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Die Marx´sche Wertformlehre im Ersten Band des Kapitals

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Wertform und der Ware

3. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Tauschwert
3.1 Der Gebrauchswert als Nützlichkeit eines Dinges
3.2 Der Tauschwert als Wert
3.3 Die Arbeit als Wert
3.4. Arbeit ohne Wert
3.5 Die Wertgröße einer Ware

4. Von der einfachen Wertform zur Geldform
4.1. Einfache, einzelne oder zufällige Wertform
4.1.1 Die relative Wertform
4.1.2 Die Äquivalentform
4.2 Totale oder entfaltete Wertform
4.3. Die allgemeine Wertform
4.4 Die Geldform

5. Schluss: Warum Gold?

6. Literaturliste

1. Einleitung

Das Interesse an der Kapitalismuskritik des Karl Marx in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ unterlag immer wieder starken Schwankungen. Nach der Veröffentlichung erregte das Buch kein großes Aufsehen, erst durch die russische Revolution 1917 bekam es die ihm gebührende Aufmerksamkeit, die sich mit dem Erstärken des Sozialismus noch steigerte. Spätestens aber mit dem Mauerfall 1989 brach das Interesse wieder zusammen. Mit dem Beginn der Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise 2008 war die Kritik am Kapitalismus „wieder in Mode“ gekommen und „Das Kapital“ errang einen Platz auf den Bestsellerlisten. Gerade jetzt ist das Interesse an den Umständen auf dem Arbeitsmarkt wieder erwacht und die allgemeine Frage lautet: Wie konnte es soweit kommen? Der Kapitalismus scheint in der Krise zu stecken und besonders Zeitungsartikel zu diesem Thema werden immer wieder mit dem Bild von Karl Marx versehen, dem Urvater der Kapitalismuskritik[1]. Aber „Das Kapital“ unterlag schon vor seiner „Wiederentdeckung“ einer starken Interpretation und Kritisierung.

In seinem Hauptwerk „Das Kapital“ analysiert Marx die Dynamik und Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaft, diesen theoretischen Beitrag nimmt die moderne Ökonomie heute wieder auf. Das dreibändigen sozialwissenschaftlichen Werk legt die ökonomischen, politischen, historischen und sozialen Studien des Autors dar, wobei nur der erste Band zu seinen Lebzeiten publiziert wurde (Erstausgabe 1867 in London), die Bände II und III gab Friedrich Engels nach dem Tod von Marx 1885/94 heraus.

In jeden der drei Bände analysiert der Autor einen anderen Prozess: Im ersten Band den Produktionsprozess des Kapitals, worauf im zweiten Band der Zirkulationsprozess des Kapitals folgt und Band III thematisiert den Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion[2]. In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich nur mit dem ersten Band auseinander setzen, da er zu dem zu bearbeitenden Thema am ergiebigsten ist.

Das Thema der Hausarbeit ist die Wertformlehre von Marx, wobei die zentrale Fragestellung ist: Wie ist das Verhältnis von Gebrauchswert und Tauschwert in einer Ware zu bestimmen, wie stehen Tauschwert und Arbeit im Zusammenhang und wie entsteht aus dem Tausch heraus das Geld. Die Quelle wird dabei der erste Abschnitt des ersten Band des „Kapitals“ sein. Marx überschreibt diesen Abschnitt mit „Ware und Geld“ und erläutert im ersten Kapitel „Die Ware“ die zwei Faktoren Gebrauchswert und Tauschwert. Darauf folgt die genaue Untersuchung der verschiedenen Wertformen und wie sie sich auseinander heraus entwickeln.

Marx folgt bei seiner Analyse einem methodischen Vorgehen, welches ich in meiner Gliederung übernehmen werde, da nur so gezeigt werden kann, dass sich in der Betrachtung der einfachen Form die nächst höhere Stufe der Entwicklung bereits abzeichnet.

