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Reproduktion sozialer Ungleichheit nach Bourdieu

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundbegriffe Bourdieus
2.1 Kapital
2.2 Habitus und Klassen im sozialen Raum

3 Reproduktion sozialer Ungleichheit
3.1 Ressourcenaspekt
3.2 Regelaspekt
3.3 Machtaspekt

4 Schlusswort

1 Einleitung

Die moderne Soziologie spiegelt in vielen Bereichen die Erkenntnisse jahrelanger Arbeit anerkannter Wissenschaftler und Pionieren ihrer Zeit wieder. So sind heute unter anderem die Theorien von Pierre Bourdieu Basiswissen eines jeden Soziologiestudenten, weshalb sie ein wichtiger Diskussionspunkt unseres Seminars zur „Soziologie sozialer Ungleichheit“ waren. Vor allem vor dem Hintergrund seiner Biographie liefert Pierre Bourdieu interessante, tiefgreifende und detailgetreue Darstellungen des menschlichen Zusammenlebens und den dahinter verborgenen Prozessen.

Selbst aus einer Arbeiterfamilie stammend, - sein Vater war Bauer (später Postbeamter), seine Mutter wie damals üblich Hausfrau (Becker 2009, S. 481) - führte Bourdieu viele seiner Theorien durch seine Lebensgeschichte nahezu ad absurdum. Speziell seinen Ausführungen über die Reproduktion sozialer Ungleichheit, verstärkt und weitergegeben durch das Bildungssystem, widerspricht er in seiner Person durch den Aufstieg zu einem anerkannten Professor der Soziologie.

Die vorliegende Hausarbeit wird jedoch nicht noch einmal zum Rundumschlag durch die Ungleichheitsforschung ansetzen, sondern im Speziellen darlegen wie sich soziale Ungleichheit reproduziert. Um diese Thematik ausreichend zu erörtern, werde ich zunächst die für das Thema wichtigen Begriffe Bourdieus aufzeigen. Die Erläuterung der zentralen Begriffe 'Kapital', 'Habitus' und 'Klasse' liefert somit ein Vorverständnis, wie es zu einer Reproduktion sozialer Ungleichheit kommen kann und stellt gleichzeitig das wichtigste Grundvokabular für den Leser zur Verfügung.

Nach der eher allgemein gehaltenen Einführung in Bourdieus Theoriekonzept, werde ich explizit auf die Reproduktion sozialer Ungleichheit eingehen. Die dafür hauptverantwortlichen Faktoren werde ich genau erläutern und in Bezug zu den oben erwähnten Grundbegriffen setzen.

2 Grundbegriffe Bourdieus

Oft sind bei Bourdieu Begriffe nicht genau definiert, oder entfalten sich erst im Laufe eines Kapitels oder gar eines Werks. „Denn für Bourdieu war die Arbeit an Begriffen zweitrangig. Im Vordergrund stand die Arbeit mit Begriffen, also der Einsatz von Begriffen zur Durchdringung der sozialen Wirklichkeit.“ (Rehbein 2006, S. 79 ;Hervorheb. im Original) Trotzdem hat sich Bourdieu mit einer Hand voll Begriffen intensiver auseinander gesetzt und im Zuge dessen auch Definitionen erstellt, bzw. sie gegenüber der Verwendung in anderen Theorie konkretisiert und sie an seine Theorie angepasst. Beispielsweise übernimmt er Karl Marx Kapitalbegriff und erweitert ihn um einige Aspekte, auch Max Webers Auseinandersetzung mit Klassen und Schichten führen zu einer genaueren Definition von Klasse durch Bourdieu im Rahmen seiner Theorie (Abels 2006, S. 194).

Hinzu kommt der Habitusbegriff, welcher eine zentrale Rolle in seinen Werken einnimmt. Alle drei bedingen und beeinflussen sich bis zu einem gewissen Grad gegenseitig und fördern dadurch soziale Ungleichheit. Ich werde folglich die drei zentralen Begriffe Kapital, Habitus und Klasse genauer erläutern, um das gesellschaftliche Phänomen der Reproduktion sozialer Ungleichheit beschreiben zu können.

2.1 Kapital

Bourdieu geht bei seinem Kapitalbegriff weiter als wir ihn vom Karl Marx kennen. Er ist zwar auch der „Überzeugung, dass ökonomisches Kapital ein wichtiges Merkmal zur Bestimmung von Klassen ist“ (ebd., S. 194), aber für ihn ist das ökonomische Kapital, wie es von Karl Marx gezeichnet wird, nicht das einzige Kriterium welches diesen Begriff umfassen sollte. Vielmehr ist für Pierre Bourdieu „Kapital (…) akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Materie [also ökonomischem Kapital] oder in verinnerlichter, „inkorporierter“ Form.“ (Bourdieu 1983, S. 183) Es wird hier also ein Begriff entwickelt, der weit über den wirtschaftswissenschaftlichen Kapitalbegriff hinausgeht und auch soziale Austauschbeziehungen mit einbezieht. „In welcher Gestalt es jeweils erscheint, hängt von dem jeweiligen Anwendungsbereich sowie den mehr oder weniger hohen Transformationskosten ab, die Voraussetzung für sein wirksames Auftreten sind.“ (ebd., S. 184-185) Grundsätzlich kann das Kapital in drei verschiedenen Sorten auftreten.

Das ökonomische Kapital ist wird durch Geld und Besitz repräsentiert, sowie in Eigentumsrechten institutionalisiert.

„Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.“ (ebd., S. 190-191)

Ein Teil dieser Beziehungen ergibt sich automatisch, wie beispielsweise Familie, Verwandtschaft, Arbeitskollegen usw.. Ein anderer Teil muss durch ständige Institutionalisierungsarbeit aufgebaut und vergrößert werden. (Abels 2001a, S. 311) Gleichzeitig ist diese Arbeit auch vom Bedeutung um Beziehungen aufrecht zu erhalten. Darunter fällt ein ständiger gegenseitiger Austausch, sowie das Kennen und Anerkennen der Anderen. Um diese Beziehungsarbeit überhaupt leisten zu können, bedarf es eines gewissen Grades an Homogenität innerhalb des Beziehungsfeldes. Häufig ist dieses an ein bestimmtes Maß kulturellem und ökonomischen Kapitals gebunden. In letzter Instanz entwickelt sich aus diesen Prozessen heraus eine Gruppenzugehörigkeit, welche zur Reproduktion der Gruppe beiträgt und gleichzeitig deren Grenzen bestätigt. (Bourdieu 1983, S. 191-192)

„Das kulturelle Kapital besteht in Wissen und Qualifikationen, aber auch in Handlungsformen und Einstellungen, die in der Familie und im Ausbildungssystem erworben wurden.“ (Abels 2006, S. 195) Pierre Bourdieu differenziert diese Kapitalform noch genauer und zwar ob es sich um inkorporiertes, objektiviertes oder institutionalisiertes kulturelles Kapital handelt.

Mit inkorporiertem kulturellem Kapital, wird die Zeit erfasst, die ein Individuum benötigt um sich Bildung anzueignen und einzuprägen. Objektiviert wird es dann, wenn es anhand von Gemälden, Schriften oder Denkmälern für alle öffentlich zur Schau getragen wird. Schulische und akademische Titel fallen unter das institutionalisierte kulturelle Kapital. Hier werden im Gegensatz zu objektivierten Kapital dem Besitzer ganz besondere und einmalige Eigenschaften zugeschreibt. (Brüsemeister 2008, S. 85)

„Alle drei Kapitalsorten zusammen bestimmen die Platzierung des Individuums in der gesellschaftlichen Hierarchie. Ihre spezifische Kombination kennzeichnet die einzelnen Klassen, (…).“ (Abels 2001a, S. 311)

2.2 Habitus und Klassen im sozialen Raum

Diese eben genannte gesellschaftliche Hierarchie wird von Bourdieu in einem Raummodell dargestellt, dieses gliedert sich vertikal nach Kapitalvolumen und horizontal nach Kapitalstruktur. Bei der Kapitalstruktur wird von links nach rechts auf der x-Achse von viel ökonomischem Kapital und wenig kulturellem Kapital hin zu dem genauen Gegenteil eingeordnet. Maßgeblich für soziale Klassen ist aber die vertikale Strukturierung, welche sich um die Höhe des vorhandenen kulturellem oder ökonomischen Kapitals dreht.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656273325
ISBN (Buch)
9783656274094
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201393
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
reproduktion ungleichheit bourdieu

Autor

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Titel: Reproduktion sozialer Ungleichheit nach Bourdieu