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Die Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland in Marokko

Diplomarbeit 2009 83 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

0 Einleitung

Das letzte Jahrhundert war für die ganze Menschheit ein Jahrhundert beispielloser grausamer Auseinandersetzungen. Zwei Weltkriege, die Zeit des Kalten Krieges und eine Serie von Revolutionen hinterließen tiefe Spuren. Dies gilt besonders für Deutschland. Ein Land, das mitten in Europa liegt und in den Ereignissen des letzten Jahrhunderts sowohl involviert als auch von ihnen stark betroffen war. Doch die Zeiten ändern sich – genauso wie das Deutschlandbild in der Welt. Dank des Wirtschaftswunders, der Wiedervereinigung und des Endes des Kalten Krieges ist Deutschland dabei, auf internationaler Bühne wieder stärker an Gewicht zu gewinnen und muss dabei hohe Erwartungen erfüllen. Aber groß und stark heißt nicht unbedingt sympathisch oder beliebt. Je stärker die Rolle eines Landes auf der internationalen Ebene wird, desto mehr Verständnis muss das Land für seine Positionen wecken. Dies ist ohne eine gute Außenpolitik nicht denkbar:

Die Bundesrepublik wird daran gemessen, was man draußen von uns weiß und wie wir uns auf andere Kulturen und Völker unsererseits einstellen- und zwar was man von uns weiß jenseits der anglo-amerikanischen Fernsehprogramme über blonde, blauäugige, bellende Männer in SS- oder Wehrmachtsuniformen (Henning, S.18).

Die auswärtige Kulturpolitik (AKP) wurde im Jahre 1966 vom deutschen Außenminister Willy Brandt als „Dritte Säule“ der deutschen Außenpolitik genannt, neben den beiden klassischen Säulen, der Sicherheits- und der Außenwirtschaftspolitik. Sie hat den Auftrag, Aspekte des kulturellen Lebens in Deutschland im Ausland zu vermitteln. Sie leistet ihren Beitrag zur Pflege des internationalen Dialogs zwischen Menschen und Kulturen und stützt sich dabei auf klare Wertvorstellungen wie Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, die auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland und ihre kulturelle Arbeit in Marokko darzustellen. Im ersten Kapitel wird versucht, einen kurzen historischen Überblick über die deutsch-marokkanischen Beziehungen zu geben. Im darauf folgenden Kapitel werden die Geschichte der auswärtigen Kulturpolitik in Deutschland dargestellt und die dafür verfolgten Methoden analysiert.

Die Entwicklung der deutschen AKP wird anhand eines Vergleichs mit dem Nachbarland Frankreich beleuchtet.

Die vom Auswärtigen Amt erstellte „Konzeption 2000“, die der Konkretisierung der Ziele und Grundsätze der auswärtigen Kulturpolitik vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen dient, wird im dritten Kapitel erläutert. Deutschland arbeitete bei der Verwirklichung seiner auswärtigen Kulturpolitik von Beginn an mit Mittlerorganisationen, denn ohne sie wäre Kulturarbeit im Ausland nicht zu leisten. Die größte und international bekannteste unter ihnen ist das Goethe-Institut. Die Entwicklung, die Ziele und die Aufgabe des für die Förderung der Kenntnis der deutschen Sprache und Kultur im Ausland zuständigen Instituts sowie seine Tätigkeit in Marokko, werden im vierten Kapitel ausführlich behandelt.

Weitere mitwirkende Parteien der AKP sind die politischen Stiftungen. Sie unterstützen die Entwicklung des sozialen und demokratischen Gedankengutes und fördern die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Im fünften Kapitel wird daher die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Marokko beleuchtet. Ihr Auftrag im Rahmen der Stärkung der Zivilgesellschaft und Erhöhung des politischen Grundwissens sowie die Unterstützung marokkanischer Reformanstrengungen und ihr politischer Dialog, wird anhand mehrerer Fallbeispiele erläutert.

Neben der Sprach- und Bildungsarbeit ist auch die Medienpolitik in der AKP ein Bereich, der beim Aufbau einer weltweiten Informations- und Wissensgesellschaft stark an Bedeutung gewinnt. Die Rolle der Medien in der AKP wird im letzten Kapitel durch den Auslandssender „Deutsche Welle“ näher betrachtet. Der Sender Deutsche Welle ist darauf bedacht, Deutschland im Ausland als eine unabhängige, liberale und demokratische Nation zu präsentieren. Dabei stehen sowohl der interkulturelle Dialog im Mittelpunkt, als auch die Toleranz und die Achtung der Menschenrechte.

Im abschließenden Kapitel wird ein Fazit der Wirkungskraft der AKP gezogen und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

1 Kurzer historischer Überblick über die deutsch-marokkanischen Beziehungen

Die Anfänge der Beziehungen zwischen Marokko und Deutschland lassen sich auf den Beginn des 16. Jahrhunderts zurückführen. Im Jahre 1506 wurden Handelsniederlassungen an der am Atlantik liegenden Hafenstadt Safi von bedeutenden Kaufmannsfamilien wie den Fuggern gegründet.

Später nahm dann ein deutsches Truppenkontingent 1578 unter der Führung von Portugals König Sebastian der Erste an der berühmten „Schlacht der Drei Könige“ in der Umgebung der Stadt Ksar-El-Kébir im Norden Marokkos teil. Der portugiesische König fühlte sich als Nachfolger der Kreuzfahrer und wollte Nordafrika für sein Reich erobern die Allianz wurde von der marokkanischen Armee jedoch vernichtend geschlagen.

