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Friedensforschung und Friedensbewegung

Johan Galtungs Konzept des positiven Friedens und die Beeinflussung von Teilen der Friedensbewegung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 33 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewalt, Frieden und Alternativen nach Johan Galtung
2.1. Analyse der direkten und der strukturellen Gewalt
2.2. Der positive Frieden: Ein konzeptionelles Dilemma
2.3. Galtungs sicherheitspolitische Alternativen
2.3.1. Umrüstung hin zu defensiver Verteidigung
2.3.2. Loslösung von den Supermächten und den Verteidigungsallianzen
2.3.3. Komponenten der inneren Stärke eines Landes
2.3.4. Die Nützlichkeit eines Staates nach außen

3. Eine kurze Darstellung des Verhältnisses zwischen Friedensbewegung und Friedensforschung

4. Die Bedeutung von Galtungs Konzepten für die Friedensbewegung
4.1. Herkunft, Heterogenität und Spektren der Bewegung
4.2. Das positive Friedensverständnis der Grünen
4.3. Die Kirche: zwischen Kritik und Loyalität
4.3.1. Die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste"

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach einer Phase der Entspannung („Détente“), der schrittweisen diplomatischen und wirtschaftlichen Annäherung und Kooperation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion (bzw. der Staaten der NATO[1] und der WVO[2] ), die den sogenannten Kalten Krieg in seiner Brisanz ein wenig entschärft und sogar zu Rüstungskontrollverhandlungen geführt hatte, folgte ab der Mitte der 1970er Jahre eine erneute Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden militärisch-wirtschaftlich-ideologischen Blöcken. Auf beiden Seiten wurden daraufhin vorhandene Waffensysteme modernisiert, beziehungsweise neue Nuklearwaffen sowie Trägersysteme entwickelt, deren Stationierung in Mitteleuropa und besonders in der Bundesrepublik Deutschland zu heftigen politischen und gesellschaftlichen Kontroversen und letztlich zur Entstehung einer breiten, aktiven und in ihrer Zusammensetzung äußerst heterogenen Friedensbewegung führte. Diese Friedensbewegung kann als größte Massenbewegung in der Geschichte der Bundesrepublik angesehen werden und lehnte den „NATO-Doppelbeschluss“ vom 12.12. 1979 konsequent ab, der bei einem Scheitern von Verhandlungen über sowjetische SS-20-Mittelstreckenraketen eine Nachrüstung seitens der NATO mittels „Pershing II“-Raketen und Marschflugkörpern zur Wiederherstellung des strategisch-nuklearen Gleichgewichts in Europa vorsah.

Seit dem Beginn der 1970er Jahre wurde in der Bundesrepublik zudem eine noch junge Wissenschaft, die Friedensforschung (oder Friedens- und Konfliktforschung), gefördert, die nach und nach Einzug an westdeutschen Universitäten hielt. Außeruniversitär kam es zur Gründung von Stiftungen und Instituten, die sich mit der Erforschung von Frieden, Konflikten und Gewalt beschäftigten. Ihren Ursprung hatte diese Wissenschaft vor allem in den USA, jedoch auch in Skandinavien. Eine bedeutende Rolle bei der Etablierung der Friedensforschung spielte Johan Galtung, ein norwegischer Mathematiker (der sich jedoch auch mit Politikwissenschaft und Soziologie auseinandersetzt), dessen Konzeption eines positiven Friedensbegriffs, sowie der zugrunde liegenden Existenz einer strukturellen und indirekten Gewalt im Rahmen der Friedens- und Konfliktforschung eine wichtige Stellung einnimmt. Galtungs Friedensbegriff beeinflusste nicht nur die Friedens- und Konfliktforschung an sich, sondern stellt auch eine wichtige Grundlage für ein alternatives Verteidigungskonzept dar, die von der Friedensbewegung propagiert wurde, der sozialen Verteidigung.

Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen des Seminars „Nachrüstungskrise und Friedensbewegung 1975-1985“ entstanden und vertieft ein Referat zu alternativen Sicherheitskonzepten der Friedensbewegung. Als Nebenfachstudent der Friedens- und Konfliktforschung interessiert mich das Werk Galtungs ungemein, da seine Konzeption(en) von Frieden – wie ich noch ausführen werde – mehr als die bloße Abwesenheit physischer Gewalt beschreiben. Im Allgemeinen ist es für mich stets von Interesse herauszufinden, inwieweit eine teils doch eher abstrakte Wissenschaft praktische Bezüge hatte und inwiefern eine Beeinflussung der Friedensbewegung durch Galtung vorlag.

Hierbei muss die bereits angedeutete Heterogenität der Bewegung berücksichtigt werden – eine Aufgabe die mir nur teilweise und im Rahmen einer Hausarbeit nur punktuell gelingen wird. Exemplarisch werde ich auf zwei Strömungen oder Spektren innerhalb der Bewegung eingehen, in denen ich mein Hauptaugenmerk wiederum auf Untergruppierungen zu richten versuche. Es handelt sich hierbei um das Spektrum der christlich (protestantischen) motivierten Gruppierungen und der zur damaligen Zeit noch relativ jungen Ökologiebewegung, die eine wichtige Rolle innerhalb der Friedensbewegung spielten und bereits jetzt Aufschluss darüber geben, dass sich die Bewegung nicht einem bestimmten politischen Lager zuordnen ließ.

2. Gewalt, Frieden und Alternativen nach Johan Galtung

2.1. Analyse der direkten und der strukturellen Gewalt

Nähert man sich dem positiven Friedensbegriff Galtungs, so stößt man unweigerlich auf eine Definition oder auf Kategorien von Gewalt, die mehr umfassen als den rein physischen oder kriegerischen Einsatz von Gewalt, derzufolge „...Gewalt eine bloße physische Beschädigung oder ein Angriff auf Leib und Leben ist (mit dem Töten als extremster Form) – ein subjektiver Akt, der eben dies als Konzept intendiert.“ (Galtung 1975: 9). Galtung sieht die Notwendigkeit der präzisen Kategorisierung von Gewalt, die forschungs-, handlungs- und problemorientierte Definition von Frieden ermöglicht, das Spagat zwischen Subjektivismus und Konsensfähigkeit bewerkstelligen kann, nicht utopisch ist, den politischen Status quo jedoch auch nicht festschreibt (vgl. Galtung 1975: 8f.). Auch wenn Galtung nicht am traditionellen Verständnis von Frieden, dass die Abwesenheit von Gewalt als zentrale Bedingung darstellt, rüttelt, so kritisiert er dieses Verständnis doch insofern, als dass „völlig inakzeptable Gesellschaftsordnungen […] dann immer noch mit Frieden vereinbar“ wären (Galtung 1975: 9). Ideengeschichtlich steht Galtung hiermit in der Tradition von Immanuel Kants Auffassung, dass es zu einer friedlichen Situation mehr braucht als einen bloßen Waffenstillstand, nämlich der Beseitigung von Kriegsursachen (vgl. Bonacker / Imbusch 2006: 126ff.).

Viel mehr geht es Galtung folglich um eine Ausweitung des Begriffs dahingehend, dass direkte Gewalt als physische und geistige Einschränkung und Beeinflussung von Menschen betrachtet wird, die diese in der Verwirklichung ihrer potenziellen Möglichkeiten aktiv oder indirekt behindert oder gar zerstört. Gewalt liegt demzufolge sowohl in der Einschränkung (zum Beispiel der Bewegungsfreiheit), der Beeinträchtigung (zum Beispiel der Körperverletzung) und Vernichtung (Mord und Totschlag). Auf psychologischer Ebene sind vor allem einschüchternde, aber letztlich doch unvollkommene Formen der Gewalt wie Drohungen oder Indoktrination zu nennen. Diese Form der Gewalt kann sich sowohl gegen ein Individuum, als auch gegen ein Kollektiv richten (wie es im Fall der Einschüchterung einer Nation der Fall wäre). Grundsätzlich kann eine Einflussnahme positiver oder negativer Ausformung sein, wie dies bei Sanktionierung oder Belohnung der Fall ist, wobei beide Formen der Beeinflussung das Individuum in seinem Handlungsspielraum einengen. Gewalt kann ferner beabsichtigt oder unbeabsichtigt sein, manifest zu Tage treten oder latent schwelen, bevor ein bestimmter Anlass zur Eskalation oder Manifestation führt (vgl. Galtung 1975: 9ff.).

Für Galtung liegt die bedeutendste Unterscheidung allerdings in der Frage, ob Gewalt von einem Subjekt ausgeübt wird, oder aber in einem System, in einer Struktur innewohnt. Alle oben aufgeführten Arten der Gewalt benötigen ein ausführendes Subjekt, ganz im Unterschied zur strukturellen Gewalt, die Galtung auch als soziale Ungleichheit beschreibt und die beispielsweise in der Vorenthaltung von Ressourcen und Möglichkeiten liegt (Verfügbarkeit von Medikamenten, dem Zugang zu Bildungseinrichtungen oder dem Ausschluss von Verfahren politischer Partizipation). Ebenso wie im Fall der direkten Gewalt existieren auch bei der strukturellen Gewalt objektbezogene und objektlose, physische und psychische Ausformungen (vgl. Galtung 1975: 12ff.).

Während man die Mittel und Auswirkungen der personellen, direkten Gewalt relativ leicht veranschaulichen kann, so unterliegt die strukturelle Gewalt einer komplizierteren Logik, die sich vor allem in den konstituierenden Mechanismen ihrer Reproduktion verbirgt.

Es ist ersichtlich, dass die Urform der direkten Gewaltanwendung ein Kampf zweier oder mehrerer Kontrahenten darstellt: „...Ausgangspunkt ist der menschliche Körper selbst [...], die Linie setzt sich fort über alle Arten von Waffen und kulminiert, bisher, in den ABC-Waffen." (Galtung 1975: 18). Eine Unterscheidung kann weiterhin noch zwischen struktur- und funktionsbezogener Anwendung von direkter Gewalt getroffen werden. Angriffe auf die Struktur (also auf den Körper an sich) sollen für direkte Zerstörung, Angriffe auf die Funktion (zum Beispiel des Stoffwechsels oder der kognitiven Fähigkeiten) eine außer Kraft setzende Wirkung entfalten, die den Tod oder die Verletzung beinhalten kann, aber nicht notwendigerweise muss (vgl. Galtung 1975: 18f.).

Zur Analyse der strukturellen Gewalt bedarf es hingegen der Betrachtung der Akteure, des Systems, der Struktur, der Ränge und Ebenen, kurz: der Sozialstruktur einer Gesellschaft und der Art und Weise wie Interaktion in ihr stattfindet. Dazu gehört eine lineare Rangordnung zwischen Akteuren, die auf eine eindeutige Hierarchie schließen lässt. Weiterhin gibt es nur eine Möglichkeit, nur ein Muster der Interaktion zwischen Akteuren. Zwischen dem Rang eines Akteurs und seiner Stellung im Gefüge der stattfindenden Interaktionen besteht eine klare Korrelation. Die verschiedenen Interaktionen wiederum gleichen sich strukturell. Ein Akteur der erst einmal einen hohen Rang im System einnimmt genießt den Vorteil, dass sich dies höchstwahrscheinlich auch positiv auf seine Stellung in anderen Systemen auswirkt. Letztlich sind alle Rangebenen eng und hierarchisch miteinander verknüpft (vgl. Galtung 1975: 20f.). Aus diesen Überlegungen schlussfolgert Galtung, „...daß Gesellschaftssysteme im allgemeinen die Tendenz haben, alle sechs Mechanismen zu entwickeln, es sei denn, sie werden vorsätzlich und permanent daran gehindert. [...] Die Ungleichheit zeigt sich dann in unterschiedlichen Krankheits- und Sterbeziffern der Personen innerhalb eines Bezirks, der Bezirke innerhalb eines Landes und der Nationen innerhalb des Internationalen Systems - in einer Kette von eng ineinandergreifenden Feudalverhältnissen. Sie sind machtlos, weil die Struktur sie der Möglichkeiten beraubt, Macht zu organisieren und gegen die "topdogs" wirksam einzusetzen, einerseits, weil sie atomisiert und desintegriert sind, zum anderen, weil sie von der Autorität, die die "topdogs" repräsentieren eingeschüchtert sind." (Galtung 1975: 22).

Auf den ersten Blick erscheinen direkte und strukturelle Gewalt in ihrer Existenz und ihrer Reproduktion als voneinander unabhängig, wobei bei einem genaueren Hinsehen ersichtlich wird, dass die Voraussetzungen für strukturelle Gewalt in früherer direkter Gewalt liegen, welche die Ausbildung einer Hierarchie bewirkt hat, in der wiederum gemeinsame Normen und Interaktionsmuster entstanden sind (vgl. Galtung 1975: 24f.).

Die Lösung des Problems der strukturellen Gewalt scheint also vorerst in der Verhinderung der Ausbildung feudaler und daher in egalitären Gesellschaftssystemen zu liegen, in denen soziale Ungerechtigkeit per se ausgeschlossen ist und alle Individuen neben gleichen Rechten auch Chancengleichheit genießen. Allerdings enthalten gerade diese Systeme ein hohes Maß an personeller Gewalt, die in feudalen Systemen durch hierarchische Strukturen der Maßregelung latent gehalten wird (vgl. Galtung 1975: 25f.). Diesem problematischen Sachverhalt widmet sich Galtung erneut in seiner Abhandlung über die strukturelle Theorie des Imperialismus, den er als Erweiterung der feudalen Gesellschaftsverhältnisse betrachtet: „Imperialismus muss graduell bestimmt werden; wenn er perfekt ist, dann ist er ein perfektes Instrument der strukturellen Gewalt. Ist er nicht perfekt, dann muß ein Ersatz für das da sein, was an struktureller Gewalt verlorengeht, und das ist direkte Gewalt oder wenigstens die Drohung mit direkter Gewalt." (Galtung 1980: 81).

Wie ich hiermit versucht habe kurz anzudeuten dreht sich die Argumentation Galtungs im Kreis. Thorsten Bonacker und Peter Imbusch bestätigen diesen Eindruck wenn Sie erklären, dass Galtungs Definition von struktureller Gewalt einerseits zu einer großflächigen Ausweitung des Gewaltverständnis führt, nach der „...am Ende alles als Gewalt erscheint..." (Bonacker / Imbusch 2006: 88), es andererseits jedoch nicht ersichtlich ist, warum Gewalt lediglich im traditionellen und eng gefassten Begriff der direkten Gewalt verstanden werden sollte (vgl. ebd.).

Die Überbrückung der gesellschaftstheoretischen Diskrepanz zwischen marxistischer Denkweise, in der gerade die Gleichheit der Individuen Frieden oder Harmonie schafft einerseits, und der klassischen liberalen Ansicht, nach der den Individuen die Freiheit zur Ungleichheit untereinander eingeräumt werden muss, andererseits, widmet Galtung die Konzeption eines neuartigen Begriffs von Frieden.

2.2. Der positive Frieden: Ein konzeptionelles Dilemma

Galtungs erweiterter Begriff von Gewalt leitet über zu einem erweiterten Begriff des Friedens, der sich in positiven und negativen Frieden unterscheiden lässt. Positiver Frieden herrscht erst, wenn sowohl direkte, als auch strukturelle Gewalt abwesend sind (vgl. Galtung 1975: 32f.).

Diese idealtypische Vorstellung zielt folglich auf eine Gesellschaft ab, in der sowohl Recht und Ordnung (Abwesenheit direkter Gewalt) , als auch soziale Gerechtigkeit (Abwesenheit struktureller Gewalt) herrscht, also alle Akteure die gleichen Chancen auf Selbstverwirklichung haben und über den gleichen Zugang zu Ressourcen verfügen, während gleichzeitig keinerlei Einschüchterung, positive oder negative Sanktionen bestehen oder sonstige Formen direkter Gewalt zutage treten.

Galtung macht hiermit aus einer Utopie ein universalistisches Ideal, da seine Vorstellung von positivem Frieden einen unteilbaren Friedenszustand beschreibt, der zwischen allen Individuen untereinander in allen Kollektiven, Nationen und zwischen den Nationen gleichzeitig bestehen muss, um überhaupt existieren zu können (vgl. Bonacker / Imbusch 2006: 130f.). Wie Thorsten Bonacker und Peter Imbusch erläutern, plädieren Verfechter dieser Auffassung .„..dafür, Frieden als regulative Idee zu betrachten, die dem politischen Handeln zugrunde liegt und an der sich auch die Theoriebildung in der Friedens- und Konfliktforschung orientieren sollte." (Bonacker / Imbusch 2006: 131). Die thematische Nähe dieser Auffassung von Frieden zu Kants kategorischem Imperativ ist nicht zu übersehen.

