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Konsolidierungstendenzen der pharmazeutischen Industrie

Studienarbeit 2011 26 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Konsolidierungstendenzen der globalen Pharmaindustrie
1.1. Pharmazeutische Unternehmen im Umfeld gesetzlich reglementierter Kostensenkungsmaßnahmen
1.1.1. Die Auswirkungen auf die Zulassung und Erstattung innovativer Wirkstoffe
1.1.2. Die Auswirkungen auf patentgeschützte, patentfreie und generische Arzneimittel
1.2. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Konsolidierungstendenzen der globalen Pharmaindustrie

Weltweit reagieren die nationalen Regierungen auf den Kostendruck innerhalb ihrer Gesundheitssysteme mit der verstärkten Verabschiedung zahlreicher Gesetzesinitiativen. Diese für alle beteiligten Akteure innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme zunehmend restriktiveren rechtlichen Rahmenbedingungen mit dem Ziel der Kostendämpfung, zwingen auch die pharmazeutischen Unternehmen zu bisher nie dagewesenen Anpassungen und tiefgreifenden Entscheidungen. Hierbei liegen die gegenwärtigen Herausforderungen der Pharmabranche insbesondere in den folgenden Bereichen:

1. Die zunehmenden Forderungen der Regierungen und Kostenträger darüber, dass ein innovatives Arzneimittel neben einem günstigen Kosten-Nutzen-Profil auch einen Zusatznutzen gegenüber bestehenden medikamentösen Therapien nachweisen muss.
2. Der bevorstehende Patentauslauf zahlreicher Blockbuster[1] und die damit einhergehenden Umsatzeinbußen für deren Hersteller.
3. Die stark rückläufige Anzahl neu erforschter, innovativer Arzneimittel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Konsolidierung der globalen Pharma-Aktivitäten[2]

Angesichts gegenwärtig verabschiedeter und weiterer anstehender Reformvorhaben der nationalen Regierungen, gewinnt die globale Konsolidierung innerhalb der Pharmaindustrie zunehmend an Fahrt, wobei ein Branchenvergleich zeigt, dass sich der internationalen Pharmabranche ein großes Potential für künftige Fusionen eröffnet. Im Gegensatz zu anderen Branchen, wie beispielsweise der Automobil- oder Chemiebranche, steht die Konsolidierung der Pharmaindustrie relativ gesehen noch am Anfang. Zum Vergleich: Während die Top-10 Unternehmen der Chemiebranche bereits mehr als neunzig Prozent des Weltmarktes abdecken, sind es in der Pharmaindustrie gerade mal fünfzig Prozent.[3] Darüber hinaus verfügen die großen Pharmaunternehmen im Vergleich zu den oben genannten Industriezweigen noch über hohe Barbestände , mit denen sie relativ zügig und mit vergleichsweise geringem Aufwand Fusionen finanzieren können.[4]

Ein weiterer bestimmender Faktor für die Konsolidierung der internationalen Pharmabranche liegt in der zunehmenden Forderung nationaler Gesundheitsbehörden gegenüber pharmazeutischen Herstellern, neben einem positiven Kosten-Nutzen-Nachweis auch einen Beleg darüber zu erbringen, dass innovative Arzneimittel einen Zusatznutzen besitzen. Demnach werden künftig ausschließlich diejenigen Pharmaunternehmen deutlich höhere Preise für ihre Produkte verlangen dürfen, die den Zusatznutzen ihrer Substanzen im Vergleich zu etablierten medikamentösen Therapien in aussagekräftigen Studien nachweisen können.