Von 1781 an wurden Verhandlungen für den Abschluss eines Handelsvertrages zwischen Marokko und der Stadt Bremen aufgenommen.

Unter der Herrschaft des Sultans Alouite Moulay Soulaiman wurde 1802 schließlich der erste Handelsvertrag mit der Hansestadt Hamburg für die Regelung der Schifffahrt vor den marokkanischen Küsten abgeschlossen, da die Piraterie vor allem in der Straße von Gibraltar eine große Gefahr für ausländische Schiffe darstellte. Daraufhin unterzeichnete auch die Stadt Lübeck einen solchen Vertrag mit Marokko.

Während des 19. Jahrhunderts unternahmen diverse deutsche Forscher Reiseexpeditionen, um das Land Marokko den hanseatischen Staaten bekannt zu machen. Zu Erwähnen wäre hier die Expedition von August Petermann vom Institut „Justus Perthes von Gotha“ 1854 sowie die Expedition des Bremer Arztes Gerhard Rohlfs, der daraufhin 1873 das Buch „Mein ersten Aufenthalt in Marokko“ veröffentlichte.

Dieses Interesse der akademischen Kreise wurde schrittweise auf die wirtschaftlichen und politischen Bereiche in Deutschland erweitert, die die Notwendigkeit der diplomatischen Vertretung in Marokko erkannt hatten.

Der Kanzler Bismarck, der sich der politischen und strategischen Bedeutung Marokkos bewusst war, entschied sich im Jahre 1872 für die Gründung einer Legation beim Cherifischen Hof mit der Ernennung eines gebietsansässigen Ministers der Stadt Tanger im Norden Marokkos. Dieser Diplomat stattete dem Sultan Moulay El Hassan am 7. Mai 1877 einen Besuch in Fès ab.

Um die Freundschaftsbeziehungen sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland zu verstärken, entsandte der Sultan Moulay El Hassan von Marokko am 23. Mai 1878 eine Botschaft an Kaiser Wilhelm. Im Jahre 1889 wurde ein zweiter Diplomat nach Deutschland geschickt, der persönlich von Kaiser Wilhelm II. im Bremerhaven empfangen wurde.

In den darauf folgenden Jahren kam es zu Unruhen an den marokkanisch-algerischen Grenzen mit der französischen Armee. Diese kolonisierte zu jener Zeit Algerien und bekundete Interesse an Marokko. Der marokkanische Thronerbe, Sultan Moulay Abdelaziz, ersuchte am 7. Juli 1900 mit einer Botschaft den Beistand Deutschlands. Diese wurde vom Hamburger Senat, vom Kaiser und von der Kaiserin in Potsdam empfangen.

Im Rahmen dieses diplomatischen Austausches fand am 31. Mai 1905 der berühmte Besuch vom Kaiser Wilhelm II. in Tanger statt. Dort betonte dieser den Schutz von Deutschlands Wirtschaftsinteressen in Marokko. Kaiser Wilhelm II. unterstützte mit seiner Landung in Tanger am 31. März nachdrücklich die Unabhängigkeit des Landes. Sein ernsthaftes Auftreten führte 1906 zur Konferenz von Algeciras, an der neben Deutschland, Frankreich und Spanien auch Österreich-Ungarn, Großbritannien, Portugal, Italien, Belgien, die Niederlande, Russland und die USA teilnahmen und gemeinsam eine Akte verabschiedeten, die die Unabhängigkeit und Unantastbarkeit Marokkos garantieren sollte. Doch die von Frankreich provozierten Unruhen sowie antifranzösische Gewaltakte und schließlich die Ermordung mehrerer Franzosen gaben der französischen Regierung im Jahre 1907 den Anlass zur Entsendung eines Expeditionskorps, das Casablanca, Rabat, Safi, Essaouira und Agadir besetzte.

Die Reibereien zwischen Deutschland und Frankreich nahmen nicht ab und gipfelten in der Ersten und der Zweiten Marokkokrise, deren Höhepunkt die Entsendung des deutschen Kanonenboots Panther war – dieses Ereignis ist auch unter den Namen „der Panthersprung von Agadir“ bekannt. Am 4. November 1911 endete die Krise mit der Unterzeichnung des Marokko-Kongo-Vertrags, in dem das Deutsche Reich auf seine Ansprüche in Marokko verzichtete und dafür einen Teil der französischen Kolonie Französisch-Äquatorialafrika – Teile der heutigen Rebublik Kongo - als Entschädigung erhielt. Die Zeit des französischen Protektorats, die von 1912 – 1956 währte, bedeutete die völlige Aussetzung der deutsch-marokkanischen diplomatischen Beziehungen. Diese wurden jedoch gleich im Jahre 1956 - kurz nach der Unabhängigkeit - wieder aufgenommen, und 1957 wurde der Diplomat von Deresch zum Botschafter bei seiner Majestät, König Mohammed V ernannt.

(http://www.maec.gov.ma).

