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Die Auferstehung des dunklen Lords

Mediale Gewaltdarstellung in „Harry Potter und der Feuerkelch“

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gewalt
2.1 Gewaltbegriff
2.2 Mediale Gewaltdarstellung
2.3 Arten von Gewalt

3 „Harry Potter und der Feuerkelch“ – Filmanalyse

4 Schlussfolgerung

Quellenangaben
Literaturverzeichnis
Filmverzeichnis

1 Einleitung

„Es geht um Terror und Gewalt, um ein Gemeinwesen, dass sich gegen Spionage von innen und Angriffe von außen wehren muss […]“ (www.spiegel.de, abgerufen am 22. November 2008).

Diesem Zitat des Spiegel Redakteurs Daniel Haas werden viele Harry Potter Fans zustimmen, denn der vierte Film der Harry Potter Reihe unterscheidet sich erheblich von seinen Vorgän­gern. Der schwarze Magier Voldemort gilt in der Zauberwelt um den Waisenjungen Harry Potter als die Personifizierung des Bösen schlechthin. Während es Harry in den ersten drei Teilen gelang, Voldemort an seiner endgültigen Rückkehr zu hindern, endet der vierte Teil mit der Auferstehung des dunklen Lord, der seine volle Kraft und einen eigenen Körper zu­rück bekommt. Doch obwohl ihm die Rückkehr erst gegen Ende des Films gelingt, zieht sich seine Anwesenheit wie ein roter Faden durch die Geschichte. Schon die erste Szene lässt erahnen, dass dieser Film anders ablaufen wird als seine Vorgänger – was sich im Verlauf des Films bestätigt.

Zu diesem Ergebnis kam auch die FSK[1] bei ihrer Entscheidung: „‘Harry Potter und der Feuer­kelch‘ Freigegeben ab 12 Jahren“ (www.spio.de, abgerufen am 22. November 2008). Die ersten drei Teile sind ab sechs Jahren freigegeben. Grund für diese nun anders lautende Ent­scheidung waren die „bedrohlichen, actiongeladenen und horrorähnlich inszenierten Szenen“ (ebd.), die dem Ausschuss nach von Kindern unter 12 Jahren nicht eindeutig als fiktional er­kannt werden können (ebd.).

Die folgende Seminararbeit beschäftigt sich exemplarisch mit drei Gewaltszenen aus diesem Film. Ich möchte klären, wodurch Voldemort auch schon vor seiner Auferstehung so angst­einflößend wirkt. Zunächst kläre ich den Begriff „Gewalt“, was genau damit gemeint ist und welche Arten von Gewalt es gibt. In einer anschließenden Filmanalyse untersuche ich drei Szenen auf die mediale Darstellung der Gewalt. Darin möchte ich untersuchen, welche fil­mischen Mittel eingesetzt werden, um die Gewalt medial darzustellen und wie es gelingt, Voldemort und Gewalt so furchterregend darzustellen.

2 Gewalt

2.1 Gewaltbegriff

„Gewalt umfasst 1) die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen (lateinisch violentia), 2) das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen (lateinisch potestas)“ (Brockhaus Enzyklopädie 2006, 676).

Neben dieser Definition des Gewaltbegriffs finden sich sowohl im Alltag, als auch in der Lite­ratur zahlreiche weitere Gewaltdefinitionen, die sich zumeist auf die personale Gewalt be­schränken. Im Folgenden wird personale Gewalt verstanden als „die beabsichtigte physische und/oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person“ (Kunczik 1987, 15).

Kunczik erwähnt neben der personalen Gewalt noch die von Galtung definierte strukturelle Gewalt. Darunter wird

die in ein soziales System eingebaute Gewalt (Ungerechtigkeit) verstanden, die sich, ohne daß ein konkreter Akteur sichtbar sein muß und ohne daß sich das Opfer der strukturellen Gewalt dieser 'Vergewaltigung' bewußt sein muß, in ungleichen Macht­verhältnissen (Lebenschancen) äußert (ebd., 17)

Weitgehend findet diese Art der Gewalt in einer entpersonifizierten Form statt (vgl. Theunert 1987, 77). Wenn Personen diese Gewalt anwenden, so handeln sie nicht als Individuen, son­dern als Repräsentanten gesellschaftlicher Gruppen oder Organisationen (ebd., 81). Diese Form der Gewalt bleibt in der folgenden Analyse unberücksichtigt.

2.2 Mediale Gewaltdarstellung

„Gewalt ist zuallererst ein gesellschaftliches Phänomen und Problem. Nicht ein Medium ge­neriert Gewalt, sondern die Gesellschaft, deren Bestandteil das Medium ist.“ (Schorb/Theunert 1984, 31; zitiert nach Theunert 1987, 94). Nach Theunert gelten die vorge­nommenen Bestimmungen sowohl für Gewaltphänomene der realen wie auch der medialen Welt (vgl. Theunert 1987, 94).

2.3 Arten von Gewalt

Theunert unterscheidet zwei Arten von personaler Gewalt, physische und psychische Gewalt. Physische Gewalt beinhaltet alle Gewaltakte, in deren Folge es zu Verletzung, Einschränkung oder Zerstörung der körperlichen Unversehrtheit kommt. Zusätzliche Folgen können bei Men­schen auch psychische Schäden sein. Opfer von physischer Gewalt können Menschen, Tiere oder Sachen sein. Psychische Gewalt hingegen findet nur zwischen Menschen statt. Ihre Folge ist die Schädigung der geistigen oder seelischen Verfassung des Opfers, wobei sie sich in unterschiedlichen Bereichen auswirken kann. Mögliche Folgen von psychischer Gewalt sind Angst, Verzweiflung, Konzentrationsschwäche, Depression, Redehemmung, Apathie oder Handlungsunfähigkeit. Auch physische Konsequenzen sind möglich, was sich häufig in psychosomatischen Krankheiten äußert. Neben der Unterscheidung der verschiedenen Bereiche unterteilt Theunert auch die Mittel der psychischen Gewaltanwendung. Danach kann psy­chische Gewalt durch Worte, zum Beispiel eine Drohung, oder durch Handlungen, beispiels­weise Unterdrückung, verursacht werden. Auch kann sie eine Folge von physischer Gewalt sein. Oftmals findet eine Kombination der Mittel statt, was zu einer Verstärkung der Wirkung führt (vgl. Theunert 1987, 70 ff.).

Zeitter unterscheidet im Bezug auf mediale Darstellung auch zwischen verschiedenen perso­nalen und ablauforientierten Perspektiven. Die Gewalt kann dabei aus Sicht des Täters, des Opfers, von Beobachtern, Zeugen oder unbeteiligter Personen gezeigt werden und es werden verschiedene Phasen des Handlungsablaufs betrachtet. Es wird zwischen der Planungsphase, der Aktionsphase und der Folgephase differenziert (vgl. Zeitter et al 1996, 46 f.).

Keppler zufolge gibt es im Spielfilm ein besonderes Verhältnis zur Gewaltdarstellung. Die durch einen Spielfilm vermittelte Gewalt erzeugt ein anderes Distanzverhältnis als beispiels­weise durch Nachrichten vermittelte Gewalt. Durch die Inszenierung eines Films wird der Zuschauer näher an die Gewaltsituation herangebracht, durch die Erzählung einer fort­laufenden Geschichte wird er jedoch gleichzeitig von ihr weg gehalten. Spielfilme sind Fik­tion, während Nachrichten ein Abbild der Wirklichkeit vermitteln (vgl. Keppler 2006, 289). Die folgende Filmanalyse wendet daher, vor dem Hintergrund der Fiktion, alle vorge­nommenen Bestimmungen an.

3 „Harry Potter und der Feuerkelch“ – Filmanalyse

Der Film „Harry Potter und der Feuerkelch“[2] , im Folgenden als H.P. bezeichnet, handelt von Harrys viertem Jahr in der Zauberschule Hogwarts. Im Laufe des Schuljahres nimmt er, neben drei weiteren Schülern, an einem internationalen Turnier teil. Er kämpft gegen Drachen, irrt durch ein Labyrinth und steht am Ende Lord Voldemort gegenüber. Dieser Film ist der vierte Band der Harry Potter Reihe und wie schon die Romanvorlage setzt auch der Film ein be­stimmtes Vorwissen über die Figuren und Handlungen der ersten Teile voraus. In der folgen­den Analyse wird dieses Vorwissen ebenfalls vorausgesetzt.

Der Film beginnt mit einem Traum von Harry, in dem Voldemort einen Mann tötet. Im wei­teren Verlauf des Films hat Harry noch weitere Träume, die einen Einblick in Voldemorts Gedanken und Handlungen geben. Stellvertretend für diese Träume wird die erste Szene ana­lysiert.

Noch bevor der Titel gezeigt wird, sieht der Zuschauer eine Detailaufnahme von steinernen Totenköpfen mit anschließendem Kameraschwenk nach unten (vgl. H.P., 0:00:22). Zunächst weiß man weder, wo man sich befindet, noch worum es sich dabei handelt, erst durch nach­folgende Einstellungen wird der Zusammenhang klar (vgl. Gast 1993, 23). Die Kamera folgt einer großen Schlange mit einer Verfolgungsfahrt auf Höhe der Schlange. Anschließend schwenkt sie nach oben, und der Zuschauer erkennt ein steinernes Skelett, bevor der Titel erscheint und heran gezoomt wird (vgl. H.P. 0:00:53). Erst danach wird durch eine Panorama­einstellung der Zusammenhang hergestellt und der Handlungsort eingeführt (vgl. Hickethier 1996, 58). Der Zuschauer erkennt einen verfallenen Friedhof und zwei Häuser im Hintergrund (vgl. H.P., 0:01:16).

