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Der jüdische Feiertag Jom Kippur

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Judaistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ursprung des Festes

2. Entwicklung des Jom Kippur

3. Wie wurde es im Verlauf gefeiert? Regionale Besonderheiten und Brauchtümer
3.1 Vorbereitungen
3.2 Der Kol Nidre
3.3 Der Tag des Jom Kippur

4. Veränderungen und wie es heute gefeiert wird

5. Beschreibung einer Gruppe, mit der ich das Fest erarbeite

6. Methodisch-didaktische Aufbereitung, wie man die Teilnehmer in die Erforschung und

Besonderheiten einbeziehen kann

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Es war sehr schwer, gute Literatur zu diesem Thema zu finden. Es gibt zwar einige Bücher hier in der Bibliothek der Hochschule, aber die sind schon ziemlich alt.

Einleitung

Der Jom Kippur ist einer der Hohen Feiertage der jüdischen Religion. Sogar nichtgläubige Juden fasten an diesem Tag. Dieser Tag wird auch der „Versöhnungstag“ genannt. Dieses Jahr findet er am 8. Oktober (nach unserem Kalender) statt.

Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich mich mit einem nichtchristlichen Feiertag befassen wollte und mich dieser Feiertag interessiert hat. Ich hatte mich während meiner Schulezeit schon einmal mit diesem Thema erfasst, da es so lange her ist, wollte ich dieses Wissen noch einmal auffrischen und vertiefen.

Zuerst werde ich erklären, wo überhaupt der Ursprung des Festes liegt, woher der Name kommt und wie es sich damals zur Zeit des Tempels abgespielt hat.

In dem zweiten Kapitel geht es darum, wie sich der Jom Kippur entwickelt hat, nach der Tempelzerstörung und im Mittelalter.

Das dritte Kapitel beschreibt, wie es gefeiert wird, wie die Vorbereitungen aussehen und welche regionalen Besonderheiten es gibt.

Im Anschluss daran geht es darum, wie man den Versöhnungstag heute feiert und ob es Veränderungen gibt.

Die beiden Schlusskapitel stehen im Zusammenhang miteinander. Zuerst wird eine Gruppe beschrieben, mit der man das Fest erarbeiten könnte und im zweiten Schritt wird dann beschrieben, wie man grob eine Schulstunde dazu gestalten könnte.

1. Ursprung des Festes

Der Ursprung des Festes liegt in der Bibel. "Schon in der jüngeren biblischen Zeit - in exilischer oder nachexilischer Zeit - fand am 10. Tischri die Feier des Jom Kippur statt (Lev 16; vgl. ferner 23,27-32; 25,9; Num 29,7-11)."[1]

Zur Erklärung des Namens „Jom Kippur“: „Der Name des Feiertages leitet sich von dem Verb kpr Pi. ab. Seine Grundübersetzung lautet „entsühnen“ (hergeleitet von arab. kafara „bedecken“, bzw. koranisch-arab. kaffara „entsühnen“; s.a. akkadisch kuppuru „kultisch reinigen“; → Sühne). Es ist der Sühnetag, der Versöhnungstag.“[2]

Das Datum wird mit dem zehnten Tag des siebten Monats, dem Monat Tischri, angegeben. Lev 23,32 ist noch präziser in der Angabe und formuliert, im Rückgriff auf den Ruhetagscharakter des Jom Kippur, dass er vom Abend des neunten Tages des Monats bis zum Abend des zehnten Tages des Monats zu begehen sei.[3]

An diesem Tag erfolgt zuerst die Entsündigung der Priester und des Volkes, danach die Reinigung des Tempels. Dazu werden die Sünden durch einen besonderen Ritus auf den „Sündenbock“ übertragen, der dann in die Wüste zu dem dort hausenden Dämon Azazel getrieben wurde.[4]

Zwei Ziegenböcke werden vor Jahwe geführt. Einer wird geschlachtet und der andere wird mit den Sünden und Verfehlungen des Volkes in die Wüste geschickt, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann. Es handelt sich um einen sog. Eliminationsritus. Aus der Mitte des Volkes wird das Übel weggetragen. Die Verfehlungen des Volkes werden dazu über dem Tier bekannt und durch Handauflegen übertragen.[5]

Das Blut des geschlachteten Bocks wird im Allerheiligsten auf und vor die Sühnebedeckung gesprengt und auf die Hörner des Brandopferaltars der sich im Vorhof des Heiligtums befindet.[6]

2. Entwicklung des Jom Kippur

Der Charakter des Jom Kippur wandelte sich nach der Tempelzerstörung und dem Ende des Opferkultus.