In den 60er Jahren gehörte Marokko zu den so genannten Gastarbeiteranwerbestaaten, mit denen ein Vertrag für die Einwanderung von Gastarbeitern geschlossen wurde. Bis dieser 1973 aufgelöst wurde, kamen 84.000 solcher Arbeiter aus Marokko – die meisten von ihnen gingen in das Ruhrgebiet, wo noch heute eine hohe Anzahl von berberisch-stämmigen Marokkanern lebt. Ingesamt leben heute etwa 130.000 Menschen marokkanischer Abstammung in der Bundesrepublik Deutschland.

Auf politischer Ebene lässt sich seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen ein immer dichter werdender gegenseitiger Besucheraustausch verzeichnen, und dies spiegelt das Interesse wider, das Deutschland und Marokko aneinander haben – auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Marokkos – das Land profitiert vom deutschen Know-How in den Bereichen Fahrzeugindustrie, Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse. Deutschland importiert vor allem Textilien, Schuhe und Nahrungsmittel aus Marokko.

Im Jahre 2006 wurde das 50-jährige Jubiläum der Aufnahme der deutsch-marokkanischen diplomatischen Beziehungen durch zahlreiche Veranstaltungen feierlich begangen. Bei einem Besuch des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier bekräftigte dieser noch einmal die „ausgesprochen engen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Marokko und Deutschland“(http://www.auswaertiges-amt.de).

Die durch zahlreiche Besuche verschiedener Minister und Abgeordnete in den letzten Jahren weiter verstärkt werden konnten.

2 Geschichte der auswärtigen Kulturpolitik

2.1 Wozu eine auswärtige Kulturpolitik?

Man könnte behaupten, dass seit dem Erscheinen des Aufsatzes von Samuel P.Huntington „The Clash of Civilisations?“ 1993 in der Zeitschrift Foreign Affairs sowie Huntingtons darauf folgender umfangreicherer Buchpublikation mit dem gleichen Titel - diesmal ohne Fragezeichen „The Clash of Civilisations“ – nun auch die Diskussion über auswärtige Kulturpolitik mehr in Erscheinung getreten ist.[1]

Huntingtons These lautet, dass nach dem Ende des Kalten Kriegs die Konflikte der Zukunft nicht mehr ideologischer, politischer oder ökonomischer Art seien, sondern dass in der kommenden globalen Politik Konflikte zwischen Gruppen aus unterschiedlichen Zivilisationen die zentrale und gefährlichste Dimension darstellen werden. Diese These steht auch nach dem zweiten Irak-Krieg von 2003 immer noch im Mittelpunkt einer internationalen Diskussion über das Konzept von Zivilisationen und über das Verhältnis von Macht und Kultur. Das Fazit Huntingtons lautete: „ Konflikte von Zivilisationen sind die größte Gefahr für den Weltfrieden, und eine auf Zivilisationen basierende internationale Ordnung ist der sicherste Schutz vor einem Weltkrieg“ (Huntington, S. 12).

Diese These von der Kriegsprävention durch Kulturarbeit ist allerdings nicht ganz neu.

Schon mitten in der Zeit des Kalten Krieges hatte sich während der ersten Phase der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in deren Europäischen Kulturforum in Budapest Mitte der sechziger Jahre bereits die Erkenntnis durchgesetzt, dass internationale Kulturpolitik Friedenspolitik sei. In der zweiten Phase der KSZE ab 1973 hatte sich daraus schon ein Diskurs entwickelt, der zunächst von Diplomaten und Politikern, mehr und mehr aber auch von der Wissenschaft und von der Publizistik mitgetragen wurde. Die Teilnehmerstaaten wollten gemeinsame Projekte in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Umweltschutz und Abrüstung durchführen sowie eine verstärkte Kooperation zwischen Ost und West schaffen, damit eine nachhaltige Sicherheit und Durchsetzung der Menschenrechte in Europa erreicht werden kann (Ruf, S. 16ff).

Ohne Verständnis zwischen den Kulturen und ohne kulturpolitische Annährung könnte ein Krieg der Kulturen drohen. Kulturelle Zusammenarbeit konnte dagegen mit Recht als Mittel der Konfliktprävention und als Krisen verhinderndes „ Frühwarnsystem“ verstanden werden. Mit Sicherheit steht heute die Auswärtige Kulturpolitik mehr denn je vor der Notwendigkeit, friedliche Konfliktprävention zu leisten (Maaß, S. 10).

Dieses Ziel kam aber in früheren Zeiten nicht immer zu Stande. Der Begriff „Auswärtige Kulturpolitik“ wurde schon vor dem ersten Weltkrieg von Politikern und Entscheidungsträgern benutzt, war aber von wenigen Ausnahmen abgesehen noch sehr stark vom nationalistischen Missionsbewusstsein und imperialistischen Gedankengut der europäischen Völker bestimmt.

Das nationalistische Sendungsbewusstsein zielte im Allgemeinen auf kulturelle Propaganda, auf kulturelle Ausbreitung, oft als Vorstufe zur politischen Expansion, sei es in Übersee oder als direkte territoriale Erweiterung im Anschluss an das eigene Landesgebiet (Düwell, S. 54).

2.2 Entwicklung der auswärtigen Kulturpolitik als Grundlage politischer Beziehungen

Zu der Ausbildung von Instrumenten einer effektiven Kulturpolitik als wichtiger Teil der Außenpolitik kam es, historisch betrachtet, meist erst nach Bildung einer gewissen „kritischen Masse“ (Düwell, S. 57) an kulturellen oder kulturpolitischen Außenaktivitäten und Institutionen, die dann einer staatlichen Lenkung bedurften.