Ein Hausmeister belauscht in einem der Häuser durch eine offen stehende Tür ein Gespräch mehrerer Personen. Dabei handelt es sich um einen unbekannten Mann, Peter Pettigrew und Lord Voldemort, den der Rezipient jedoch nicht sieht. Im Laufe des Gesprächs erfährt der Zuschauer, dass Voldemort für seinen Plan einen bestimmten Jungen braucht. Obwohl kein Name genannt wird, ahnt der Zuschauer, dass es sich dabei um Harry handelt[3] und sieht be­reits jetzt eine drohende Gefahr auf den Protagonisten zukommen. Als der lauschende Haus­meister entdeckt wird, tötet Voldemort ihn mit dem tödlichen Avada Kedavra Fluch (vgl. H.P., 0:02:46- 0:03:33).

Zur Darstellung der bedrohlichen Situation und der Gewalt werden unterschiedliche filmische Gestaltungsmittel eingesetzt. Die verschiedenen Einstellungsgrößen regeln Nähe und Distanz der Zuschauer zum Geschehen, wobei besonders wechselnde Einstellungen für eine emotio­nale Anteilnahme sorgen (vgl. Hickethier 1996, S. 60). In dieser Szene wechseln sich häufig halbnahe Einstellung und Großaufnahme ab. Durch die offen stehende Tür erhält der Zuscha­uer einen Blick in das Innere des Raumes, der in einer halbnahen Einstellung gezeigt wird (vgl. H.P. 0:02:52). Dadurch bekommt der Zuschauer sowohl einen Eindruck von der Umge­bung der Personen, als auch von ihrer Beziehung zueinander. Das Gespräch ist wichtiger als Gefühlsregungen (vgl. Mikos 2003, 187). Der lauschende Hausmeister wird hingegen in einer Großaufnahme gezeigt (vgl. H.P., 0:02:55). Die Wahrnehmung des Zuschauers wird dadurch auf seine Mimik gelenkt und seine Gefühle werden deutlich (vgl. Gast 1993, 21). Der Rezi­pient erkennt die Angst in seinem Gesicht und fühlt sich in ihn hinein versetzt.

Die Perspektive hat die Aufgabe, den Standpunkt der Kamera und damit auch des Zuschauers gegenüber dem Geschehen zu verdeutlichen (vgl. Mikos 2003, 190). In dieser Szene ist die Perspektive durchgängig eine Normalsicht. Der Zuschauer befindet sich auf Augenhöhe mit den handelnden Personen, wodurch ein realistischer Eindruck entsteht (vgl. Hickethier 1996, 61).

Je nachdem, welche Person gezeigt wird, ändert sich neben der Kameraeinstellung auch die Objektbewegung. Sieht man den Hausmeister, sind Handlungsachse und Kameraachse iden­tisch (vgl. H.P., 0:03:09). Dadurch sieht der Zuschauer direkt von vorne in das Gesicht der Figur, wodurch er sich mit ihr identifiziert. Auch die emotionale Rezeption wird dadurch ver­stärkt (vgl. Gast 1993, 30). Die Personen, die sich in dem Raum befinden, handeln hingegen rechtwinklig zur Kameraachse (vgl. H.P., 0:02:52). Das führt zu einer gewissen Distanz des Rezipienten zum Geschehen. Er fungiert mehr als Beobachter, als dass er sich mit den Perso­nen identifiziert (vgl. Gast 1993, 28 f.).

Die Einstellungen der Anfangsszene werden ausschließlich durch harte Schnitte aneinander gefügt. Der Zuschauer nimmt diese Schnitte meist nur unbewusst wahr, was einen unschein­baren Wechsel der Einstellungen ermöglicht (vgl. Mikos 2003, 213).

[...]


[1] Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH

[2] Die Autorin Joanne K. Rowling veröffentlichte 2000 den vierten Harry Potter Roman. Am 17.11.2005 kam die Verfilmung von Regisseur Mike Newell in die deutschen Kinos (vgl. www.movieworlds.com, abgerufen am 22. November 2008).

[3] Das ist aus den vorherigen Filmen ersichtlich.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656273837
ISBN (Buch)
9783656274322
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201332
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,0
Schlagworte
Medien Kommunikation Filmanalyse Harry Potter Gewalt Harry Potter und der Feuerkelch Mediale Gewaltdarstellung Gewaltdarstellung Inszenierung Kinder- und Jugendfilm Lord Voldemort Voldemort

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