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Wirtschaftspolitik in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion

Der Euro als gemeinsame Währung

Seminararbeit 2011 27 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Der Weg zu einer europäischen Gemeinschaftswährung
2.2 Vorteile des Euro als europäische Gemeinschaftswährung
2.2.1 Vorteile für den privaten Konsumenten
2.2.2 Vorteile für Unternehmen und die Wirtschaft
2.2.3 Vorteile für die Mitgliedsstaaten
2.2.4 Rückkehr Deutschlands zur D-Mark und deren möglichen Auswirkungen
2.3 Konsequenzen für weitere Bereiche der Wirtschaftspolitik
2.3.1 Geldpolitik
2.3.2 Finanzpolitik/ Fiskalpolitik
2.4 Konvergenz innerhalb der Eurozone
2.4.1 Konvergenzbereiche
2.4.2 Universelle Geldpolitik und daraus resultierende Konvergenzproblematik

3 Schlusswort

4 Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Seminararbeit über die Wirtschaftspolitik in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beschäftigt sich mit der Thematik des Euro als eine gemeinsame Währung in Europa. Dabei liegt der Schwerpunkt auf vier Bereichen meines Seminarthemas.

Zu Beginn erfolgt ein Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Europäischen Währungsunion. Danach werden die Vorteile des Euro als Gemeinschaftswährung aufgezeigt und näher erläutert. Des Weiteren wird sich mit den Konsequenzen im Bereich der Geld- und Fiskalpolitik befasst. Schließlich spielen Konvergenzen innerhalb der Eurozone eine wichtige Rolle und werden genauer dargestellt und analysiert.

Dieses volkswirtschaftliche Seminar habe ich als Betriebswirt gewählt, weil nach der Veranstaltung Makroökonomie II ein Interesse im Bereich Geld- und Währungspolitik bei mir entstand. Gerade die momentane EU-Schuldenkrise, die den Euro stark belastet, macht dies zu einem aktuellen Thema. Meine Motivation in der Ausarbeitung dieser Seminararbeit ist darin begründet, die Mechanismen der europäischen Geld- und Wahrungspolitik besser zu verstehen und mir in diesem Bereich fachspezifisches Wissen anzueignen. Dieses volkswirtschaftliche Wissen dient mir im privaten Bereich dazu, die aktuelle, von den Medien dargestellte Eurokrise genauer zu verstehen. Einen weiteren Nutzen stiftet diese Ausarbeitung meiner Qualifikation als Betriebswirt, weil ich ein fundiertes Verständnis über den Wirtschaftsraum Europa erhalte.