2. Der Begriff der Wertform und der Ware

Unter dem Begriff „Wert“ versteht man im ökonomischen Bereich eine Art der Bewertung in Form von Urteilen über Güter (Waren) und Produktionsverfahren (Arbeit) durch eine Tauschaktion. Dabei spielt besonders der Gebrauchswert zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung eine wertsteigernde Rolle. Bei Marx zeichnet sich zur Klärung des ökonomischen Wertes eine objektive Werttheorie ab, da er den ökonomischen Wert anhand der „objektiv“ in einer Ökonomie gegebenen technischen Produktionsbedingungen und der gesellschaftlichen Verteilungs-relationen (z.B. Höhe der Löhne und Profite) bestimmt. Bei dieser Theorie wird versucht, die langfristige Ausprägung des ökonomischen Wertes zu erklären, da meist von kurzfristigen Nachfrageschwankungen ausgegangen wird[3].

Im Vorwort der ersten Auflage schreibt Marx: „Die Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform, ist sehr inhaltslos und einfach.“ (Marx 1977: 11f)

Ihre Analyse hat den Menschen schon immer beschäftigt, aber er konnte sie nie ganz durchschauen. Denn Grund darin sieht Marx in der falschen Herangehensweise, da man seiner Ansicht nach versucht hat, nur das große Ganze zu verstehen und die kleineren (wichtigeren) Teile wurden nicht beachtet.

„Für die bürgerliche Gesellschaft ist aber die Warenform des Arbeitsproduktes oder die Wertform der Ware die ökonomische Zellform“ (Marx 1977: 12)

Deshalb beginnt Marx seine Analyse mit dem Begriff der Ware, weil er in ihr den Grundstein für die Entwicklung sieht. Im Zentrum steht dabei immer wieder die Kritik der politischen Ökonomie, wobei die Entfremdung und Entmenschlichung typisch für die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft und Kultur ist. Der Hintergrund liegt wohl darin, dass Marx Zeuge der industriellen Revolution war und die daraus resultierende ungeheure Umwälzung in allen Lebensbereichen erkannte. Der Kapitalismus ist für Marx ein Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnis und dessen Wesen liegt in den kapitalistischen Produktionsweisen. Der elementarste Sachverhalt dieses Prozesses ist dabei die Kapitalproduktion und Kapitalverwertung. Aus diesem Grund beginnt „Das Kapital“ mit der Analyse der Ware.

In der klassischen politischen Ökonomie sind Waren diejenigen Güter, die durch gesellschaftliche Arbeitsteilung hergestellt werden und für den Austausch bestimmt sind. Für Marx stellen sie die Grundform der kapitalistischen Ökonomie dar, da sich für ihn der Kapitalist den gesamten Wert der produzierten Waren aneignet, während der Arbeiter nur den Tauschwert der Arbeit erhält. Die Aneignung der Differenz (Mehrwert) durch den Kapitalisten bezeichnet Marx als Ausbeutung.

Damit ein Gegenstand zur Ware wird, müssen für Marx besondere Voraussetzungen erfüllt werden:

1. Der Gegenstand muss einen Gebrauchswert haben, d.h. er muss einen Nutzen haben.
2. Der Gegenstand muss durch Tausch in der Gesellschaft übertragen werden.

In seiner Kritik an der bürgerlichen politischen Ökonomie sieht Marx von den Gebrauchswerteigenschaften der Waren ab und analysiert sie nur als Produkte gesellschaftlicher, abstrakter Arbeit[4].

Für Marx ist die Ware „zunächst ein äußerer Gegenstand, ein nützliches Ding, das zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient.“ (Flechtheim/Lohmann 2000: 66)

Und dieser Nutzen gibt der Ware einen Wert, so dass diese nicht getrennt von einander betrachtet werden können. Der Wert ist dabei eine Eigenschaft der Ware, der erst im Austausch hervortritt und dort Gestalt annimmt.

Durch den Wert sind alle Waren qualitativ gleich und unterscheiden sich nur noch ihrer Wertgröße nach[5]. So erzeugt der Widerspruch zwischen Nutzen und Wert notwendig das Geld, denn jede Ware hat in Bezug auf eine andere Ware die ökonomische Form eines Wertes, in Bezug auf ihren Nutzen unterscheiden sich aber beide Waren. Aus diesem Grund verdoppelt sich die Ware in Ware und Geld.

Dies zeigt in einer Kurzform, dass sich die Wertform zum Geld entwickelt. Nach der Auffassung von Marx verbirgt sich hinter dem Ablauf der Geschichte immer ein bestimmtes Schema, wobei sich z.B. der Kapitalismus in den Sozialismus weiterentwickelt. Wenn der Mensch die Beweggründe der Veränderung versteht, kann er zwar die Reihe der Abläufe nicht verkürzen, aber er kann sie verstehen und akzeptieren.

