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Die Marienburg bei Danzig - Restaurierung im Wandel der Zeit

Seminararbeit 2011 20 Seiten

Kunst - Kunsthandwerk

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Uber die Baugeschichte der Marienburg
2.2 Theodor von Schon und der Einfluss der Romantik
2.3 Conrad Steinbrecht und der Mut zur Geschichte

3. Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Glaube und die Treue. Marienburg ist das Stamm Haufi des Ersten, und es wird und soil werden das Symbol des zweiten. Im Konigreich Preufien, in Marienburg, im Westpreufi.

Theodor von Schon in einem Schreiben an Karl Friedrich Schinkel, Oktober 1821

Die Marienburg wird in der heutigen Zeit als eine der bedeutsamsten Ordensburgen des Mittelalters angesehen, jedoch unterliegt diese Betrachtungsweise einem stetigen, zeitgenossischen Wandel. Obwohl die komplexe Schlossanlage den Anschein eines zusammenhangenden Gesamtgefuges erweckt, welches „nach einer einheitlichen und konsequent durchgefuhrten Konzeption realisiert wurde"[1], ist sie in Wahrheit jedoch ein architektonisches Produkt eines uber Jahrhunderte wahrenden Prozesses. Zahlreiche Zerstorungen, politisch motivierte MaBnahmen und bautechnische Uberlegungen haben das Wesen der Burg im Laufe der Jahrhunderte tiefgreifend verandert. Dies fuhrte dazu, dass der ehemals prachtvolle Sitz des Deutschen Ordens im 18. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit geriet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts aber folgte eine Neuentdeckung der Burg, bei der sich unter Berucksichtigung der Vergangenheit erstmals die Bemuhung heraus kristallisierte, die mittelalterlichen Essenz der Architektur zu berucksichtigen.

So kam es schlieBlich, dass die Marienburg neben dem Kolner Dom das Bauwerk wurde, das den Prozess der Denkmalpflege einleitete. Gleichzeitig wurde der Burg damit eine andere Identitat und ein neuer Zweck verliehen. Die zwei wichtigsten Restaurationsphasen wurden unter der Leitung von Theodor von Schon und Conrad Steinbrecht betreut, die fur die Zukunft der Marienburg jeweils einen ganz bestimmten Stellenwert einnahmen.

Doch wie sahen die Restaurierungen genau aus? Welche Aufgaben lagen den beiden Restaurationsphasen zugrunde? Wo lagen ihrer Unterschiede? Und welche Rolle spielten dabei der politische - sowie der gesellschaftliche Zeitgeist?

Mit diesen Fragen soll sich die vorliegende Hausarbeit nun genauer auseinandersetzen. Um einen angemessenen Einstieg in die Thematik zu gewahrleisten, soll zunachst ein kurzer Uberblick uber die wichtigsten, baugeschichtlichen Stationen der Burg stattfinden. Im Hauptteil der Arbeit wird der Fokus dann auf die zwei Hauptphasen der Restaurierung gelenkt; namlich zum einen auf die Zeit Theodor von Schon, zum anderen auf die Zeit Conrad Steinbrechts. Diese beiden bedeutsamen Episoden fur die Burg sollen dabei sowohl auf Gemeinsamkeiten, als auch auf ihrer Unterschiede untersucht werden.

Am Ende dieser Hausarbeit folgt eine Auswertung der erzielten Ergebnisse, sowie ein Ausblick auf weitere, mogliche Untersuchungen zu der Thematik.

2.1 Uber die Baugeschichte der Marienburg

Die Marienburg zahlte in ihrer Zeit als „die groBte erhaltene Backsteinburg‘[1]a und wurde etwa 60 km sudostlich von Danzig an der Nogat, in der polnischen Stadt Malbork auf Anweisung des Deutschen Ordens angelegt, der im Zuge seiner Ostexpansion die eroberten Gebiete durch den Bau von Festungen sicherte.