Galtung selbst sieht das seiner Definition zugrunde liegende Dilemma, dass die versuchte Vermeidung beider Arten von Gewalt grundsätzlich zu einem Abwiegen zwischen Vor- und Nachteilen derselben beziehungsweise deren Anwendung führen kann: „Wenn man also die Wahl zwischen der Korrektur eines sozialen Übels mit Hilfe personaler Gewalt und dem Nichtstun hat, kann letzteres in der Tat bedeuten, daß man die Kräfte unterstützt, die für die Ungerechtigkeit verantwortlich sind. Und umgekehrt: der Gebrauch personaler Gewalt kann leicht dazu führen, daß man weder langfristige Abwesenheit von Gewalt noch Gerechtigkeit erreicht." (Galtung 1975: 34). Wie Bonacker und Imbusch berechtigt anführen, „...begäbe sich die Friedens- und Konfliktforschung auf das dünne Eis der Unterscheidung zwischen einer gerechtfertigten und einer illegitimen Gewalt." (Bonacker / Imbusch 2006: 132). Ein Festhalten an beiden Absichten erscheint anachronistisch und muss „...als im Grunde pessimistisch angesehen werden, als eine Art intellektueller und moralischer Kapitulation." (Galtung 1975: 36).

Auch wenn Galtung folglich das in seinen Definitionen innewohnende Dilemma erkennt und beschreibt, so hindert dies ihn trotzdem nicht daran, konkrete Vorschläge zu unterbreiten, die allesamt auf eine Entschärfung des Ost-West-Konflikts und der Nachrüstungsdebatte abzielen. Seine Vorschläge zu Alternativen erschienen 1984, zu einem Zeitpunkt an dem die im NATO-Doppelbeschluss angeregten Verhandlungen mit der Sowjetunion gescheitert und die Nachrüstung auf westlicher Seite trotz massenhafter Proteste tatsächlich vollzogen wurde. Während seine Ausführungen über strukturelle Gewalt und Imperialismus ursprünglich von 1972[3] datieren und sein Werk zur strukturellen Gewalt 1975 erschien, also noch zu Zeiten der schrittweisen Entspannung zwischen beiden machtpolitischen Lagern, ist der in seinen alternativen Konzepten liegende Pragmatismus den geschaffenen Realitäten geschuldet.

Generell muss erwähnt werden, dass sich Galtung für die parallele Verfolgung von vier Strategien ausspricht, die in der Konfliktlösung, dem Gleichgewicht der Macht, der Abrüstung und alternativen Sicherheitskonzepten liegen (vgl. Galtung 1984: 45f.). Ich werde mich im folgenden auf den letzten dieser Punkte konzentrieren, da der thematische Rahmen einer Hausarbeit ansonsten ausgereizt würde und die vier Strategien ohnehin miteinander korrespondieren. Der Geist der Konfliktlösung, des Mächtegleichgewichts und der Abrüstung wohnt den nun folgenden Alternativen inne.

[...]


[1] North Atlantic Treaty Organization

[2] Warschauer Vertragsorganisation

[3] Persönliche Anmerkung: Leider konnte ich beim Erstellen der Arbeit nur auf die 5. Auflage dieses Buches zugreifen, die 1980 erschien, was der Verfügbarkeit der Erstausgabe in den Bibliotheken der Universität Marburg geschuldet ist. Bei der mir vorliegenden Version handelt es sich jedoch lediglich um eine Neuauflage an der keine inhaltlichen Veränderungen vorgenommen wurde.

Details

Seiten
33
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656258285
ISBN (Buch)
9783656258636
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199288
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Neuere Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Kalter Krieg Friedensbewegung NATO NATO-Dopelbeschluss Galtung positiver Frieden strukturelle Gewalt Friedensforschung

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Titel: Friedensforschung und Friedensbewegung