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Bewegungserziehung für die kindliche Entwicklung im Elementarbereich

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Bildungsbereich „Bewegung“
2.1. Der Zusammenhang von „Bildung“ und „Erziehung“ für die Bewegung
2.1.1. Definition von Bildung
2.1.2. Definition von Erziehung
2.1.3. Bedeutung von Bildung und Erziehung für die Bewegung
2.2. Motorische Entwicklung
2.2.1. Fünf Prinzipien der motorischen Entwicklung
2.2.2. Der Entwicklungsverlauf der Motorik
2.3. Ziele und Funktionen der frühkindlichen Bewegungserziehung
2.4. Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung

3. Ganzheitliche Fördermöglichkeiten im Elementarbereich

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Modulabschließenden Hausarbeit werde ich die Bedeutung von Bewegung für die Entwicklung von Kindern des Elementarbereichs beleuchten.

Die maßgebende Fragestellung in diesem Zusammenhang ist, welchen Stellenwert der Bildungsbereich „Bewegung“ für die Entwicklung von Kindern im Elementarbereich einnimmt? Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, welche Bedeutung dabei die Bereiche „Bildung“ und „Erziehung“ einnehmen?

In dem zweiten Kapitel werde ich zunächst auf den Bildungsbereich „Bewegung“ näher eingehen. Zum Einstieg in das Thema werde ich den Zusammenhang von „Bildung“ und „Erziehung“ erläutern. Das Augenmerk ist dabei auf den motorischen Entwicklungsverlauf gerichtet, sowie auf die Ziele und Funktionen von Bewegung für die ganzheitliche Entwicklung bei Kindern im Elementarbereich. Darauf aufbauend werde ich die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung untersuchen: spielt sie langfristig eine große Rolle für jeden Menschen?

In dem dritten Kapitel werden die ganzheitlichen Fördermöglichkeiten für den Elementarbereich dargestellt, um Anregung für die Praxis zu geben.

In dem vierten Kapitel werde ich eine Antwort geben zu den Fragestellungen, die eingangs erwähnt wurden.

Mein persönliches Interesse an diesem Themengebiet liegt darin begründet, dass ich selbst als Kind viele Erfahrungen durch Bewegung und die damit zusammenhängenden Erlebnisse sammeln konnte und auch heute noch von meiner „bewegten“ Kindheit positiv beeinflusst werde. Das war mir nicht immer so klar, doch je mehr ich mich mit dem Thema auseinander setze, desto mehr wird mir bewusst, wie wichtig die Bewegung bereits im Kindesalter ist und sich bis ins hohe Alter positiv auf Körper und Geist auswirkt. Dieses Wissen und Interesse möchte ich gerne weitergeben und darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Folgegenerationen durch Bewegung fördern können, so dass sie nicht tatenlos auf einem Stuhl, in einer Ecke oder auf einer Treppe sitzen müssen. Sie sollen sich bewegen dürfen, wann immer sie dazu Lust und Interesse haben.

2. Der Bildungsbereich „Bewegung“

In diesem Kapitel werde ich zunächst auf den Zusammenhang von „Bildung“ und „Erziehung“ für die Bewegung eingehen und die motorische Entwicklung von Kindern darstellen. Das soll einen Überblick darüber geben, in welchem Entwicklungsstadium sich die Kinder in den jeweiligen Altersstufen befinden und über welche Fähigkeiten sie unter ‚normalen’ Entwicklungsverläufen zu diesem Zeitpunkt verfügen. Des Weiteren werde ich die Ziele und Funktionen von Bewegung verdeutlichen und darauf aufbauend auf die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung eingehen.

Der Bildungsbereich „Bewegung“ kommt in vielen Publikationen über die Entwicklung und Förderung von Kindern viel zu kurz. Dabei ist er ein wichtiger Bestandteil des Aufwachsens. Bewegung ist eine grundlegende Darstellungsform, die Kinder nutzen und somit ihre Lebensfreude zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus ist Bewegung keine Form der Beschäftigung, die man den Kindern auftragen muss, denn sie bewegen sich gerne und brauchen dafür nicht viele Anreize, sie versuchen sich an allen Orten und zu jeder Zeit, wenn es ihnen möglich ist, zu bewegen. Sie tun es aus Lust an der Aktivität und den damit empfundenen Gefühlen (vgl. Zimmer, 2005, S. 4 ff.).

