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BASEL II - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung von Immobilienfinanzierungen und den möglichen Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft

Hausarbeit 2003 52 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1. BASEL II - WAS IST DAS EIGENTLICH?

2. DER BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT

3. CHRONOLOGISCHER ABLAUF DER EINFÜHRUNG VON BASEL I, DER ÜBERARBEITUNG BIS HIN ZUR EINFÜHRUNG VON BASEL II

4. BASEL I & BASEL II - INHALTE UND AUSWIRKUNGEN
4.1. EINE KURZE GEGENÜBERSTELLUNG

5. BASEL I
5.1. SPEZIFISCHE REGELUNGEN FÜR IMMOBILIENFINANZIERUNGEN
5.1.1. Wohnimmobilien
5.1.2. Gewerbeimmobilien

6. BASEL II
6.1. AUSWIRKUNGEN FÜR DIE IMMOBILIENWIRTSCHAFT - EIN ERSTER ÜBERBLICK
6.2. DER AUFBAU VON BASEL II
6.2.1. Die erste S ä ule - Die Mindestkapitalanforderungen
6.2.1.1. Das Kreditrisiko
6.2.1.1.1. Der Standardansatz
6.2.1.1.1.1. Spezifika für Forderungen, die mit Wohnimmobilien besichert sind
6.2.1.1.1.2. Spezifika für Forderungen, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind
6.2.1.1.1.2.1. Definitionen des Markt- und des Beleihungswerte
6.2.1.1.1.2.2. Ergänzende Rahmenbedingungen für die bevorzugte Behandlung gewerblicher Immobilienfinanzierungen
6.2.1.1.2. Der IRB-Ansatz
6.2.1.1.2.1. Finanzierung von gewerblichen Immobilien
6.2.1.1.2.1.1. Einkommensgenerierende gewerbliche Immobilien
6.2.1.1.2.1.2. Hochvolatile gewerbliche Realkredite
6.2.1.1.2.2. Private Wohnbaukredite
6.2.1.2. Das Marktrisiko
6.2.1.3. Das operationelle Risiko
6.2.2. Die zweite S ä ule - Das aufsichtliche Ü berpr ü fungsverfahren
6.2.3. Die dritte S ä ule - Die Marktdisziplin
6.2.3.1. Offenlegungspflichten f ü r bevorzugte gewerbliche Immobilienfinanzierung im Standardansatz
6.3. AUSWIRKUNGEN VON BASEL II AUF DIE IMMOBILIENWIRTSCHAFT
6.3.1. Auswirkungen auf die Projektentwicklung
6.3.2. Auswirkungen f ü r die Wohnungswirtschaft
6.3.3. Auswirkungen auf den Wohnimmobilienmarkt
6.3.4. Auswirkungen auf das Immobilien-Research
6.3.5. Neue Ideen und Finanzierungsm ö glichkeiten - Ein Ausblick

FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

ABB. 1: ABHÄNGIGKEIT DES ZINSSATZES UND DER EIGENKAPITALUNTERLEGUNG VON DEN KREDITRISIKEN (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG)

ABB. 2: DIE DREI SÄULEN DER NEUEN EIGENKAPITALVEREINBARUNG (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG, IN ANLEHNUNG AN: DEUTSCHE BUNDESBANK; A. A. O.)

ABB. 3: ABHÄNGIGKEIT DER EIGENKAPITALUNTERLEGUNG VON DEN KREDITRISIKEN (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG)

ABB. 4: RATINGEN-KLASSEN IM EXTERNEN ANSATZ (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN ANLEHNUNG AN STANDARD & POOR´S)

ABB. 5: RATING - VON DER RISIKOBEWERTUNG ZUM ZINSSATZ (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG)

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: BEWEGGRÜNDE FÜR BASEL II (QUELLE: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; ERLÄUTERNDE ANGABEN ZUR NEUEN BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2001; S 1)

TABELLE 2: AUFSICHTLICHE KATEGORIEN UND RISIKOGEWICHTUNG FÜR FINANZIERUNGEN EINKOMMENSGENERIERENDER GEWERBLICHER IMMOBILIENFINANZIERUNGEN (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 59)

TABELLE 3: AUFSICHTLICHE KATEGORIEN UND RISIKOGEWICHTUNG FÜR FINANZIERUNGEN HOCHVOLATILER GEWERBLICHER REALKREDITE (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG - KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 59)

TABELLE 4: BEWERTUNGSKRITERIEN - DIE STÄRKE DES BAUTRÄGERS / PROJEKTENTWICKLERS (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG - KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 214 F.)