Als Paradebeispiel für die Entwicklung einer auswärtigen Kulturpolitik ist hier Frankreich zu nennen - dort hatten sich die kulturellen und wissenschaftlichen Außenkontakte zum östlichen Mittelmeerraum schon seit der Ägyptenexpedition Napoleons I. von 1798 und dann nochmals später durch die Forschungsreisen Jean Francois Champollions im Auftrag König Karls X. zur Erforschung der Hieroglyphen entwickelt.

Auf die frühzeitige Gründung der Ecole Française d´Athène im Jahre 1846, die zu einem Mittelpunkt der archäologischen Forschungen in Griechenland, folgte erst im Jahre 1882 die Gründung der American School of Classical Studies at Athens und die ähnliche orientierte British School at Athens 1883. Dies zeigte, dass Frankreich eine ganze Reihe von kulturellen Initiativen ergriffen und Institutionen geschaffen hatte, die schon bald an Umfang und Wichtigkeit gewannen und somit eine staatliche Förderung und Aufsicht erforderlich machten. Dazu gehörten in Frankreich selbst auch die nach 1871 verstärkten kulturellen Verbindungen und Beziehungen mit Staaten im südlichen und östlichen Mittelmeerraum (vor allem Algerien und Tunesien) und seit den 1880er Jahren auch die französischen Schulen in West- und Ostafrika und vor allem in Ägypten. Hier muss jedoch berücksichtigt werden, dass Frankreich vergleichsweise früh eine imperialistische Politik in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern betrieb und sich daher in die Situation versetzt sah, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen.

Seit den 1890er Jahren kam es dann zu einem ausgedehnten Netzwerk französischer Schulen auch in Japan und China, in Australien, Indochina und Tahiti, in Kanada, den USA und in Mittel- und Südamerika.

Während des Ersten Weltkriegs kam es zu einem Wandel der Aktivitäten in zahlreichen dieser kulturellen Einrichtungen im Ausland – es ging nicht mehr vorrangig um eine bloße Expansion im Sinne von Verbreitung akademischer Einrichtungen, sondern vor allem um eine expansive kulturelle Propaganda, die in den Dienst des nationalen Kampfs gestellt wurde – und wieder war Frankreich das erste Land, dass diese propagandistische Signatur der Kriegszeit als erster Staat ausgebildet hatte ( Düwell, S. 57).

Auf deutscher Seite verhielt es sich, zeitlich etwas verspätet, nicht sehr viel anders. Das neu gegründete Kaiserreich von 1871 hat aber erst relativ spät die Bedeutung der auswärtigen Kulturpolitik erkannt und eine gewisse Koordination durch neu gegründete Reichsstellen geschaffen.

Auch hier ergab sich die Notwendigkeit staatlicher Hilfe aus dem großen finanziellen Bedarf, den Einrichtungen wie die 1815 von Preußen begonnenen Inscriptiones Graecae (Griechische Inschriften), das Deutsche Archäologische Institut in Rom 1829 oder die archäologischen Grabungen, die zunächst in Griechenland und später auch an der Seidenstraße durchgeführt wurden, beanspruchten.

Die kulturellen und wissenschaftlichen Unternehmungen im Ausland unterlagen dem Reich und ihr rechtlicher Schutz war durch den Staat zu gewährleisten. So lässt sich der 1874 zwischen dem Deutschen Reich und Griechenland geschlossene Vertrag, der den deutschen Archäologen unter bestimmten Bedingungen die Grabungen in Olympia erlaubte, als „das erste deutsche Kulturabkommen des 19. Jahrhunderts“ (Düwell, S. 58) bezeichnen. Mit der Übernahme des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom aus dem preußischen in den Reichshaushalt wuchs dem Reich über die Außenpolitik hinaus eine kulturpolitische Kompetenz über die Auslandsinstitute zu.

Die wichtigsten Unternehmungen im Ausland waren zu dieser Zeit folgende:

- 1887 das Orientalische Seminar in Berlin mit seinen Außenbeziehungen
- 1894 der Afrikafonds für Forschungszwecke
- 1902 das Kunsthistorische Institut in Florenz
- 1906 das Schulreferat im Auswärtigen Amt mit einem schon seit 1878 bestehenden Reichsfonds für das zum Teil Jahrhunderte alte und seit der Reichsgründung von 1871 schnell weiter wachsende deutsche Auslandsschulwesen
- 1907 das Deutsche Institut für Ägyptische Alterskunde in Kairo (Maaß, S. 58f)

Die Einrichtung des Schulreferats im Auswärtigen Amt 1906 führte auf Seiten des Reichs zur Gründung so genannter deutscher Propagandaschulen im Ausland, die vor Allem in China und im Nahen Osten präsent waren und Schüler vor Ort mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut zu machen. Deutsche Lehrer wurden vor ihrer Entsendung an diese Schulen am Orientalischen Seminar in Berlin auf ihre Aufgabe sprachlich vorbereitet. Auch deutsche Hochschulprofessoren wurden vor dem Ersten Weltkrieg in großer Zahl nach China, in die Türkei und nach Persien sowie in den Vereinigten Staaten von Amerika entsandt (Düwell, S. 58f).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde erkannt, dass man im Gegensatz zu Frankreich in Sachen Propaganda einigen Rückstand aufzuholen hatte, und so schrieb die Weimarer Verfassung eine Kulturabteilung im Auswärtigen Amt vor, die 1920 ihre Arbeit aufnahm. Diese Zeit stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Auswärtigen Kulturpolitik dar es wurde erkannt, dass diese sich von politischen und außenwirtschaftlichen Interessen loslösen muss, um ihre Kraft voll entfalten zu können. In diesen Jahren wurden diverse Institutionen und Akademien zur Förderung der deutschen Sprache und Kultur gegründet unter ihnen das Goethe-Institut, das im Jahre 1932 ins Leben gerufen wurde.

