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Sport und Jugenddelinquenz

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung ins Thema

1. Begriffsklärung
1.1. Jugenddelinquenz
1.2. Prävention
1.3. Sport

2. Sport und Prävention

3. Praktische Umsetzung
3.1. Implementierung der Befunde

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung ins Thema

„Der Sport wird gerne per se als sozial, erzieherisch und präventiv beschrieben. Es heißt, er integriere problemlos Ausländer, vermittle positive Werte und halte Kinder und Jugendliche von der Einnahme von Drogen und der Ausübung von Gewalt ab.“ (Gizyki/Pilz/Wölki 2005: 7)

Sport als Geheimwaffe gegen Jugendgewalt, Drogenkonsum und Übergewicht. Dieses Bild wird gerne und oft in der medialen Öffentlichkeit vertreten und zum Teil vom Bund gestützt. So zeigt zum Beispiel das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Internetpräsenz www.die-praevention.de ein erhöhtes Interesse daran, das Bewusstsein der deutschen Bevölkerung für ihr Sportengagement zu erweitern. So hat der Sport unter anderem auf diesem Weg als gesundheitsfördernd Einzug in die Wahrnehmung der Bevölkerung erhalten. Dass das Sporttreiben aber in einem gegensätzlichen Effekt münden kann, vergisst, verdrängt oder nimmt der größte Teil der Bevölkerung nicht wahr. Denn wer beispielsweise zu viel, zu lange oder über seine Grenze Sport treibt, gefährdet seine Gesundheit eher als dass er sie stärkt (vgl. Martenstein 2009). Das Bild des Sports als gesundheitsfördernd muss also als ambivalent verstanden werden.

In ganz ähnlicher Weise konstituiert sich das Bild des Sports als Mittel gegen Jugenddelinquenz. In der medialen Öffentlichkeit wird nicht selten die Forderung gestellt, der immer gewalttätigeren Jugend[1] mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung zu bieten (vgl. Raithel 2006: 202). Natürlich wird dann oft eine sportliche Betätigung als Lösung vorgeschlagen. In diesem Zusammenhang wird dann angenommen, dass mehr Sport bei Jugendlichen zu weniger Gesetzesverstößen führe. Doch ist dieser kausale Zusammenhang so überhaupt haltbar?

Gibt es nachweislich einen Zusammenhang zwischen Sporttreiben und Jugenddelinquenz? Ist Sport per se ein geeignetes Präventionsmittel? Diese Fragen sind es, die in dieser Hausarbeit betrachtet werden sollen.

Bei der Betrachtung des Themenkomplexes „Jugend und Delinquenz“ wird ersichtlich, dass zwar ein großes Interesse am Zusammenhang von Jugend und Delinquenz existiert, die Frage danach, welche Rolle Sport in diesem Bereich spielt, bewegt sich jedoch eher in der Peripherie des Interesses. Es lässt sich aber nicht sagen, dass die Wissenschaft diesem Themenkomplex gar keine Beachtung geschenkt hat. Denn sei es die Kriminologie, die Sozialpädagogik, die Psychologie oder die Rechtswissenschaft, alle diesen Wissenschaften beschäftigen oder beschäftigten sich mit dem Thema „Sport und Jugenddelinquenz“.

Da innerhalb der verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen verschiedene begriffliche Definitionsstränge entstanden, bedarf es einiger Begriffsdefinitionen. Daher wird in Kapitel eins zunächst versucht die Begriffe Jugenddelinquenz, Prävention und Sport im Rahmen dieser Hausarbeit zu definieren. Daraufhin beleuchtet Kapitel zwei die empirischen Befunde zur Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Sport und Jugenddelinquenz existiert. Kapitel drei betrachtet, wie Sport in Deutschland als Präventionsmittel gegen Jugenddelinquenz genutzt wird und welche Konsequenzen die in Kapitel zwei dargestellten Befunde für die Praxis haben können. Das Ende dieser Hausarbeit stellt dann ein resümierendes Fazit dar.

1. Begriffsklärung

Dieses Kapitel soll die theoretische Grundlage der Hausarbeit darstellen. Denn obwohl die Begriffe Sport und Prävention[2] im Alltagsverständnis längst fester Bestandteil sind, zeigt sich besonders beim Begriff des Sports wie schwierig er doch zu fassen ist (vgl. Fuchs 2003: 4). Wie im folgenden Kapitel zu sehen ist, besitzt auch der Begriff der Jugenddelinquenz, der dazu bei weitem nicht so etabliert ist im Alltagsverständnis, kein einheitliches Verständnis. Daher ist es notwendig alle drei Begriffe im Zuge dieser Hausarbeit zu definieren.

1.1. Jugenddelinquenz

Hinter dem Fremdwort Delinquenz verbirgt sich zunächst die einfache Übersetzung als Straffälligkeit[3] (vgl. Drosdowski 1996). Damit beschreibt der Begriff also eine Handlung entgegen der gesetzlichen Norm. Das Präfix „Jugend“ zeigt lediglich die Altersgruppe an, die als delinquent bezeichnet wird. Der Begriff „Jugend“ beschreibt dabei jedoch mehrere Altersgruppen. So wird grundsätzlich unter Jugenddelinquenz das Begehen einer Straftat eines Kindes (unter 14 Jahren), Jugendlichen (14 bis 17 Jahren), Heranwachsenden (18 bis 20 Jahren) oder eines Jungerwachsenen (21 bis 24 Jahren) verstanden (vgl. Maschke 2003: 19). Die Altersgruppe der Jungerwachsenen wird auch im Bereich der Jugenddelinquenz erfasst, „(…) mit dem Argument, dass viele junge Menschen dieser Altersgruppe in ihrer psychosozialen Entwicklung noch eher den Jüngeren als den Erwachsenen gleichstünden (…)“ (ebd.). Doch auf welche Weise verstößt die „Jugend“ nun genau gegen gesetzliche Normen? Gibt es typische delinquente Verhaltensmuster und daher typische Straftaten im Bereich der Jugenddelinquenz?

Oder wird das gesamte Spektrum an möglichen Straftaten von dieser Gruppe abgedeckt? Gerhard Spieß äußert sich dazu auf Grundlage der Untersuchung kriminalistischer und kriminologischer Befunde wie folgt: „Denn die große Masse der Delikte von Kindern und Jugendlichen – und auch die große Masse des quantitativen Zuwachses der Belastung dieser jungen Altersgruppen in den vergangenen Jahren, die die Berichterstattung zeitweise extrem geprägt hat - ist dem Bagatellbereich zuzuordnen.“ (Spieß 2010: 21). So sind die Straftaten im Bereich „(…) fahrlässige oder vorsätzliche leichte Körperverletzung, vor allem aber Ladendiebstahl und Schwarzfahren.“ (ebd.) anzusiedeln. Eine nahezu identische Einschätzung findet sich bei Werner Maschke: „Es handelt sich um gelegentliche Eigentumsdelikte, einfache Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz usw. durch "Moped- Ritzeln", Konsum illegaler Drogen und Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz (Raubdrucke, Raubkopien).“ (Maschke 2003: 20).

Die Straftaten im Bereich Jugenddelinquenz seien also zum großen Teil Bagatelldelikte, die nicht von krimineller Energie zeugten, sondern oft besonders dilettantisch vorgetragen seien (vgl. Spieß 2010: 21). Als Ursache für solche Art von Straftaten nennt Manfred Günther Langeweile, Frustration, Aggressionsstau und/oder Orientierungs- bzw. Perspektivlosigkeit (vgl. Günther 2006: 3). Zudem lässt sich sagen, dass diese Art der Delinquenz von keiner kleinen Gruppe begangen wird, sondern, dass beinahe alle Jungendlichen irgendwann straffällig werden (vgl. Scherr 2010: 203). Dieses führe aber bei der Mehrzahl zu keiner kriminellen Karriere und stelle sich auch nur als eine altersspezifische Episode im Leben dar (vgl. Spieß 2010: 20; vgl. Maschke 2003: 21; vgl. Scherr 2010: 203; vgl. Dollinger/Schmidt-Semisch 2010: 11).