TABELLE 5: BEWERTUNGSKRITERIEN - DIE FINANZIELLE STÄRKE DES PROJEKTES (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 212 F.)

TABELLE 6: BEWERTUNGSKRITERIEN - DIE MERKMALE DES OBJEKTES (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG - KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 213 F.)

TABELLE 7: BEWERTUNGSKRITERIEN - DIE ABSICHERUNG (QUELLE: EIGENE DARSTELLUNG IN INHALTLICHER ANLEHNUNG AN: BASELER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT; DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVERORDNUNG - KONSULTATIONSPAPIER 3; ÜBERSETZUNG DER DEUTSCHEN BUNDESBANK; 2003; S. 215 F.)

1. Basel II - Was ist das eigentlich?

Vor mehr als 10 Jahren (1988) hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, unter Leitung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, die derzeit geltenden Eigenkapitalvereinbarungen für Banken (BASEL I) veröffentlicht. Maßgeblich für die Immobilienwirtschaft war hier die derzeit noch geltende pauschale Reglung von 8% Eigenkapitalunterlegung der Bauaktiva.

„Seither haben sich das Bankgeschäft, die Risikomanagement-Praktiken, die Aufsichtsansätze und die Finanzmärkte grundlegend verändert“1, was dazu führte die geltende Eigenkapitalvereinbarung zu überarbeiten. So kam es erstmals 1999 zu einem überarbeiteten Vorschlag (1. Konsultationspapier).

Im Januar 2001 (2. Konsultationspapier) wurde durch den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht nach vielfachen Stellungnahmen der Fachwelt zu dem o. g. 1. Konsultationspapier, eine neuer Vorschlag zur neuen Eigenkapitalverordnung (BASEL II) zur Erhöhung der Stabilität des internationalen Finanzsystems vorgelegt, welche im April 2003 (3. Konsultationspapier) nochmals verifiziert wurde. Ebenfalls soll es noch in diesem Jahr bzw. zu Beginn des nächsten zur Herausgabe einer neuen, einer entgültigen Eigenkapitalübereinkunft (New Basel Capital Accord), ergo die Basis zur Umsetzung der neuen Eigenkapitalrichtlinien auf nationaler Ebene, kommen.

Ziel des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht ist die weitere Qualifizierung der bankenaufsichtlichen Regelungen, insbesondere der risikogerechten Eigenmittelunterlegungsvorschriften, da die bisherige Regelung alle Risiken nur pauschal bewertete, und Meldebestimmungen für international tätige Banken.

Wesentliche Neuerungen gegenüber BASEL I sind die Einführung von Ratings, wofür BASEL II drei Varianten vorsieht, den Standardansatz (Basis für Risikogewichtung sind hier externe Ratings), den IRB2 -Basisansatz (bankinterner Ratingansatz in der Basisversion) und den Fortgeschrittener IRB-Ansatz (interner Ratingansatz für Banken mit fortgeschrittenem Risikomanagement-System), und die Ausweitung der Anrechnungsmöglichkeiten von Kreditsicherheiten (z. B. Aktien, Anleihen etc.) und der Einbezug von operationellen Risiken. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Kredite nunmehr in noch mehr unterschiedliche Klassen eingeteilt werden. Für die Immobilienwirtschaft ergeben sich an dieser Stelle vielfältige Schnittstellen, besonders hervorzuheben ist jedoch, dass die Einteilung auch Immobilienfinanzierungen umfasst.

