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Friedrich von Gentz und Fürst Metternich

Duo der Unterdrückung?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 18 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gentz und Metternich, zwei Biografien
2.1 Friedrich von Gentz
2.2 Klemens Wenzel Lothar von Metternich

3. Beispiele für Einflussnahmen seitens Metternichs und Gentz
3.1 Der Weg zu den Karlsbader Beschlüssen
3.2 Verhandlungen mit dem vertriebenen Herzog von Braunschweig Karl II

4. Die Beziehung zwischen Metternich und Gentz

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Wirken von Klemens Wenzel Lothar von Metternich und Friedrich von Gentz. Die These der Arbeit ist, dass man Gentz und Metternich auch als „Duo der Unterdrückung“ bezeichnen könnte. Hierzu werden im zweiten Kapitel die Biografien der beiden dargestellt. Dies soll nur sehr knapp und auch nur bis zum Beginn ihrer Zusammenarbeit in kaiserlichen Diensten geschehen. Im Laufe der Hausarbeit muss allerdings immer wieder auf biografische Aspekte eingegangen werden, da die Zusammenhänge ansonsten nur schwer nachzuvollziehen wären. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit zwei Einflussnahmen seitens Metternich und Gentz auf die politische Entwicklung des Deutschen Bundes. Namentlich mit den Karlsbader Beschlüssen und der Korrespondenz zwischen Gentz und dem vertriebenen Herzog von Braunschweig Karl II.. Natürlich gäbe es deutlich mehr Beispiele für das Wirken der beiden, wie den Wiener Kongress, jedoch würde dies den Rahmen der Hausarbeit deutlich sprengen. Die Karlsbader Beschlüsse wurden ausgewählt, da dieses Ereignis die gesellschaftliche und soziale Struktur des deutschen Bundes über Jahrzehnte beeinflusste. Die Korrespondenz zwischen Gentz und Karl II. und nach Gentz Tod zwischen Metternich und Karl II. wurde ausgewählt, da daraus besonders hervorgeht, dass Gentz auch aus finanziellem Antrieb handelte. Im vierten Kapitel wird die Beziehung zwischen Gentz und Metternich skizziert. Dort wird deutlich, wie diese beiden Charaktere, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, zueinander standen. Zum Schluss wird noch ein Fazit gezogen.

2. Gentz und Metternich, zwei Biografien

2.1 Friedrich von Gentz

Friedrich von Gentz wurde am 2. Mai 1764 in Breslau als Sohn eines preußischen Beamten geboren, welcher schließlich zum Generalmünzdirektor aufsteigen sollte. Seine Mutter war eine geborene Ancillon, gehörte also einer der vornehmsten Hugenottenfamilien Berlins an.1 Johann Gentz schickte seinen Sohn Friedrich nach Königsberg, wo er dort ein Schüler Kants werden sollte.2 Kant ließ ihn seine bald erscheinenden Schriften Korrekturlesen.3 Von Kant lernte er allerdings weniger dessen philosophische Lehrsätze, sondern vielmehr selbstständiges Denken. 1785, zwei Jahre nachdem er sein Studium begonnen hatte, brach er ab und kehrte nach Berlin zurück. Später sollte Gentz die Lehren Kants ablehnend beurteilen.4 Dank seines Vaters wurde er als Referendar bei der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer angestellt, wo er schließlich 1793 zum Kriegs- und Domänenrat befördert wurde. Der Beamtenalltag füllte Gentz jedoch nicht aus, daher hielt er Kontakt zu Kant und seinem Schülerkreis, sowie zu Philosophen wie Christian Garve und Johann Jakob Engel. In den nächsten Jahren publizierte er, der von einem Anhänger zum Gegner der Französischen Revolution geworden war, zahlreiche revolutionskritische Schriften. Bedrängt vom Scheitern seiner Ehe und einer ungeheuren Schuldenlast, sowie dem frankophilen Kurs der Preußischen Regierung stellte sich Gentz 1802 in die Dienste Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, später Franz I. Kaiser von Österreich. Hier wurde er zunächst als Auftragsschreiber des Außenministeriums, dem Gentz antinapoleonischen Ansichten recht waren, angestellt. In Wien wurde er schließlich Wortführer derer, die einen Krieg gegen das napoleonische Frankreich befürworteten. Hart getroffen wurde er vom Scheitern einer von ihm angeregten Allianz zwischen Preußen und Österreich, sowie der Niederlage Österreichs im fünften Koalitionskrieg 1809. Erst durch die Zusammenarbeit mit dem neuen österreichischen Außenminister Metternich sah Gentz wieder eine Per- spektive Europa von Napoleon zu befreien.5

