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Hegemoniale Männlichkeit

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das Soziale Geschlecht – Definition von Männlichkeit

3. Konzept der Hegemonialen Männlichkeit

4. Sozialisation

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt in unserer Gesellschaft eine Vorstellung und betriebene Konstruktion zweier antagonistisch verstandener Geschlechter. Dadurch wird das biologische Geschlecht zu dem – wenn nicht gar zu dem entscheidenden – zwischenmenschlichen Kriterium zur Unterscheidung von Mann und Frau sowie Jungen und Mädchen. Diese zwei sozial konstruierten und anerkannten Geschlechter werden durch die elterliche Erziehung, der schulischen/ beruflichen Ausbildung sowie durch medial vermittelte und vielseitig einwirkende, vorherrschende gesellschaftliche Normen bzw. Konventionen immer wieder dramatisiert und ihre Differenz herausgestellt. Dabei findet die Inszenierung und explizite Betonung von Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechterdifferenzen überwiegend unbewusst statt, werden jedoch auch situativ bewusst und gezielt betrieben. So wird zum Beispiel der heute aufwachsende Junge bereits ab den ersten Lebensmonaten/ -jahren oftmals mit den tradierten traditionellen Männlichkeitsvorstellungen der Eltern konfrontiert (vgl. Hertling 2008, S. 1).

Um die gegenwärtige Identitätskonstruktion von Jungen und Männern und die damit zusammenhängenden Probleme analysieren zu können, bedarf es einer Analyse der in unserer Gesellschaft vorherrschenden, normierenden Männlichkeitsvorstellung. Was ist Männlichkeit, wie und wodurch konstruieren sich Geschlechterverhältnisse und vorherrschende Männlichkeitsvorstellungen? Dies sind Fragen die im Rahmen des Möglichen auf der Grundlage der Ausarbeitungen von Raewyn Connell (ehemals Robert W. Connell) in dieser Arbeit geklärt werden sollen.

Der erste Teil forciert Strategien, die auf unterschiedliche Weise versuchen Männlichkeit zu charakterisieren. Anschließend wird Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit vorgestellt, was einen anderen Ansatz zur Analyse von Männlichkeit beinhaltet. Abschließend wird die Sozialisation von Jungen betrachtet und welche Dilemmata sich dadurch bilden können.

Vorab aber noch kurz einige Worte zum Terminus »Geschlecht«: Ich werde diesen Begriff im Sinne von »Gender« (soziales Geschlecht) verwenden, demnach beziehe ich mich nicht auf den Begriff »Sex« (das biologische/anatomische Geschlecht), denn ungeachtet dessen, wie stark man den biologischen Anteil an den Geschlechterdifferenzen im Unterschied zum sozialen gewichtet, „so sind sich doch alle sozialwissenschaftlichen Theorien einig, dass das biologische Geschlecht sozial überformt ist“ (Baur/Luedtke in Baur/Luedtke 2008, S. 9). Infolge dessen geht auch diese Arbeit davon aus, dass Männlichkeit nicht primär biologisch bedingt ist, sondern sozial konstruiert wird.

2. Das Soziale Geschlecht – Definition von Männlichkeit

Im Gegensatz zu dem Wissen über die soziale Konstruktion von Weiblichkeit, sowie den typischen Problemen und Formen der Diskriminierung in ihren unterschiedlichen Lebensbereichen, ist das Wissen der Soziologie dagegen über Männer erstaunlich karg (vgl. Baur/Luedtke in Baur/Luedtke 2008, S. 7).

Die meisten Definitionen von Männlichkeit setzen unseren kulturellen Standpunkt unhinterfragt voraus – verfolgen aber unterschiedliche Strategien, wenn es darum geht eine männliche Person zu charakterisieren. Dabei lassen sich vier hauptsächliche Strategien hinsichtlich ihrer Logik unterscheiden, trotzdem können sie in der Praxis oft miteinander kombiniert werden.

Essentialistische Definitionen erklären daraus das Leben von Männern, in dem sie für gewöhnlich einen Aspekt herausgreifen, der das Grundprinzip von Männlichkeit ausmachen soll.

Zum Beispiel liebäugelte Freud mit solch einer Definition, indem er Männlichkeit mit Aktivität gleichsetzte und weibliche Passivität dem gegenüber stellte. Das diese Gleichsetzung aber zu sehr vereinfache wurde ihm schnell bewusst. Spätere Versuche Männlichkeit mit einer essentialistischen Definition zu erfassen waren sehr unterschiedlich. Es wurden verschiedene essentielle Kriterien wie Risikofreudigkeit, Verantwortlichkeit, Unverantwortlichkeit und Aggression gewählt, wobei der Schwachpunkt dieses Ansatzes ist, dass die Wahl des jeweiligen Kriteriums recht willkürlich ist.

Nach Connell sagen diese unterschiedlichen Behauptungen einer universellen Basis von Männlichkeiten mehr über das Ethos derjenigen aus, die sie aussprechen, als sonst irgendetwas (vgl. 2006, S. 88f.).

Die positivistische Sozialwissenschaft strebt nach einer einfachen Definition von Männlichkeit: männlich ist, wie Männer wirklich sind.

„Diese Definition liegt auch den männlich/weiblich (M/F) Skalen der Psychologie zugrunde, deren Items durch den Nachweis validiert werden, daß sie tatsächlich statistisch zwischen Gruppen von Männern und Frauen zu trennen vermögen. Darauf basieren auch diejenigen ethnographischen Männlichkeitsdiskussionen, die das Muster männlichen Lebens in einer bestimmten Kultur beschreiben und (…) dieses Muster als „Männlichkeit“ bezeichnen“ (Connell 2006, S. 89).

Diese Definition hat nach Connell mehrere Schwachpunkte. Nach der modernen Erkenntnistheorie gibt es zunächst keine Beschreibung ohne einen Standpunkt. Die neutralen Beschreibungen basieren selbst auf Annahmen über das soziale Geschlecht. Man muss eine Vorstellung davon haben was bei der Erstellung eines Items auflistet und berücksichtigt wird, um eine M/F-Skala zu erstellen.

Weiterhin bedarf es bereits einer Aufteilung in die Kategorien »Männer« und »Frauen« um aufzulisten, was Männer und Frauen machen. Dies geht eher mit einer stereotypen Klassifikation einher, was ein Paradox darstellt, das Vorgehen basiert somit auf jenen Typisierungen, die eigentlich erforscht werden sollen. Und drittens verhindert diese Definition von Männlichkeit, dass Frauen als »männlich« und Männer als »weiblich« beschrieben werden können.

Eine Verwendung von »männlich« oder »weiblich« ist aber grundlegend für die Geschlechteranalyse, sie verweisen jenseits von biologischen Geschlechterunterschieden auf die Art und Weise, wie sich Männer bzw. Frauen untereinander unterscheiden – in Bezug auf das soziale Geschlecht (vgl. 2006, S. 89f.). „Wenn es nur um die Unterschiede von Männern und Frauen als homogene Blöcke ginge, bräuchten wir die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ gar nicht. Wir könnten einfach von „Männern“ und „Frauen“ sprechen“ (ebd., S. 90).

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Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656275084
ISBN (Buch)
9783656275190
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201587
Note
1,0
Schlagworte
Connell Geschlecht Männlichkeit Konstruktion Jungen Männer Soziale Arbeit Hegemonie Patriarch patriarchat
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Titel: Hegemoniale Männlichkeit