Leider währte diese Periode nur kurz nach der Machtergreifung Hitlers nutze der Propagandaminister Goebbels die Kulturpolitik wiederum für politische Zwecke und dies in einem noch verstärkten Maße, als es in der Kaiserzeit der Fall war: Goebbels nutzte die Kulturabteilung, um mit exorbitanten finanziellen Mitteln rassistische Kampfideologien zu verbreiten, und Deutschland rutschte von der Kulturpropaganda in den Kulturimperialismus (siehe Kapitel 2.3). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mussten neue Ansätze gefunden werden, die im Ansatz schon während der Weimarer Republik bestanden und nun wieder aufgegriffen wurden. Durch den Beitritt in die UNESCO im Jahre 1951 war die BRD erstmals wieder an internationalen kulturpolitischen Projekten wie die Alphabetisierung der Entwicklungsländer beteiligt. Auf nationaler Ebene wurde im neuen Auswärtigen Amt wieder eine Kulturabteilung vorgesehen. Der Unterzeichnung eines bilateralen Kulturabkommens mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1953 folgten weiter mit Ländern wie Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Italien. Außerdem wäre auch die Neugründung verschiedener Mittlerorganisation zu nennen:

Es handelt sich hierbei um Kulturagenturen in verschiedenen Rechtsformen (vor allem verschiedene Arten eingetragener Vereine und Stiftungen), die zum größten Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, aber innerhalb der außenpolitischen Konzeption der Bundesregierung (…) einen autonomen Gestaltungsraum besitzen (Düwell, S.69).

Bespiele für solche Mittlerorganisationen sind:

- Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
- Institut für Auslandsbeziehungen (dfa)
- Goethe-Insitut
- Alexander von Humboldt-Stiftung

Um durch den Westen völkerrechtlich anerkannt zu werden, suchte die DDR Beziehungen mit zahlreichen blockfreien Staaten und Asien und unterzeichnete in den 50er Jahren diverse Kulturabkommen. Hervorzuheben ist hier die Sprachpolitik der DDR, die die Grundlagen für eine wirksame Vermittlung der deutschen Sprache legte Nach der Wiedervereinigung wurden diese Maßnahmen der Sprachverbreitungsarbeit in einer neuen Form vom gesamtdeutschen Goethe-Institut aufgenommen und fortgeführt (Düwell, 70ff).

In den 70er Jahren wurde der Kulturbegriff erweitert und es wurde erkannt, dass Kultur nicht nur die elitären Gruppen aus Bildung und Wissenschaft erreichen sollte, sondern dass die auswärtige Kulturpolitik auf die breite Masse ausgedehnt werden sollte. In Folge dieser Überlegungen wurde die Enquête-Kommission Auswärtige Kulturpolitik gegründet, die besonders die deutsche Sprache als wesentliches Element kultureller Außenpolitik sah und dabei auch die Rolle der Medien unterstrich, da diese die breite Öffentlichkeit ansprachen. Die Stellungnahme der Bundesregierung zum Bericht der Kommission mündete 1977 in fünf Grundsätze der auswärtigen Kulturpolitik, die noch heute ihre Gültigkeit besitzen:

1. Sie steht gleichrangig neben Außen- und Wirtschaftspolitik
2. Sie geht ungeachtet der Trennung der Deutschen von einer gemeinsamen deutschen Kultur aus
3. Sie muss sich an den Zielen der Außenpolitik orientieren, soll aber nicht Magd der Politik sein
4. Sie kann nicht mehr auf einseitigen Kulturexport beschränkt sein, sondern muss sich den kulturellen Wechselbeziehungen und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit öffen
5. Sie soll ein ausgewogenes, wirklichkeitsnahes Deutschlandbild vermitteln.

Nur mit Hilfe dieser Maßnahmen und entsprechender langfristiger haushaltsrechtlicher Instrumente, wie sie in den 80er Jahren in der BRD geschaffen wurden, lässt sich der „Clash of Civilisations“ vermeiden - auswärtige Kulturpolitik kann ihren Beitrag als Mittel antizipatorisch wirkender Gefahrreduktion leisten.