„ Gerade Kinder empfinden Bewegung, Spiel und Sport als etwas untrennbar Ganzes, und doch machen auch sie schon die Erfahrung, da ß darin Unterschiedliches enthalten ist. Sie erleben die offenen, freien Möglichkeiten in spielerischen Aktivitäten, aber auch die geschlossenen Ordnungen bzw. bindenden Regelungen der Sportarten. Sie erkunden, spielen,üben, trainieren, kämpfen um die Wette und machen bei all dem wichtige, grundlegende Erkenntnisseüber sich und die Welt in Form psychischer und körperlicher, materialer und sozialer Erfahrungen. “ (Brodtmann/Dietrich, 1985, S. 50)

2.1. Der Zusammenhang von „Bildung“ und „Erziehung“ für die Bewegung

In diesem Kapitel soll dargestellt werden, in welchem Zusammenhang „Bildung“ und „Erziehung“ zu Bewegungshandlungen stehen und wie sich diese Aspekte beeinflussen und unterstützend aufeinander wirken. Dafür werden zunächst kurze Definitionen der Bereiche „Bildung“ und „Erziehung“ gegeben.

„ Bewegung ist damit ein wichtiges Medium der Erfahrung und Aneignung der Wirklichkeit und bietet vielfältige Gelegenheiten für eine ganzheitliche Bildung und Erziehung. “ ( Zimmer, 2005, S. 4)

2.1.1. Definition von Bildung

Bildung bedeutet für den Menschen das Verstehen und Erschließen der Welt, sowie der Gesetzmäßigkeiten, die damit verbunden sind. Die Lernziele von Bildung bestehen im Wesentlichen darin, dass der Lernende einen persönlichen Lernerfolg erzielt. Dieses ist vor allem dann möglich, wenn der Lernende eine intrinsische Motivation zu den jeweiligen Lerngebieten entwickelt. Also ist daraus zu folgern, dass Bildung selbstbestimmt ist und durch Erziehung stattfindet (vgl. Schmidt-Millard, 1998, S. 70ff).

2.1.2. Definition von Erziehung

Erziehung ist die Grundlage der menschlichen Entwicklung. Sie bereitet das Individuum auf die Welt vor.

„ Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht. “ (Kant, 1963: In Schmidt-Millard, 1998, S. 70)

Durch Erziehung wird der Mensch in allen Lebensbereichen geprägt. Speziell im Kindesalter ist Erziehung die Aufgabe der älteren Generationen. Also ist Erziehung auch immer fremdbestimmt, dadurch wird das Individuum zur Selbstbestimmtheit erzogen. In diesem Zusammenhang ist die Selbstbestimmung wieder eine wichtige Vorraussetzung für Bildung, insbesondere für die intrinsische Bildung. Erziehung und Bildung sind demnach aufeinander angewiesen und stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander (vgl. Schmidt-Millard, 1998, S. 70 ff.).

2.1.3. Bedeutung von Bildung und Erziehung für die Bewegung

Die Bedeutung von Bildung und Erziehung für die Bewegung liegt darin begründet, dass Kinder selbstständig durch Bewegungsprozesse ihr Umfeld und deren Gesetzmäßigkeiten kennen lernen und für sich verinnerlichen können. Somit findet Bildung dadurch statt, dass sie die Welt durch eigene Erfahrungen begreifen können, um somit in dieser bestehen zu können. Als Grundvoraussetzung muss dem Kind jedoch durch Erziehung vermittelt werden, dass es nicht alles von anderen vorgegeben bekommt, sondern, dass es sich bestimmte Zusammenhänge seiner Umwelt selbst aneignen muss. Wird ihm alles vorgegeben und kein Raum zum eigenen Entdecken gegeben, könnte es sich durch eigenes Tun nicht selbst bilden (vgl. Zimmer, 2009, S.22ff.).

„ Da er sich ständig bewegt, mu ß er viele Dinge beobachten und viele Wirkungen kennenlernen. So erwirbt er frühzeitig gro ß e Erfahrungen. Er erhält seinen Unterricht von der Natur und nicht von den Menschen. Er lernt umso besser, als er nirgends die Absicht sieht, ihn zu belehren. Körper und Geist werden gleichzeitig geübt. “ (Rousseau. In: Schmidt-Millard, 1998, S. 73)

2.2. Motorische Entwicklung

Unter dem Begriff Motorik versteht man die Ganzheit aller Bewegungsvorgänge, die in einem Menschen ablaufen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es eine Unterscheidung in Grob- und Feinmotorik gibt. Die Bewegungen von Rumpf, Bauch, Rücken, Becken, Schultern, Beinen, Armen, sowie des Kopfes, zählen zu der Grobmotorik. Zu der Feinmotorik werden hingegen die Bewegungsvorgänge von Fingern, Zehen und des Gesichts hinzugerechnet (vgl. Hobmair, 2003, S. 238).

„ Wer auf diese Entwicklung positiv Einflu ß nehmen möchte, wer erziehen will, mu ß bescheid wissen, welche inneren Reifungsprozesse im menschlichen Organismus ablaufen und zu welchem Zeitpunkt ein Einwirken von au ß en sinnvoll, notwendig, aber auch gefährlich ist. “ (Brodtmann/Dietrich, 1985 S.50)

2.2.1. Fünf Prinzipien der motorischen Entwicklung

Die Entwicklung der Motorik verläuft nach bestimmten Prinzipien, die der amerikanische Psychologe Arnold Gesell durch systematische Beobachtungen festgestellt und definiert hat.

Das erste Prinzip ist die Entwicklungsrichtung. Gesell geht davon aus, dass die motorische Entwicklung von oben nach unten verläuft. Das bedeutet, dass Bewegungen die sich dichter am Kopf abspielen dementsprechend schneller erlernt werden. Das lässt darauf schließen, dass die Muskeln, welche dichter am Kopf sind, zunächst besser ausgebildet werden, da sie mehr benutzt und gestärkt werden. Das zweite Prinzip verkörpert die wechselseitige Vorherrschaft, welche darauf begründet ist, dass das Kind erst nach einiger Zeit jeweils die Arme und Beine getrennt voneinander bewegen kann, vorher sind die Bewegungen von rechter und linker Seite identisch. Die funktionelle Asymmetrie ist das dritte Prinzip nach Gesell. Hierbei geht es darum, dass bei jedem Menschen die Muskelabschnitte einer Körperhälfte immer stärker oder schwächer ausgebildet sind. Daher kommt es auch, dass es Rechts- oder Linkshänder gibt. Das vierte Prinzip ist die individuelle Reifung. Diese besagt, dass die Ausbildung und Prägung des Körpers völlig individuell abläuft. Das fünfte Prinzip ist die selbstregulierende Fluktuation. Hiermit ist gemeint, dass jedes Kind sich nur so schnell motorisch weiterentwickeln kann, wie es selbst dazu in der Lage ist. Das bedeutet, dass es mit fünf Jahren noch nicht in der Lage sein würde Fahrrad fahren zu lernen, falls es mit vier Jahren erst angefangen hat zu Krabbeln (vgl. Hobmair, 2003, S. 239 ff.).

2.2.2. Der Entwicklungsverlauf der Motorik

Der Entwicklungsverlauf der Motorik bei Menschen beginnt bereits vor der Geburt im Mutterleib. Dort rollt, krümmt und streckt sich das Kind, zudem versetzt es der Mutter Stöße gegen die Gebärmutterwand. Dies ist möglich, da das Ungeborene bereits im Mutterleib Reaktionen besitzt, die es dazu bringen, dass es sich nach bestimmten Bewegungsmustern bewegt. Diese Reaktionen sind so genannte Reflexe (vgl. Hobmair, 2003, S. 239 ff.).

„ Unter einem Reflex versteht man eine direkte und unmittelbare Reaktion auf einen Reiz. “ (Hobmair, 2003, S. 239)

Unmittelbar nach der Geburt besitzt das Kind noch weitere Reflexe, die es unter anderem zum Leben benötigt. Dazu gehören der Atmungs- und der Saugreflex. Es gibt des weiteren noch den Greifreflex und auch den Schreitreflex, welcher erstaunlicher Weise bereits nach ungefähr acht Wochen wieder verschwindet.

Wenn man den motorischen Entwicklungsverlauf bei Kindern beobachtet, so ist zu erkennen, dass in dem ersten Lebensjahr die Bewegungsreifung am umfangreichsten ist.

Da die Halsmuskeln als erstes Reifen, kann das Kind bereits nach der Geburt seinen Kopf aus der Bauchlage zur Seite drehen. Wenn sich das Neugeborene in der Rückenlage befindet, dann ist es auch in der Lage seine Arme und Beinen gleichzeitig zu bewegen. Erstaunlicherweise sind Arme und Beine oft angezogen, die Hände und Füße gebeugt.

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656264484
ISBN (Buch)
9783656265931
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200315
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Erziehungswissenschaften
Note
9 Punkte
Schlagworte
bedeutung bewegungserziehung entwicklung elementarbereich

Autor

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Titel: Bewegungserziehung für die kindliche Entwicklung im Elementarbereich