„Auch wenn eine Gesellschaft dem Naturgesetz ihrer Bewegung auf die Spur gekommen ist – und es ist der letzte Endzweck dieses Werks, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen - , kann sie naturgemäße Entwicklungsphasen weder überspringen noch wegdekretieren. Aber sie kann die Geburtswehen abkürzen und mildern.“ (Marx 1977: 15f)

3. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Tauschwert

Marx beginnt sein Hauptwerk „Das Kapital“ im ersten Abschnitt „Ware und Geld“ mit der Analyse der Ware. Er definiert die Ware als „ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. […] Es handelt sich hier auch nicht darum, wie eine Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, […], oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.“ (Marx 1977: 49)

Jedes Ding besitzt dabei bestimmte Eigenschaften, welche es für den Menschen nutzbar machen. Als Folge des Nutzens führt Marx im Folgenden die Begriffe vom Gebrauchswert und denn sich daraus entwickelnden Tauschwert ein. Danach folgt die Analyse der Entwicklung der Wertform von ihrer einfachen Form zur Geldform. Bei meiner Hausarbeit werde ich mich an dieser Schrittfolge orientieren und meine Ausarbeitung mit dem Gebrauchswert beginnen, um dann mit der Geldform zu enden.

3.1 Der Gebrauchswert als Nützlichkeit eines Dinges

Jedem Ding kommen bestimmte Eigenschaften zu, welche es für den Menschen nützlich machen, d.h. der Mensch kann es „gebrauchen“. Der Gebrauchswert ist demnach die Summe der nützlichen Eigenschaften, die einem Ding anhaften. Marx macht dabei auf den doppelten Gesichtspunkt dieser Nützlichkeitsbestimmung aufmerksam: Qualität und Quantität.

„Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität. […] Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. […] Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion.“ (Marx 1977: 49f)

Durch die Vielzahl von Eigenschaften, die ein Ding enthält, kann auch die Ausprägung seiner Nützlichkeit in verschiedene Richtungen laufen. Die Nützlichkeit eines Dinges ist dabei eng mit dem Ding selbst verbunden und kann nicht ohne dieses existieren.

Dabei bestimmt aber der Konsument den Nutzen eines Dinges.

„Der Konsument erst bestimmt seine Nützlichkeit. Und selbst wenn man ihm die Eigenschaft der Nützlichkeit zuerkennt, so stellt es nicht die Nützlichkeit als solche dar.“ (Marx 1971: 41f)

Jeder Warenkörper ist ein Gebrauchswert oder Gut, denn es wird über seinen Nutzen definiert und nur durch seinen Gebrauch bzw. durch seine Konsumtion verwirklicht. Marx lässt alle näheren Bestimmungen, wie z.B. bestimmte Inhalte oder Eigenschaften weg und formuliert nur eine einzige: Dieses Ding muss die menschlichen Bedürfnisse in irgendeiner Art befriedigen. Es zählt demnach allein, dass eine Beziehung zwischen einem bestimmten Ding und einem bestimmten Bedürfnis da ist. „Und diese Beziehung ist es, die auf der Seite des Dinges als Gebrauchswert definiert wird.“ (Haug 1974: 48) Der Gebrauchswert einer Ware ändert sich nie, da sich eine spezifische Beziehung zu einem spezifischen Bedürfnis nicht wandelt. Ein Brot hat im Verhältnis zum Hunger einen Gebrauchswert und ein Auto im Verhältnis zur Fortbewegung. Ein Auto kann nicht den Hunger stillen und ein Brot nicht zur Fortbewegung dienen[6].

Dem Gebrauchswert kommt eine relationale und objektive Bedeutung zu. Die Nützlichkeit enthält dabei eine qualitative und quantitative Relation. So muss ein Ding eine gewisse Qualität erfüllen um ein Bedürfnis zu befriedigen und ebenso muss es in einer gewisse Menge vorhanden sein. Schimmliges Brot kann zwar den Hunger beenden, ist aber im Aspekt auf die Gesundheit wenig förderlich und eine kleine Menge an Brot reicht zur Stillung des Hungers nicht aus.