2.3 Historische und zielorientierte Methoden auswärtiger Kulturpolitik

Eine historische Betrachtung der auswärtigen Kulturpolitik lässt sich an deren Interessen- und Zielorientierungen entwickeln und würde sich laut dem Historiker Kurt Düwell in fünf Grundtypen bzw. zugehörige Arbeitsmethoden der Auslandskulturarbeit gliedern lassen, die hier zusammengefasst dar gestellt werden:

A. Kulturelle Ausstrahlung: Durch die Anerkennung der Kultur einer Nation bei anderen Nationen, wird diese im Laufe der Geschichte eine Vorbildwirkung auf anderen Nationen haben. Diese Ausstrahlung kann sich ohne besondere Mitwirkung eines Staates oder seiner Regierung ergeben. Auch eine Gegenseitigkeit der Kulturbeziehung beider Seiten ist dabei nicht ausgeschlossen, bleibt aber der freien Entwicklung überlassen. Dabei stellt sich die Frage, ob der Austausch in beiden Richtungen stattfindet oder in nur eine Richtung.
B. Kulturelle Selbstinterpretation: Eine zielorientierte Vorstellung kultureller Güter einer Nation mit der gleichzeitigen Entschluss, auch die Wünsche der anderen Nation nach der Selbstvorstellung ihrer eigenen Kultur im anderen Land zu berücksichtigen und mit ihr kulturell und auf der Basis von Gegenseitigkeit zusammenzuarbeiten. Auch diese Form der auswärtigen Kulturpolitik kann dazu beitragen, Konflikte im Bereich von Handels- oder Machtinteressen zu entschärfen. Eine konkrete Form der Selbstinterpretation findet man z.B. schon früh in der britischen Kulturpolitik gegenüber den als ebenbürtig angesehenen Kulturstaaten oder den Dominions Australien, Kanada, Neuseeland, Südafrikanische Union, Irischer Freistaat, Neufundland.
C. Kulturelle Expansion: Es handelt sich hier um eine Vorstellung kultureller Güter, die mehr oder weniger bewusst von der Überlegenheit der eigenen Kultur ausgeht und auf ihre Ausbreitung bedacht ist. Dabei wird eine kulturelle Ausweitung planmäßig betrieben, verbunden mit einer gewissen Bereitschaft, die Wünsche der anderen Nationen oder anderer Ethnien nach Vorstellung der eigenen Kulturgüter zu berücksichtigen und ihnen in diesem begrenzten Rahmen Zusammenarbeit und kulturelle Einflussmöglichkeiten zu bieten.

Diese Art kultureller Expansion ist meist nur eine kurze Phase, die entweder in die offenere Beziehung Selbstinterpretation zurückführt oder in die Form der Kulturpropaganda überleitet.

Ein solches Grundmuster stellt durch seine meist stärkere Verbindung mit Handels- oder Machtinteressen nur ein begrenztes Potenzial zur Konfliktverhütung dar und kann sogar ganz in den Dienst dieser Interessen gezogen werden.

D. Kulturpropaganda: Ein klarer Zweck ist dabei eine nationale Machtexpansion. Die Vorstellung kultureller Güter wird durch diesen Hauptzweck eine sehr eingeschränkte Bereitschaft haben, die Wünsche anderer Nationen oder Ethnien in gleichem Maße zu berücksichtigen oder ihnen kulturelle Zusammenarbeit oder kulturellen Einfluss zu gewähren. Die auswärtige Kulturpolitik hatte in den gegenseitigen Beziehungen der Großmächte, vor allem zwischen dem Deutschen Reich und den anderen konkurrierenden Mächten und erst recht gegenüber den Ethnien in den Kolonien, die durch europäische Imperialisten „zivilisiert“ werden sollten, während der letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg überwiegend diesen Charakter angenommen.

Diese Kulturpropaganda war um 1900 beinahe zu einer Signatur der imperialistischen Mächte und ihrer Außenbeziehungen geworden. Kulturpolitik verlor in dieser Phase, in der sie eng mit nationalen Handels- und Machtinteressen verbunden war, fast völlig ihre Autonomie und ihr Potenzial zur Konfliktverhütung und wurde im Ersten Weltkrieg geradezu zu einem Teil der nationalistischen Kriegspropaganda. Der Nationalsozialismus, für den der Erste Weltkrieg auch nach 1918 nicht zu Ende gegangen war, hat diese massive Form der Kulturpolitik dann, soweit es überhaupt noch möglich war, weiter zu einem Kulturimperialismus gesteigert.

E. Kulturimperialismus: Eine zum Zweck der nationalen oder rassistischen Machtexpansion und machtpolitischen Gunst geführte Politik, aber auch geistig offensiv und aggressiv betriebene Vorstellung kultureller Güter der eigenen Nation ohne eine grundsätzliche oder gegebenenfalls nur mögliche Bereitschaft, die Wünsche anderer Nationen oder Ethnien zu berücksichtigen oder ihnen kulturelle Zusammenarbeit oder kulturellen Einfluss zu erlauben. Es handelt sich dabei um eine ungleichmäßige und ausbeuterische kulturelle Beziehung ohne Gegenseitigkeit. So gesehen erwies sich der Kulturimperialismus als ungeeignet für eine konfliktverhütende und friedenserhaltende Methode.

3 Neue Wege der auswärtigen Kulturpolitik - „Konzeption 2000“

So nimmt die BRD allmählich eine wichtige Rolle in Europa und in der Welt über die Außenpolitik bzw. Außenkulturpolitik ein, sie tritt wesentlich stärker und selbstbewusster auf als je zuvor. Das Auswärtige Amt will den Weg zu konzeptioneller Tätigkeit festigen und neu definieren und dadurch seine Hauptzuständigkeit für die Außenkulturpolitik verstärken. Mit der „Konzeption 2000“ versucht das Auswärtige Amt,

…bewährte Grundsätze und Ziele der Auslandskulturarbeit vor dem Hintergrund der neuen Herausforderungen zu überprüfen, weiter zu entwickeln und, wo erforderlich, neu zu definieren (Konzeption 2000).

