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Die Bedeutung und Verbreitung der Mythendarstellungen auf römischen Sarkophagen

Seminararbeit 2012 16 Seiten

Archäologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Allgegenwart des Mythos

3. Bedeutung der Mythen am Grab

4. Die Entwicklung der mythischen Sarkophage in Italien

5. Wichtigste Mythen auf stadtrömischen Sarkophagen

6. Entwicklung und Verständnis

7. Themenkreise

8. Auswahl der Mythen und Episoden

9. Regionale Unterschiede
9.1. Stadtrömische Sarkophage
9.2. Attische Sarkophage

10. Endphase

11. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich einen allgemeinen Überblick über die mythologischen Darstellungen auf römischen Sarkophagen geben. Hierbei werden die Entwicklungen der Mythen, Interpretationen und wichtige Themenkreise aufgeführt. Des Weiteren soll, anhand von ausgewählten Beispielen, die Auswahl bestimmter Mythen für Verstorbene dargelegt werden. Zum Schluss möchte ich noch die regionalen Unterschiede von stadtrömischen und attischen Sarkophagen aufführen. Mit Hilfe von selbsterstellten Listen über die Mythen und deren Entwicklung, sowie mit Hilfe von Bildern versuche ich mich dem Thema zu nähern.

2 Allgegenwart des Mythos

In keiner Epoche des Altertums hat es in der privaten Lebenswelt so viele Mythenbilder gegeben, wie in der Kaiserzeit.[1] [2][3] Mythenbilder waren in den kaiserzeitlichen Städten immer allgegenwärtig und man fand sie sowohl in öffentlichen, als auch in privaten Räumen. Sie beherrschten und definierten die Räume und bezogen sich oft auf konkrete Alltagsrituale, die sich in den entsprechenden Räumen abspielten. Anders als heute setzten z.B. Künstler das Erkennen und die einzelnen Geschichten der Mythen beim Leser voraus. Für den Gebildeten war die Kenntnis der Mythen der Alten Welt zusammen mit den biblischen Geschichten eine Selbstverständlichkeit. Man gebrauchte den griechischen Mythos sehr häufig beim Trinkgelage der Männer, zur Freude der Gottheiten im Heiligtum oder auch zur Bestätigung der Polisgemeinschaft im öffentlichen Raum. Auch die Nachbar- und Nachfolgekulturen der Griechen (hellenistische Völker Unteritaliens, Etrusker) und auch letzten Endes die Römer griffen auf den tradierten Mythos zurück und gestalteten ihn neu.

Der Mythos wird als ewig verstanden und ist ständig im Wandel, er ist immer aktuell und besitzt zugleich einen unauflöslichen Kern.

3 Bedeutung der Mythen am Grab

Aus diesem Grund kamen Mythen auch auf Sarkophagen vor, wobei auch mythologische Gestalten und Allegorien in Grab- und Trostgedichten vorkamen. Mythologische Bilder am Grab sollten als eine allegorische Form des Redens über Tod und die Toten zu verstehen sein.[4]

Vor allem in Italien war das Ausschmücken der Gräber mit Mythenbildern sehr beliebt. Anders war es in den Poleis, wie z. B. Athen, wo sich die Mythendarstellungen nicht durchsetzen konnten und sich die Familienverbände eher selbst an ihren Gräbern präsentieren wollten. Die Etrusker hingegen schmückten ihre Gräber schon seit der Archaik mit Heroenmythen auf Gefäßen. Als man in Rom zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. die Sarkophag Bestattung neu einführte, wählte man für die marmornen Grablegen anstelle der bisher gängigen floralen und emblematischen Dekorationen wieder Bilder griechischer Mythen als Reliefschmuck. Die Aufgabe des römischen Grabs war es, dem Anspruch der Grabinhaber auf Repräsentation zu genügen und anderseits die Aufgabe zu erfüllen, der Situation der Grabbesucher und Hinterbliebenen Ausdruck zu verleihen.[5]

Beim Betreten eine Grabbaus war man von vielen Bildern umgeben, so wie es auch damals in den Wohnhäusern üblich war. Bilder gab es aber nicht nur auf Sarkophage, sondern auch auf den Böden, Wänden und Decken[6], die meist mythologische Szenen oder Einzelfiguren zeigen. Zwischen diese mischten sich mythisch-allegorische Gestalten, bukolisches Personal und gelegentlich auch Bilder aus der Lebenswelt, wie z.B. Szenen aus der Jagd oder Arena.[7] Sarkophagreliefs besaßen oft eine herausgehobene Bedeutung, besonders wenn die mythischen Gestalten durch Bildnisse auf den Toten hinweisen oder auf dessen Angehörige bezogen waren. Man muss die Sarkophagreliefs im Kontext des Bilddekors der Grabkammer sehen, da dem Besucher die Bilder Vergleiche und Allegorien bereit stellten, die man eben auf den Toten oder auf sich selbst als Angehörigen beziehen konnte.

In Griechenland benutzte die ganze Gesellschaft die Mythen als „Sprache“ und man verständigte sich durch entsprechenden Gebrauch. Am Grab sollten die Mythen als Trauer- und Lebenshilfe dienen, denn je nach Situation wurden auf Sarkophage Bilder gemacht, um zu zeigen, dass trauernde Personen nicht die Ersten sind, denen solch ein Leid passiert und dass sie sich ein Beispiel an anderen nehmen sollten, da trotz allem Leid das Leben weitergeht.

4 Die Entwicklung der mythischen Sarkophage in Italien

Es gibt ca. 1200 stadtrömische Sarkophage, die mit mythischen Themen geschmückt sind.[8][9] Fast ausschließlich kommen darauf griechische Themen vor und römische nur auf sehr wenigen. Die mythologischen Sarkophage setzten im frühen 2. Jahrhundert (etwa 120/30) n. Chr. ein. Zu Beginn handelte es sich um eher kleine Szenen, welche man in die Bögen von Girlandensarkophagen setzte.[10] Um 130/40 n. Chr. entstehen die Friessarkophage, mit denen dann auch die Anzahl der Mythen wächst. In mittelantoninischer Zeit, zwischen 150 und 170 n. Chr., gibt es die größte Vielfalt der Themen. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts nimmt die Zahl der Themen aber wieder ab. In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts findet man sehr viele mythologische Sarkophage, aber die Auswahl an Themen ist dennoch sehr gering. In gallienischer Zeit sind anscheinend nur sehr wenige entstanden, aber unter ihnen befinden sich sehr viele Meisterstücke. Die letzte Blütezeit der mythologischen Sarkophage weist man der tetrarchischer Zeit (zwischen 280 und 310 n. Chr.) zu. In jener Zeit entstanden sehr aufwändige Exemplare. Mit den Edikten Konstantins 311/13 n. Chr. scheinen die mythologischen Sarkophage schlagartig zu verschwinden.

[...]


[1] Vgl. Zanker Paul und Ewald Björn Christian, Mit Mythen leben-Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (München 2004) 37f.

[2] Vgl. Bielfeldt Ruth, Orestes auf römischen Sarkophagen, (München 2001) 14.

[3] R.R.R. Smith, The imperial reliefs from the Sebasteion at Aphrodisias. JRS 77 (1987) 88-138; M. Fuchs, Untersuchung zur Ausstattung römischer Theater in Italien und den Westprovinzen des Imperium Romanum (Mainz 1987); H. Manderscheid, Die Skulpturenausstattung der kaiserzeitlichen Thermenanlagen (Berlin 1981) zitiert bei Paul Zanker und Björn Christian Ewald, Mit Mythen leben-Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (München 2004) 37.

[4] Vgl. Zanker Paul und Ewald Björn Christian, Mit Mythen leben-Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (München 2004) 36-41.

[5] Vgl. Bielfeldt, Orestes auf römischen Sarkophagen (München 2001) 14-16.

[6] Feraudi-Gruénais, Dok. 16 (2001) zitiert bei Paul Zanker und Björn Christian Ewald, Mit Mythen leben-Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (München 2004) 36f.

[7] W. Kemp, Christliche Kunst. Ihre Anfänge, ihre Strukturen (München 1994) zitiert bei Paul Zanker und Björn Christian Ewald, Mit Mythen leben-Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (München 2004) 37.

[8] Vgl. Koch Guntram, Sarkophage der römischen Kaiserzeit (Darmstadt 1993) 72-80.

[9] G. Koch-H. Sichtermann, Römische Sarkophage (1982) 127ff. zitiert bei Koch Guntram, Sarkophage der römischen Kaiserzeit (Darmstadt 1993) 72.

[10] Herdejürgen (1989) 17ff. zitiert bei Koch Guntram, Sarkophage der römischen Kaiserzeit (Darmstadt 1993).

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656271987
ISBN (Buch)
9783656272380
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200668
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
2,0
Schlagworte
Sarkophage Mythen Mythenbilder Särge römischer Totenkult römische Bestattungsform

Autor

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