Gebrauchswerte werden durch nützliche Arbeit hervorgebracht und durch die daraus resultierende Bearbeitung, sind sie meist von unterschiedlicher Qualität. Daher soll als nächstes dieser Aspekt betrachtet werden, da für Marx Waren als Gebrauchswerte vor allem verschiedener Qualität sind[7]. Der Gebrauchswert eines Arbeitsproduktes beinhaltet seine Form und seine körperlichen Bestandteile, so erlangen die meisten Dinge erst durch menschliche Arbeit einen höheren Nutzen. Ein Stein, der durch den Menschen bearbeitet, z.B. geschliffen wurde, ist für die Jagd effektiver als ein naturbelassener runder Stein. Mit der Bearbeitung steigen daher auch Qualität und Nutzen des Dinges / der Ware. Durch das Aufkommen der Bearbeitung entsteht aber erst der Aspekt der Qualität, da die Menschen ein Ding unterschiedlich bearbeiten. Der eine arbeitet mit mehr Präzision als der andere, wodurch sich zwangsläufig Qualitätsunterschiede ergeben.

Der Gebrauchswert bzw. die natürliche Besonderheit eines Dinges ist als solches zwar ein „vorausgesetzter Stoff“ und damit eigentlich kein Gegenstand der politischen Ökonomie, aber er ist Träger des Tauschwert und sollte daher auch Bestandteil der Betrachtung sein. Marx geht davon aus, dass Dinge in einer kapitalistischen Gesellschaft zum Zweck des Austauschs produziert werden und um ein Ding zu tauschen, muss es irgendein Bedürfnis meines Gegenübers erfüllen.

3.2 Der Tauschwert als Wert

Der Gebrauchswert stellt allein die stoffliche Seite des Reichtums dar und ist aus diesem Grund für die politische Ökonomie uninteressant. Für Marx verwirklicht sich der Gebrauchswert „nur im Gebrauch oder der Konsumtion“ (Marx 1977: 50) und hat damit seine soziale Funktion erfüllt. Interessant ist, dass der Gebrauchswert dem Tauschwert „trägt“ und das nach Marx in der kapitalistischen Gesellschaften Waren nur produziert werden, um sie in einen Gegenwert auszutauschen. Während Aristoteles noch vom „gerechten Tausch“ sprach, in welchem keine Seite einen Gewinn oder einen Verlust erzielt, sieht Marx im kapitalistischen System allein die Anhäufung von Waren zum Tausch mit möglichst großem Gewinn.

Wenn ein Dinge zur Ware werden soll, muss es infolgedessen neben dem Gebrauchswert noch eine anderen Eigenschaft besitzen: Den Tauschwert. Nimmt man nun einen beliebigen Gegenstand und betrachtet seinen Tauschwert im Lauf der Geschichte, erschein dieser als zufällig und relativ. War Salz im Mittelalter noch als „weißes Gold“ sehr wertvoll, ist es in unserer modernen Zeit ein sehr preiswertes und alltägliches Gut.

Marx führt den Tauschwert gleich nach dem Gebrauchswert ein und stellt ihn zunächst als quantitatives Verhältnis vor. Demnach ist der Tauschwert das Größenverhältnis, in welchem nützliche Dinge einander gleichgestellt werden und miteinander austauschbar sind – Der Tauschwert „ist“ der Tausch zweier unterschiedlicher Gebrauchswerte.

[...]


[1] Vgl. z.B. Rudzio, Die Zeit, S. 3-5

[2] Vgl. Treptow in: Volpi, Lexikon der Philosophischen Werke, S. 371

[3] Vgl. Seiche in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Artikel: Wert, S. 663

[4] Vgl. Seiche in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Artikel: Ware, S. 626

[5] Vgl. Müller, Wege zum >Kapital<, S. 68

[6] Vgl. Calvez, Marx, S. 246

[7] Vgl. Marx, Kapital, S. 52

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656255277
ISBN (Buch)
9783656255451
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199042
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Philosophie
Note
1,6
Schlagworte
marx´sche wertformlehre ersten band kapitals

Autor

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Titel: Die Marx´sche Wertformlehre im Ersten Band des Kapitals