Die Grundidee von BASEL II ist es, die Höhe des Eigenkapitals der Banken künftig stärker an den individuellen Kreditrisiken sowie den operationellen Risiken zu orientieren. Neben diesen weit reichenden Konsequenzen für die Mindestkapitalanforderungen werden insbesondere auch höhere Anforderungen an das Risikomanagement und die Offenlegungsvorschriften gestellt. Banken mit niedrigen Risiken, sowohl Kredit- als auch operationale Risiken, werden künftig auch eine niedrigere Eigenkapitalausstattung vorhalten müssen und können somit auch selbst günstigere Finanzierungen vergeben. Natürlich auch vice versa. D. h. für den Kreditnehmer mit einer guten Bonität, dass er sich künftig zu günstigeren Konditionen mit Fremdkapital eindecken kann bzw. für den schlechter bewerteten, dass er eine höhere Zinslast bei der Aufnahme von Fremdkapital in Kauf nehmen muss.

2. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht

Der Ausschuss wurde 1975 unter Leitung der3 Bank für internationalen Zahlungsverkehr (BIZ / BIS)4 von den Zentralbanken der G10-Staaten gegründet. Er stellt ein Forum für regelmäßige Mitarbeit für die Überwachung des Bankverkehrs zur Verfügung.

Er setzt sich aus den Vertretern der nationalen Bankaufsichtbehörden und der Zentralbanken zusammen. Derzeit führt Jaime Caruana, Bank von Spanien, den Vorsitz.

Das wesentliche Ziel des Ausschusses ist es, eine Harmonisierung des Bankenrechts auf internationaler Ebene herbeizuführen, gleichzeitig werden so natürlich die Voraussetzungen für einen grenzüberschreitenden Wettbewerb der Banken geschaffen.5

Der mit dieser Zielvorgabe entwickelte Rahmen ist genau genommen nur die Basis für freiwillige Vereinbarungen zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden und den von Ihnen beaufsichtigten international aktiven Großbanken. „Für die „global player“ haben sie aber faktisch verbindlichen Charakter.“6 Ergänzend werden die Vorgaben im Allgemeinen über EU-Richtlinien Eingang in nationales Aufsichtsrecht finden. Aufgrund dieser weitreichenden Akzeptanz werden auch Staaten außerhalb der EU die BASEL II-Richtlinien in ihre nationalen Aufsichtssysteme übernehmen.

3. Chronologischer Ablauf der Einführung von BASEL I, der Überarbeitung bis hin zur Einführung von BASEL II

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. BASEL I & BASEL II - Inhalte und Auswirkungen

4.1. Eine kurze Gegenüberstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Beweggründe für BASEL II (Quelle: Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Erläuternde Angaben zur Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S 1)

BASEL I konzentrierte sich auf das gesamte Eigenkapital einer Bank, welches für die Begrenzung des Insolvenzrisikos und der Ausfallhaftung ggü. den Gläubigern maßgeblich ist.

Seit der Veröffentlichung von BASEL I ist eine lange Zeit vergangen. Das „Bankgeschäft, die Risikomanagement-Praktiken, die Aufsichtsansätze und die Finanzmärkte haben sich grundlegend verändert.“7 Eine Überarbeitung der alten Richtlinie, die nur starre Strukturen, einen einzigen Ansatz zum Unternehmensvergleich und nur ein Risikomaß kannte, war erforderlich. Das dynamischer und komplexer gewordenere internationale Umfeld der Finanzwirtschaft „kann Sicherheit und Solidität nur durch das Zusammenspiel von effizienter Geschäftsführung der Banken, Marktdisziplin und wirksamer Aufsicht“8 bieten.

BASEL II setzt auf die Regelungen der alten Eigenkapitalrichtlinie auf und zielt auf größere Sicherheit und Solidität in den internationalen Finanzsystemen ab: interne Kontrollsysteme, die Geschäftsführung der Banken, die Überprüfung durch die Aufsicht und die Marktdisziplin erhalten einen höheren Stellenwert. Nunmehr fließen also auch Kredit-, Markt-, Liquiditätsund operationelle Risiken in die Risikogewichtung mit ein.