1.2. Prävention

Da der Begriff der Jugenddelinquenz bearbeitet wurde, soll dieses Kapitel klären, was unter Prävention zu verstehen ist. Natürlich gibt es auch hier ein grundsätzliches Verständnis, das losgelöst von Fachspezifika für sich steht. So bezeichnen Reder und Ziegler Prävention „(…) als (sozial-)technologische Manipulationen von Geschehensabläufen (bezeichnet), deren kognitive Grundoperation darin besteht, gegenwärtige Zustände zur Wahrscheinlichkeit künftiger Ereignisse in Beziehung zu setzen.“ (Reder/Ziegler 2010: 365). Diese sehr weitgefasste Definition soll durch die von Klaus Hurrelmann ergänzt werden: „Mit Prävention werden solche Maßnahmen bezeichnet, die das Auftreten von psychischen, somatischen und sozialen Störungen verhindern bzw. die durch frühzeitige und effektive Interventionen, Folgen bestehender Störungen möglichst gering zu halten versuchen (Vgl. HURRELMANN 1995, 253).“ (Hurrelmann nach Gizyki/Pilz/Wölki 2005: 17). Obwohl die Definition Klaus Hurrelmanns auch sehr allgemein gehalten ist, zeugt sie im Gegensatz zu Definition Reder und Zieglers von einem höheren Detailgrad, da diese nicht auf die verschiedenen Stufen der Prävention verweisen. Denn Prävention lässt sich ganz grundsätzlich als dreistufig verstehen. (vgl. Gizyki/Pilz/Wölki 2005: 17; vgl. Behn/Schwenzer 2007: 16).

Die primäre Präventionsstufe umfasst den Bereich der vordelinquenten Prävention. Das bedeutet, dass mit der ersten Stufe praktisch die im Sinne der Definition gesamte „Jugend“ gemeint ist, die bisher kein delinquentes Verhalten gezeigt hat (vgl. Behn/Schwenzer 2007: 16). Insofern versucht die erste Stufe delinquente Einstellungen und Verhaltensweisen nicht erst aufkommen zu lassen (vgl. Gizyki/Pilz/Wölki 2005: 17). Die sekundäre Präventionsstufe sieht als Zielgruppe die, „(…) die noch nicht straffällig geworden sind, aber aufgrund ihrer Lebensumstände stark gefährdet sind.“ (Behn/Schwenzer 2007: 16). Es bleibt hier jedoch anzumerken, dass die Klassifizierung der Gefährdung auch immer die Konnotation der Konstruktion in sich birgt und somit ein enorm diffuses Feld bleibt (vgl. Behn/Schwenzer 2007: 17). Die tertiäre Präventionsstufe befasst sich mit der Gruppe, bei der sich delinquentes Verhalten als verfestigte Verhaltensform darstellt (vgl. Behn/Schwenzer 2007: 17; vgl. Gizyki/Pilz/Wölki 2005: 17).

Es zeigt sich also, dass bei der Nutzung des Begriffs Prävention die Dreistufigkeit nicht außer Acht gelassen werden darf, da je nach Stufe ein weiteres bzw. engeres Verständnis von Prävention erzeugt wird (vgl. Reder/Ziegler 2010: 365). Es kann also gesagt werden, dass mit Hilfe von Prävention und seinen verschiedenen Stufen, versucht wird die „(…) negativen Folgen von Abweichungen – zu verhindern, d.h. ihnen zuvorkommen. Prävention zielt aber nicht darauf schädliche oder schändliche Taten im Nachhinein zu bestrafen.“ (Reder/Ziegler 2010: 367). Diese letzte Anmerkung ist insofern entscheidend, da Prävention nicht darauf abzielt zu bestrafen, sondern versucht protektiv auf das Individuum einzuwirken. Während die erste und die zweite Stufe generell versuchen Straffälligkeit zu verhindern, versucht die dritte Präventionsstufe erneutes delinquentes Verhalten zu verhindern.

[...]


[1] Wobei diese Annahme nach Spieß schon einer empirischen Grundlage entbehrt (vgl. Spieß 2010: 26f).

[2] Der Begriff wird im Alltagsverständnis aber eher in Bezug auf Gesundheit verstanden.

[3] Obwohl die Begriffe Delinquenz und Kriminalität im weitesten Sinne synonym verwendet werden, wird im sozialwissenschaftlichen Bereich eher von Delinquenz als von Kriminalität gesprochen (vgl. Maschke 2003: 24)

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656258254
ISBN (Buch)
9783656259336
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199508
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
sport jugenddelinquenz

Autor

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Titel: Sport und Jugenddelinquenz