Um in dieser Hinsicht Arzneimittel bewerten zu können, haben zahlreiche Nationalstaaten seit Ende der 1990-er Jahre damit begonnen sogenannte Postlizensierungsbehörden einzurichten. Diese sind, wie im Falle Frankreichs, entweder große, mit umfassenden Aufgaben[5] betraute Gesundheitsbehörden wie die „Haute Autorité de Santé“, eigens eingerichtete Arzneimittelbewertungsinstitute wie das „Pharmaceutical Benefits Advisory Commitee“ in Australien oder Health-Technology-Assessment (HTA)-Agenturen wie das „National Institute for Health and Clinical Excellence“ in England und Wales.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Chronologische Auflistung ausgewählter nationaler Institutionen zur Bewertung von Arzneimitteln[6]

Welche Auswirkungen die Prüfung auf Feststellung eines Zusatznutzens von neuen Arzneimitteln auf den Markteintritt, die Preisfindung und somit letztlich auf die Umsatz- und Profitabilitätserwartungen pharmazeutischer Hersteller haben können, veranschaulicht die Einführung des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) Anfang 2011 in Deutschland.

Das AMNOG, das an der Struktur des Arzneisystems ansetzt, verfolgt das Ziel, das bisherige Preismonopol[7] der pharmazeutischen Hersteller auf dem Arzneimittel-Markt Deutschland zu kippen. Darüber hinaus führt Deutschland als eines der letzten europäischen Staaten (siehe Tabelle 1) mit dem AMNOG eine Nutzenbewertung ein, die “echte“ innovative Arzneimittel von “Schein-Innovationen“, den sogenannten Me-too Produkten, abgrenzen soll.

Pharmaunternehmen, die nunmehr die Absicht haben, eine neue Substanz in den Markt einzuführen, müssen diese von nun an einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterziehen, das Ergebnis ihrer Studien in einem so gennannten Value-Dossier festhalten und dieses zum Zeitpunkt des erstmaligen Inverkehrbringens der betreffenden Substanz beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der maßgeblichen Entscheidungsinstanz, wenn es um Erstattungsfragen in Deutschland geht, einreichen.

Der G-BA lässt die im Value Dossier genannten Argumente und Studiendaten durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) prüfen, welches seinerseits dem G-BA eine Empfehlung darüber ausspricht, ob für das neue Produkt ein Zusatznutzen gegenüber einer bestehenden Therapie erkennbar ist oder nicht.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Ist der G-BA der Ansicht, dass für das neue Arzneimittel keine Zusatznutzen feststellbar ist, wird dieses umgehend in eine Festbetrags-Gruppe mit bereits bestehenden Arzneimitteln eingruppiert, und das Pharmaunternehmen kann frühestens nach einem Jahr eine erneute Nutzenbewertung beantragen.

Kommt der G-BA hingegen zu dem Urteil, dass es sich bei dem neuen Arzneimittel um eine echte Innovation handelt, darf das pharmazeutische Unternehmen das Arzneimittel ein Jahr lang zu einem von ihr festgelegten Preis verkaufen. Innerhalb dieses ersten Jahres müssen sich das pharmazeutische Unternehmen und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (SpiBu), die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, auf einen Erstattungspreis einigen. Gelingt keine Einigung, entscheidet eine Schiedsstelle über den künftigen Erstattungspreis und orientiert sich bei ihrer Urteilsfindung an den in anderen europäischen Ländern geforderten Arzneimittelpreisen.[8]

[...]


[1] Als Blockbuster werden Arzneimittel bezeichnet, die mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr erzielen.

[2] Vgl. Eigene Darstellung

[3] Vgl. Schiller, A. (2011)

[4] Vgl. Financial Times Deutschland (2009)

[5] Diese liegen bei der Haute Autorité de Santé beispielsweise im Bereich der Qualitätssicherung.

[6] Vgl. Zentner, A./Busse, R. (2011), S. 25-34

[7] Vgl. Pharmazeutische Zeitung online (2010)

[8] Vgl. Wagner, O./Badtke, F. (2010), S. 4

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656262282
ISBN (Buch)
9783656263494
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199804
Institution / Hochschule
Paneurópska vysoká škola
Note
1,7
Schlagworte
konsolidierungstendenzen industrie

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Titel: Konsolidierungstendenzen der pharmazeutischen Industrie