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Selbstsozialisation durch Mediennutzung in der Jugendkultur Indie

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Zusammenfassung

Wie selbstverständlich sind Ende des 20. Jahrhunderts Medien wie das Internet und Handy, Radio und Fernsehen, zu unseren ständigen Begleitern geworden und leiteten somit den Wandel von der Industriegesellschaft zu einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft ein. Heute beeinflussen Medien weitgehend sowohl unsere Freizeit als auch unser Handeln und Denken. Die verschiedensten Lebensbereiche sind von Konsum von Medien betroffen und geprägt. Davon ist auch mehr und mehr die Lebenswelt der Jugend berührt, was eine zunehmende Bedeutung der Medien für das Aufwachsen in unserer Gesellschaft nach sich zieht (vgl. Vollbrecht & Wegener, 2010, S.10). „Entwicklungsaufgaben, Jugendkulturen und die Botschaften der Medien“ stellen den Bezugsrahmen der „psychosozialen“ Entwicklung von Jugendlichen dar (Spanhel, 2006, S.161). Hierbei wird deutlich, dass es sich um einen komplexen Forschungsgegenstand handelt, der einen interdisziplinären Zugang erfordert. Vor diesem Hintergrund widmet sich die nachfolgende Hausarbeit vor allem dem Themenbereich der Jugend im Prozess der Sozialisation und der damit zusammenhängenden Bedeutung der Mediennutzung und jugendlichen Bezugsgruppen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 .Einleitung

2. Sozialisation
2.1 Mediensozialisation
2.2 Selbstsozialisation

3. Medien im Sozialisationsprozess
3.1 Zugang und Ausstattung Jugendlicher zu Medien
3.2 Motive von Mediennutzung
3.2.1 Situative Funktionen
3.2.2 Soziale Funktionen
3.2.3 Biographische und Ich- bezogene Funktionen

4. Jugendkulturen und Medien
4.1 Jugendkulturen
4.2 Jugendkultur „Indie“
4.3 Zugang zur Jugendkultur „Indie“ durch Medien
4.4 Selbstsozialisation und „Indie“

5. Konsequenzen von Mediennutzung
5.1 Negative
5.2 Positive
5.3 Medienpädagogische Aufgaben

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie selbstverständlich sind Ende des 20. Jahrhunderts Medien wie das Internet und Handy, Radio und Fernsehen, zu unseren ständigen Begleitern geworden und leiteten somit den Wandel von der Industriegesellschaft zu einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft ein. Heute beeinflussen Medien weitgehend sowohl unsere Freizeit als auch unser Handeln und Denken. Die verschiedensten Lebensbereiche sind von Konsum von Medien betroffen und geprägt. Davon ist auch mehr und mehr die Lebenswelt der Jugend berührt, was eine zunehmende Bedeutung der Medien für das Aufwachsen in unserer Gesellschaft nach sich zieht (vgl. Vollbrecht & Wegener, 2010, S.10). „Entwicklungsaufgaben, Jugendkulturen und die Botschaften der Medien“ stellen den Bezugsrahmen der „psychosozialen“ Entwicklung von Jugendlichen dar (Spanhel, 2006, S.161). Hierbei wird deutlich, dass es sich um einen komplexen Forschungsgegenstand handelt, der einen interdisziplinären Zugang erfordert. Vor diesem Hintergrund widmet sich die nachfolgende Hausarbeit vor allem dem Themenbereich der Jugend im Prozess der Sozialisation und der damit zusammenhängenden Bedeutung der Mediennutzung und jugendlichen Bezugsgruppen. Es lässt sich eine Vielzahl von zunehmend differenzierteren Alltagswelten der Jugendlichen (Jugendkulturen) vorfinden, die sich durch die Bevorzugung bestimmter Stilelemente ausdrückt. Bei der Hervorhebung ihrer Zugehörigkeit und Abgrenzung kommt nahezu keine der einzelnen Gruppierungen ohne Medien als Ausdrucksmittel aus. Die Mediennutzung eröffnet auf diese Weise den Zugang zu der Vielfalt an Jugendkulturen und bringt eine steigende Zahl von Selbstdarstellungsmöglichkeiten und verschiedensten Lebenswelten mit sich. Das „aktiv realitätsverarbeitende Subjekt“ (Hurrelmann, 1983) sozialisiert sich selbst und drückt durch seinen Mediengebrauch seine Zugehörigkeit aus. Ausgehend von dieser Sachlage befasst sich die nachstehende Arbeit zunächst mit der Klärung wichtiger Begriffe zur Sozialisation und zeigt schließlich die Bedeutung der Medien für die Identitätsentwicklung auf. Des Weiteren soll die identitätsstiftende Wirkung der Medien auf Jugendkulturen untersucht werden und daraus medienpädagogische Aufgaben abgeleitet werden. In Anbetracht der durch die Medien vermittelten Besorgnis, Medien wirkten vor allem negativ auf die Rezipienten zurück, soll außerdem das Aufzeigen positiver und negativer Auswirkungen, die die Medienfaszination mit sich bringt, Gegenstand dieser Arbeit sein (vgl. Vollbrecht et al., 2010, S. 143). Als Beispiel für einen jugendlichen Handlungsraum soll die sogenannte Subkultur „Indie“ herangezogen werden.

