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Aspekt in der Grammatik - Ort des Aspekts im Tempussystem des Spanischen bzw. der romanischen Sprachen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 6 Seiten

Romanistik - Didaktik Spanisch

Leseprobe

1.) Unter Aspekt versteht man in der Grammatik eine verbale Kategorie, die die Haltung des Sprechers zur zeitlichen Struktur von Ereignissen oder Handlungen ausdrückt: "[...], während der Aspekt ausdrücken soll, wie der Sprecher sich zu dem Vorgang einstellt oder wie er ihn dem Hörer erscheinen lassen will, und zwar entweder als ein Miterleben des Vorgangs oder ein einfaches Konstatieren desselben".[1] Es geht bei dem Aspekt also um verschiedene Möglichkeiten der sprachlichen Erfassung von Situationen. Aspekt leitet sich von dem lateinischen Wort "aspectus" ab, was soviel wie "Blickrichtung"[2] bedeutet und damit auf die Oppositon zwischen perfektiv und imperfektiv, also die verschiedenen "Blickpunkte"[3] des Sprechers hinweist. In den meisten Sprachen existieren Stammveränderungen oder unterschiedliche Konjugationsendungen durch die der Aspekt neben Tempus und Modus realisiert wird. Da er auf diese Weise in der "Bedeutung selbst des Verbs enthalten ist", nennt Guillaume ihn auch "temps impliqué".[4] Je nach Betrachtungsmöglichkeit der Verbbedeutung "kann man fast alles, was nicht anderen schon definierten Kategorien entspricht, dem Aspekt zuschreiben".[5] Bei Sprachen, die dies morphologisch nicht realisieren können, kann der Aspekt auch syntaktisch oder lexikalisch ausgedrückt werden. Der Aspekt bezieht sich auf den zeitlichen Zusammenhang von Vorgängen oder der Art und Weise des Geschehens einer Handlung. Hierbei ist wichtig zu unterscheiden, ob ein Vorgang als Verlauf oder als Ereignis gesehen wird, denn der Aspekt drückt den zeitlichen Charakter von Situationen im Hinblick auf sie selbst aus. So grenzt auch Coseriu den Aspekt vom Tempus ab, in dem er schreibt: "[...]; en el aspecto se trata de las cualidades del proceso mismo (esto es el 'tiempo interno'), sin atender a la posición del sujeto hablante."[6] Andere Definitionen, wie zum Beispiel von Meillet[7], bezeichnen den Aspekt als Indikator für die Dauer und den Grad der Vollendung der vom Verb angegebenen Prozesse. Somit stellt der Aspekt die Betrachtungsweise der Verbalhandlung in der Zeit dar.

Bei den indogermanischen Sprachen lassen sich drei Aspekte unterscheiden. Zum einen gibt es den perfektiven Aspekt, um auszudrücken, dass die eine Handlung abgeschlossen bzw. "vollständig"[8] ist und zeitlich vor der anderen liegt und Einfluss auf den Zustand des Sprechers oder auf die zweite Handlung hat. Zweitens kennt man den imperfektiven Aspekt, bei dem die Unabgeschlossenheit, die Regelmäßigkeit, das Gewohnheitsmäßige, das Andauern oder die Gleichzeitigkeit zweier Handlungen hervorgehoben wird. Die dritte Aspektart ist der aoristische Aspekt, der bei einmaligen bzw. punktuellen Ereignissen verwendet wird. Im Deutschen ist diese Aspektart nicht morphologisch realisierbar, jedoch kennen viele Sprachen separate Formen für den Aorist und können diesen somit von dem Imperfekt abgrenzen.

[...]


[1] Knobloch, S. 172

[2] Glück, S. 58

[3] Glück, S. 59

[4] Coseriu, S. 81

[5] Coseriu, S. 81

[6] Coseriu, S. 60

[7] Coseriu, S. 84

[8] Comrie, S. 128

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656254287
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199060
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Schlagworte
Aspekt Aspekt in der Grammatik Tempussystem des Spanischen Tempussystem romanische Sprachen Aspekt im Tempussystem

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Titel: Aspekt in der Grammatik - Ort des Aspekts im Tempussystem des Spanischen bzw. der romanischen Sprachen