Folgend werden die wichtigsten Hauptaspekte dieser Konzeption 2000 kurz zusammengefasst:

3.1 Ziele und Grundsätze der auswärtigen Politik

Die auswärtige Kulturpolitik ist Bestandteil der Außenpolitik und muss die Interessen Deutschlands unterstützen, ihren Beitrag zum Weltfrieden leisten und die Verankerung der Menschenrechte sichern. Die Auslandsarbeit orientiert sich an demokratischen Normen und Werten. Es geht vor allem um die Bekämpfung der Armut, die Nachhaltigkeit des Wachstums und der Entwicklung.

Die kulturellen Aktivitäten der deutschen Akteure im Ausland präsentieren sich als Teil der europäischen Kultur und kennzeichnen Deutschland als einen Kulturstaat, der nach Dialog mit der internationalen Gemeinschaft strebt. Die Grundlagen der auswärtigen Kulturpolitik entwickeln sich aus der Basis der innerstaatlichen Kultur- und Bildungspolitik, wie die von Bund, Ländern und Gemeinden. Auch private Initiativen von Vereine und Bürgern werden miteinbezogen.

Die Konzeption beschränkt sich nicht nur auf Kulturvermittlung, auch der Kulturdialog soll gefördert werden und so der zwischenstaatlichen und zwischenmenschlichen Verständigung dienen. Dadurch kann auch für Deutschland ein Netzwerk von Freunden und Partnern entstehen, die für eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit von großer Bedeutung werden können.

Eine auswärtige Kulturpolitik muss auf der Basis von Gegenseitigkeit durchgeführt werden. Das heißt, dass auch die Partnerländer im Inland in Form einer kulturellen Selbstinterpretation vorgestellt werden sollen denn auch im Inland soll die Dialogkultur vorangetrieben werden.

Die Richtlinien der AKP unterliegen dem Auswärtigen Amt. Schwerpunkte sind Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Kultur-, Kunst- und Personenaustausch. Die Förderung der deutschen Sprache soll genauso wie deutsche Auslandschulen als Schlüssel zur deutschen Kultur fungieren.

Die AKP agiert mit der Entwicklungs- und Außenwirtschaftspolitik sowie der internationalen Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Technologie. Dabei muss eine Abstimmung mit den beteiligten Bundesressorts, Ländern und Nicht-Regierungsorganisationen stattfinden.

Die privatrechtlich organisierten Mittlerorganisationen sind frei in der Gestaltung ihrer Programme. In Deutschland herrschen Kulturfreiheit und eine pluralistische Gesellschaft mit verschiedenen Interessen. Die Mittlerorganisationen garantieren die Vielfältigkeit der Kulturarbeit im Ausland und sind von der Regierung bei der Gestaltung der Programmstrukturen unabhängig.

3.2 Gegenwärtige Herausforderungen der AKP

Bereits in den 70er Jahren wurden die Leitlinien für die AKP festgelegt. Nach der Wiedervereinigung und dem Zerfall der Sowjetunion erfolgte eine Neuorientierung auf neue Staaten des ehemaligen Ostblocks (GUS) und Asien. Im nachfolgenden Kapitel werden die veränderten Rahmenbedingungen auf europäischer und globaler Ebene kurz erwähnt.

Die Situation in der Nachkriegszeit sowie der Einfluss der Existenz zweier deutscher Staaten bestimmen nicht mehr die Gestaltung der AKP. Dennoch bleibt die Bewältigung des Nationalsozialismus und des Kommunismus und vor allem ihre Auswirkung auf die heutigen Generationen eine Aufgabe der Außenpolitik.

Um international wettbewerbsfähig zu sein, muss der Informationsaustausch auch durch die Medien und Internetportale vorangetrieben werden. Die Globalisierung und die rasante Entwicklung der Technologien sind heutzutage Elemente vieler modernen Volkswirtschaften, Kreativität und Bürgerfreiheiten sowie Individualrechte und Menschenrechte müssen gefördert werden.

Die Globalisierung bringt viele neue Chancen mit sich, führt aber auch zum Verblassen zahlreicher Regionalkulturen und Kulturformen. So wächst der Bedarf nach Dialog, Konfliktverhütung und die Förderung demokratischer Prozesse. Die europäische Gemeinde wächst durch die neuen Mitgliedstaaten aus Süd- und Osteuropa immer enger zusammen, es entwickelt sich dabei auch eine neue kulturelle Identität. Die Vielfalt in den Bereichen der europäischen Sprache, Geschichte und Kultur muss den Europäern nah gebracht werden.

Die Finanzierung der Kulturarbeit im Ausland wird in naher Zukunft unter Kürzungen und Sparmaßnahmen leiden, diese Maßnahmen sind in ihrem Kern jedoch eine gesamtstaatliche Aufgabe und die Qualität des Kulturangebots darf trotzdem nicht gefährdet werden. Langfristig soll möglich werden, die Finanzierung der Kulturarbeit wieder zu erhöhen, zurzeit beträgt sie weniger als 0,25% des Bundeshaushaltes.

