagentur Reuters arbeiteten. Gegen Ende des Videos wird auch auf ein Fahrzeug geschossen, mit welchem Verletzte abtransportiert werden sollten. Das Video wurde vor allem veröffentlicht, um zu zeigen welche Dimensionen die moderne Kriegsführung angenommen hat und wie sich die Amerikaner im Irak verhalten. Durch die Perspektive der Helikopterkamera wirkt das Feuern auf Menschen wie ein Computerspiel, was auch die Kommentare der Soldaten wie z.B. „good shooting“ erklärt. Diese Verzerrung der Folgen des Waffeneinsatzes wurde durch das Video verdeutlicht. Außerdem zeigt es den Umgang der Amerikaner mit Menschenleben und deren direkten Einsatz von Waffengewalt. Die US-Army rechtfertigte den tödlichen Einsatz von Waffengewalt, bei dem 18 Zivilisten getötet und 2 Kinder verletzt wurden mit der Begründung, dass die mitgeführte Kamera wie eine sogenannte RPG (Raketenwerfer) aussah und die Protokolle vorsehen, in diesem Fall anzugreifen.

Im Zusammenhang mit dem Video wurde Bradley Manning als Informant ermittelt und verhaftet, wobei ihm auch die Übermittlung der Cablegate-Depeschen nachgewiesen wurde.

Cablegate bestand in der Freigabe von geheimen Dateien, den sogenannten Depeschen der US-Botschaften in das Außenministerium der USA. Diese Depeschen beinhalten Einschätzungen der Botschafter über das Verhalten der Politiker und ermöglichen erst eine effektive Arbeit der Außenminister und deren Vertreter.

Beispielsweise wurden Merkel als selten kreativ, Guido Westerwelle als eitel und Horst Seehofer als unberechenbar und außenpolitisch inkompetent bezeichnet. Diese Informationen können genutzt werden, um das Verhalten eben dieser Politiker vorauszuahnen und sich gegebenenfalls mit weiteren politischen Strategien darauf einzustellen, um so die bestmöglichen Kompromisse für das eigene Land zu erzielen.

Zudem enthielten die Daten sensible Informationen über fragwürdige Vorgehensweisen der amerikanischen Regierung welche nachweisen, dass in größerem Stil spioniert wurde und Hillary Clinton dies absegnete (Domscheit-Berg, 2011).

Die Veröffentlichung der Afghanistan- bzw. Irakkriegstagebücher stellten die größte Veröffentlichung von Geheimdokumenten in der amerikanischen Kriegsgeschichte dar. In diesen Dokumenten waren wichtige Informationen über den Kriegsverlauf enthalten, zudem wiesen sie auch nach, dass die Amerikaner von der Folter von Zivilisten durch Sicherheitskräfte wussten und dies sogar duldeten. Weiterhin wurden Namen von Informanten und Agenten preisgegeben, woraufhin sich diese in akuter Lebensgefahr befanden. Dies wurde besonders nach der Veröffentlichung und der darauffolgenden Drohung der Taliban deutlich.

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Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656249658
ISBN (Buch)
9783656253075
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198640
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Politikwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
wikileaks folgen

Autor

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Titel: Wikileaks und die Folgen