2 Hauptteil

2.1 Der Weg zu einer europäischen Gemeinschaftswährung

Nach der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahre 1957 durch die Verträge von Rom wurde der erste Schritt in Richtung eines gemeinsamen Wirtschaft- und Währungsraumes in Europa vollbracht. Ein großes und ambitioniertes Ziel war ab diesem Zeitpunkt die Errichtung einer einheitlich koordinierten Wirtschafts- und Währungsunion. Im Jahr 1969 wurde dieses Ziel von den Staats- und Regierungschefs aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft auf der Gipfelkonferenz von Den Haag in ihren Grundsätzen verankert. Es entstand ein Stufenplan, der innerhalb von zehn Jahren eine einheitliche Währungsunion in Europa integrieren sollte. Dieser sogenannte Werner-Plan, der nach dem luxemburgischen Premierminister Pierre Werner benannt wurde, basierte auf dem Wechselkurssystem nach Bretton-Woods.[1] Fixe Wechselkurse wurden dabei angenommen und alle weiteren Währungen richteten sich nach der Wechselkursentwicklung des US-Dollars. Zudem war der US-Dollar an das Edelmetall Gold gekoppelt, den sogenannten Goldstandard. Im Jahr 1971 wurde dieser Goldstandard aufgrund von geldpolitischen Interessen der USA aufgehoben und das System der fixen Wechselkurse nach Bretton-Woods neigte sich seinem Ende zu. Damit war die ambitionierte Zielsetzung zur Errichtung einer einheitlichen Wirtschafts- und Währungsunion in einem Zeitraum von zehn Jahren nicht mehr möglich. Die Grundlagen und Voraussetzungen haben sich mit dem Wechsel von einem fixen zu einem flexiblen Wechselkurssystem fundamental geändert. Dies hatte zur Folge, dass es zu Meinungsunterschieden zwischen den europäischen Partnern über die Grundfragen des Wechselkurssystems kam. Es folgte ein vorübergehender Stillstand bei der Ausarbeitung einer neuen Lösung zur Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums in Europa. Die Gründe dafür lagen in der wirtschaftspolitischen Divergenz der einzelnen Mitgliedsstaaten und der ökonomisch turbulenten Periode der siebziger Jahre, die geprägt war von Wechselkursrisiken und zwei einschneidenden Ölpreiskrisen. Erst im Jahr 1979, während der zweiten Ölpreiskrise, wurde mit dem Inkrafttreten des Europäischen Währungssystems der Stillstand überwunden. Dieser Zeitpunkt galt als Meilenstein bei der Integration einer Wirtschaft- und Währungsunion in Europa.[2] Das neue Europäische Währungssystem bestand zum einen aus einer Referenzwährung, der sogenannten European Currency Unit, die einen Warenkorb aus den Währungen aller Mitgliedsstaaten darstellte und aus deren gewichtetem Mittel errechnet wurde. Unterstützt wurde das Europäische Währungssystem von einem Wechselkursmechanismus, der alle Währungen an die European Currency Unit koppelte und die Wechselkursschwankungen innerhalb einer Bandbreite von +/-2,25% fixieren sollte. Die nationalen Zentralbanken hatten durch geldpolitische Devisenmarktintervention die Aufgabe, sich nach dieser vorgegebenen Volatilitätsbeschränkung zu richten und diese möglichst einzuhalten. Mit gezielten Devisenverkäufen und -käufen sollte die Geldmenge der einzelnen Währungen und damit die nationalen Wechselkurse gesteuert werden. Bei starken Aufwertungstendenzen kaufte die nationale Zentralbank Devisen, um der Aufwertung entgegenzuwirken. Durch den Kauf von Devisen steigt die Geldmenge der nationalen Währung, weil Devisen in der heimischen Währung bezahlt werden. Die Erhöhung der Geldmenge führt zu einem Ungleichgewicht von Geldangebot und Geldnachfrage auf dem Devisenmarkt für die nationale Währung. Damit sich das Geldmengengleichgewicht wieder einstellen kann, muss der nationale Wechselkurs abgewertet werden. In einem umgekehrten Vorgehen lässt sich so auch einer Abwertungstendenz entgegenwirken.[3] Dieser Wechselkursmechanismus wird in dem Mundell-Fleming-Modell aus der Makroökonomie abgebildet. Schließlich gehörte als weitere Komponente zum Europäischen Währungssystem ein Kreditmechanismus, wobei jedes Mitgliedsland zwanzig Prozent seiner Währungs- und Goldreserven auf einen gemeinsamen Fonds übertrug.[4]