2.2 Klemens Wenzel Lothar von Metternich

Klemens Wenzel Lothar von Metternich wurde am 15. Mai 1773 in Metternich bei Koblenz geboren.6 Sein Vater war der Kurtrierer Staatsminister Graf Franz Georg Karl Metternich-Winneburg-Beilstein.7 Als Diplomat nahm Metternichs Vater beispielsweise am Kongress von Raststatt, wohin er von seinem Sohn begleitet wurde, teil.8 Wie für einen Fürstensohn üblich, wurde Metternich von einem Hauslehrer erzogen. Seine katholische Mutter wählte den Freigeist und Protestanten Johann Friedrich Simon. Dieser hatte sich den Lehren von Denkern wie Montesquieu und Rousseau verpflichtet.9 Zunächst studierte er an der Universität Straßburg, um diese dann im Jahr 1790 zu verlassen. Sein juristisches und diplomatisches Studium setzte er an der Universität zu Mainz fort.10 In Straßburg wurde Metternich das Werkzeug gegeben, um sich in der Reichsverfassung zurechtzufinden. In Mainz lernte er jene politische Lehre11 kennen, an der er sich später immer wieder orientieren sollte, als er Europa auf dem Wiener Kongress neu ordnen sollte.12 Seine geistige Beweglichkeit, sowie seinen Machttrieb erbte Metternich wohl von seiner Mutter.13 Seine erste politische Anstellung erhielt Metternich 1794 als kaiserlicher Gesandter für die österreichischen Niederlande. Zu diesem Zeitpunkt interessierte sich Metternich nicht besonders für die diplomatische Laufbahn, lieber hörte er naturwissenschaftliche Vorlesungen.14 Nichtsdestotrotz wurde der Fürsten und Diplomatensohn im Jahr 1801 als Gesandter nach Dresden geschickt. Zwei Jahre später wurde er nach Berlin beordert, um 1806, nach der österreichischen Niederlage bei Austerlitz, Botschafter in Paris zu wer- den. Dort lernte er Napoleon und dessen napoleonisches System sehr genau kennen. Schließlich wurde er im Jahr 1809 von Kaiser Franz zum Außenminister Österreichs ernannt.15 In dieser Position sollte er seinen Mitarbeiter Friedrich von Gentz kennen lernen.

3. Beispiele für Einflussnahmen seitens Metternichs und Gentz

3.1 Der Weg zu den Karlsbader Beschlüssen

Anlass für die Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse war die Ermordung des konservativen Schriftstellers und Satirikers August von Kotzebue durch den Jenaer Studenten Karl Ludwig Sand am 23. März 1919. Die Studenten waren enttäuscht von der ausbleibenden Bildung eines deutschen Nationalstaats.16 Kotzebue wurde zum Feindbild der Studenten, da er sich über deren nationales Gehabe lustig machte.17 Gentz, zum Zeitpunkt der Ermordung Kotzebues bereits engster Mitarbeiter Metternichs, wandte sich in seinem Brief vom 9. April an denselben.

„[…]Die Ermordung von Kotzebue ist aber ein unverkennbares Symptom des Grades der Bösartigkeit, den das pestilenzialische Fieber unserer Tage in Deutschland angenommen hat. Meine Meinung war längst, daß Deutschland […] kränker ist als Frankreich. […] und die Krisis, die Frankreich längst überlebt hat, wartet unser noch in einer nicht sehr entfernten Zukunft. […]“18

Der sich auf einer Italienreise befindende Metternich antwortete noch am gleichen Tag aus Rom.

„Ich habe die Nachricht der Ermordung Kotzebues mit allen vorläufigen Details erhalten. [...] Ich für meinen Teil hege keinen Zweifel, daß der Mörder nicht aus eigenem Antriebe, sondern infolge eines geheimen Bundes handelte. Hier wird wahres Übel auch einiges Gutes erzeugen, weil der arme Kotzebue nun einmal als ein argumentum ad hominem dasteht, welches selbst der liberale Herzog von Weimar nicht zu verteidigen vermag. - Meine Sorge geht dahin, der Sache die beste Folge zu geben, die möglichste Partie aus ihr zu ziehen, und in dieser Sorge werde ich nicht lau vorgehen. [...] Meine Idee wäre, daß die Statuten im größten Geheim gedruckt und in Deutschland verteilt würden. [...] hierzu hat Gr. Sedlnitzky19 alle Mittel. [...] Eine der Ursachen, warum ich die Statuten, die Jenser Protokolle usw. gedruckt wünsche, ist, damit sie der Beratung, welche die Sache unter den Kabinetten eröffnet werden, zum Belege dienen könne. [...]20