3.3 Strategien für die unmittelbare Zukunft

In den kommenden Jahren wird die Hauptaufgabe der AKP darin bestehen, globale grenzenübergreifende Netzwerke des Vertrauens zu schaffen, wie beispielsweise durch die Errichtung von Foren des interkulturellen Dialogs zur Lösung von gemeinsamen Problemen.

Kulturinstitute und Schulen im Ausland, die staatlich finanziert sind, müssen verstärkt ich ihren Organisationsformen mit den örtlichen privaten und öffentlichen Partnern zusammenarbeiten. Dienstleistungen im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik sollen möglichst gegen Gebühren angeboten werden, damit Teile der entstehenden Kosten gedeckt werden können. Es muss weiterhin verstärkt Arbeit in ost- und südeuropäischen Staaten sowie in Schwellen- und Entwicklungsländer außerhalb Europas Arbeit geleistet werden. Auch Länder, die den Weg zum Aufbau einer wahren Demokratie eingeschlagen haben, müssten unterstützt werden.

Bei der Wahl der Kulturprogramme sollen vor allem Themen bestimmt werden, die Interesse an Deutschland erwecken und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort entgegenkommen. Diese sollen Informationen über das Leben in Deutschland erhalten, über das politische Bild und das gesellschaftliche Leben. In diesem Bereich ist vor allem die Rolle der Medien gefragt. Fernseh- oder Radiosender wie die Deutsche Welle können dabei eine große Rolle spielen. Die Qualität der Berichte und die Relevanz der Inhalte, die über Kultur, Wissenschaft, Politik und Hochschulen informieren, müssen dauerhaft überprüft werden.

Die Hauptzielgruppen in den jeweiligen Ländern sollen aus aktuellen und zukünftigen Entscheidungsträgern und Meinungsbildner in den Bereichen der Kultur, Politik und Wirtschaft bestehen.

Das Hauptinstrument bleibt nach wie vor der Austausch von jungen Menschen, denn der kulturelle bzw. interkulturelle Dialog ist nicht im großen Kollektiv durchführbar, er findet durch persönliche Begegnungen von Menschen verschiedener Kulturen statt.

Dennoch bestehen Hürden in Form von Visaerteilung, Anerkennung von Bildungsleistungen und Hochschulabschlüsse. Solche Barrieren behindern die Mobilität und die internationalen Begegnungen und widersprechen damit den Grundsätzen und Zielen der auswärtigen Politik. Die Zusammenarbeit zwischen den europäischen politischen Institutionen kann zur Überwindung solcher Hindernisse ihren Beitrag leisten und sollte daher verstärkt werden.

Eine erfolgreiche auswärtige Kulturpolitik muss auch nach Deutschland hineinwirken, schafft so ein Basis und erleichtert die Internationalisierung und die Verbreitung des deutschen Denkens, der deutschen Weltanschauung und Bildungspolitik.

3.4 Die kulturelle Programmarbeit

Die kulturelle Programmarbeit ist der eigentliche Schwerpunkt der auswärtigen Kulturpolitik. Durch sie wird das Bild von Deutschland als kreativen Kulturstaat in Europa in den jeweiligen Partnerländern vermittelt. Neben der Darstellung deutscher Kunst im Ausland entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Kultur des Dialoges und der Zusammenarbeit, die ihren Beitrag zum interkulturellen Dialog leistet und damit zur Erfüllung der Ziele der „Konzeption 2000“ beiträgt.

Wichtig für die Programmarbeit ist die Veröffentlichung von Büchern und Kulturzeitschriften, die Versorgung der Bibliotheken mit Lern- und Lesematerial, die Beteiligung an Buchmessen, die Übersetzung von bedeutender Literatur in den jeweiligen Sprachen, die Förderung von Film- und Musikfestival usw.

Die drei Hauptkriterien der Wahl geeigneter Projekte bestehen aus der künstlerischen Qualität des Angebots, der Bereitschaft des Partnerlandes, dies aufzunehmen und die Wirkung bzw. Akzeptanz der Empfänger. Für die Wahl werden Expertengremien vom Auswärtigen Amt, der Goethe Institute und der Mittlerorganisationen gebildet.

Ein wichtiges Kriterium ist die Subsidiarität. Künstlerische Projekte werden vom Auswärtigen Amt finanziell unterstützt, nur wenn diese keine Unterstützung vom Fond der Europäischen Union, der Bundesländer oder der Kommunen bzw. anderer Sponsoren erhalten.

Des Weiteren werden in „Konzeption 2000“ die Rolle und die Erwartungen an die Medienpolitik in der auswärtigen Kulturpolitik aufgegriffen. Mit Hilfe der neuen audio-visuellen Medien sollen globale Netzwerke aufgebaut werden und das Deutschlandbild im Ausland vermittelt werden – so kann um Sympathie und Interesse für die BRD geworben werden. Hauptakteure der auswärtigen Medienpolitik sind Fernsehsender mit Auslandsauftrag, dazu zählen die werbefreien öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme Deutsche Welle TV (DW-TV), 3sat und arte (www. auswaertige s amt.de).

[...]


[1] Im Deutschen wurde dies mit „Kampf der Kulturen“ übersetzt obwohl „Zusammenprall der Kulturen“ die genauere Übersetzung dafür wäre,

Details

Seiten
83
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656326687
ISBN (Buch)
9783656326823
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198709
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
auswärtige kulturpolitik bundesrepublik deutschland marokko

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Titel: Die Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland  in Marokko