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Das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen dargestellt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Beispiele politischer Wirksamkeit Hildegard von Bingens aufgezeigt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen
2.1 Briefwechsel mit Papst Eugen III.
2.1.1 Päpstliche Erlaubnis zur Verschriftlichung der Visionen
2.2 Briefwechsel mit Erzbischof Heinrich von Mainz
2.2.1 Genehmigung der Gründung des Klosters Rupertsberg
2.3 Briefwechsel mit Kaiser Friedrich Barbarossa
2.3.1 Erhebung des Rupertsberger Klosters zum Reichskloster
2.3.2 Kritik am Schisma
2.4 Briefwechsel mit der Meisterin Tenxwind
2.4.1 Neue Bräuche im Kloster Rupertsberg
2.4.2 Gründung des Klosters Eibingen mit ständegemischter Belegschaft
2.5 Briefwechsel mit dem Klerus
2.5.1 Mahnende Worte an den Klerus
2.6 Briefwechsel mit den Mainzer Prälaten
2.6.1 Interdikt über Kloster Rupertsberg

3. Zusammenfassung und Resümee

4. Quellen und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 –1179) war in der mittelalterlichen Zeit, in der ausschließlich Männer die höchsten kirchlichen und weltlichen Ämter bekleideten, eine äußerst bedeutende Frau, die von ihren Zeitgenossen hoch geschätzt und verehrt wurde. Kaum eine Persönlichkeit des Mittelalters hat es erreicht, einen derart großen Fundus aussagekräftiger theologischer, naturwissenschaftlicher, medizinischer und poetischer Texte zu hinterlassen.[1]

Als spätere benediktinische Reichsäbtissin übte Hildegard von Bingen großen politischen Einfluss aus. In ihren überlieferten Briefen an die hohe Geistlichkeit sowie an weltliche Herrscher bezog sie deutlich Stellung zu politischen Missständen, erteilte Ratschläge und scheute auch vor öffentlichem Tadel nicht zurück. Dabei bezeichnete sich Hildegard selbst als „armselige, erbärmliche und mehr als erbärmliche Frau […]“[2] und betonte immer wieder ihre Ungebildetheit. Ihre Worte basierten einzig und allein auf persönlicher Gotteserfahrung, die sie in Form von Visionen[3] erhielt. Mahnend führte sie ihren tiefreligiösen Zeitgenossen nicht ihre eigenen Worte, sondern den Willen Gottes vor Augen und viele von ihnen hörten auf ihren Rat und verehrten die Meisterin vom Rupertsberg als Prophetin.[4]

Trotz ihrer bedeutsamen Einflussnahme auf politische und gesellschaftskritische Themen des Mittelalters blieb sie stets eine bescheidene, demütige und gottesfürchtige Benediktinerin und litt während ihres langen Lebens immer wieder unter körperlicher Schwäche und diversen Krankheiten, die sie niederstreckten, wenn sie den Menschen nicht Gottes Worte offenbaren konnte.

Die herangezogenen Textquellen, anhand derer die politische Einflussnahme Hildegard von Bingens untersucht werden soll, sind in erster Linie die von Adelgundis Führkötter übersetzten und erläuterten Hildegardbriefe. Die Übersetzung des Briefwechsels Hildegard von Bingens folgt den ältesten Handschriften, die zum Großteil der Schreibstube der Rupertsberger Magistra entstammten und 1956 als echtes Hildegardisches Schrifttum nachgewiesen wurden. Adelgundis Führkötter bemühte sich trotz des „ungeglätteten Lateins“ Hildegard von Bingens die Originaltexte so wortgetreu wie möglich zu übersetzen. Zu der teilweise schwierigen Übersetzung und Deutung der Briefe kam eine lückenhafte Quellenlage, die es erforderlich machte nicht nur die Briefe Hildegards sondern auch die ihrer Briefpartner im Kontext zu sehen, um ihr politisches Wirken ganzheitlich nachzeichnen zu können.[5]

Im Fokus dieser Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der umfangreichen Korrespondenz der Äbtissin Hildegard von Bingen und ihrer meist ranghohen Zeitgenossen. Anhand von Beispielen soll ihre politische Einflussnahme in Kapitel 2 verdeutlicht werden.

Kapitel 3 dient einer abschließenden Zusammenfassung und einem Resümee der gewonnen Erkenntnisse.

2. Beispiele politischer Wirksamkeit Hildegard von Bingens aufgezeigt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen

Hildegard von Bingen unterhielt regen Briefwechsel zu vielen geistlichen und weltlichen herrschenden Persönlichkeiten des Heiligen Römischen Reiches. Der Briefwechsel Hildegard von Bingens mit ihren überwiegend ranghohen Adressaten legt das beachtliche Ansehen der Äbtissin wie auch die Verehrung, die ihr entgegengebracht wurde, dar. Gleichzeitig wird ein Leser der HildegardKorrespondenz auf gesellschaftliche und politische Schwierigkeiten des 12. Jahrhunderts aufmerksam gemacht, da sie sich in ihren Briefen beratend, belehrend und zum Teil auch mahnend zu zeitpolitischen Themen äußerte. Beispiele für ihr politisches Wirken finden sich in diesem Kapitel.

2.1 Briefwechsel mit Papst Eugen III.

Eugen III., dessen bürgerlicher Name Bernardus Paganelli war, bekleidete das Papstamt von 1145 bis 1153 und war der erste Zisterzienserpapst. Vom 30. November 1147 bis Februar 1148 hielt er eine Synode in Trier ab, wo er von Hildegards Sehergabe erfuhr und ihr den Weg zur Schriftlichkeit und zur Öffentlichkeit ebnete.[6]

2.1.1 Päpstliche Erlaubnis zur Verschriftlichung der Visionen

Hildegard von Bingen musste ihren prophetischen Auftrag, wie sie des Öfteren verlauten ließ, seit ihrer Kindheit immer wieder schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Die Verkündungen und Niederschriften ihrer Visionen bedeuteten für Hildegard geradezu Gesundung und Wiederherstellung. Nachdem eine Krankheit sie abermals ans Bett fesselte, offenbarte sie sich Probst Volmar der Nonnenklause des Klosters Disibodenberg, in welchem sie seit dem 10. Lebensjahr war. Volmar wiederum informierte Kuno, den Abt des Klosters, über Hildegards seherische Gabe. Kuno ermunterte Hildegard zum Schreiben, um ihre Genesung voranzutreiben. Er war davon überzeugt einem außergewöhnlichen Ereignis beizuwohnen, welches der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden durfte und setzte den Erzbischof von Mainz, dem das Kloster am Disibodenberg unterstellt war, von Hildegards visionärer Gabe in Kenntnis.

Erzbischof Heinrich von Mainz ließ sich leicht davon überzeugen, dass es sich bei den Visionen Hildegards um die unmittelbaren Worte Gottes handelte. Auf dem Trierer Kirchenkonzil im November 1147 bis Februar 1148, zu dem Papst Eugen III. die höchsten Kirchenautoritäten des Christentums geladen hatte, berichtete der Erzbischof dem Papst von den visionären Fähigkeiten Hildegards.[7]

Eugen III. zeigte sich sehr interessiert an Hildegards seherischer Gabe zumal diese sich mit den bestehenden christlichen Glaubenswerten vereinbaren ließ und visionäre Erscheinungen im Mittelalter durchaus als real galten und mit Bibeltexten bezeugt wurden.[8] Er entsandte den Bischof von Verdun, Primizerius Adalbert sowie weitere Glaubensbrüder zum Disibodenberg, um sich von der visionären Gabe Hildegards überzeugen zu lassen. Bei ihrer Rückkehr bestätigte die Gesandtschaft Zeugen einer einzigartigen visionären Offenbarung geworden zu sein und legte dem Oberhaupt der christlichen Kirche Schriftproben der Äbtissin vor.[9] Hildegard selbst hatte von Beginn an immer wieder ihre Ungebildetheit unterstrichen, die ihre Behauptung, die Worte direkt von Gott zu erhalten, glaubhaft machte.[10] Der Papst selbst trug den geistlichen Anwesenden aus den Schriften vor und rief „[…] die Herzen aller zum Lobe des Schöpfers und zur jubelnden Mitfreude auf“.[11] Kurz darauf schrieb Eugen III. der „Heiligen Jungfrau vom Disibodenberg“ und gestattete ihr im Namen Christi und des Heiligen Petrus ihre Visionen Gottes schriftlich kundzutun. Das Schriftstück des Kirchoberhaupts, dessen Inhalt uns nur indirekt durch die autobiografischen Aufzeichnungen Hildegards überliefert wurde, hatte großes Gewicht für das weitere politische Handeln der Äbtissin, denn es „[…] blieb Frauen neben dem Nonnenstand eine einzige ‚Lücke‘ offen, in der sie eine Männern vergleichbare Autorität gewinnen konnten – als ‚Prophetin‘.“[12] Ihre prophetische Sendung wurde durch den päpstlichen Brief öffentlich anerkannt und besiegelt. Hildegards Ruf als Seherin breitete sich rasch im Binger Umland aus und das Kloster Disibodenberg wurde zum Anziehungsmagneten für viele adelige Töchter.[13]

[...]


[1] vgl. Feldmann 2008, 9

[2] zit. n. von Bingen übersetzt n. Führkötter 2008, 13

[3] Der Begriff der „Vision“ ist laut Dinzelbacher 1981 für die Visionen Hildegards von Bingen nicht treffend gewählt, da nicht alle Kriterien der Definition „Vision“ von Dinzelbacher 1981 erfüllt werden. Hildegard von Bingen schaute laut eigener Aussage stets „mit offenen Augen, ohne jemals dabei eine Ekstase erlitten zu haben…“. Die Definition „Vision“ nach Dinzelbacher 1981 impliziert einen Zustand in Ekstase oder Schlaf. Aus diesem Grund kommt den Visionen Hildegards von Bingen eine Sonderstellung zu.

[4] vgl. von Bingen übersetzt n. Führkötter 2008, 13

[5] vgl. von Bingen übersetzt n. Führkötter 2008, 21f

[6] vgl. ebd., 29

[7] vgl. Beyer 1996, 22f

[8] vgl. Diers 1998, 29

[9] vgl. von Bingen übersetzt n. Führkötter 2008, 29

[10] vgl. Beyer 1996, 21

[11] zit.n. von Bingen übersetzt n. Führkötter 2008, 29

[12] zit. n. Beyer 1996, 23

[13] vgl. ebd., 25

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656282891
ISBN (Buch)
9783656283539
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201570
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Hildegard von Bingen politisches Wirken Frauen Mittelalter

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