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Zur Kunst des Fragens

Erhebungsdesign und Fragebogenkonstruktion

von Marie Luedtkes (Autor:in)
©2008 Hausarbeit 15 Seiten

Zusammenfassung

Die Befragung ist das weitverbreiteste Datenerhebungsdesign der empirischen Sozialwissenschaften und hat längst auch in der Meinungs-, Markt- und Konsumforschung, aber auch in der Psychologie einen hohen Stellenwert erlangt. Essentieller Bestandteil einer jeden Befragung, sei sie nun mündlich, telefonisch, schriftlich
oder per Internt ist der Fragebogen. Dass viele Wissenschaftler schon von einer Kunstlehre sprechen, wenn sie über die Fragebogenkonstruktion reden, hat durchaus seine Berechtigung. Unzählige Regeln, Leitfäden und Gebrauchsanweisung gibt es für dessen Konstruktion. Und dennoch muss jeder Fragebogen, jede einzelne
Frage in der spezifischen Forschungssituation erst einmal konstruiert, überdacht und diskutiert werden. Man kennt den alten Spruch „Blöde Frage, blöde Antwort“. Auch wenn im pädagogischen
Kontext gerne von „es gibt keine blöden Fragen“ geredet wird, steckt
in dieser Binsenweisheit in Bezug auf die standardisierte Befragunge eine Menge Wahrheit. Ein standardisierter Fragebogen hat den Anspruch eine akkurate Translation einer Forschungsfrage, die es zu ergründen gilt, zu sein. Jedes falsche Wort, jede undurchdachte Formulierung kann so zur Krux werden und fehlerhafte oder
unbrauchbare Antworten hervorbringen. Da die Frage zentrales Merkmal eines jede Fragebogens ist werden in der vorliegenden Arbeit wichtige Prinzipien für die Formulierung von Fragen, die in einem
standardisierten Fragebogen zum Einsatz kommen, dargestellt. Einige Konstruktionsprinzipien sind auf jeden Fall zu berücksichtigen — wie z.B. die Vermeidung doppelter Stimuli —, da es sonst zu unerwünschten Effekten oder schlimmstenfalls zu unbrauchbaren Daten kommen kann. Bevor aber auf diese Regeln der Frageformulierung
eingegangen wird, wird im Folgenden zunächst rezensiert welche Inhalte mit den konkreten Fragen erfasst werden sollen. Im Anschluß an die inhaltlichen Fragetypen und die Konstruktionsprinzipien werden die zwei besonderen Problem „Meinungslosigkeit“ und „Mittelkategorie“ vorgestellt. Aufgrund der Begrenztheit der Arbeit können die Punkte mehr angerissen als ausdiskutiert
werden, und nur ein recht kleiner Ausblick in die Breite dieses umfassenden Themas geboten werden.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Frage
2.1 Fragetypen
2.2 Die 10 Gebote der Fragenformulierung

3. Die Antworten
3.1 Meinungslosigkeit
3.2 Mittelkategorie

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Befragung ist das weitverbreiteste Datenerhebungsdesign der empirischen So- zialwissenschaften und hat längst auch in der Meinungs-, Markt- und Konsumfor- schung, aber auch in der Psychologie einen hohen Stellenwert erlangt. Essentieller Bestandteil einer jeden Befragung, sei sie nun mündlich, telefonisch, schriftlich oder per Internt ist der Fragebogen. Dass viele Wissenschaftler schon von einer Kunstlehre sprechen, wenn sie über die Fragebogenkonstruktion reden, hat durch- aus seine Berechtigung. Unzählige Regeln, Leitfäden und Gebrauchsanweisung gibt es für dessen Konstruktion. Und dennoch muss jeder Fragebogen, jede einzel- ne Frage in der spezifischen Forschungssituation erst einmal konstruiert, überdacht und diskutiert werden.

Man kennt den alten Spruch „Blöde Frage, blöde Antwort“. Auch wenn im pädagogischen Kontext gerne von „es gibt keine blöden Fragen“ geredet wird, steckt in dieser Binsenweisheit in Bezug auf die standardisierte Befragunge eine Menge Wahrheit. Ein standardisierter Fragebogen hat den Anspruch eine akkurate Translation einer Forschungsfrage, die es zu ergründen gilt, zu sein. Jedes falsche Wort, jede undurchdachte Formulierung kann so zur Krux werden und fehlerhafte oder unbrauchbare Antworten hervorbringen.

Da die Frage zentrales Merkmal eines jede Fragebogens ist werden in der vorlie- genden Arbeit wichtige Prinzipien für die Formulierung von Fragen, die in einem standardisierten Fragebogen zum Einsatz kommen, dargestellt. Einige Konstrukti- onsprinzipien sind auf jeden Fall zu berücksichtigen — wie z.B. die Vermeidung doppelter Stimuli —, da es sonst zu unerwünschten Effekten oder schlimmstenfalls zu unbrauchbaren Daten kommen kann. Bevor aber auf diese Regeln der Fragefor- mulierung eingegangen wird, wird im Folgenden zunächst rezensiert welche In- halte mit den konkreten Fragen erfasst werden sollen. Im Anschluß an die inhalt- lichen Fragetypen und die Konstruktionsprinzipien werden die zwei besonderen Problem „Meinungslosigkeit“ und „Mittelkategorie“ vorgestellt.

