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Das Zisterzienserkloster Doberan und die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Zisterzienserorden

3. Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg

4. Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter

5. Das Kloster Doberan in der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang - Übersetzung Capitulum 117 der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg

1. Einleitung

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Doberan ein Ort mit gerade mal 80 Einwohnern. Kaum etwas erinnerte daran, dass hier nur ein paar Jahr­hunderte zuvor einmal eines der größten und reichsten Klöster Norddeutschlands und gleichzeitig das älteste Kloster Mecklenburgs gestanden hatte. Bereits zu dieser Zeit existierte ein Großteil der Gebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters nicht mehr. Nach der Säkularisierung im Jahr 1552 war es, wie es in der Reformationszeit vielerorts üblich, nach und nach zu Abbrüchen gekommen, um das Baumaterial andernorts wieder zu verwenden.[1] Jedoch konnte durch das Eingreifen Herzog Ulrichs, dem Bruder Herzog Johann Albrechts, verhindert werden, dass das Kloster vollends als Steinbruch endete. Trotzdem war bereits zur Mitte des 18. Jahrhunderts von den Klausurgebäuden und der Abtei kaum noch etwas erhalten.[2] Die Bedeutung des Klosters Doberan im Mittelalter zeigt sich aber auch daran, dass Ernst von Kirchberg dem Kloster vier Kapitel in seiner Mecklenburgischen Reimchronik, die als erste Landes- und Fürstenchronik Mecklenburgs anzusehen ist, widmet.

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter. Um zunächst einen Einblick zu erhalten, wird zunächst auf den Orden der Zisterzienser eingegangen werden. Dabei wird vor allem dessen Gründung sowie dessen anschließende Verbreitung in ganz Europa betrachtet. Danach soll kurz die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg be­handelt werden, ihre Entstehung, Ausarbeitung sowie dessen Verfasser. Während sich der Hauptteil anschließend mit der Geschichte des Klosters Doberan im Mittel­alter auseinandersetzt, wird im abschließenden Teil noch einmal das Kloster Doberan in der Mecklenburgischen Reimchronik betrachtet werden, um gegebenen­falls zu auf Unterschiede zwischen Reimchronik und anderer Forschungs- und Quellenlagen zu bestimmten Daten einzugehen.

2. Der Zisterzienserorden

Während des 10. und 11. Jahrhunderts kam es zu Spannungen und Un­zufriedenheiten im traditionellen benediktinischen Mönchtum. Die vielfältigen Gründe hierfür betrafen jedoch weniger die individuelle Frömmigkeit der Mönche als vielmehr die zunehmenden Verflechtungen des klösterlichen mit dem weltlichen Leben. Äbte begannen wie Fürsten zu regieren, der gestiegene materielle Wohlstand führte zu einem Aufweichen der strengen Klosterregeln und die Klerikalisierung der Chor­mönche erweiterte deren Aufgabenfeld. So blieb immer weniger Zeit für Kontemplation und Mediation des Einzelnen. So klafften Ideal und Wirklichkeit immer weiter auseinander, was viele Religiöse dazu bewegte, nach Alternativen zu suchen.[3]

Vor diesem Hintergrund der geistig-geistlichen Entwicklung ergab es sich an verschiedenen Orten, dass sich im Laufe des 11. Jahrhunderts verstärkende Be­mühen, die ursprünglichen Ideale der Ordensregel des Benedikt von Nursia (Regula Benedicti) wieder zur Geltung zu bringen. In diesem Kontext steht auch die Gründung des Klosters Cîteaux durch Robert von Molesme.[4] Bereits 1075 hatte Robert das Kloster Molesme, nach strenger monastischer Regel von Armut und harter körperlicher Arbeit gegründet und wurde dessen Abt. Aber bereits nach wenigen Jahren war ihm die Klostergemeinschaft nicht mehr streng genug. Sie war inzwischen durch ihre Nähe zur Straße nach Paris sowie Kirchenschenkungen, Über­tragungen von Zehnten usw. einflussreich und bekannt geworden.[5] Daher verließ der Abt 1098 zusammen mit 21 Mönchen seine Mutterabtei Molesme und gründete in einer abseits gelegenen Gegend in Cîteaux ein neues Kloster. Die neue Gemein­schaft hatte das Ziel, apostolische Werte wie Einfachheit, Keuschheit und Armut sowie die Regula Benedicti wieder strenger zu befolgen. Auf dieser Grundlage wollte sie ausschließlich von ihrer eigenen Hände Arbeit leben. Einnahmen aus Ver­pachtung und Zinsen sowie die Erhebung des Zehnten lehnte sie ab. Abgeschieden­heit von der Welt und Einfachheit der Lebensweise waren Grundideale der Reform­gruppe.[6]

