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Auf dem Weg zu mehr Lernautonomie

Lernberatung in Deutsch als Fremdsprache

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Autonomes Lernen
1.1 Definition
1.2 Autonomie im Kontext des Sprachenlernens
1.3 Autonomie im Fremdsprachenunterricht

2 Sprachlernberatung
2.1 Was ist Sprachlernberatung?
2.2 Lehrende und Lernberatung – Integration von Beratungselementen in den Fremdsprachenunterricht

Verwendete Literatur

1 Autonomes Lernen

1.1 Definition

Während selbst gesteuertes Lernen ein eher technizistisches Verständnis beinhaltet, ist autonomes Lernen ein humanistischer Begriff. Ersteres meint eine Gestaltung von Unterrichtsmaterialien die es den Lernenden ermöglicht ohne Lehrende zuminderst weitgehend auszukommen. Dabei ist jedoch die Entscheidungsfreiheit der Lernenden auf die Auswahl der Materialien und die zeitliche Anwendung beschränkt. Im Gegensatz dazu bezieht sich Zweiteres auf die Fähigkeit eigenverantwortlich und selbstständig zu lernen.[1]

Weiteres definiert Wolff nach Holec dessen Idealbild eines autonomen Lernenden. Dieser kann ‚sein Lernen eigenverantwortlich gestalten und alle Entscheidungen im Hinblick auf sein Lernen übernehmen’[2]. Holec bezieht diese Entscheidungen auf ‚die Festlegung der Lernziele, der Inhalte und der Progression, auf die Auswahl der zu benutzenden Methoden und Arbeitstechniken, auf die Gestaltung des Lernprozesses (in Hinblick auf Zeit, Ort, Rhythmus) und auf die Bewertung des Gelernten und des Lernprozesses, d.h. es sind Entscheidungen, die in herkömmlichen Unterrichtskontexten vom Lehrer getroffen werden’[3].

1.2 Autonomie im Kontext des Sprachenlernens

(1) Erstsprachenerwerb

In einem ersten Schritt soll der Erwerb der Erstsprache in den Blick genommen werden. Unbestrittenerweise ist der Erwerb dieser ein unerlässlicher Teil der normalen Entwicklung jedes Kindes. Darüber hinaus hat dieser Prozess drei wesentliche Dinge mit dem kognitiven Entwicklungsprozess, wie er von Piaget und Bruner charakterisiert wird, gemeinsam. Erstens ist das Erlernen der Erstsprache nicht nur additiv sondern durchläuft verschiedene Stadien. Wenn sich das Kind von einem Stadium zum nächsten entwickelt muss das linguistische Wissen an die neuen Strukturen angepasst werden. Zweitens wird das Lernen der Sprache nicht von der Benützung der Sprache unterschieden und drittens erfolgt der Fortschritt von einer Stufe zur nächsten sobald das Kind dafür bereit ist, aber nicht dann wenn es ihm Eltern oder andere Autoritäten anordnen.[4]

Die Lernerautonomie von Kindern im Bezug auf den Erwerb ihrer Erstsprache lässt sich an zwei Aspekten festmachen. Einerseits haben sie einen (unbewussten) linguistischen Rahmen auf dem ihre Sprachentwicklung aufbaut, andererseits den sozialen Freiraum des natürlichen sozialen Sprachkontakts mit seiner Umwelt.[5]

(2) Zweitsprachenerwerb

In einem zweiten Schritt sollen nun die bisherigen Erkenntnisse mit dem Zweitsprachenerwerb verglichen werden. Dem vorigen am ähnlichsten ist wahrscheinlich die Methode des so genannten naturalistischen Sprachlernens. Ähnlich wie bei kleinen Kindern werden die Lernenden sozialen Interaktionen in der Zielsprache ausgesetzt. Durch die Notwendigkeit in der Zielsprache zu kommunizieren soll diese gelernt werden. Obwohl die Vorausaussetzungen ähnlich erscheinen besteht ein wesentlicher Unterschied. Während Kinder die mit derselben Erstsprache aufwachsen alle als Muttersprachler bezeichnet werden und eine weitgehend gleiche Sprachkompetenz aufweisen, können bei Lernenden einer Fremdsprache sehr unterschiedliche Sprachkompetenzen in der Zielsprache festgestellt werden. Little folgert daraus mit Illich, dass erfolgreiches Lernen oft unabhängig von einem formellen Lehrkontext abläuft. Erfolgreiche Fremdsprachenlernende sind meistens in einer günstigen sozialen Situation, wo sie willkommen sind und unterstützt werden und so eine breite Palette an Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung haben, die mit der sozialen Autonomie des Kleinkindes das seine Muttersprache lernt vergleichbar ist. Weiters haben diese in den allermeisten Fällen eine positive Motivation die Zielsprache zu lernen, auch diese psychologische Autonomie kann mit dem Erstsprachenerwerb verglichen werden.[6]

(3) Implikationen für den Sprachunterricht

Die grundsätzliche Zielsetzung von Fremdsprachenunterricht kann im Erreichen von kommunikative Kompetenz der Lernenden in der Zielsprache zusammengefasst werden. Was das genauer bedeutet, hängt von den kommunikativen Bedürfnissen und Situationen der Lernenden ab. Dennoch ist allen gemeinsam, dass sie die Zielsprache erfolgreich und autonom benutzen können. Um diese Autonomie aufrechterhalten zu können ist eine hohe Sprachsensibilität notwendig. Jedoch wird in vielen methodisch-didaktischen Sprachunterrichtskonzepten genau diese Komponente vernachlässigt. Weiters wurde gezeigt, dass das menschliche Gehirn bestimmte Wege und Methoden zum Sprachenlernen hat. Daher folgt erfolgreicher Fremdsprachenunterricht den vorgegebenen Strukturen wie sie auch im natürlichen Lernprozess zu finden sind.

1.3 Autonomie im Fremdsprachenunterricht

(1) Gründe die dafür sprechen (mehr) Lernautonomie in der Schule einzuführen[7]

Die meisten Menschen werden eigene positive Lernerfahrungen durch folgende Elemente charakterisieren: Motivation, Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse, Aktivierung von schon vorhandenem Wissen, aktive persönliche Einbindung in die Wahl der Lerninhalte und Lernmethoden, das Gefühl Fortschritte zu machen, ein Gefühl von Selbstvertrauen/Sicherheit/Akzeptanz/Respekt, die Möglichkeit Erfahrungen mit anderen zu teilen, gegenseitige Unterstützung, Zugang zu Hilfestellungen wenn diese benötigt werden sowie Unterstützung und Vertrauen von anderen.

Diese persönlichen Erfahrungen stimmen auch mit den wissenschaftlichen Lernforschungsergebnissen überein. Im Folgenden sollen diese kurz vorgestellt werden.

Wenn die Lernenden mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Aktivitäten im Unterricht haben, bringen sie sich mehr ein und arbeiten aktiver mit. Dadurch können sie auch ihren Lernprozess besser verstehen und evaluieren. Weiters bedeutet lernen eine Beziehung zwischen schon Bekanntem und noch Unbekannten aufzubauen, und das können nur die Lernenden selbst machen. Darüber hinaus bleibt Wissen das von anderen präsentiert wurde nur deren Wissen. Sobald aber Wissen selbst erworben wird, wird es Teil der Weltsicht auf deren Basis gehandelt wird. Letztlich kann kein Mensch und keine Institution alles Wissen vermitteln, welches Menschen in ihrem täglichen Leben brauchen. Deshalb sollte der Fokus auf dem wie des Lernens liegen, sodass die Menschen gelernt haben wie sie lernen können.

(2) Lernautonomie im fremdsprachigen Klassenzimmer[8]

Aus den bisherigen Theorien lassen sich konkrete didaktische Konzepte für einen autonomen Unterricht umsetzten. Diese lassen sich in einigen wesentlichen Aspekten zusammenfassen.

Die vorherrschende Sozialform ist die Gruppenarbeit. Dadurch wird die Verantwortlichkeit des Einzelnen erhöht und die Lernenden sind unmittelbarer für das Gelingen ihrer Arbeitsaufgaben verantwortlich. Zusätzlich können die Kleingruppen unterschiedliche Aufgabenstellungen behandeln, die dann auch im Plenum behandelt werden müssen um die gesamte Gruppe so gut wie möglich auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen. Durch diesen Vermittlungsprozess wird in hohem Maß auf authentische Weise Gebrauch von der fremden Sprache gemacht.

[...]


[1] Vlg. Wolff, Lernerautonomie, 321

[2] Wolff, Lernerautonomie, 322

[3] Wolff, Lernerautonomie, 322

[4] Vlg. Little, Learner Autonomy, 23-24

[5] Vlg. Little, Learner Autonomy, 24

[6] Vlg. Little, Learner Autonomy, 25-27

[7] Vlg. Dam, How to develop autonomy, 117-118

[8] Vlg. Wolff, Lernerautonomie, 324-326

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656266815
ISBN (Buch)
9783656269656
DOI
10.3239/9783656266815
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2012 (September)
Note
1,5
Schlagworte
lernautonomie lernberatung deutsch fremdsprache

Autor

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Titel: Auf dem Weg zu mehr Lernautonomie