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und darauffolgender Wirtschaftsturbulenzen Anfang der neunziger Jahre geriet das Europäische Währungssystem unter starken Druck. Es kam zu starken Währungsturbulenzen, wobei die italienische Lira und das britische Pfund 1992 aus dem Wechselkursverbund ausschieden. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Europäischen Währungssystems führte dazu, dass die EU-Regierungen einen erneuten Versuch unternahmen zur Errichtung einer echten Währungsunion mit einer einheitlichen Währung.[5] Diese Bemühungen führten zu dem Maastricht-Vertrag, der am 01.11.1993 in Kraft trat und der das Fundament einer zukünftigen Wirtschafts- und Währungsunion mit dem Euro als gemeinsame Währung darstellte. Zur reibungslosen Implementierung des gemeinsamen Währungsraumes in Europa wurden im Maastricht-Vertrag Konvergenzkriterien festgelegt, an denen sich die Mitgliedsstaaten orientieren mussten, um den Euro einführen zu können. Ein Konvergenzkriterium aus dem Maastricht-Vertrag ist die Preisstabilität, die über den harmonisierten Verbraucherpreisindex gemessen wird. Bei diesem Kriterium wird vorausgesetzt, dass die Inflation in den einzelnen Mitgliedsländern nicht mehr als 1,5 Prozent über der durchschnittlichen Inflationsrate der drei Mitgliedsländer mit dem besten Resultat auf dem Gebiet der Preisstabilität liegt. Weiterhin müssen die öffentlichen Finanzen der Euromitgliedsländer und der Beitrittskandidaten solide sein. Als Kriterium heißt dies für die Euro-Staaten, dass das jährliche Haushaltsdefizit nicht mehr als 3% des BIP betragen darf. Außerdem darf die Gesamtstaatsverschuldung eines Landes nicht über dem Referenzwert von 60% des BIP liegen. Für eine dauerhafte Konvergenz müssen auch die Zinssätze niedrig bleiben. Deshalb sollten die langfristigen Zinssätze nicht mehr als 2% über dem Nominalzinssatz der drei Mitgliedsstaaten mit den niedrigsten Zinssätzen liegen. Schließlich gilt das Kriterium der Wechselkursstabilität, wobei an einem Wechselkursmechanismus für zwei Jahre, ohne eine starke Abweichung vom Leitkurs, teilgenommen werden muss. Am 01.01.1999 wurde der Euro eingeführt und das neu konzipierte Eurosystem übernahm die Verantwortung für die Geldpolitik in der Eurozone. An oberster Stelle für die Geldpolitik steht seit diesem Zeitpunkt die Europäische Zentralbank und ihr sind die nationalen Zentralbanken untergeordnet.

Der Euro galt in der dreijährigen Übergangsphase nur als Buchgeld und löste die nationalen Währungen erst am 01.01.2002 mit der Bargeldumstellung ab. Damit war die Vision eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraumes nach jahrzehntelangen Bemühungen Wirklichkeit geworden. Bis dato führten bereits siebzehn Staaten den Euro als Währung ein.[6]

Es stellt sich aber die Frage, ob diese einheitliche Wirtschafts- und Währungsunion den komplexen Anforderungen der Zukunft gewachsen ist und inwieweit sie in Bezug auf krisenbedingte Schocks belastungsfähig ist.

2.2 Vorteile des Euro als europäische Gemeinschaftswährung

2.2.1 Vorteile für den privaten Konsumenten

Im privaten Bereich brachte die Einführung des Euro den Einwohnern der Mitgliedsstaaten aus der Eurozone einige praktische und finanzielle Vorteile. Eine praktische und von der Bevölkerung direkt wahrgenommene Vergünstigung des Euro ist das einheitliche und problemlose Bezahlen innerhalb aller Länder der Eurozone. Zahlreiche Menschen nutzen die Vorteile der vereinfachten und vergünstigten Reisemöglichkeiten innerhalb des Euroraumes. Das ständige Wechseln von Geld an den Grenzen der Länder entfällt mit dem Euro und somit sparen sich die Reisenden innerhalb der Eurozone die Wechselgebühren. Zudem ist ein Umrechnen beim Kauf von Waren in die einheimische Währung nicht mehr nötig, was eine erhöhte Preistransparenz für die Konsumenten mit sich bringt.[7]

Diese erhöhte Preisdurchsichtigkeit fördert außerdem den Wettbewerb auf dem Euro-Binnenmarkt. Mit der Eurozone wurde ein größerer und einheitlicher Absatzmarkt geschaffen, worauf nun die Unternehmen miteinander stärker konkurrieren.

Viele Firmen hatten vor der Euro-Einführung in den nationalen Märkten eine sichere bzw. monopolähnliche Marktposition, weil sie durch die heimische Währung und die Wechselkursrisiken einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ausländischen Unternehmen hatten. So war zum Beispiel ein Unternehmen D aus Deutschland, welches ein Gut in Italien verkaufen wollte, einem erhöhten Risiko von Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Das in Italien ansässige Unternehmen I, welches das gleiche Gut wie D abgesetzt hatte, war diesen Wechselkursrisiken nicht ausgesetzt und konnte in Italien konstante Gewinne erwirtschaften. Die Absätze und Gewinne des Unternehmens D waren hingegen von den Wechselkursen abhängig. Eine starke D-Mark würde dann für das Unternehmen D in Italien bei vollständiger Substituierbarkeit der zwei Güter zu einem preislichen Wettbewerbsnachteil führen, wodurch der Absatz und die Gewinne des deutschen Unternehmens einbrechen würden. Mit der Euro-Einführung wurden diese Wettbewerbsnachteile aufgelöst, da die Unternehmen in der Eurozone nicht mehr den Wechselkursrisiken unterliegen.[8]

Durch die Steigerung des Wettbewerbs sind die Güterpreise für die Konsumenten gesunken und haben sich in der Eurozone auf einem einheitlichen Niveau angeglichen. Auf dem neu geschaffenen europäischen Binnenmarkt hat sich mit dem Euro die Marktform ähnlich der vollständigen Konkurrenz durchsetzt. Diese Marktform ist für die Konsumenten wohlfahrtsoptimaler, weil die Konsumentenrente durch die Preissenkungen steigt und diese stärker in die Wohlfahrt eingeht als die Produzentenrente. Die Produzentenrente besteht aus den aggregierten Deckungsbeiträgen der Unternehmen. Die Konsumentenrente hingegen gibt die Differenz zwischen Zahlungsbereitschaft der Konsumenten und ihren Ausgaben für das Gut wieder. Der Euro schafft damit für die privaten Haushalte im Eurogebiet eine höhere Produktauswahl zu günstigeren Preisen. Anhand Abbildung 1 (im Anhang auf S. 22) ist beispielsweise eine Preisangleichung auf dem Kraftfahrzeugmarkt zu erkennen. Auch die darauffolgende Abbildung 2, die einen Index für die Konsumentenpreise für alle Verbrauchsgegenstände nach Ländern darstellt, verdeutlicht einen Preisrückgang.

Für die Bevölkerung sind jedoch nicht nur die niedrigeren Preise, sondern auch stabile Preise vorteilhaft. Ein stabiles Preisniveau, das heißt eine niedrige Inflationsrate von unter 2%, ist das Hauptziel der Europäischen Zentralbank.[9] Abbildung 3 (im Anhang auf S. 23) zeigt einen klaren Rückgang der Inflation bei den Eurostaaten auf das EZB-Inflationsziel von annähernd 2%. Dieses Inflationsziel trägt zu einer Wertsicherung des privaten Geldanlagevermögens und zu einer konstanten Kaufkraft bei. Inflation wirkt sich zum einen negativ auf die Ersparnis aus, weil das Geld auf Sparkonten an Wert verliert und dadurch der zukünftige Konsum sinkt. Auch sinkt die private Kaufkraft, wenn bei Inflation die Löhne nicht direkt angehoben werden.