Metternich erkannte, dass er seine europäische Ordnung nicht mehr nur auf politischem Wege sichern konnte, also wollte er die drohende Revolution auf anderem Wege unterdrücken.21 Zudem befürchtete Metternich Nachahmer des Kotzebue Attentats.22 Gerade für Österreich, als Vielvölkerstaat, war, seiner Meinung nach, allzu liberales Gedankengut gefährlich. Daher war es das erste Ziel von Metternich und Gentz, die Habsburgermonarchie vor der Sprengkraft nationaler Bewegungen zu schützen. Für letzteren war die deutsche Nationalbewegung immer nur ein Werkzeug gewesen um die Vorherrschaft Napoleons zu beenden, so war für ihn das Nationalgefühl an das er appellierte nur Instrument, die alte Ordnung wiederherzustellen.23 Zudem bezweifelte er, dass gemeinsame Sprache, Herkunft und Religion ausreichen um eine Nation zu bilden. Vielmehr war er der Meinung, dass sich eine Bevölkerung bestehenden Gesetzen zu unterwerfen habe, ob es ihr gefällt oder nicht.24

Hier soll aber nicht das Bild entstehen, dass es sich bei Gentz und Metternich um Ewiggestrige handelt. Metternich versuchte durchaus die Verfassung des Habsburgerstaats zu modernisieren, um so die vielen Nationalitäten Österreichs besser zu integrieren.25 Zudem war Metternich nicht per se gegen das Streben nach Freiheit. Allerdings machten sich die Liberalen in seinen Augen unglaubwürdig, wenn sie Pressefreiheit forderten, aber einen unliebsamen Schriftsteller töteten.26 Zwar dachten beide europäisch, jedoch standen die Interessen der Habsburgermonarchie immer an erster Stelle.

[...]


1 Vgl. Günther Kronenbitter: Friedrich von Gentz und Metternich. In: Robert Rill(Hrsg.): Konservatismus in Österreich. Strömungen, Ideen Personen und Vereinigungen. Graz 1999. S.71.

2 Vgl. Golo Mann: Friedrich von Gentz. Frankfurt am Main 1995. S. 17.

3 Vgl. Ebd. S. 23.

4 Vgl. Ebd. S. 25.

5 Vgl. Kronenbitter: Friedrich von Gentz. S. 72f.

6 Vgl. Wolfram Siemann: Metternich. Staatsmann zwischen Restauration und Moderne. S. 19.

7 Vgl. Heinrich Ritter von Srbik: Metternich. Der Staatsmann und der Mensch, Bd. 1. Graz 1979. S. 54.

8 Vgl. Siemann: Metternich. S. 30.

9 Vgl. Ebd. S. 21.

10 Vgl. Srbik: Metternich. S. 69f.

11 Gemeint ist die Lehre des politischen Gleichgewichts, auf welches in Kapitel 4 näher eingegangen wird.

12 Vgl. Siemann: Metternich. S.23.

13 Vgl. Srbik: Metternich. S. 85.

14 Vgl. Siemann: Metternich. S. 30.

15 Vgl. Kronenbitter: Friedrich von Gentz und Metternich. S. 73.

16 Vgl. Henry Kissinger: Das Gleichgewicht der Großmächte, Metternich, Castlereagh und die Neuordnung Europas 1812-1822. Zürich 1986. S. 448.

17 Vgl. Siemann: Metternich. S. 63.

18 Gentz an Metternich, Wien, 9.4.1819. In: Friedrich Carl Wittichen, Ernst Salzer(Hrsg.): Briefe von und an Friedrich von Gentz, Bd.3 erster Teil. München. Berlin 1913. S.386-188.

19 Josef von Sedlnitzky (8.1.1778 - 24.1.1855), Wiener Polizeipräsident.

20 Metternich an Gentz, Rom, 9.4.1819. In: Alfons von Klinkowström (Hg.): Aus Metternichs nachgelassenen Papieren, Bd. 3. Wien 1881. S. 227-230.

21 Vgl. Kissinger: Das Gleichgewicht der Großmächte. S. 448.22 Vgl. Siemann: Metternich. S. 64.

23 Vgl. Kronenbitter: Friedrich von Gentz und Metternich. S. 81

24 Vgl. Mann: Friedrich von Gentz. S. 332f.

25 Vgl. Kronenbitter: Friedrich von Gentz und Metternich. S. 81.

26 Vgl. Siemann: Metternich. S. 65.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656265443
ISBN (Buch)
9783656265849
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200421
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Schlagworte
Metternich Gentz Friedrich von Gentz Fürst Metternich Klemens Wenzel Lothar von Metternich Restauration 1830 Deutscher Bund Karlsbader Beschlüsse 1848

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Titel: Friedrich von Gentz und Fürst Metternich