Die erste Bauphase erstreckte sich zwischen den Jahren 1270 und 1300, wobei die Konventsburg bei der Stadtgrundung 1276 bereits bestanden hat. Der Bau sollte ursprunglich als Sitz des Landmeisters dienen, aber als 1307 der Templerorden aufgelost wurde und im Jahr 1309 die Ubernahme von Danzig durch den Deutschen Orden erfolgte, entschied sich der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen den zentralen Sitz des Deutschen Ordens auf die Marienburg zu vereinen. So erhielt der „verkehrsgunstig gelegene Ordenssitz mit dem Einzug des Hochmeisters [...] neue und representative Funktionen“ [2] Dies fuhrte dazu, dass die Festung nach und nach zum Schloss ausgebaut wurde, da sie sich fur die Reprasentationszwecke eines so machtigen Ordens bald als zu begrenzt erwies. Bautechnische Veranderungen und Erweiterungen sollten die Burg fortan umfassend vergroBern und weitaus prachtvoller erscheinen lassen. Bis 1309 entstand der Nord- und Westflugel, wahrend der Sud-Flugel noch in Planung war und zusammen mit dem Ostflugel erst im Jahr 1330 errichtet wurde. Fur den Bau wurden die unterschiedlichsten Materialien uber den Nogat transportiert: „Kalk wurde von Oland beschafft, der Naturstein kam von Gotland; Werkzeuge, Eisen und Glas wurden importiert, aus oder uber Lubeck.“ An den fruheren Bauten lassen sich viele charakteristische Merkmale des fruhen Stils im PreuBenland feststellen, beispielsweise Bogen- bzw. Spitzbogenfries aus Terrakottaplatten, Viertelstab-Profile, sowie der Wechsel von normalen zu glasierten Backsteinen. Die Konsolen und die Kapitale wurden aus robusten Kalksteinen gemeiBelt. Die Burgen des Deutschen Ordens verfugten damals hauptsachlich uber glatt hochgezogenes Mauerwerk; die Marienburg jedoch sollte eine Ausnahme darstellen. Der erste und zweite Kreuzzug, welche von 1196-1199 bzw. 1147-1149 stattfanden, sorgten dafur, dass durch zahlreiche Reisen und Eroberungen mehr architektonische Kenntnisse uber zeitgenossische Backsteinarchitektur gewonnen werden[3]konnten. Denn „Backstein war das dominierende Material byzantinischer Bauten“[4].

Auch in Spanien war Backstein ein allseits bekanntes und weit verbreitetes Baumaterial. Das rote Mauerwerk der Burg wurde deshalb aus feinen und harten Sandsteinen bzw. Backsteinen geschaffen. Manche wurden glasiert, andere wurden mannigfaltig verziert und den jeweiligen Formen der verschiedenen Bauformationen angepasst. So entstanden sowohl die Kreuzrippengewolbe des Sud- als auch des Ostflugels, die VergroBerung des Glockenturmes, die Erweiterung der Burgkirche nach Osten hin, sowie die Umgestaltungen der Representations- und Wohnraume im Innern.

Insgesamt wird die Marienburg in drei komplexe Bereiche unterteilt: Das Hochschloss wird als altester Teil der Burg dem Typ des kastellartigen, quadratischen Konventshauses zugeordnet. Dabei diente der Vierflugelbau als Stutzpunkt und Unterkunft der Ordensritter. Der um 1280 fertiggestellte Nordflugel des Hochschlosses beherbergte neben der Kapelle und dem Kapitelsaal zunachst auch den Schlafsaal der Ritterbruder. Zusatzlich wurde er mit Speisekammern, Refektorium und Herrenstube ausgestattet. Ein holzerner Kreuzgang wurde in Stein gemeiBelt. Bis 1344 wurde die Kapelle unter dem Hochmeister Dietrich von Altenburg zur Sankt Marien-Kirche ausgebaut, indem er einen, uber den Baukorper des Hochschlosses hinausragenden, polygonalen Chor anbauen lieB. An der AuBenwand des Chorschlusses befand sich bis 1945 in der auBersten ostlichen Nische die mit farbigem Glasmosaik reich verzierte, 8 m hohe Madonnenfigur. Die Arbeiten an der goldenen Pforte als prunkvolles Eingangsportal zur Kapelle im nordlichen Flugel wurden vor 1300 abgeschlossen. Die Pforte stellte neben der vollplastischen Madonna das Statussymbol und Aushangeschild der Burg dar. Beide sollten die „besondere Stellung der Kirche als geistiger und staatstragender Hauptraum des Deutschen Ordens in PreuBen“[5]sichern. Ab 1309 wurde nordlich des Hochschlosses das Mittelschloss in wegweisender Backsteingotik errichtet und sollte als wichtigste Verwaltungseinrichtung des Ordens und als Quartier des Hochmeisters dienen. Der Hochmeisterpalast entstand dort erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts und umfasste Sommer- und Winterremter sowie den Festsaal des GroBen Remters. Die zwei Sale wurden fur Reprasentationszwecke des Hochmeisters errichtet und boten „einen Hohepunkt der spatgotischen Architektur, der den Gedanken an das Baumaterial in den Hintergrund“[6]rucken lieB. Die Sterngewolbe dieser lichtdurchfluteten, quadratischen Sale wurden jeweils durch eine einzige schlanke Granitsaule getragen.