Für die Realwirtschaft würde die Verringerung des Konsums zu einem Absatzrückgang führen und damit wirtschaftlich schädlich sein, weshalb die Inflationsbekämpfung für die Europäische Zentralbank das wichtigste Ziel ist. Mit der Bemühung, die Inflation niedrig zu halten, bleiben auch die Zinsen zum Beispiel für Hypotheken und sonstigen Krediten auf einem niedrigen Niveau. Die konstante und niedrige Inflation führt zu mehr Sicherheit auf dem Wirtschafts- und Finanzmarkt. Die Marktteilnehmer wie Banken benötigen damit keine Risikoprämien, die sich in Form von höheren Langfristzinsen abbilden. Abbildung 4 (im Anhang auf S. 23) zeigt ein deutliches Sinken der Hypothekenzinsen auf ein einheitliches Niveau für die dargestellten Länder. Staaten wie Spanien und Portugal hatten in der Vergangenheit ein deutlich höheres Zinsniveau auf dem Hypothekenmarkt als Länder wie Irland und Finnland. Für die privaten Konsumenten bedeutet ein niedriger Kreditzins, dass sie sich günstiger verschulden können, wie zum Beispiel bei der Finanzierung einer Immobilie.[10] Im Gesamten bringt der Euro den privaten Verbrauchern viele Vorteile, die möglicherweise nicht ganz wahrgenommen werden. Dies liegt daran, dass viele Menschen nicht über das nötige wirtschaftswissenschaftliche Wissen verfügen, um die Vorzüge des Euro zu erkennen.

Für viele Konsumenten gilt der Euro noch als „Teuro“, da sie mit ihm die in einigen Bereichen erfolgten Preiserhöhungen verbinden. Erfahrungsgemäß sind vor allem die Preise für Alltagsprodukte und -dienstleistungen wie Restaurantbesuche gestiegen. Jedoch besagt der Verbraucherpreisindex, dass die Preise eben nach der Euroeinführung kaum gestiegen sind. Vielmehr führt der Euro durch die niedrige Inflation und den gesteigerten Wettbewerb zu einer Preisreduktion.

2.2.2 Vorteile für Unternehmen und die Wirtschaft

Der Euro bringt nicht nur den privaten Konsumenten Vorteile, sondern auch den in der Eurozone ansässigen Unternehmen.

Die Unternehmen befinden sich nun in einem erhöhten Wettbewerb, der zunächst für die einzelne Unternehmen als negativ zu bewerten ist. Durch die erhöhte Konkurrenz und die entstandene Preistransparenz für die Konsumenten ist es für die Unternehmen schwieriger geworden, hohe Preise durchzusetzen und damit Gewinne zu erwirtschaften. Der strengere Wettbewerb hat aber auch positive Effekte auf die einzelnen Firmen, denn diese müssen, um im Wettbewerb zu bestehen, effizienzorientiert wirtschaften. Die Unternehmen müssen somit ihre Kostenstrukturen stärker optimieren, um bei fallenden Absatzpreisen trotzdem noch Gewinne zu erzielen. Dies können sie zum Beispiel durch Skalen- und Lernkurveneffekte bewirken, wobei durch eine Ausweitung der Produktion Kostendegressionseffekte genutzt werden können. Auch Verbundeffekte, die durch Synergien von verschiedenen Produktarten innerhalb eines Unternehmens entstehen, führen zur Kostenreduktion. Die Unternehmen müssen mit Blick in die Zukunft eine innovative Firmenstrategie verfolgen, damit sie ihre Konkurrenzfähigkeit durch neue Produkte absichern. Mehr Wettbewerb steigert nicht nur die Effizienz bzw. Produktivität der europäischen Unternehmen, sondern fördert Innovationen und den technischen Fortschritt in Europa. Auf globaler Ebene nimmt dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu und diese können sich besser auf dem Weltmarkt behaupten.[11]

Ein weiterer Vorteil ist die zuvor schon erwähnte niedrige und stabile Inflationsrate, die mit niedrigen Zinsen einhergeht. Eine niedrige Inflationsrate wirkt sich positiv auf den Konsum und die Nachfrage nach Gütern sowie Dienstleistungen aus und stabilisiert damit die wirtschaftliche Produktion. Das niedrige Zinsniveau ist für Investitionen in die Realwirtschaft förderlich.[12] Die Kredite für Firmen sind zinsgünstig, wodurch Betriebsmittel und sonstige Projekte preiswerter finanziert werden können.[13] Modernere Betriebsmittel in Form von Maschinen etc. ermöglichen wiederum eine höhere Produktivität und führen zu mehr Wachstum in der Wirtschaft. Gerade bei langfristigen Investitionen spielt der Marktzins im Bezug auf die Rentabilität eines Investitionsprojektes eine wichtige Rolle. Ein stabiler und niedriger Zins mindert das Risiko und verkürzt die Amortisationszeit des Investitionsprojektes. Der Kapitalwert ist eine weitverbreitete Möglichkeit, Investitionen nach ihrer Rentabilität zu bewerten, und gibt die Vermögensmehrung durch das realisierte Projekt zum Gegenwartszeitpunkt wieder. Hierbei werden die zukünftigen Cashflows aus einem Investitionsprojekt, das zum Beispiel aus einer Maschinenanschaffung bestehen könnte, mit dem Marktzins abdiskontiert. Ein niedriger Marktzinssatz führt somit zu einer niedrigeren Diskontierung, wodurch der Kapitalwert höher ist als bei einem hohen Zins und sich das Projekt früher amortisiert. Ein konstanter Marktzins reduziert außerdem das Risiko einer Fehlbewertung in der Investitionsrechnung. Oft können geringere Zinsschwankungen dazu führen, dass das Projekt nicht mehr rentabel ist und einen negativen Kapitalwert aufweist.

Vor dem Euro und dem Europäischen Währungssystems lag für die europäischen Unternehmen, die international in Europa tätig waren, ein erhöhtes Wechselkursrisiko vor, weil es zwischen den Kurswerten der einzelnen Länderwährungen hohe Unterschiede gab. Die Abbildungen 5a und 5b (im Anhang auf S. 24) stellen die einzelnen Wechselkurse einiger Eurostaaten bezogen auf den US-Dollar vor der Euroeinführung dar. Anhand der Graphiken kann man erkennen, dass in den siebziger und achtziger Jahren die Wechselkurse Deutschlands und Österreichs deutlich über denen von Italien, Spanien, Portugal etc. lagen. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre hingegen kam es aufgrund der Einführung des Europäischen Wechselkurssystems und der bevorstehenden Euro-Einführung zu einem Angleichen der einzelnen Wechselkurse. Die Kurse der Länder Deutschland, Österreich und Frankreich sanken auf einen Wert von 0,8, wohingegen die Wechselkurse von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien Mitte der achtziger stark anstiegen und ab den neunziger Jahren jeweils einen Wechselkurswert zwischen 0,7 und 0,8 erreichten. Für die Firmen ist der Wegfall des Wechselkursrisikos innerhalb der Eurozone vorteilhaft, denn diese Markteintrittsbarriere fiel damit weg und das geringere Risiko fördert den internationalen Handel und die Investitionstätigkeit in der Währungszone.[14]

Vor allem für kleinere Unternehmen mit geringerem Vermögen entfallen die Wechselkursunsicherheiten, die diese zuvor abgeschreckt haben, international zu agieren. Mit dem Euro entfielen die Wechselgebühren für den internationalen Handel in der Eurozone, die sich zuvor auf ca. 20 bis 25 Milliarden Euro jährlich[15] beliefen. Durch die Senkung der Transaktionskosten sparte die Wirtschaft liquide Mittel ein, die sie effizienter in Investitionen einsetzten konnte. Die handelsschädlichen Preisaufschläge der Unternehmen, die zur Kompensation des Wechselkursrisikos und der Wechselgebühren eingesetzt wurden, fallen folglich mit dem Euro weg.