2. Sozialisation

Sozialisation ist die individuelle Verarbeitung der materiellen und sozialen Umwelt. Laut Durkheim (1973, zitiert nach Raithel, Dollinger & Hörmann, 2009, S.59), der den Begriff der Sozialisation prägte, handelt es sich um einen lebenslangen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung bei dem gesellschaftliche Werte verinnerlicht werden. Hurrelmann (1986) betont dabei die aktive und selbstgestaltende Rolle des Individuums. Ausgangpunkt ist dabei die Annahme, dass ein Individuum unfertig, als unbeschriebenes Blatt, mit einer bestimmten genetischen Ausstattung geboren wird (Bonfadelli, 1981, S.41). Die Persönlichkeit des Menschen wird über soziale Interaktionen geformt, indem sich gesellschaftliche Bedingungen, vermittelt über Institutionen, auf das Subjekt auswirken. Traditionell gelten dabei die Familie, Gleichaltrige und Einrichtungen wie die Schule, Universitäten und Betriebe als Sozialisationsinstanzen. Mit der Ausweitung von Massenmedien und dem Entstehen der modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft steigt zunehmend auch die Bedeutung von Medien im Sozialisationsprozess von Jugendlichen. Medien gewinnen nun auch im Hinblick auf die Erfassung gesellschaftlicher Handlungsspielräume an Wichtigkeit. Demzufolge werden Medien heutzutage als weitere Sozialisationsinstanz betrachtet (Vollbrecht et al, 2010).

