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Modelle zur Erklärung von Gesundheit und Krankheit

©2012 Hausarbeit 25 Seiten

Zusammenfassung

In der Gesellschaft ist Gesundheit als lebensbegleitender Wunsch neben Wünschen wie Frieden, Arbeit und Wohlstand, fest verankert. Dementsprechend nimmt sie eine zentrale Rolle im Leben des Menschen ein. Viele Wissenschaftsbereiche (Medizin, Psychologie, Soziologie) haben sich mit der Thematik Gesundheit beschäftigt. Jedoch lässt sich festhalten, dass keine allgemein anerkannte Definition von Gesundheit und Krankheit existiert. Die im Alltag gebräuchlichste Sichtweise von Gesundheit und Krankheit ist wohl die medizinische Sichtweise. Typisch hierfür ist es, dass nicht die Gesundheit, sondern ausschließlich die Krankheit definiert und betrachtet wird. Nach dieser Sichtweise kann Gesundheit als Abweichung von bestimmten messtechnischen Normen, betrachtet werden. Ein Individuum wird nur dann gesund angesehen, wenn im Körper keine Defekte vorliegen oder negative Einwirkungen fehlen. Typisch für die medizinische Sichtweise ist das Risikofaktorenmodell für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit.

Eine viel weitgreifendere Betrachtungsweise von Gesundheit und Krankheit stammt aus der Gesundheitspsychologie. Neben der Betrachtung von Krankheit, wird hier vorrangig und primär die Gesundheit eines Menschen herausgestellt. Gesundheit wird positiv definiert, sie ist „das Vorhandensein von psychischer Kompetenz und Wohlbefinden, als Voraussetzung und Ergebnis der Bewältigung externer und interner Anforderungen“. Ein typischer Ansatz ist hier das Salutogenesemodell von Antonovsky (1979) und das Anforderungs-Ressourcen-Modell von Becker (1992). Aus soziologischer Sichtweise wird Krankheit als abweichendes Verhalten empfunden. Gesundheit hingegen ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit. Unter anthropologischen Gesichtspunkten nimmt das Wohlbefinden in Form des selbstaktualisierten Wohlbefindens bei der Bestimmung von Gesundheit, eine zentrale Rolle ein.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Modelle zur Erklärung von Krankheit und Gesundheit
2.1 Risikofaktorenmodell am Beispiel der Koronaren Herzkrankheit
2.1.1 Entstehung
2.1.2 Eigenschaften und Funktionsweise
2.1.3 Kritik und Grenzen
2.2 Salutogenesemodell
2.2.1 Entstehung des Modells
2.2.2 Gesundheits-Krankheitskontinuum
2.2.3 generalisierte Widerstandquellen / Kohärenzsinn
2.2.4 Sport und Gesundheit im Salutogenesemodell
2.3 Systematisches Anforderungs- Ressourcen- Modell
2.3.1 Eigenschaften
2.3.2 Funktionsweise
2.3.3 Ableitung von Konsequenzen zur Gesundheitsförderung
2.4 Gesundheitsverhalten
2.4.1 Komponenten des Gesundheitsverhaltens
2.4.2 Das Health BeliefModell
2.4.2.1 Grundzüge und Eigenschaften
2.4.2.2 Kritik und Grenzen des Health-Belief-Modells

3 Schluss

4 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wir haben die Aufgabe, uns in unserer Hausarbeit mit Ansätzen bzw. Modellen zur Erklärung von Gesundheit und Krankheit, auseinanderzusetzen. Wir werden hierbei zu Beginn versuchen die Begriffe Krankheit und Gesundheit zu definieren. In der Gesellschaft ist Gesundheit als lebensbegleitender Wunsch neben Wünschen wie Frieden, Arbeit und Wohlstand, fest verankert. Dementsprechend nimmt sie eine zentrale Rolle im Leben des Menschen ein. Viele Wissenschaftsbereiche (Medizin, Psychologie, Soziologie) haben sich mit der Thematik Gesundheit beschäftigt. Jedoch lässt sich festhalten, dass keine allgemein anerkannte Definition von Gesundheit und Krankheit existiert. Die im Alltag gebräuchlichste Sichtweise von Gesundheit und Krankheit ist wohl die medizinische Sichtweise. Typisch hierfür ist es, dass nicht die Gesundheit, sondern ausschließlich die Krankheit definiert und betrachtet wird. Nach dieser Sichtweise kann Gesundheit als Abweichung von bestimmten messtechnischen Normen, betrachtet werden. Ein Individuum wird nur dann gesund angesehen, wenn im Körper keine Defekte vorliegen oder negative Einwirkungen fehlen. Typisch für die medizinische Sichtweise ist das Risikofaktorenmodell für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit. Eine viel weitgreifendere Betrachtungsweise von Gesundheit und Krankheit stammt aus der Gesundheitspsychologie. Neben der Betrachtung von Krankheit, wird hier vorrangig und primär die Gesundheit eines Menschen herausgestellt. Gesundheit wird positiv definiert, sie ist „das Vorhandensein von psychischer Kompetenz und Wohlbefinden, als Voraussetzung und Ergebnis der Bewältigung externer und interner Anforderungen“. Ein typischer Ansatz ist hier das Salutogenesemodell von Antonovsky (1979) und das Anforderungs- Ressourcen-Modell von Becker (1992). Aus soziologischer Sichtweise wird Krankheit als abweichendes Verhalten empfunden. Gesundheit hingegen ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit. Unter anthropologischen Gesichtspunkten nimmt das Wohlbefinden in Form des selbstaktualisierten Wohlbefindens bei der Bestimmung von Gesundheit, eine zentrale Rolle ein.

2 Modelle zur Erklärung von Krankheit und Gesundheit

2.1 Das Risikofaktorenmodell

2.1.1 Entstehung

Das Risikofaktorenmodell von Schäfer ist bis heute das im Alltag gebräuchlichste. Es entstand 1948, weil eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler in Framingham/Massachusetts (USA) eine Längsschnittuntersuchung mit ca. 5100 Einwohnern im Alter zwischen 30 und 60 Jahren durchführten. Die ausgewählten Probanden wurden eingehend auf ihre Verhaltens- und Lebensweisen untersucht und waren zu Beginn dieser epidemiologischen Studie herzgesund. Diese Untersuchung erfolgte alle 2 Jahre nach einen festem Schema. Man hoffte, Hinweise zu erhalten, dass KHK aufgrund bestimmter Charakteristika voraussagbar und dass diese Charakteristika beeinflussbar seien. Im Laufe der Beobachtungsdauer erkrankten einige Personen an KHK und es häuften sich Befunde wie etwa Hypertonie (Bluthochdruck) oder ein erhöhter Cholesterinspiegel (Blutfettspiegel). Aus diesem Ergebnis schlussfolgerten die Amerikaner, dass das gleichzeitige Auftreten der Faktoren einem ursächlichen Zusammenhang zugrunde liegt. Das bedeutete in diesem Fall, die Forscher nahmen an, die Hauptursachen für eine KHK seien Hypertonie und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Tatsächlich ist es aber so, dass sich die KHK häufig mit einer Hypertonie und einem erhöhter Cholesterinspiegel äußert. Es wäre zu einfach aufgrund dieser Faktoren eine KHKzu diagnostizieren, oft spielen dabei noch ganz andere Gründe eine Rolle. Erst durch diese Fehlinterpretation wurde die Aufmerksamkeit der Medizin auf die Risikofaktoren gelenkt. Man versuchte nicht mehr bloß eine bereits ausgebrochene Krankheit zu therapieren, sondern den Ausbruch einer Krankheit durch eine Primärprävention zu verhindern. Der Gedanke hierfür scheint einfach: Ein Mensch, bei dem keine Risikofaktoren festzustellen sind, wird nicht krank. Folglich galt es nur, die Faktoren auszumerzen. Durch eine Reduzierung der Risikofaktoren sollte es nun möglich sein, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern. Obwohl bereits Mitte der 70er Jahre die Fehlschlüsse der Framingham- Studie erkannt worden waren und andere Studien zu wesentlich differenzierteren Ergebnissen gekommen waren, scheint allgemein trotzdem das Risikofaktorenmodell von Schäfer in medizinischen Kreisen immer noch vorzuherrschen.