5. BASEL I

„Der Hauptanstoss für die Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 war die Besorgnis der Zentralbankpräsidenten der G10-Länder, dass das Eigenkapital der wichtigsten Banken weltweit aufgrund des anhaltenden Verdrängungskampfes auf einen gefährlich tiefen Stand gefallen war. Banken benötigen Eigenkapital, um Verluste abzufedern, und es stellt einen Anreiz dar, ihre Geschäfte auf umsichtige Weise zu tätigen“9

BASEL I verlangt von den Banken, der G10-Staaten, dass sie zumindest 8% Eigenkapital ihrer risikogewichteten Aktiva halten. „Das Eigenkapital wird (grob gesehen) in zwei Klassen unterteilt: Eigenkapital der Klasse 1 sind das Aktienkapital und die einbehaltenen Gewinne, Eigenkapital der Klasse 2 sind zusätzliche interne und externe Ressourcen der Bank. Das ausgewiesene Eigenkapital einer Bank muss mindestens zur Hälfte aus Kapital der Klasse 1 bestehen.“10 „Bei der Risikomessung wird ein Ansatz nach einzelnen Portfolios gewählt, wobei die Forderungen entsprechend ihrer Schuldnerkategorie vier Risikogewichten (0%, 20%, 50% und 100%) zugeteilt werden.“11 D. h. also, dass für einige Forderungen (z. B. ggü. Staaten {z. B. Staatsanleihen}) keine Auflagen bzgl. der Eigenkapitaldeckung bestehen. Forderungen ggü. anderen Banken werden mit einer 20%igen Risikogewichtung betrachtet und sind somit mit 1,6% Eigenkapital zu unterlegen. Für fast alle weiteren Forderungen ggü. anderen als den o. g. Kreditnehmern gilt jedoch eine pauschale Risikogewichtung von 100%, die einer Standardeigenkapitalunterlegung von 8% entspricht, unabhängig davon, mit welchem Risiko die Finanzierung behaftet ist.

BASEL I hat mit diesen Forderungen vor allem die Ziele der angemessenen Ausstattung mit Eigenkapital der Banken und die Schaffung einheitlicher Wettbewerbsvoraussetzungen verfolgt. „Diese beiden Ziele sind erreicht worden. Die Verdienste der Eigenkapitalvereinbarung wurden allgemein anerkannt, und in den neunziger Jahren zum international akzeptierten Standard, der in weit über 100 Ländern im Bankwesen Anwendung fand.“12 Allerdings haben diese neuen Rahmenbedingungen auch vielfach dazu geführt, dass

Banken den gesetzlichen Spielraum der Bilanzpolitik in der Weise ausgenutzt haben, dass werthaltige Aktivposten aus der Bilanz entfernt bzw. in ihr geschmälert wurden, um so das gesamte Kreditportfolio in der Qualität durchschnittlich zu verschlechtern. Was natürlich in der logischen Folge zu einer insgesamt geringeren Hinterlegung mit Eigenkapital führte. „Außerdem erkennt [BASEL I] die Methoden zur Minderung des Kreditrisikos wie Sicherheiten und Garantien nur unzureichend an.“13

5.1. Spezifische Regelungen für Immobilienfinanzierungen

5.1.1. Wohnimmobilien

Der § 20 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4 Kreditwesengesetz (KWG) sowie das ergänzende

Rundschreiben vom 30.12.1996 des Bundesaufsichtsamtes für Kreditwesen (BAKred) regelt die Gewichtung für die derzeitige Eigenkapitalunterlegung des Kreditinstitutes für Wohnungsbaukredite i. H. v. 50%.14 Basis ist hierfür, dass die Immobilienfinanzierung durch Grundpfandrechte gesichert ist, die Immobilie vom Kreditnehmer selbst genutzt oder vermietet wird bzw. dass er als Leasinggeber einen Leasingvertrag mit Kaufoption bzw. einen ebensolchen Mietvertrag über dieselbe abgeschlossen hat und bis zum Ausüben der genannten Option selbige in seinem Eigentum bleibt, soweit die Option nicht 50% des Verkehrswertes15 übersteigt. Überschreitet der Kredit dieses Volumen, so ist für den Überschreitungsbetrag eine höhere Eigenkapitalunterlegung erforderlich.

5.1.2. Gewerbeimmobilien

Die derzeitig noch im Gewerbeimmobilienbereich gültigen

Eigenkapitalunterlegungsvorschriften und die entsprechenden Gewichtungen sind im Kreditwesengesetz (KWG) § 20 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 geregelt und wurden mit Rundschreiben vom 21.01.1999 ergänzt.16 Generell gilt hier eine Eigenkapitalunterlegung von 8%. Eine privilegierte Anrechnung, d. h. eine verringerte Eigenkapitalausstattung (50%-Gewichtung), kann nur dann angenommen werden, wenn die Immobilie überwiegend gewerblicher Nutzung, d. h. „nur Büroräume oder vielseitig nutzbare Geschäftsräume“17,18 sie im Inland oder im EU-Ausland, das die 50%-Gewichtung ebenfalls unterstützt) liegt und vom Eigentümer selbst genutzt oder vermietet wird. Bauträgerkredite sind von der verminderten Risikogewichtung ausgeschlossen. Um dieses Privileg wahrnehmen zu können, ist es erforderlich sowohl Verkehrs- als auch Beleihungswert zu ermitteln. Der jeweilige Anrechnungsfreibetrag errechnet sich dann durch den Vergleich von 60% des Beleihungsund 40% des Verkehrswertes, der jeweils niedrigere Betrag ist dann mit 50% zu gewichten.

6. BASEL II

Seit der Veröffentlichung von BASEL I ist eine lange Zeit vergangen. Das Bankgeschäft, die Praktiken des Risikomanagements, die Aufsichtsansätze und die Finanzmärkte haben sich geändert. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kreditinstitute wird immer wichtiger. Sie nehmen nicht nur Einlagen an und vermitteln diese an Kreditnehmer weiter, sondern stellen darüber hinaus vielfältige finanzielle Dienstleistungen zur Verfügung, die aufgrund ihrer Bilanzierungspflicht natürlich auch Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung der Bank haben. Die Banken gehen hier neben dem reinen Kreditausfallrisiko auch mit Markt-, Liquiditäts- und operationellen Risiken um, deren Vernachlässigung nicht nur für das einzelne Kreditinstitut sondern für die gesamte Volkswirtschaft Folgen haben könnte.19 Natürlich beugt jedes Kreditinstitut per se solchen Risiken vor. Darüber hinaus regelt die neue Eigenkapitalverordnung (BASEL II) die Aufsichtspflicht der nationalen Finanzaufsichtbehören, in Deutschland der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin)20, und sieht eine verstärkte Berücksichtigung ökonomischer Risiken, z. B. des Kreditausfallrisikos und der Marktänderungsrisikos, vor. Eine weitere wichtige Neuerung stellt die Einführung von Ratings dar, die als Grundlage der Bewertung von Krediten und ihren Risiken an Hand einer vorgesehen Gewichtung dienen und somit maßgeblich (neben den o. g. anderen Risiken und der spezifischen Bewertung des zu Finanzierenden) für die Höhe der Eigenkapitalunterlegung der Banken verantwortlich sind. In Abhängigkeit hiervon ergeben sich selbstverständlich auch die Kreditkonditionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Abhängigkeit des Zinssatzes und der Eigenkapitalunterlegung von den Kreditrisiken (Quelle: Eigene Darstellung)

6.1. Auswirkungen für die Immobilienwirtschaft - Ein erster Überblick

- BASEL II nimmt eine erweiterte Klassifizierung der Kreditnehmer ggü. BASEL I vor, Akteure der Immobilienwirtschaft werden verstärkt an ihrer Leistungsfähigkeit gemessen werden
- Immobilienfinanzierungen bekommen eine eigene Bonitätsklasse, risikobehaftete Objekte werden schlechtere Kreditkonditionen erhalten (Margenspreizung)
- Ausarbeitung und Anrechenbarkeit gewerblicher Realkredite hat an Ausmaß zugenommen: Es wird eine stärkere Berücksichtigung der jeweils aktuellen und der prognostizierten Marktlage, der Spezifika und der Leistungsfähigkeit des Objektes, der Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers und der Besicherung vorgenommen. (Hinsichtlich der Bewertung Marktwert / Beleihungswert ist eine weitere Forcierung auf die internationalen Immobilienbewertung zu erwarten)21
- Eine eventuelle Kreditverteuerung führt zur Suche und zum Ausweichen auf neue Finanzierungsmodelle.
- Nicht nur die Immobilienwirtschaft als primärer Kreditnehmer wird geratet werden, sondern auch die Nachfrager von Immobilien, z. B. könnte u. U. der Absatz von Wohnimmobilien zurückgehen.

[...]


1 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Erläuternde Angaben zur Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S. 3

2 IRB - Iternal Ratings-Based Approach

3 ausführlich hierzu: Bank for International Settlement; Fact sheet: Basel Committee on Banking Supervision; November 2003; http://www.bis.org/about/factbcbs.htm, 20.11.2003

4 BIZ - Bank für internationalen Zahlungsverkehr; BIS - Bank for International Settlement

5 vgl. Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; BASEL II - Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft; Stuttgart 2001; S. 3

6 Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; a. a. O.; S. 3

7 vgl. hierzu: Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Erläuternde Angaben zur Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S. 1

8: Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Erläuternde Angaben zur Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S. 1

9 Sekretariat des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Überblick über die Neue Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S. 11

10 Sekretariat des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht; Überblick über die Neue Baseler Eigenkapitalverordnung; Übersetzung der Deutschen Bundesbank; 2001; S. 11

11 Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; a. a. O.; S. 3 f.

12 Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; a. a. O.; S. 4

13 Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; a. a. O.; S. 5

14 vgl. hierzu: Kreditwesengesetz (KWG) § 20 Abs. 3 Satz 2 Nr. 4; Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen (BAKred) (jetzt Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin)); Rundschreiben 16/96 Anrechnungserleichterung für dinglich auf Wohneigentum gesicherte Kredite (Verkehrswert, Freibetragsregelung, Bewertungsvorschriften); Berlin 1996

15 Alternativ kann hier auch der Beleihungswert als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Dessen Berechnung und Anrechenbarkeit ist ebenfalls in dem o. g. Rundschreiben 16/96 des BAKred beschrieben.

16 vgl. hierzu: Kreditwesengesetz (KWG) § 20 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5; Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen (BAKred) (jetzt Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin)); Rundschreiben 02/99 Anrechnungserleichterungen für Realkredite (Beleihungswert, Freibetragsregelung, Beschränkung auf inländische Beleihungen); Berlin 1999

17 Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen (BAKred) (jetzt Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin)); Rundschreiben 02/99 - Anrechnungserleichterungen für Realkredite (Beleihungswert, Freibetragsregelung, Beschränkung auf inländische Beleihungen); Berlin 1999

18 Geschäftsräume im Sinne des Rundschreibens sind auch Lager und Gewerberäume (vgl. hierzu: Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; a. a. O.; S. 5)

19 ausführlich hierzu: Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; Lorenz, Tanja; a. a. O.; S. 6

20 Information von: Sparkasse Goslar/Harz

21 ausführlich hierzu: Gondring, Prof. Dr. Hanspeter; a. a. O.; S. 7

Details

Seiten
52
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638239066
Dateigröße
937 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19873
Institution / Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen – Fachbereich Bauingenieurswesen / Studiengang Immobilienwirtschaft und -management
Note
1,7
Schlagworte
BASEL Berücksichtigung Immobilienfinanzierungen Auswirkungen Immobilienwirtschaft Studiengang Vorlesung Projektentwicklung Semester)

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Titel: BASEL II - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung von Immobilienfinanzierungen und den möglichen Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft