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Der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers: Eine empirische Untersuchung zur Prekarität

Bachelorarbeit 2012 69 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers
2.1 Arbeitsprofil
2.2 Ausbildung
2.3 Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten

3. Männer vs. Frauen – Wer hat hier die Hosen an?
3.1 Der geschichtliche Kontext
3.2 Die Prekarität
3.3 Gründe für geschlechtsspezifische Attraktivität der Krankenpflege
3.4 Motive für Frauen – Motive für Männer
3.5 Zukunftsidee - “Girls`Day” vs. “Boys`Day”

4. Drei Fallbeschreibungen auf Grundlage von Interviews
4.1. Einleitung zur qualitativen Studie
4.1.1 Das Ziel der Untersuchung
4.1.2 Die Erhebungsmethode
4.1.3 Der Leitfaden
4.1.4 Die Interviewpartner
4.1.5 Die Durchführung der Befragung
4.1.6 Der Auswertungsmodus
4.2 Analysen der Interviews
4.2.1 Beruflicher Werdegang und Motive für die Ausbildung
4.2.2 Der Ausbildungsverlauf
4.2.3 Krankenpflege eine Frauendomäne?
4.2.4 Vorurteile
4.2.5 Männer vorrangig in höheren Positionen?
4.2.6 Prekarität
4.2.7 Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten

5. Fazit

6. Anhang
6.1 Leitfaden für das Interview
6.2 Interviews
6.2.1 Frau G.
6.2.2 Herr P.
6.2.3 Frau P.
6.2.4 Herr F.

7. Literaturverzeichnis und Quellen

1. Vorwort

"Krankenschwestern sind ausgebildete Sklavinnen und als solche typische Vertreterinnen des weiblichen Berufsmodells."

(Germaine Greer in: Deutsch Für Pflegekräfte: Kommunikationstraining Für Den Pflegealltag).

In diesem Zitat stecken drei wesentliche Aspekte, die es zu erörtern gilt. Einerseits wird darin die Aussage getroffen, dass Krankenschwestern ausgebildete Sklaven sind, wodurch die Frage entsteht, warum dies in erster Linie auf Frauen zutrifft. Weiterhin impliziert diese Aussage, dass der Beruf der Krankenpflege eine Frauendomäne ist, da Greer diese Tätigkeit als „weibliches Berufsmodell“ beschreibt. Gilt dieser Beruf wirklich als feminines Arbeitsfeld und wie kam diese Entwicklung zustande? Im Jahr 2010 waren 710.000 der circa 827.000 Beschäftigten weiblichen Geschlechts,[1] sodass die ungleiche Verteilung offen zu Tage tritt.

Diese Annahme der These lässt die zweite Ebene der Aussage von Greer zu: Wenn der Beruf wirklich eine Frauendomäne darstellt, stellt sich unweigerlich die Frage, wieso es so wenig Männer gibt, die sich für die Arbeit in der Pflege interessieren. Heutzutage gibt es rechtlich keine Hinderungen auf dem Arbeitsmarkt mehr, die eine freie Wahl des Berufes beeinträchtigen. Aus persönlichen Interessen, Wünschen und sonstigen Vorstellungen, ist es jedem Arbeitnehmer möglich, sich frei für eine Tätigkeit zu entscheiden, sodass es zwingend erforderlich ist zu klären, weshalb doch so wenige Männer den Weg in die Pflege einschlagen.

Der dritte Aspekt in der Aussage von Greer bezieht sich auf den Begriff der Sklavinnen. Mit Sklaven werden in der Regel Menschen verbunden, die hinsichtlich ihrer Lebensqualität enorm ausgebeutet werden und in völliger Abhängigkeit von einem anderen Menschen als dessen Eigentum lebt.[2] Hier stellt sich nun die Frage, inwiefern sich diese Aussage mit dem Krankenpflegeberuf vergleichbar ist. Möglicherweise wollte Greer die Lage der Krankenschwestern gezielt zuspitzen und eine provozierende Aussage treffen, um auf mögliche Missstände in diesem Beruf hinzuweisen, da der Beruf in der Öffentlichkeit weithin mit negativen Ansichten konnotiert wird. Diese Ansichten werden in der Forschung mit dem Begriff der Prekarität zusammengefasst, sodass es für die folgende Arbeit weiterhin wichtig ist, inwieweit dies auf den Beruf des Krankenpflegers zutrifft. Außerdem soll die Erörterung der drei impliziten Aussagen Greers die Grundlage der Arbeit dienen.

Dafür wird zuerst die Ausgangslage des Berufsprofils analysiert: Unter welchen Arbeitsbedingungen üben die Beschäftigten ihre Tätigkeit aus? Welche Aufgabenbereiche gehören zu ihrer Arbeit? Wie verläuft die Ausbildung und welche Möglichkeiten haben KrankenpflegerInnen mit einem erfolgreichen Abschluss?

In Kapitel zwei soll die Analyse der Ausgangslage beschrieben werden. Dafür ist der geschichtliche Kontext von hoher Bedeutung, da dort bereits Gründe für heutige Ungleichheiten, die Entwicklung zur Frauendomäne, die geringe Präsenz von Männern und diverse Aspekte der Prekarität gegeben werden. Dies wird daraufhin nochmals gesondert analysiert, um mit dem Begriff im Verlauf der Abhandlung arbeiten zu können. Um grundlegende Fragen dieser Arbeit untersuchen zu können, habe ich die Motive von Männern und Frauen untersucht, die ihre berufliche Zukunft in diesem Arbeitsfeld gesucht und gefunden haben, um herauszufinden, wieso Frauen zu diesem Beruf tendieren und welche „Art von Männern“ sich ebenfalls für einen Frauenberuf entscheiden. Nach dem theoretischen Abriss fügt sich der empirische Teil an. Dabei werde ich bereits erworbene Kenntnisse und Thesen anhand meiner Interviews, die ich mit ausgebildeten KrankenpflegerInnen geführt habe, überprüfen und gegebenenfalls gleiche oder gegenteilige Schlüsse ziehen. Ich habe mir vorbehalten bereits im theoretischen Teil einige Auswertungen der Interviews an passenden Stellen einzufügen, um schon dort den diversen Meinungen und Erklärungen bezüglich Prekarität oder der Motivation zur Berufswahl Ausdruck zu verleihen. Der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers unterlag bis zum 01.01.2004 einer geschlechtlichen Begriffsspaltung. Hiernach wurde aus den Begriffen der Krankenschwester und des Krankenpflegers die einheitliche Bezeichnung des Gesundheits- und Krankenpflegers geformt.[3] Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit keine Trennung in Krankenschwester und -pfleger vorgenommen, sondern der Begriff des Gesundheits- und Krankenpflegers einheitlich für beide Geschlechter genutzt. Ist die Rede nicht mehr allgemein von dem Beruf, sondern werden speziell die Beschäftigten angesprochen, habe ich mich aus Gleichstellungsgründen für die Schreibweise KrankenpflegerIn entschieden, um beide Geschlechter anteilig zu adressieren.

2. Der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers

Um im Folgenden über den Beruf des Krankenpflegers zu sprechen, sollte anfangs geklärt werden, welche Tätigkeitsfelder und Arbeitsabläufe diese Beschäftigung umfasst. Da im Verlauf der Arbeit und auch in den Interviews auf Weiterbildungsmöglichkeiten, Tätigkeitsfelder und Arbeitsbedingungen eingegangen wird, bestimmte Bereiche hinterfragt und von den Interviewpartnern kritisiert werden, soll das nun folgende Kapitel dazu dienen, die Hintergründe des Arbeitsalltags zu erläutern, um im Verlauf damit arbeiten zu können.

Sämtliche Fakten stammen von einer Informationsseite der Bundesagentur für

Arbeit,[4] sodass ich in diesem Kapitel auf Fußnoten verzichtet habe.

2.1 Arbeitsprofil

Die Arbeitsabläufe der KrankenpflegerInnen richten sich nach ihren Pflege- und Behandlungsplänen, unter der Bedingung zum Wohle des Patienten zu dienen. Häufig wechselnde Aufgabenbereiche bestimmen ihren Arbeitsalltag, denn der Beruf umfasst ein enormes Spektrum an zu erledigenden Tätigkeiten. Zum einen fungiert die Pflege als rechte Hand der Medizin und führt eigenverantwortlich ärztlich veranlasste Maßnahmen durch. Jedoch stellt das Verabreichen von Medikamenten oder das Assistieren bei Untersuchungen und Behandlungen nur einen Bruchteil der Tätigkeiten dar, denen PflegerInnen im Arbeitsalltag gewachsen sein müssen. Neben den ausführenden Arbeiten sind auch die sozial-beratenden Tätigkeiten von enormer Wichtigkeit. Beratende Aufgaben und die Nähe zum Patienten in seelischer oder körperlicher Form, fordern ein hohes Maß an psychischer und physischer Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Doch die Arbeit beschränkt sich nicht nur auf Aufgaben, die im direkten Kontakt mit den Patienten stehen. Oftmals wird die Arbeit der Beschäftigten unterschätzt, da viele Außenstehende nicht wissen, dass zu dem Beruf auch ein Großteil administrativer Tätigkeiten gehört. Das Dokumentieren und Auswerten der Patientenakten oder Kodier-, Abrechnungs- und Verwaltungsaufgaben sollen dafür einige Beispiele sein und zeigen, dass die Arbeit nicht allein durch die Pflege am Patienten selbst erledigt ist. Zu diesen zusätzlichen Belastungen, werde ich in der Analyse der Interviews vertieft eingehen und erläutern, inwiefern diese Aufgaben den Beruf erschweren und gegebenenfalls auch zu Vorurteilen gegenüber des Pflegeberufs führen kann. Das Einkommen richtet sich nach der Eingruppierung in die entsprechende Entgeltgruppe und den jeweiligen Stufen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst. Diese Zuordnung richtet sich folglich nach diversen Kriterien, beispielsweise welche Ausbildung absolviert wurde, ob an Weiterbildungen teilgenommen wurde, wie groß die Verantwortung ist und welche beruflichen Erfahrungen vorliegen. Zur Orientierung soll dazu ein Beispiel dienen: Erfolgt die Eingruppierung in die Entgeltgruppe sieben in die Stufe drei[5], erhalten die Beschäftigten ein Monatsbruttogehalt von 2447€. Durch Zeiten der ununterbrochenen Tätigkeit und den erbrachten Leistungen ist ein Aufstieg in die nächste Entgeltgruppe möglich, wodurch die Beschäftigten in Entgeltgruppe acht und der maximalen Stufe sechs einen Bruttomonatslohn von 2899€ erhalten können.

Die finanziellen Aspekte und die oben beschriebenen Tätigkeiten werden in den Interviews wieder aufgegriffen und dienen unter anderem zur Beantwortung der im Vorwort erwähnten Forschungsfragen.

2.2 Die Ausbildung

Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger setzt einen mittleren Bildungsabschluss voraus, dessen Gesamtdurchschnitt nicht schlechter als befriedigend sein darf. Besonderen Wert wird dabei meist auch auf bestimmte Schulfächer gelegt: Chemie, um die Wirkungsweise und Zusammensetzung der Medikamente zu verstehen, Mathematik, um die Patientendaten richtig ermitteln zu können oder Deutsch, um Protokolle fehlerfrei anfertigen zu können. Die fachliche und persönliche Eignung wird meist anhand von einem schriftlichen Bewerbungsverfahren und einem zusätzlichen Gespräch festgestellt, wobei der Bewerber oftmals größere Chancen auf eine Zulassung hat, wenn er beispielsweise aus der Region kommt oder bereits Erfahrungen durch Praktika oder ein FSJ[6] sammeln konnte. Das Anforderungsprofil ist dabei breit gefächert und reicht von Beobachtungsgenauigkeit, Geschick, pädagogischem Können und besonderer Merkfähigkeit hin zu außerordentlichem Interesse an sozial-beratenden Tätigkeiten oder dem Interesse an verwaltend-organisatorischen Aufgaben. Die Ausbildungsdauer beträgt üblicherweise drei Jahre in Vollzeit und teilt sich in einen theoretischen Unterricht und die praktische Ausbildung auf. Der theoretische Unterricht umfasst ein breites Lernspektrum von den Grundlagen der naturwissenschaftlichen Theorien bis zu pflegerelevanten Themen aus Politik und Wirtschaft. Oftmals angegliedert an ein Krankenhaus, findet der Unterricht in Klassenverbänden in Krankenpflegeschulen statt, sodass der praktische Teil, der sich meist in Blöcken mit der Theorie abwechselt, angefügt werden kann, um die im Unterricht erworbenen Kenntnisse zu vertiefen und anzuwenden. Nach regelmäßiger und erfolgreicher Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen, erfolgt die Prüfung auf Grundlage der „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege“. Diese beinhaltet einen schriftlichen Teil, in dem die Auszubildenden beispielsweise Pflegesituationen und deren Maßnahmen erkennen, erfassen und bewerten müssen, einer mündlichen Prüfung, in der unter anderem das berufliche Selbstverständnis geprüft wird und letztlich aus einem praktischen Prüfungsabschnitt, in dem der Prüfling seine praktischen Fähigkeiten direkt am Patienten unter Beweis stellen muss. Ist die Prüfung bestanden, erhalten die SchülerInnen das Staatsexamen mit dem Titel des Gesundheits- und Krankenpflegers.

Auf den Verlauf der Ausbildung werde ich in den Analysen der Interviews nochmals gesondert eingehen, da Theorie und Umsetzung der zu bestehenden Ausbildung nicht immer übereinstimmen und auch aktuell wieder in den Medien diskutiert wird.

2.3 Weiterbildungsmöglichkeiten

Die folgenden Weiterbildungsangebote beziehen sich ausschließlich auf die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger, Möglichkeiten wie ein Studium der Medizin oder der Gesundheitswissenschaft sollen hier außer Acht gelassen werden, da es sich um Studiengänge handelt, für die keine vorherige Ausbildung in diesem Beruf erforderlich ist.

Weiterbildungen für KrankenpflegerInnen unterteilen sich in Angebote der beruflichen Anpassung und Angebote im Sinne des beruflichen Aufstiegs.

Die Angebote für eine fachliche Anpassungsweiterbildung sind breit gefächert und reichen beispielsweise von der transkulturellen Pflege oder der Gesundheitserziehung bis zu Weiterbildungen in Beratungsgesprächen oder der Pflegeforschung. Durch ständige Weiterentwicklungen in medizinischen Bereichen oder Veränderungen in der Gesundheitspolitik sind KrankenpflegerInnen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und gesetzlich dazu verpflichtet an solchen Seminaren teilzunehmen um ihr Wissensspektrum zu erweitern.

Weiterbildungen im Sinne des beruflichen Aufstiegs sind hingegen freiwillig und beinhalten beispielsweise die Ausbildung zur FachkrankenpflegerIn in Bereichen wie Intensivpflege oder Psychiatrie. Auch Leitungs- oder Spezialfunktionen werden in diesem Bereich angeboten und qualifizieren für eine Tätigkeit auf der mittleren Führungsebene.

Im Kapitel 3.2 zur Prekarität und in der Auswertung der Interviews ab Seite 30 soll auf diese Angebote nochmals Bezug genommen und ihre Vor- und Nachteile erläutert werden.

3. Männer vs. Frauen – Wer hat hier die Hosen an?

Um zu erläutern, wieso der Beruf des Krankenpflegers als eine Frauendomäne gilt, soll zunächst die Entstehung des Berufes in der Moderne geklärt werden. Dabei lassen sich bereits erste Hinweise finden, wieso so wenige Männer in dieser Branche arbeiten. Um dies genauer darzulegen, sollen die Gründe für die Prekarität des Berufes genannt werden und im Anschluss eine genaue Betrachtung der männlichen und weiblichen Motive für die Berufswahl offen gelegt werden. Anschließend wird die Idee des Boy’s Day vorgestellt. Durch diese zukunftsweisende Vision sollen Jungen und Mädchen an reziproke geschlechtsspezifische Berufe herangeführt werden, um die Segregation der Berufsfelder aufzuheben.

3.1 Der geschichtliche Kontext

Die Entstehung der modernen Krankenpflege im 19. Jahrhundert ist eng an die Rationalisierung der modernen Medizin gekoppelt, da diese eine weitestgehend technisierte und standardisierte Pflege benötigte.[7] Durch verschiedene Kriege in Europa am Anfang des 19. Jahrhunderts ergab sich ein hoher Bedarf an weiblichen Pflegerinnen, um dafür zu sorgen, dass die Soldaten schnellstmöglich erneut für die Front verfügbar waren. Dadurch wurde eine Wandlung von der ehrenamtlichen und vor allem kirchlichen Institution „Krankenpflege“ zu einer anerkannten Tätigkeit vollzogen, die aktiv vom Staat gefördert wurde und den Frauen vorbehalten war.[8]

Demnach zeigten militärische Auseinandersetzungen, wie beispielsweise die napoleonischen Koalitionskriege, der patriarchalischen Gesellschaft auf, dass den Frauen neben Tätigkeiten als Hausfrau auch gesellschaftlich nützliche Betätigungsfelder zugewiesen werden können und müssen. Die große Anzahl an Kriegsverletzten- und invaliden führte zu einem hohen Bedarf an Pflegepersonal, welches in der Folge in der Heimat in betätigungsfreien Frauen gefunden wurde.

Küpper beschreibt diesen Vorgang detaillierter und erläutert, dass das Jahr 1836 als Beginn der neuzeitlichen Krankenpflege angesehen werden kann, als der evangelische Pfarrer Fliedler zusammen mit seiner Frau das erste Diakonissenmutterhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth gründete.[9] Diese Häuser waren ausdrücklich für weibliches Pflegepersonal bestimmt und Fliedler soll eindringlich darauf hingewiesen haben, die „brachliegenden Kräfte der bürgerlichen Frauen sinnvoll in der christlichen Liebestätigkeit zu nutzen“, die er als Domäne der Frauen betrachtete.[10] Zwischen 1837 und 1876 wurden daraufhin in Deutschland 32 Mutterhäuser gegründet,[11] die neben der materiellen Sicherheit auch emotionale Geborgenheit bieten konnten und den jungen Frauen somit den Entschluss für die Berufstätigkeit erleichterten.[12] Zu diesen Entwicklungen ergaben sich keine nennenswerten Widerstände von den Männern, denn im Gegenteil wurde der Pflegeberuf als der ideale Frauenberuf angepriesen. Somit wurden Frauen bereits zu Beginn des Berufes für Tätigkeiten idealisiert aber gleichzeitig auch diskriminiert, da den Frauen gleichzeitig die Chance genommen wurde, sich auf eigene berufliche Füße zu stellen.[13] Die bisher nicht genutzten Fähigkeiten der Frauen sollten aktiviert werden und die Rolle der Frau und Mutter, über die Familie hinaus, auch für andere Menschen eingesetzt werden.[14] Durch die Reformerin Agnes Karll wurde die zwiespältige Entwicklung zwischen dem Festhalten an dem Frausein als Beruf und einer Professionalisierung mit der „ersten staatlichen Ordnung für die Prüfung in der Krankenpflege“ 1906/1907 verankert.[15] Karll schrieb:

„… man wird die Krankenpflegerinnen in Zukunft nicht einfach vergessen wie bislang. Artig Kind sagt nichts, kriegt aber auch nichts! – Das haben wir nun lange genug gespielt. Uns passiert es nie, was andere, besonders früher, so oft traf, daß man sie nicht ernst nahm. […] Wir wissen jedenfalls, daß wir nichts zu unserer Zukunftsversorgung aus eigener Kraft versäumen dürfen.“

(Oster/Krutwa-Schott 1981, S.37.)

Doch die Professionalisierung war nichts anderes als ein Kompromiss zwischen der weiblichen Seinserfüllung im Dienst für Andere und den neuen Erfordernissen beruflicher Arbeit.[16] Eng gekoppelt an die Neukonzipierung der Pflege setzte sich das duale Geschlechtermodell durch. So schreibt Heintz, dass die Frage nach dem richtigen Geschlecht zunächst offen war, doch rasch die bereits beschriebene Gleichsetzung der Pflege mit den weiblichen Wesenseigenschaften folgte.[17]

Zu den tugendhaften Eigenschaften einer Frau gehörte es, sich in der Aufopferung für andere zu verwirklichen, sodass dem Pflegeberuf Ende des 19. Jahrhunderts eine Doppelrolle zugeschrieben werden konnte: Er befriedigte den steigenden Bedarf an Pflegepersonal und antwortete zugleich auf das Bedürfnis unverheirateter Frauen eine entlohnte Tätigkeit auszuführen, die mit den weiblichen Tugenden im Einklang stand.[18] Die einjährige Berufsausbildung galt ausschließlich für Frauen und erst in den 1950er und 1960er Jahren versuchten die Krankenhäuser in Deutschland, aufgrund von Arbeitskräftemangel, vermehrt Männer einzusetzen, was allerdings wenig Erfolg hatte. Die Gleichstellung zwischen Pflegern und Schwestern, im Zuge des Krankenpflegegesetzes von 1957, wurde demnach erst 19 Jahre, nach der offiziellen Anerkennung der männlichen Krankenpfleger im Jahr 1938, vollzogen.[19]

Dies zeigt, dass bereits die Entwicklung in der Moderne diesen Beruf zu einer Frauendomäne gemacht hat, wodurch der Beruf durch die Reproduktion stereotyper Rollenbilder auch heute noch zu einem frauen-dominierten Arbeitsfeld zu zählen ist.

Von Frauen- bzw. Männerberufen wird gesprochen, wenn der Anteil des jeweiligen Geschlechts mehr als 80% der Gesamtbeschäftigten einnimmt.[20] Im Zuge der feministischen Forschung wurde Ende der Siebziger Jahre der Begriff des „weiblichen Arbeitsvermögens“ entwickelt, um die Tätigkeiten in den sozialen Berufen zu charakterisieren.[21] Diese Einführung gewährleistet zwar, dass darunter Gefühls- und Beziehungsarbeiten, sowie klassisch weibliche Bereiche der Erwerbstätigkeiten verstanden werden, verhindert aber gleichzeitig auch eine ausbalancierte Geschlechterverteilung im Krankenpflegeberuf, wenn mit dieser Tätigkeit feminine und unmännliche Fähigkeiten assoziiert werden.

3.2 Die Prekarität

Als Prekarität bezeichnet der Duden eine schwierige Lage beziehungsweise eine problematische soziale Situation.[22] Diese weite Definition zeigt, dass sich der Begriff weit ausdehnen lässt und Prekarität demnach für diese Arbeit geklärt werden muss, um im Weiteren damit arbeiten zu können. Der Terminus ist meines Erachtens im Bezug auf den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers auf drei Ebenen anwendbar. Zum einen ist damit die Arbeitszeit gemeint, die von einigen PflegerInnen als zu umfangreich beschrieben wird, sodass Beruf und Privatleben miteinander verschmelzen müssen und kaum Aktivitäten außerhalb des Arbeitsplatz möglich sind. Geringe Aufstiegschancen und die fehlende soziale Sicherheit durch befristete Arbeitsverträge sollen die zwei weiteren Aspekte darstellen und im Folgenden erklärt werden.

„'Zeit' ist als Problem modern geworden“. (Schrems 1994, S.31.) Dieses Zitat von Rudolf Wenddorf trifft im Besonderen auf den Beruf des Krankenpflegers zu, da alle meine Gesprächspartner unzufrieden mit dem Umfang der Arbeit sind. Schichtdienste und teils unbezahlte Überstunden erlauben es den PflegerInnen kaum eine optimale Balance zwischen Freizeit und Arbeitszeit zu schaffen, sodass die Entlastung nicht stattfinden kann und KrankenpflegerInnen oft überproportionalem Stress ausgesetzt sind. Heintz entwickelte dazu drei Typen der Verbindung zwischen Beruf und Privatleben.[23] Typ A beschreibt dabei das Gleichsetzen von Beruf und Leben: Die Handlungslogiken werden nicht mehr getrennt und die Gefahr der Überidentifikation wächst in hohem Maße. Konfliktsituationen im Arbeitsleben werden dabei nicht mehr als Interessen-, Kompetenz- oder Rollenkonflikte erlebt, sondern als Zeichen mangelnder Menschlichkeit interpretiert. Der Arbeitsalltag wird zum Lebensmittelpunkt und die Nähe zu Freunden und Familie außerhalb der Arbeit mit Kollegen kompensiert. Heintz berichtet beispielsweise von einer Frau, die nach Feierabend noch in der Klinik war, weil sich bisher niemand von ihr verabschiedet hatte.[24] Diese Form ließ sich unter meinen Gesprächspartner nicht finden, jedoch beschrieb Frau G. bereits, dass sie ihre Kollegen als Familie ansieht, auf die sie sich freut und mit denen sie persönliche Gespräche führen kann.[25]

Der Versuch zwischen den grundsätzlich getrennten Lebensbereiche zu vermitteln, bezeichnet Heintz als Typ B, für den die Privatsphäre, im Gegensatz zu Typ A, eine hohen Stellenwert inne hat.[26] Dieser Typ sieht den Beruf als Zuverdienst und nicht als Ersatz für die Familie, sodass er nicht auf der Suche nach einem länger andauernden Kontakt zu KollegInnen und PatientInnen ist, sich aber dennoch freut neue Bekanntschaften zu machen. Bezeichnend für diesen Typ ist auch die Schätzung der hohen Patientenfluktuation, da diese die Schmerz-und Trauergefühle minimiert und eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben gezogen werden kann. In meinen Interviews stellte sich heraus, dass Frau P. dieser Typ zu sein scheint. Sie schätzt die neuen Bekanntschaften die sie während ihrer Ausbildung gemacht hat. Gleichzeitig musste sie aber auch viele negative Erlebnisse durch Kolleginnen erfahren, sodass der Eindruck entsteht, dass Frau P. die Arbeit nicht als Familienersatz ansah, sich aber gleichzeitig über die neuen Bekanntschaften freute.[27]

Typ C bezeichnet schließlich den Menschen, der die Lebensbereiche strikt trennt ohne dabei eine Vermittlung anzustreben. Dieser sieht den Beruf allein als Zweck um Geld zu verdienen und hat keine oder kaum Ansprüche auf Selbstverwirklichung im Berufsleben. Typ C begreift sein Handeln im Beruf vollständig als Rolle und distanziert sich komplett von den emotionalen Ansprüchen des Patienten.

Obwohl die Kürze der Interviews freilich keine tiefen psychischen Einblicke gewähren konnte, haben alle Interviewpartner bestätigt, dass sie eine Verbundenheit zum Patienten spüren und ihre Arbeit nicht ausschließlich als Rolle ansehen.

Die schwierigen Arbeitsbedingungen führen dazu, dass die Angestellten vor allem den Ausbau flexibler Arbeitsmodelle und neue Angebote der Kinderbetreuung fordern, um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und individuellen Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.[28] Nach Paragraph 12 des Bundesgleichstellungsgesetzes sind die Dienststellen dazu verpflichtet, Arbeitszeiten und sonstige Rahmenbedingungen anzubieten, die den Frauen und Männern die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf erleichtern, sofern zwingend dienstliche Belange dem nicht entgegenstehen.[29] Diese Formulierung ist jedoch speziell für den Beruf des Krankenpflegers nicht aufschlussreich. Der Grundgedanke, durch spezielle Rahmenbedingungen eine Vereinbarkeit zu erleichtern, mag zwar durchsetzbar sein, doch es stellt sich sofort die Frage nach den zwingend dienstlichen Belangen. Unbestreitbar ist die Genesung von kranken Menschen beziehungsweise deren Rettung ein zwingender Belang dem unbedingt nachgekommen werden muss, gleichzeitig aber die Vereinbarung von Familie und Beruf für KrankenpflegerInnen unmöglich macht, wenn diese beispielsweise Bereitschaftsdienst haben. Letztlich ist das Problem des Zeitmanagements bei all meinen Gesprächspartnern anzutreffen und wurde teilweise auch direkt als prekäre Situation charakterisiert, sodass das Kriterium der Zeit einen wichtigen Aspekt darstellt, der bei der Interviewanalyse weiter vertieft wird.

Die zweite Komponente der Begriffserklärung bezieht sich auf die soziale Sicherheit.

Iris Nowak beschreibt, dass Prekarität in diesem Zusammenhang als die verringerte soziale Sicherheit von Beschäftigten verstanden wird, die durch leicht zu lösende und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet ist.[30] In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Pflegebeschäftigten in deutschen Kliniken um mehr als 72000 auf circa 964000 Pflegekräfte verringert.[31] Dies liegt unter anderem an den voranschreitenden Privatisierungen des Gesundheitssektors, sodass Beschäftige wegen Einsparungsmaßnahmen entlassen werden. Demnach sind rund 14% der Krankenhäuser in Deutschland privatisiert,[32] was bedeutet, dass die mehrheitliche oder vollständige Veräußerung eines bisher öffentlichen, meist kommunalen Krankenhauses an einen privaten, profitorientierten Klinikbetreiber übergeht.[33] In Anbetracht der problematischen Gesamtlage des Gesundheitssektors überlegen immer mehr politische Verantwortliche regionale Krankenhäuser zu privatisieren, was zu weiteren Verunsicherungen der Beschäftigten führt. Dennoch birgt die Privatisierung auch Positives, denn so können überfällige Investitionen in Geräte und Gebäude getätigt werden und bessere Gehälter sorgen dafür, dass ein kompetenteres und zufriedeneres Team die Pflege übernimmt. Der Stellenabbau bei PflegerInnen ist dabei nur ein Aspekt dieser „Schattenseite“. Jürgen Hilgers, der Betriebsratsvorsitzende am Klinikum Krefeld und Befürworter von Privatisierungen, betont, dass der Leistungsdruck in der Pflege enorm gestiegen sei, sodass Stellen durch Auflösungsverträge abgebaut werden müssen, um wirtschaftlich leistungsfähig zu bleiben.[34] In meinen Interviews stellte sich heraus, dass keiner meiner Gesprächspartner davon betroffen war und weiterhin auch keine Angst oder Unsicherheit verspüre, einmal davon betroffen zu sein. Frau G. beschreibt zum Beispiel, dass sie im Falle eines möglichen Stellenabbaus durch ihr Kind in einen speziellen Sozialplan fallen würde, durch den andere PflegerInnen den Arbeitsplatz eher verlieren würden.[35] Auch Herr P., der nun Pflegemanagement studiert und nicht mehr in diesem Beruf arbeitet, äußerte, dass er keinerlei Unsicherheiten im Bezug auf eine mögliche Kündigung während seiner Arbeitszeit verspürte, da es seiner Meinung nach immer Kranke geben würden.[36] Im Zusammenhang mit der geringen sozialen Sicherheit, sollen auch die Weiterbildungsmöglichkeiten beschrieben werden, die einen weiteren Prekaritätsaspekt darstellen können. Wie eingangs in Kapitel 2.3 beschrieben, stehen Gesundheits- und KrankenpflegerInnen eine Fülle an Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Weiterbildung im Sinne von beruflicher Anpassung ist beispielsweise in Gebieten wie Rettungsdienst, Transkulturelle Pflege oder auch Buchführung zu absolvieren. Legt der Beschäftigte jedoch Wert auf den beruflichen Aufstieg, ist eine sogenannte Aufstiegsweiterbildung erforderlich. Verschiedene Fach- und Betriebswirte wie beispielsweise für Management oder Altenpflege bieten dazu die Möglichkeit.[37] Somit kann der Aspekt der geringen Aufstiegschancen durch die zahlreichen Weiterbildungsangebote eindeutig widerlegt werden, sodass der Begriff der Prekarität in diesem Zusammenhang meines Erachtens nicht greift. Frau G. berichtete beispielsweise, dass sie einige Weiterbildungsangebote in Anspruch nimmt und an verschiedenen Seminaren teilnimmt aber keine Aufstiegsweiterbildung anstrebt, da die finanzielle Differenz der ranghöheren Position zu gering sei.[38]

Alles in allem führen diese prekären Kriterien dazu, dass der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers gesellschaftlich nicht wertgeschätzt wird.[39] Betrachtet man demnach die Kriterien für Prekarität sieht man, dass einige Aspekte (soziale Sicherheit, Arbeitszeiten etc.) zwar auf den Beruf, aber in unterschiedlichem Maß auf die Befragten zutreffen.

3.3 Gründe für geschlechtsspezifische Attraktivität der Krankenpflege

Um darstellen zu können warum vor allem Frauen sich für die Pflegeberufe interessieren und Männer hingegen andere Berufe vorzuziehen scheinen, muss man die Entstehungsgeschichte geschlechtsspezifischer Berufe näher untersuchen.

Bereits nach der neolithischen Revolution bildete sich eine Ausdifferenzierung geschlechtsspezifischer Aufgabenfelder aus, wobei der Mann als Jäger und Sammler die Ernährung der Familie sicher stellte und die Frau häusliche Tätigkeiten, wie die Kindeserziehung oder die Haushaltsführung, übernahm. So wurde also schon vor mehreren tausend Jahren den Männern die Sicherstellung des Familienunterhalts zugeschrieben und dessen Frauen Aufgabenfelder abseits der Erwerbstätigkeit zugeteilt. Diese Segregation wurde auch bis in die Moderne fortgeführt, sodass die Männer und Jungen für die Fabrikarbeit vorgesehen waren und dort den Lebensunterhalt der Familie einholten. Im Zuge der großen militärischen Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts wurden Frauen für die Pflege der Soldaten und für kriegswichtige Hilfstätigkeiten eingesetzt. Diese Tätigkeiten sind natürlich als anfängliche Integration der weiblichen Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anzusehen, zeigen dennoch aber auch, dass Frauen Tätigkeiten übernahmen, die geringe Qualifikationen erforderten und somit auch geringer entlohnt wurden. Einen weiteren Höhepunkt der Geschlechtersegregation lässt sich in den Werbungen der 50er und 60er Jahre finden. Auf den Werbeplakaten, die heute noch als Kunst gehandelt werden, wurden Frauen als die Hausfrau und Mutter dargestellt, die die Rolle als devote Helferin des Mannes einnahm. Letzterer war der Ernährer der Familie, der den Lebensstandard ermöglichte und dementsprechend dankbar zu unterstützen war. Als im Zuge der 68er Revolution die feministische Emanzipation aufkeimte und Frauen verstärkt auf den Arbeitsmarkt drängten und entlohnte Erwerbstätigkeiten einforderten, fanden sie diese in erster Linie in sozialen Tätigkeiten. Diese waren meist schlecht entlohnt, hatten aber den Vorteil, dass sich die Frau im Falle einer Schwangerschaft flexibler auf dem Arbeitsmarkt verhalten konnte. Demnach ermöglichen diese Berufe, die kaum Qualifikationen erfordern und generell weniger Verantwortung verlangen, ein schnelles und einfaches Ausscheiden aus dem Beruf und gleichzeitig aber auch eine dementsprechende Rückkehr. Dies bedeutet also, dass Frauen sich zwangsläufig für Berufe entscheiden, die diesen Doppelweg ermöglichen, obwohl sie schlechter entlohnt werden. Weiterhin setzen Frauen andere Prioritäten als Männer. Neben dem Aufbau einer Familie wollen sich Frauen oftmals im Beruf verwirklichen und wählen Berufe in denen sie gebraucht werden also in den „[..] Dienstleistungs-, Sozial-, oder Gesundheitsbereichen“. (Von: Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauenbeauftragte und Gleichstellungsbeauftragte[40] ) Diese Berufe sind überdies von prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägt, da sie durch die geringen Qualifikationsniveaus schlechter bezahlt werden und oft nur befristete Arbeitsverträge oder Teilzeitarbeit bieten. Demnach sind Frauen im Allgemeinen schlechter bezahlt als Männer, die im Durchschnitt 20% mehr als ihre weiblichen Kollegen verdienen.[41] Im Gegensatz zu Frauen setzen Männer ganz andere Prioritäten, denn sie sind durch die Geschichte als Ernährer vorgesehen und reproduzieren dieses Rollenmuster. Daher müssen sie Berufe wählen, die ihnen die Erfüllung dieser Aufgabe ermöglichen, wodurch sie Tätigkeiten anstreben, die besonders gut bezahlt werden. Weiterhin streben Männer durch die höheren Bezahlungen ein höheres Prestige in Form von Macht und Statussymbolen an, die sie vor anderen Männern auszeichnet. Diese Profilierungssucht lässt Männer nach hochqualifizierten Berufen streben, die große Aufstiegsmöglichkeiten bieten, da der Beruf als Mittel der Selbstdarstellung dient. Im obigen Kapitel wurde dargestellt, dass der Beruf eine prekäre Beschäftigung darstellt, da er beispielsweise von schlechter Entlohnung und fehlender sozialer Sicherheit geprägt ist. All diese Aspekte stellen die wichtigsten Merkmale für die männliche Berufswahl dar, sodass Männer von dem Krankenpflegeberuf abgeschreckt und nicht angezogen wurden.

[...]


[1] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Gesundheitspersonal/ Tabellen/Berufe.html (Letzter Zugriff: 24.07.2012 ,17:35)

[2] http://www.duden.de/rechtschreibung/Sklave (Letzter Zugriff:14.08.2012, 15:14)

[3] Vgl. Krabel u.a. S. 24f.

[4] http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/start?dest=profession&prof-id=27354 (Letzter Zugriff: 01.08.2012, 18:33)

[5] mittlerer Dienst und mindestens zwei- bis dreijährige Ausbildung

[6] Freiwilliges Soziales Jahr

[7] Vgl. Krabel u.a. S. 33.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Küpper S. 36.

[10] Vgl. Küpper S. 36.

[11] Vgl. Keuler S. 42.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl. Küpper S. 37.

[15] Vgl. Krabel u.a. S. 34.

[16] Ebd.

[17] Vgl. Heintz u.a. S. 75.

[18] Ebd.

[19] Vgl. Krabel u.a. S. 34.

[20] Vgl. Krabel u.a. S. 15.

[21] Vgl. Krabel u.a. S. 28.

[22] http://www.duden.de/suchen/dudenonline/prekarit%C3%A4t

(letzter Zugriff: 15.07.2012 20:48)

[23] Vgl. Heintz u.a. S. 86ff.

[24] Vgl. Heintz u.a. S. 87.

[25] Anhang S.42, Zeile 42ff.

[26] Vgl. Heintz u.a. S.89.

[27] Anhang S.54, Zeile 397ff.

[28] Vgl. Deutscher Bundestag Drucksache 17/4307 vom 16.12.2010 S.55, verfügbar unter: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/043/1704307.pdf (Letzter Zugriff: 20.07.2012, 20:00)

[29] Ebd.

[30] Vgl. Nowak S.21

[31] Vgl. Wulff S.8

[32] http://www.unikum-aachen.de/joomla/index.php? option=com_content&view=article&id=300%3Aprivatisierung-von-krankenhaeusern-in- deutschland&Itemid=2 (Letzter Zugriff: 13.07.2012, 18:21)

[33] http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/privatisierung-von-krankenhaeusern/privatisierung-von- krankenhaeusern.htm (Letzter Zugriff: 18.07.2012, 13:23)

[34] http://www.aerzteblatt.de/archiv/74550 (Letzter Zugriff: 13.07.2012, 10:21)

[35] Anhang S.46, Zeile 172ff.

[36] Anhang S.52, Zeile 349ff.

[37] http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/berufId.do? _pgnt_act=goToAnyPage&_pgnt_pn=0&_pgnt_id=resultShort&status=T11 (Letzter Zugriff: 25.07.2012, 12:18)

[38] Anhang S.48, Zeile 218ff.

[39] Vgl. Krabel u.a. S. 93.

[40] http://www.eduhi.at/dl/100441.pdf (Letzter Zugriff: 14.8.2012, 21:21)

[41] http://www.oecd.org/social/familiesandchildren/38752746.pdf (Letzter Zugriff: 02.08.2012, 10:13)

Details

Seiten
69
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656275596
ISBN (Buch)
9783656277071
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200407
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Krankenpflege Prekarität Frauendomäne

Autor

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Titel: Der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers: Eine empirische Untersuchung zur Prekarität