Bereits 1099 jedoch wurde Robert von Molesme auf Betreiben seiner früheren Mitbrüder und dem neu gewählten Abt Gottfried, von Papst Urban II., nach Molesme zurückberufen.[7] [8] An seine Stelle wählten die Mönche in Cîteaux Alberich als Abt, der als Alberich von Cîteaux das Kloster zehn Jahre lang leitete. 1109 löste ihn schließ­lich Stephan Harding auf dieser Position ab. Mit ihm nahm das Wachstum von Cîteaux in solchem Umfang zu, das er mit dem Aufbau eines Ordens beginnen konnte. Die entscheidenden Ereignisse auf dem Weg zu einer Ordensgründung sind die Gründung des Tochterklosters La Ferté 1113 und der im selben Jahr erfolgte Ein­tritt Bernhards von Clairvaux mit 30 Gefährten in den Konvent von Cîteaux sowie die Bestätigung der Carta Caritatis durch Papst Calixtus II. im Jahr 1119.° Die Carta stellte eine Art Verfassung dar, die klug und vorausschauend die Beziehungen der Klöster untereinander grundlegend regelte.

Aufgrund der, mit Bernhard von Clairvaux begonnenen, rasch angestiegenen Zahl der Konventsmitglieder kam es schließlich, neben dem Tochterkloster La Ferté, zur Gründung weiterer Tochterklöster, welche zusammen mit Cîteaux die so­genannten Primärabteien der Zisterzienser bilden - Pontigny (1114), Clairvaux und Morimond (beide 1115).[9]

Zum Orden entwickelte sich der Klosterverband maßgeblich während der Amtszeit Stephan Hardings. Auch wenn er nicht allein als Ordensgründer anzusehen ist. Neben seinen beiden Vorgängern sind auch die Äbte der vier anderen Primär­abteien - vor allem Bernhard von Clairvaux - zu nennen. Auch stellte die zisterziensische Klosterreform mit ihrer Carta Caritatis eine Reform innerhalb des benediktinischen Mönchstums dar, die alle Bereiche des monastischen Lebens - Administration, Ökonomie, Spiritualität, Liturgie und Architektur, umfasste.[10] Diese innere Verfasstheit des Ordens, die sich durch die ausgewogene Kombination von Autonomie der einzelnen Zisterzen und einiger Hierarchie auszeichnete, unterschied die Zisterzienser von anderen monastischen Reformbewegungen des 11. Und 12. Jahrhunderts. Im Jahr 1123 wurde, mit dem Kloster Kamp, das erste Zisterzienser­kloster östlich des Rheins gegründet. Von da an breitete sich der Zisterzienserorden auch im deutschsprachigen und slavischen Raum aus.[11] Gab es 1119, als der Papst ihnen das Privileg ausfertigte, zwölf Abteien der Zisterzienser, so waren es unmittel­bar vor dem Tode Bernhards von Clairvaux 1153 bereits 333 Klöster und bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts sogar 647 Klöster in ganz Europa. Dies war auch die Zeit seiner Hauptausbreitung, denn bis zum Jahr 1675 wuchs die Anzahl der Zister­zienserklöster nur noch auf 742 Abteien an.[12]

3. Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg

„Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg ist die erste um- fassende Darstellung der Geschichte der mecklenburgischen Lande.“[13] Da sich Reimchronik an der Geschichte ihrer Fürsten orientiert, repräsentiert sie den Typus einer Landes- und Fürstenchronik. Diese Art der Regionalgeschichtsschreibung kennzeichnet sich durch ihren Raumbezug, wobei sich dieser aus dem Geltungs­bereich des Herrschers ergibt. Außerdem gehört die Reimchronik zu der literarisch- historiographischen Gattung der Reimchroniken. Von ihren ursprünglich etwa 28.000 Versen sind heute noch rund 26.000 erhalten.[14] [15]

Nur durch seine Selbstbezeichnung in der Vorrede der Mecklenburgischen Reimchronik ist der Autor Ernst von Kirchberg bekannt. Vermutlich war er in der Kanzlei Herzog Albrechts II. von Mecklenburg tätig, der ihn mit der Abfassung einer Geschichte des Fürstenhauses beauftragte - „Almechtig god gib mir virnunst, // daz ich des volkumme nu // mit dutschen worten bringe zu // ryme vnd zu gudem synne, // daz mich mit gantzer mynne // eyn getruwir furste tichten bad, // der von gelimphe ny getrad, // in eren milde vnt da by kurg, // herczoge Albrecht von Mekelnburg, // .

Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass der Autor Ernst von Kirchberg nicht aus dem mecklenburgisch-niederdeutschen Sprachraum stammte, sondern aus dem mittelhochdeutschen Sprachraum. Genauer gesagt, aus dem Dorf Kirchberg auf der Hainleite im südlichen Harzvorland. Vor dem Hintergrund des 1348 erlangten Herzogtitels und den Bemühungen Albrechts II. um die schwedische Königskrone für seinen Sohn und Enkel, lässt sich sein Interesse an „einer repräsentativen, die königsgleiche Stellung der mecklenburgischen Dynastie darlegenden Geschichtsdar­stellung deutlich machen.“[16]

[...]


[1] Vgl. Fründt, Edith: Das Kloster Doberan. 2. überarb. Aufl., Berlin 1989, S. 7.

[2] Vgl. Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan e.V. (Hrsg.): Kloster Doberan. Text: Joachim Skerl, Rostock 2007, S. 8.

[3] Vgl. Rüffer, Jens: Die Zisterzienser und ihre Klöster: Leben und Bauen für Gott. Darmstadt 2008, S. 9.

[4] Vgl. Eberl, Immo: Die Zisterzienser: Geschichte eines europäischen Ordens. Darmstadt 2002, S. 18ff.

[5] Vgl. ebd., S. 20f.

[6] Vgl. Rüffer,2008, S. 10.

[7] Vgl. Eberl, 2002, S. 23f.

[8] Vgl. ebd. S. 36.

[9] Vgl. Rüffer, 2008, S. 12.

[10] Vgl. ebd., auch: Eberl, 2002, S. 46.

[11] Vgl. Wiehert, Sven: Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter. Berlin 2000, S. 9.

[12] Vgl. Eberl, 2002, S. 47.

[13] Schmidt, Roderich: Vorwort zur Edition der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg. In: Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg, hg. von Christa Cordshagen und Roderich Schmidt, Köln u.a.1997, S. XII.

[14] Vgl. ebd.

[15] Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg, hg. von Christa Cordshagen und Roderich Schmidt, Köln u.a. 1997, S. 2.

[16] Kersken, Norbert: Auf dem Weg zum Hofhistoriographen, Historiker an spätmittelalterlichen Fürstenhöfen. In: Fey, Carola/Krieb, Steffen/Rösener, Werner (Hrsg.): Mittelalterliche Fürstenhöre und ihre Erinnerungs­kulturen. Göttingen 2007, S 112f.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656262237
ISBN (Buch)
9783656262602
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199894
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Mittelalter Ernst von Kirchberg Kirchberg Ernst Mecklenburg mecklenburgische Reimchronik Kloster Zisterzienser Doberan Zisterzienserkloster

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Titel: Das Zisterzienserkloster Doberan und die Mecklenburgische Reimchronik  des Ernst von Kirchberg