In der neu angelegten Vorburg im Norden wurden neben der St. Lorenzkapelle alle technischen Werke untergebracht, die fur die Aufrechterhaltung des Lebens in der Marienburg erforderlich waren, auch im moglichen Fall einer Belagerung: Nahrungsvorrate in groBen Speichern, Werkstatten, Muhlen, Waffen, Schlitten, das Brau- und das Backhaus sowie die Wohnquartiere fur Bedienstete.

In den folgenden Jahrzehnten reprasentierte der riesige Burgkomplex an der Nogat die Machtposition des Ordens, musste jedoch auch zahlreiche Konflikte bestehen. Nach der Niederlage des Deutschen Ordens in der Schlacht bei Tannenberg gegen Polen-Litauen kam es 1410 erstmals zu einer weitreichenden Belagerung der Marienburg, wobei der Hochmeister Heinrich von Plauen es durch verstarkte Verteidigungsanalgen aber vorerst schaffte, die Festung zu halten. Auch 1454 konnte Hochmeister Ludwig von Erlichhausen die Burg zunachst erfolgreich gegen den polnischen Konig Kasimir IV. Jagiello verteidigen, der im Dreizehnjahrigen Krieg die Gegner des Ordens, den PreuBischen Bund, unterstutzte. In diesem schlossen sich zahlreiche Stadte und Stande zusammen. Da der Hochmeister schon bald mit Soldzahlungen in Ruckstand geriet, musste er die Burg 1455 an seine rebellierenden Soldner verpfanden. Diese verkauften die Festung kurzerhand an den polnischen Konig. Am 7. Juni 1457 bezog der Konig in der Marienburg sein Gemach und nutzte diese fortan nach seinen Bedurfnissen. Dabei wurden die Befestigungsanlagen fur die Zukunft verandert bzw. modernisiert, da die Burg auch weiterhin als Festung dienen sollte. Insgesamt lasst sich aber feststellen, dass die Nutzung durch die polnische Herrschaft der Burg in soweit zugutekam, dass sie sie vor dem Abriss schutzte. Wahrend des DreiBigjahrigen Krieges, in den Jahren 1626 und 1629, besetzten die Schweden die Burg und ein weiteres Mal von 1656 bis 1660 wahrend des Schwedisch- Polnischen Krieges. Mit der 1. polnischen Teil kam die Marienburg 1772 zum Konigreich PreuBen und gehorte ab 1773 zur neugeschaffenen Provinz WestpreuBen. Dieser Umgang n „fuhrte zu radikalen Umgestaltungen und unumkehrbaren Verwustungen“ [7]. Es gab sogar konkrete Abrissplane, um aus den gewonnen Materialien neue Militarmagazine errichtet zu konnen. Doch bald darauf folgte der Wendepunkt in der neueren Geschichte des Schlosses: Es sollten sich viele Stimmen zu Wort melden, die die Beendigung der Zerstorung forderten und sich fur die Erhaltung der Burg einsetzten. Es entstand ein romantischer Zeitgeist, der die Erscheinung der Burg maBgeblich beeinflusste. Der folgende Teil der Hausarbeit wird sich nun um die Frage kummern, inwiefern dieser Zeitgeist den Aufgaben der Burg vollkommen neue Richtlinien zuwies.

[...]


[1] Mierzwinski, S. 89.

[1]Ziegler, S. 136.

[2]Schafke, S. 111.

[3]Ziegler, S. 137.

[4]Schafke, S. 6.

[5]Hermann, S. 584.

[6]Schafke, S. 111.

[7] Ziegler, S.21.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656254010
ISBN (Buch)
9783656254966
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198986
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Schlagworte
marienburg danzig restaurierung wandel zeit

Autor

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