An diesem Tag wird das Fasten streng eingehalten. Er sühnt gegen die begangenen Verfehlungen gegen Gott und die Menschen. Aber erst, nachdem der Mensch sich mit seinen Mitmenschen ausgesöhnt hat.

Die gestörte Harmonie zwischen Gott und Mensch herzustellen, bietet dieser Tag. So sahen die Rabbinen ein Fest in ihm, das zur Heilung der Welt und Erlösung führt.[7]

Aus dem Buch der Jubiläen kommen die ersten nachbiblischen Nachrichten über den Jom Kippur, er wird nicht ausdrücklich genannt, jedoch wird von einem Tag berichtet, an dem die „Kinder Israels“ Gott um Vergebung bitten sollen.[8]

Die rabbinischen Theologen des Talmuds und der Mischna hatten nach der Tempelzerstörung die Aufgabe, dem Jom Kippur einen neuen Raum zu geben, da das Entsühnungsritual ja ursprünglich auf den Tempel bezogen war. "Der vom Hohenpriester zu vollziehende Ritus (die Avoda) wurde im festlichen Zusatzgottesdienst (Mussaf) am Jom Kippur in jeder Synagoge rezitiert und an bestimmten Punkten szenisch dramatisiert. Zu diesem Zweck enthalten sowohl die Mischna [erste größere Niederschrift der Tora], als auch der Talmud [eins der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums] (vgl. den Traktat Joma) eine ausführliche Schilderung der historischen Avoda, wie sie in den Erinnerungen der Rabbiner zufolge zur Zeit des Zweiten Tempels stattgefunden hat.“[9]

Von den Gelehrten der Mischna wurde untersagt: Essen, Trinken, Körperpflege, lederne Schuhe tragen, ehelichen Verkehr. Es sind fünf Enthaltungen, die die fünf Sinne des Menschen aber auch die fünf Bücher der Tora symbolisieren sollen. Nur Kinder, Schwangere und Kranke mussten an diesem Tag nicht fasten. Wer denkt, er kann nun vorsätzlich sündigen, da er an diesem Tage sowieso Vergebung erfährt, für den sollen die Tore der Buße geschlossen bleiben.[10]

Der Versöhnungstag im Mittelalter lief folgendermaßen ab: Am Tag zuvor wurde viel gegessen, Geschenke an Arme verteilt und man bemühte sich um die Aussöhnung mit den Mitmenschen. Nachmittags reinigte man sich gründlich in der Mikwe [jüdisches Tauchbad]. Nach der letzten Mahlzeit wurden die Jom-Kippur-Kerzen angezündet und der Tisch im Haus festlich geschmückt. Wenn es abends noch hell war, kam die Gemeinde in die Synagoge. Sie legten ihre weißen Sterbekleider an und die Männer noch zusätzlich ihren Gebetsschal. Sie sangen das Kol Nidre und sprachen das Sündenbekenntnis. An das Grundbekenntnis schloss sich eine zweimalige Auflistung einzelner Vergehen an, während der sich die Manchen an die Brust schlugen und klagten und weinten, da sich die Vergehen auf Israel beziehen. Das Zentrum des Jom Kippur ist die Versöhnungszeremonie, welche in dieser Zeit eine dichterische Ausgestaltung annahm. Wenn der Vorbeter die drei Sündenbekenntnisse zitierte, warf sich die Gemeinde auf den Boden, da sie den heiligen Namen Gottes enthielt. Selbst das Versprengen des Blutes wurde mit einer Geste zum Ausdruck gebracht.

Wenn das Schofar am Neujahrstag geblasen wurde, wurde das Tor zur Buße aufgestoßen, jedoch war die Gefahr des Gerichts noch nicht aufgehoben. Israel wird von dem göttlichen Licht abgeschirmt wenn die Mächte des Bösen bei Gott Anlagen erheben. Das obere Licht (Bina), das die Zahl fünf symbolisiert, muss durch die fünf Enthaltungen gestärkt werden, um es mit dem unteren Licht zu vereinigen und dann strömt es in alle Welt, sodass die geängstigte Schöpfung aufatmen kann.[11]

[...]


[1] Fohrer 1985, S. 130

[2] Körting 10.02.11

[3] vgl. Körting 10.02.11

[4] vgl. Fohrer 1985, S. 130

[5] vgl. Körting 10.02.11

[6] vgl. Eberhart 10.02.11

[7] vgl. Fohrer 1985, S. 130

[8] vgl. Galley 2003, S. 70

[9] Galley 2003, S. 71

[10] vgl. Galley 2003, S. 74

[11] vgl. Galley 2003, S. 74–77

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656257448
ISBN (Buch)
9783656258155
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199207
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Schlagworte
Judentum Jom Kippur

Autor

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