2.1 Mediensozialisation

„Generation @“, „Facebook-Generation“, „Cyberkids“ usw. sind heutzutage oft verwendete Bezeichnungen der Jugend, die erahnen lassen, dass Sozialisationsprozesse ohne Medienzusammenhänge nahezu undenkbar geworden sind. Medien mit ihrer Multifunktionalität (Vollbrecht, Fritz & Sting, 2003, S.14f.) fungieren als Informationsvermittler, Meinungsbilder, Zeitfüller, Unterhaltungsmittel etc. und erfahren im Zusammenhang mit Sozialisationsprozessen immer mehr Aufmerksamkeit. Das Jugendalter stellt zudem eine Lebensphase dar, die durch Veränderungen und der Suche nach der eigenen Identität gekennzeichnet ist. Zusätzlich verlieren traditionell prägende Werte, Normen und Orientierungen im Zuge gesellschaftlicher Umbruchsprozesse an Verbindlichkeit. Gemäß Becks Individualisierungshypothese zeichnet sich dabei eine Entwicklungstendenz ab, die sich in einer Freisetzung des Individuums niederschlägt und nach der alle Lebensentscheidungen in die Verantwortung des einzelnen verlagert werden. Das Individuum selbst wird zum Gestalter seines Lebens und seiner Biographie, mit der Orientierung als seine wichtigste Aufgabe. Eine weitere Folge der gesellschaftlichen Umwälzung und einer damit einhergehenden Detraditionalisierung ist laut Schulze die Entstehung einer Erlebnisgesellschaft. Dabei habe eine Verlagerung der Handlungsziele von der Situation hin zum Subjekt stattgefunden. Es entstand ein erlebnisrationales Handeln, auf Grundlage einer innenorientierten Konsummotivation (Bachmair, 2012, S.93). Veranlasst durch diese Entwicklungen greifen daher vor allem Jugendliche vermehrt auf Medien zurück, die mitunter gesellschaftliche Handlungsspielräume offenbaren und Orientierungen anbieten (ebd.). Allerdings sind Medien im Hinblick auf ihre Wirkung lange vor allem als negatives Vorbild gesehen worden, bei dem die Rezipienten als „passive, von den Medien sozusagen abgefüllte Objekte wahrgenommen wurden“ (ebd. S.61) und denen von „Erwachsenenseite offenbar jegliche Art von Verführbarkeit zu[getraut wurde]“(Saxer, Bonfadelli & Hättenschwiler, 1980, S.9). Mittlerweile konnte jedoch ein Paradigmenwechsel von der „Allmachts- zur Ohnmachtstheorie der Medien“ (Bonfadelli & Friemel, 2011, S.37) vermerkt werden: das Emporkommen des Wendepunktes in der Rezeptionsforschung, blieb nicht ohne Einfluss auf die Wirkungsdebatte. Mediensozialisation bedeutet also mehr als nur Sozialisation durch Medien. Der Rezipient wurde in seiner aktiven Rollen (wieder) erkannt (Vollbrecht et al., 2010, S.21.). Die zunächst verfolgte normative Ansicht, die den Jugendlichen als Rezipient betrachtete, der Medienwirkungen ausgeliefert sei, wurde zugunsten einer Perspektive, die dem Rezipienten als aktives Individuum, die Fähigkeit selektiver Auswahl (selective exposure) und Aufmerksamkeit (seletive attention) zuspricht, abgelegt (ebd.). Dennoch muss bedacht werden, dass Massenmedien im Gegensatz zu den klassischen Sozialisationsinstanzen ökonomischen Interessen nachgehen. Der oben beschriebene Wandel weist trotzdem auf eine Vorstellung von Mediensozialisation als einen Prozess des Sich-Einfügens in das Kommunikationsgefüge der Sozialisationsinstanzen hin, bei dem sich das Individuum aktiv mit der Medienumwelt auseinandersetzt, sie interpretiert und aneignet, gleichzeitig aber nicht von ihr beherrscht wird, sondern selektierend an ihr teilhat.

2.2 Selbstsozialisation

Dieser aus entwicklungspsychologischer Sicht als „ Selbststeuerung“ bezeichne Prozess gestaltet sich in der eigenständigen Eingliederung eines Individuums in eine Gesellschaft mitsamt ihren Normen, Werten und Handlungserwartungen. In der gängigen Literatur ist der Begriff jedoch vorwiegend unter anderen Umschreibungen bekannt wie z.B. „Selbsterziehung“, „Selbstkonstruktion“ oder „Selbsttätigkeit“ (Treumann, Mansel, Kommer & Fromme, 1999, S.23). Lange Zeit wurde die Fremdsteuerung im Sozialisationsprozess als ihr zentraler Bestandteil aufgefasst. Selbstsozialisation meint jedoch nicht eine bloße Anpassung an vorgegebene Sozialstrukturen und Steuerung der Heranwachsenden von außen (Fremdsteuerung). Durch entwicklungspsychologische Debatten, die nachhaltig durch den „individuals as producers of their development“-Ansatz von Lerner & Busch-Rossnagel (1981) beeinflusst wurden, wurde schließlich die „Eigenaktivität“ des Individuums im Rahmen des Sozialisations- und Persönlichkeitsentwicklungsprozesses entdeckt (ebd.). Jeder Mensch legt sich seine gesellschaftliche Wirklichkeit so zurecht, dass sie „persönlich subjektiven Sinn“ macht (Bachmair, 2012). Es gilt sich also in der heutigen Konsumgesellschaft und ihrer Fülle an Konsumangeboten zurechtzufinden und eine Orientierung für die persönliche Lebenswelt zu schaffen. Die Massenkommunikation ist dabei als Informationsquelle zu verstehen. Man unterscheidet zudem positive und negative Folgen der Selbstsozialisation. Zwar gibt es in diesem Zusammenhang keine empirischen Belege, jedoch auch keine Erklärungen, die gegen die Selbststeuerung sprechen. Bei Prozessen wie Gehen oder Sprechen Lernen bringen selbststeuernde Aktivitäten erwünschte Ergebnisse. Doch wann genau liegt Selbstsozialisation und wann Fremdsteuerung vor? Zu betonen ist hierbei, dass es sich um untrennbar miteinander verbundene Einflusskomponenten handelt. Je mehr Selbststeuerung inszeniert wird umso größer ist wieder der Fremdeinfluss, da es mit einem absichtlichen Weglassen von Fremdsteuerung einhergeht. Es scheint daher notwendig, die direkte und selektierende Sichtweise miteinander zu verknüpfen, um eine wirklichkeitsgerechte Abbildung von den Wirkungsprozessen erringen zu können. Eine allgemeingültige Annahme darüber, was Selbstsozialisation ist und wo die genauen Grenzen liegen gibt es nicht. In dieser Arbeit werden sowohl Medien- als auch Rezipientenmerkmale berücksichtigt. Selbstsozialisation wird als die Entwicklung der Persönlichkeit und eines gesellschaftlich handlungsfähigem Subjekt in „natürliche(n) Sozialisationszusammenhänge(n)“ verstanden (Treumann et al., 1999, S.26). Zwar hat die sozial vermittelte Umwelt Einfluss auf den Sozialisationsprozess und bildet dessen Rahmen, gleichzeitig wird sie aber von den Akteuren aktiv beherrscht.

3. Medien im Sozialisationsprozess

Medien haben heutzutage einen hohen Stellenwert im Alltag von Jugendlichen, daher erscheint es sinnvoll sich vor Augen zu führen, wie sich ein durch Medien geformtes Leben gestaltet. In den verschiedenen Phasen des Sozialisationsprozesses kommen verschiedene Medienbedürfnisse und –präferenzen auf. Diese spiegeln sich in der Medienausstattung und Mediennutzung der Heranwachsenden wieder. Laut Saxer et al. (1980) hängt die Häufigkeit der Nutzung eines bestimmten Mediums von der Bedürfnis- und Interessenlage des Rezipienten ab. Um den von Medien geprägten Alltag der Jugendlichen nachzuzeichnen bietet sich das Heranziehen der Langzeit- Studie JIM des medienpädagogischen Forschungsbundes Südwest von 2011 an. Sie wendet sich zum vierzehnten Mal dem Medienumgang 12-19 –Jähriger in Deutschland zu.

3.1 Zugang und Ausstattung Jugendlicher zu Medien

Die JIM-Studie bestätigt den großen und durch das Wachstum von neuen Medienangeboten auch immer weiter steigenden Stellenwert von Medien im Jugendalter. Laut der Studie stehen den Heranwachsenden im hohen Maße sämtliche Mediengeräte zur Verfügung. Inzwischen gehören Fernseher, Computer, Internetzugang und Handy sozusagen zur Grundausstattung eines jeden Haushaltes, der von 12-19- Jährigen bewohnt wird. Beinahe jeder Haushalt ist außerdem im Besitz eines Radios, einer Digitalkamera und/oder eines MP3-Players. Laut aktuellen Zahlen sind vor allem Flachbildfernseher und Smartphones, mit der Möglichkeit des mobilen Internetzugangs sehr weit verbreitet. Der Bestand an Mediengeräten der Jugendlichen selbst ist ebenso beachtlich. Ein eigenes Handy, MP3-Player und Digitalkameras sind für die meisten Standard. Trotz der Fülle an zur Verfügung stehender Medienausstattung genießt das Zusammensein mit Freundinnen und Freunden Vorrangigkeit. Der Medienwelt stehen außerdem auch noch andere soziale und freizeitliche Aktivitäten mit höherer Priorität gegenüber. Neben regelmäßigen Treffen, sind drei Viertel der Jugendlichen sportlich aktiv und jeder Vierte drückt sich musikalisch aus. Ebenso viele gaben an häufig was mit der Familie zu unternehmen. Im Verlauf der Studie und im Vergleich zu älteren Werten blieben die Freizeitaktivitäten der Heranwachsenden relativ beständig.

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Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656267263
ISBN (Paperback)
9783656268970
DOI
10.3239/9783656267263
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Erscheinungsdatum
2012 (September)
Note
1,7
Schlagworte
selbstsozialisation mediennutzung beispiel jugendkultur indie

Autor

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Titel: Selbstsozialisation durch Mediennutzung in der Jugendkultur Indie