Allgemein hat die Wirtschaft der Eurozone stark von der Gemeinschaftswährung profitiert und positive wirtschaftliche Impulse erhalten.

2.2.3 Vorteile für die Mitgliedsstaaten

Das Hauptziel eines Staates in einer Volkswirtschaft ist die Maximierung der Gesamtwohlfahrt. Die Vorteile der Euro-Einführung für die privaten Konsumenten und der Unternehmen haben die Wohlfahrt in den Mitgliedsstaaten durch mehr Wettbewerb, höhere Preisstabilität und Transaktionskostenminderung erhöht.

Die Gesamtwohlfahrt ist vereinfacht definiert als Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente. Durch einen höheren Wettbewerb und die damit geringeren Preise erhöht sich die Konsumentenrente und reduziert sich die Produzentenrente. Die Wohlfahrt erhöht sich, da die Konsumentenrente überproportional im Vergleich zum Sinken der Produzentenrente steigt. Bezogen auf den Wettbewerb reduziert sich die Produzentenrente, aber Kostenersparnisse aus Effizienz- und Produktivitätssteigerungen sowie Transaktionskostenminderungen wirken dem Sinken entgegen. Im Saldo hat sich de facto die Gesamtwohlfahrt für die einzelnen Staaten erhöht.

Durch die niedriggehaltene Inflation wird außerdem der Wertverzehr des Vermögens von Bevölkerungsgruppen mit niedrigerem Einkommen verhindert und der Unterschied von Arm und Reich wird in der Gesellschaft nicht noch weiter vergrößert.

Der geschaffene Binnenmarkt in der Eurozone gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsmärkten auf der Welt. Deshalb haben die Staaten im Aggregat durch die Eurozone eine stärkere wirtschaftliche Bedeutung und Einfluss auf den Weltmarkt, als sie es alleine je gehabt hätten.[16]

[...]


[1] Vgl. Tietmeyer, Herausforderung Euro, 2005; S. 20 ff..

[2] Vgl. Issing, Der Euro, 2008, S. 3 ff..

[3] Vgl. Burda/ Wyplosz, Makroökonomie: Eine europäische Perspektive, 3. Auflage, 2009, S. 339 ff..

[4] Vgl. Fontaine, Europa in 12 Lektionen, 2007, S. 33.

[5] Vgl. ebenda.

[6] Vgl. Europäische Kommission, Eine Währung für ein Europa: Der Weg zum Euro, 2009, S. 1 ff.;

Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Zehn Jahre Euro, S. 20 ff., 2008.

[7] Vgl. Europäische Kommission, Eine Währung für ein Europa: Der Weg zum Euro, 2009, S. 15;

[8] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Zehn Jahre Euro, 2008, S. 46 ff..

[9] Vgl. Europäische Kommission, Eine Währung für ein Europa: Der Weg zum Euro, 2009, S. 14.

[10] Vgl. http://ec.europa.eu/economy_finance/euro/why/consumer/index_en.htm, 02.07.2011.

[11] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Zehn Jahre Euro, 2008, S. 58 ff..

[12] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Zehn Jahre Euro, 2008, S. 30 ff..

[13] Vgl. http://ec.europa.eu/economy_finance/euro/why/business/index_en.htm, 02.07.2011.

[14] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Zehn Jahre Euro, 2008, S. 56 ff..

[15] Europäische Kommission.

[16] Vgl. Europäische Kommission, Eine Währung für ein Europa: Der Weg zum Euro, 2009, S. 14 ff..

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656251590
ISBN (Buch)
9783656253693
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198743
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Lehr- u. Forschungsgebiet Volkswirtschaftslehre, insb. angewandte Wirtschaftsforschung mit empirischem Schwerpunkt
Note
1,3
Schlagworte
EU-Schuldenkrise Geldpolitik Fiskalpolitik D-Mark Rückkehr Euro-Aus Konvergenz Vorteile des Euro

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Titel: Wirtschaftspolitik in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion