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Die Ambivalenz im Charakter der Figur Karls im "Rolandslied des Pfaffen Konrad"

Analyse der drei Träume des Kaisers

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Hinführung

2. Karlsbild im Rolandslied

3. Träume im Mittelalter
3.1 Stilmittel Allegorie

4. Träume im Rolandslied
4.1 Erster Traum des Kaisers (V. 3030-3047)
4.1.1 Allegorie und Karlsbild
4.2 Zweiter Traum des Kaisers (V. 3068-3081)
4.2.1 Allegorie und Karlsbild
4.3 Dritter Traum des Kaisers
4.3.1 Allegorie und Karlsbild

5. Ergebnisformulierung

6. Quellenangaben

1. Hinführung

Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, entstanden ca. 1170, ist die deutsche Adaption der altfranzösischen Vorlage Chanson de Roland. Diese Arbeit thematisiert jedoch ausschließlich die deutsche Version. Die Handlung verläuft in beiden Werken sehr ähnlich, lediglich der stark christliche Grundton ist nur in der deutschen Adaption herauszulesen.

Da das Rolandslied auch Karlslied genannt wird, liegt die Beschäftigung mit dieser Figur der Erzählung nahe. Da der christliche Grundton auch sehr ausgeprägt auf seinen Charakter projiziert wird, wird er ebenfalls in dieser Arbeit immer wieder aufgegriffen werden. Karl als christlicher Kaiser ist die zentrale Figur des Rolandslied(es) des Pfaffen Konrad.

Ich gehe davon aus, dass die Charakterisierung des Kaisers im eigentlichen Handlungsverlauf als äußerst christlich und tugendhaft anzusehen ist. Trotzdem ist er entscheidungsfähig und in seiner Rolle nicht überfordert. Die Version des Pfaffen Konrads zeugt von einem hohen Ansehen für Kaiser Karl. In den Träumen des Kaisers hingegen, erscheint dieser ängstlich und hilflos. Gerade auch die Verse unmittelbar vor und nach den Träumen bergen oft Attribute, welche den Gefühlsausdruck Angst beschreiben. Nach ENDRES lieferte Freud 1895 einen „bis heute gültigen Symptomkatalog für Angstneurosen“ (ebd. 1985; 81). Dieser Katalog sieht nach ENDRES vereinfacht wie folgt aus:

a) „Herzklopfen bis zum Herzkollaps
b) Störungen der Atmung
c) Schweißausbrüche
d) Zittern und Schütteln
e) Heißhunger, oft mit Schwindel verbunden
f) Diarrhöen
g) Lokomotorischer Schwindel
h) Kongestionen
i) Parästhesien (Einschlafen der Glieder)
j) Nächtliches Aufschrecken, Schlaflosigkeit“ (ebd. 1985; 81)

Auffällig ist nun, dass der Pfaffe Konrad gerade kurz vor und nach den Träumen gehäuft Symptome schildert, welche klar diesem Katalog zuzuordnen sind. Das Ungleichgewicht im Charakter Karl, soll untersucht werden.

Die Träume im Rolandslied sind kurze, aber auffällige Textpassagen. Die Aufmerksamkeit auf diese wenigen Zeilen zu legen, soll durch die hohe Intensität der Gefühle welche sie beinhalten, legitimiert werden.

Diese Arbeit soll deshalb zunächst eine Charakterisierung des Kaisers liefern. Meine Arbeitshypothese lautet, dass in der Zeichnung der Figur des Kaisers, eine Ambivalenz zwischen dem eigentlichen Handlungsverlauf und den Träumen des Kaisers vorliegt. Um diese Hypothese zu untermauern oder gegebenenfalls zu verwerfen, wird im Folgenden dann etwas Allgemeines zu Träumen in mittelalterlicher Literatur gesagt. Hier wird deutlich, dass auch die Träume im Rolandslied des Pfaffen Konrad dem gängigen Muster der Zeit entsprechen. Anschließend sollen dann alle drei Träume des Kaisers einzeln analysiert werden, wobei die Konzentration besonders auf der Allegorie der Träume und natürlich auf dem Karlsbild liegt.

Abschließend soll anhand der gewonnenen Erkenntnis die Ausgangshypothese in einer Ergebnisformulierung bestätigt oder verworfen werden.

2. Karlsbild im Rolandslied

Das Rolandslied liegt in zwei verschiedenen Versionen vor. Es existiert zum einen die alte französische Vorlage Chanson de Roland und zum anderen die deutsche Version Das Rolandslied des Pfaffen Konrads, auf welches hier Bezug genommen werden soll. Es wird zudem auch als Karlslied bezeichnet, was die Thematik dieser Arbeit begründet.

Die Werke thematisieren die Handlungen Kaiser Karls im Kampf um die spanische Mark, wobei die deutsche Version einen deutlich christlichen Grundton besitzt. Sie ist auch deshalb schon als eigenständige Version anzusehen.

Die deutsche Version des Rolandsliedes will, aus der Sicht des Pfaffen Konrads aus dem welfischen Regensburg, die Wahrheit erzählen. Dabei geht es nicht um einen historischen Bericht über die Rückeroberung der spanischen Mark und auch nicht um eine reine Heldenerzählung. Eben solch eine liefert nämlich bereits die französische Version des Rolandsliedes, Chanson de Roland.

Der Pfaffe Konrad hingegen schildert in seiner Erzählung, wie der christliche Kaiser Karl mit der Hilfe Gottes seine Kriege gewinnt und so die Heiden und ihr heidnisches Land überwindet und bekehrt. (vgl. SCHEERER 1983; 39-40)

Aus dieser Perspektive heraus entsteht ein Karlsbild, welches die Heiligsprechung Kaiser Karls von 1165 (LUTZ 2000; 94) legitimiert. „[D]ie Geschichten um ihn gehören zu den großen Themen der Zeit“ (OTT-MEIMBERG 1992; 17) und es geht laut OTT-MEIMBERG sowohl um historische Fakten, wie auch besonders um heilsgeschichtliche Wahrheiten der Regierungszeit. Die Karlsgeschichten sind Ausgangspunkt für viele lateinische und volkssprachliche Texte der Folgezeit. Im Gegensatz zu der sonstigen mittelalterlichen Literatur sind sie eben nicht fiktional, sondern erheben einen Wahrheitsanspruch, was sie zu einer absoluten Besonderheit der Zeit macht. (vgl. OTT-MEIMBERG 1992; 19-20)

Wie viel Wahrheit letztendlich wirklich hinter den Karlsgeschichten steckt ist schwer konstruierbar und soll an dieser Stelle auch nicht thematisiert werden. Der Karlsstoff ist offen gestaltet und eher eine Faszination für viele Erzähler, als eine historisch belegte Wiedergabe von Fakten. Doch die Faszination der Menschen und das subjektive Bild Karl des Großen, tragen zur Charakterisierung der Figur Kaiser Karls im Rolandslied des Pfaffen Konrads bei.

Kaiser Karl stellt einen Helden bei der Bekehrung der Heiden dar. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass sein Einsatz für das Christentum sowohl innerlich als auch äußerlich ist. In seinen Schlachten wie in seinem Denken, welches sich in seinen Friedensbemühungen mit König Marsilius widerspiegelt, ist laut LUTZ (2000, 94) Kaiser Karl heroisiert. So fasst LUTZ das Karlsbild im Rolandslied so zusammen:

„[O]bwohl er selbst nicht durchs Schwert gefallen sei, machten ihn seine Leiden, seine gefährlichen Kämpfe und seine ständige Todesbereitschaft bei der Bekehrung der Ungläubigen zum Märtyrer.“ (LUTZ 2000; 94)

Durch die gesamte Erzählung ist Karls Glaube an Gott vordergründig, viele Taten und wichtigen Entscheidungen trifft der Kaiser mit Gottes Hilfe. Das Bild, welches Konrad so von Karl zeichnet, kann in dieser Form nicht historisch sein. Den Anspruch erhebt Konrad jedoch zu Beginn mit seinem Plädoyer die Wahrheit zu erzählen.

dû sende mir ze munde

dîn heilige urkunde,

daz ich die lüge vermîde,

die wârheit scribe

von eineme tiurlîchem man,

wie er daz gotes rîche gewan. (V5-10)

Laut LUTZ (2009; 104) vermag eine solch heroisierende Erzählung, jedoch zumindest gegenwärtige Herrschaft historisch zu legitimieren.

Dass Karl durch das gesamte Werk hindurch seine Entscheidungen mit Gottes Hilfe trifft und an mancher Stelle auch nur durch Engel oder Gottes Beistand durchstehen kann, zeigt sich im Rolandslied stark in den Träumen des Kaisers. Diese Träume sind zumeist mit Gebeten verbunden, welche die Christlichkeit des Kaisers noch mal akzentuieren. Die Träume bieten aber zudem eine Innensicht des Kaisers und zeichnen ein etwas anderes Bild als der Grundton der Erzählung In der deutschen Version des Rolandliedes existieren drei solcher Träume, welche im Folgenden thematisiert werden sollen, um die vollständige Charakterisierung Karls zu ermöglichen.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656255338
ISBN (Buch)
9783656255680
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198974
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Rolandslied Mediävistik Kaiser Karl Traumdeutung Psychologie im Mittelalter

Autor

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Titel: Die Ambivalenz im Charakter der Figur Karls im "Rolandslied des Pfaffen Konrad"