2.1.2 Eigenschaften und Funktionsweise

Im 19. Jahrhundert litt die Bevölkerung vorrangig an akuten Infektionskrankheiten. Fortschritte in der Medizin bekämpften bald die Ursachen, so dass sich ein Wandel vollzog. Anstelle der Infektionskrankheiten traten dann im 20. Jahrhundert die chronisch-degenerativen Erkrankungen, die so genannten Zivilisationskrankheiten. Die Mortalitätsrate für Herz-Kreislauf­Erkrankungen lag 1997 bei ca. 50 % und ist damit bis heute die häufigste Todesursache in Deutschland überhaupt. Aufgrund dessen sind genau diese Herz-Kreislauf-Erkrankungen am besten und weitesten untersucht worden. So hat Herr Schäfer 1978 sein Risikofaktorenmodell an der KHK festgemacht. Das Risikofaktorenmodell ist aus medizinischer Sicht ein Defizit- oder Defektmodell. Dadurch wird es zum pathogenetischen Modell, d.h. es wurde zu dem Zweck entwickelt, das Auftreten spezifischer Krankheiten zu erklären. Im den Modell wird die Gesundheit negativ, als Abwesenheit von Krankheit definiert. Der Gesundheitsbegriff wird also als dichotom angesehen. Dadurch konkurriert es mit den Theorien der psychischen und sozialen Gesundheit und stellt das Modell sogar teilweise in Frage. Bei der Untersuchung des Gesundheitszustandes wird sich primär auf die biologischen Einflussgrößen konzentriert. Im Gegenzug dazu wird die spezifische Krankheit auf spezifische Ursachen und auf Prozesse im Individuum zurückgeführt, d. h. das Vorhandensein von spezifischen Risikofaktoren begünstigt das Ausbrechen spezifischer Krankheiten. Das Modell grenzt die psychische Gesundheit und die Gesamtpersönlichkeit weitgehend aus und reduziert den Menschen auf einen Risikofaktorenträger. Dies führt dazu, dass sich die Prävention nur auf spezifische Krankheiten konzentriert. Die Prävention soll spezifische Risikofaktoren verhindern oder abschwächen, primär wird dies über eine medikamentöse Behandlung erreicht. Im seinem Modell hat Schäfer eine Hierarchie der Risikofaktoren entwickelt. Er unterscheidet primäre u. sekundäre Risikofaktoren erster bis dritter Ordnung, d.h. sie sind in unterschiedlicher Gewichtung für die Erkrankung (Endergebnis-Herzinfarkt) verantwortlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei werden die primären Risikofaktoren als gefährlicher und verursachender einzuschätzen sind, als die sekundären. Auffällig ist, dass psychosoziale Bedingungen, insofern sie hier Berücksichtigung finden nur als primäre Risikofaktoren eingestuft werden, wie beispielsweise Unzufriedenheit, Angst, Aggression und Sorgen, selbst der Stress. Obwohl wir vorher schon gehört haben, dass das Wohlbefinden den ausschlaggebenden Faktor für Gesundheit darstellt. Über Pfeile werden Zusammenhänge und Verkettungen der Risikofaktoren im Modell verdeutlicht. Dem Bewegungsmangel wird hier schon eine zunehmende Bedeutung zugeschrieben. Der primäre Risikofaktor Arteriosklerose wird in primäre und sekundäre, dieselben wiederum in solche erster bis dritter Ordnung unterteilt. Primäre Risikofaktoren sind etwa Übergewicht, Ernährung, Bewegungsmangel oder Rauchen. Faktoren zweiter Ordnungen sind erhöhte Werte der Blutfettkonzentration, des Blutzuckers oder des Blutdrucks. Diese folgen den Risikofaktoren der ersten Ordnung unmittelbar nach. Beispielsweise werden in der Gefäßwand abgelagerte Blutfette und Zucker rasch in Fett umgebaut. Fett und Zucker sind Folge der Ernährung und der genetisch bestimmten Art des Umbaus von Fett in bestimmte Cholesterinformen. Bewegung wiederum verbrennt diese Stoffe und das Rauchen scheint die Blutgerinnung zu steigern. Diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose. Das eigentliche Herzinfarktereignis ist vom Stoffwechsel und vom Blutangebot abhängig sowie von weiteren umstrittenen Faktoren des Mineralhaushalts und der Blutgerinnung. Diese Ausführungen von Schäfer verdeutlichen die Problematik der Quantifizierung einzelner Risikofaktoren und darüber hinaus die Quantifizierung der Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Risikofaktoren.

2.1.3 Kritik und Grenzen

Das Risikofaktorenmodell hat den klassischen, in der Medizin dominanten, biomedizinischen Ansatz um psychische und soziale Aspekte erweitert. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zum Verständnis und der Erklärung des Auftretens bestimmter Zivilisationskrankheiten geleistet. Als Verdienst kann festgehalten werden, dass auf ihrer Grundlage die Notwendigkeit eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes erkannt wurde und gezielte Strategien zur Krankheitsprävention entwickelt wurden. Dennoch decken solche Maßnahmen nur einen Teil der Risikodeterminanten ab und die Umsetzung und der Erfolg dieser Strategien können nicht global als erfolgreich bezeichnet werden. In seiner verengten präventiven Umsetzung ist das Risikofaktorenmodell nur für einen eingeschränkten Konzept- und Praxisbereich der Gesundheitsförderung tauglich. Im Modell werden Risikofaktoren als isolierte (Lebensstil-)Variablen konzipiert und sind damit getrennt von realer Lebensweise und Lebenswirklichkeit der betroffenen Personen und Kollektive. In Schäfers Risikofaktorenmodell sind hauptsächlich physische Risikofaktoren zu finden, psychosoziale Faktoren haben für die Krankheitsentstehung kaum Bedeutung und werden nur als sekundäre Risikofaktoren eingeschätzt und damit auch unterschätzt. Der Faktor Stress wird hier zum Sammelbegriff für psychosoziale Einflussfaktoren. Dieser Begriff ist zu einfach und muss differenzierter und ernsthafter betrachtet werden. Weiterhin wird die Entstehung von Zivilisationskrankheiten hier als individuelles Fehlverhalten und Schuld der Person selbst begründet. Dem Risikofaktorenkonzept liegt also ein mechanisches Menschenbild zugrunde d.h. die Auswahl der Variablen und Faktoren ist sehr einseitig und im Kern auf medizinisch isolierte Faktoren verengt. Menschen sind aber aktive Realitätsverarbeiter mit spezifischen individuellen Bewältigungsressourcen und leben in unterschiedlichen sozialen, dinglich-materiellen und ökologischen Umwelten. Die individuelle Konstellation dieser Voraussetzungen kann von Mensch zu Mensch sehr stark differieren und das macht eine mathematische Kalkulation eines Krankheitsrisikos unmöglich. Das Modell liefert demzufolge keine Repräsentativität und Übertragbarkeit auf andere Länder. Hinzu kommt noch das Escaper-Problem, d.h. es gibt immer wieder einige Ausnahmen in der Praxis, die das Risikofaktorenmodell nicht bestätigen können. Trotz vorliegender primärer Risikofaktoren 1. Ordnung kommt es bei einigen Personen nicht zum Endereignis. Umgekehrt genau so, auch Menschen ohne Risikofaktoren sind von Erkrankungen betroffen. Erklärungsversuche hierfür haben keine Wertigkeit, da sie in der Regel biomedizinisch zu eng geführt sind.

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Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668734654
ISBN (Paperback)
9783668734661
Dateigröße
783 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juni)
Schlagworte
modelle erklärung gesundheit krankheit
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