Aufgrund der Begrenztheit der Arbeit können die Punkte mehr angerissen als ausdiskutiert werden, und nur ein recht kleiner Ausblick in die Breite dieses umfassenden Themas geboten werden.

2. Die Frage

Fragen zu stellen ist ein alltäglicher Vorgang, der auf den ersten Blick weder ein besonderes Können vorraussetzt, noch erwartet man eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Will man jedoch Fragen im Rahmen einer empirischen Untersuchung für einen Fragebogen konstruieren, scheint das vermeintlich Einfache auf einmal ein Gebiet mit vielen Herausforderungen zu werden. Was es für Arten der Frage gibt und was es bei der Formulierung dieser zu beachten gilt, soll das folgende Kapitel näher beleuchten.

2.2 Fragetypen

Als erster Schritt für die Formulierung einer Frage muss entschieden werden, welche Art der Information mit der Frage gewonnen werden soll. Generell wird zwischen Einstellungs- oder Meinungsfragen, Verhaltensfragen, Überzeugungsfragen und Eigenschaftsfragen differenziert (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 325).

Einstellungs- oder Meinungsfragen zielen auf die positive bzw. negative Bewertung einer konkreten Aussage ab. Die Wünschbarkeit kann sowohl in der Frage, als auch in der Antwort zum Ausdruck kommen.

Beispiel:

A. Sollten Ausländer, die länger als 10 Jahre in der Bundesrepublik Deutsch- land leben, das allgemeine Wahlrecht erhalten?

Ja 

Nein 

B. Stimmen Sie der Aussage eher zu oder lehnen Sie die folgende Aussage eher ab?

„Jeder, der hier in der Bundesrepublik Deutschland Steuern bezahlt, sollte hier auch wählen dürfen.“

Stimme zu 

Lehne ab 

Verhaltensfragen nehmen generell Bezug auf Handlungen bzw. Verhalten des Be- fragten, wobei die Frage genau genommen auf Überzeugungen des Befragten in Bezug auf sein eigenes Verhaltens abzielt. Die Verhaltensfrage bezieht sich in Ab- grenzung zur Überzeugungsfrage, die Ansichten über rein kognitive Sachverhalte aufdecken möchte, auf eigenes Verhalten bzw. eigene Erfahrungen (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 326ff).

Beispiel:

„Werden Sie ihre nächsten Sommerferien im Ausland verbringen?“

Ja

Nein

Hier wird eigentlich nicht nach einem tatsächlichen Verhalten gefragt, sondern nach der Absicht. „ Berichtetes Verhalten “ , auch wenn es nicht auf die Zukunft, son- dern auf die Gegenwart oder Vergangenheit gerichtet ist, ist immer etwas ande- res als eine tatsächlich ausgeführte Handlung. Besonders gut ist dies an Befragun- gen vor Wahlen zu beobachten. Die angegebenen Wahlabsichten müssen nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Wahlverhalten am Ende übereinstimmen (vgl. Stier 1999, 172ff).

Auch bei Einstellungs- und Meinungsfragen muss die Prognoseproblematik be- dacht werden. Ob die abgefragten Einstellungen bzw. Meinungen letztendlich mit den tatsächlich ausgeführten Handlungen korrespondieren, bleibt unbewiesen. Obwohl es dem Nexus von „Einstellung“ und „Verhalten“ häufig an der theoreti- schen Fundierung fehlt, hat dies nichts an der Praxis geändert „Einstellungen“ zu erheben und für Prognosezwecke zu verwenden (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 329). Labaw (1982, 95ff) weist darauf hin, dass Einstellungs- und Meinungsfragen größ- tenteils unterlassen werden sollten. Anstelle dessen empfiehlt sie das Hauptaugen- merk auf Fragen zu legen, die aktuelles Verhalten und „objektive“ Umgebungsbe- dingungen abfragen respektive erheben. Am Beispiel „Einsamkeit“ zeigt sie, dass eine zusätzliche Untersuchung der objektiven Informationen wie Fernsehkonsum, Telefongespräche pro Tag, Freizeitgewohnheiten, etc. mehr Auskünfte über den Seelenzustand erbringen als die reine Untersuchung „subjektiver“ Informationen wie Gefühle, Einstellungen und Meinungen.

Dennoch sollte auch hier ein kritischer Blick gewahrt werden, denn wie oben bereits erwähnt korrespondiert „berichtetes“ und tatsächliches Verhalten nicht immer miteinander.

Bei Ü berzeugungsfragen wird im Gegensatz dazu erfragt, was der Befragte für richtig oder falsch bzw. wahr oder unwahr hält. Eine derartige Frage kann dabei sowohl auf Sachverhalte Bezug nehmen, für die es tatsächlich eine richtige oder falsche Antwort gibt (Wissensfrage) als auch auf solche, die nur subjektiv als wahr/unwahr bzw. richtig/falsch eingestuft werden können. Intention der Überzeugungsfrage ist Informationen über die Wahrnehmung und Einschätzung vergangener, gegenwär- tiger oder zukünftiger Realität zu gewinnen (vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, 326).

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656272526
ISBN (Buch)
9783656273059
DOI
10.3239/9783656272526
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Erscheinungsdatum
2012 (September)
Note
1,9
Schlagworte
kunst fragens erhebungsdesign fragebogenkonstruktion

Autor

  • Marie Luedtkes (Autor:in)

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Titel: Zur Kunst des Fragens