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Siegfried Lenz' Kurzgeschichte "Jäger des Spotts" als Echo für Hemingways Schreibstil und Themen

Studienarbeit 2011 19 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

0 . Einleitung

1. Zum Leben und Werk der beiden Autoren
1.1. Siegfried Lenz
1.1.1 Sein Leben und Werk
1.1.2 Lenz‘ Essay als Orientierung für den Vergleich
1.2. Ernest Hemingway
1.2.1.Sein Leben und Werk
1.2.2. Hemingway und die deutsche Nachkriegsliteratur
1.2.3 Hemingways Schreibstil

2. Analyse und Vergleich der beiden Werke
2.1 Analyse der Kurzgeschichte Jäger des Spotts
2.1.1 Zur sprachlich-formalen Analyse
2.1.1.1 Zur Struktur und Zusammenfassung der Geschichte
2.1.1.2 Zur Erzählsituation
2.1.1.3 Zur Rhetorik und Grammatik in „Jäger des Spotts“
2.1.2 Zur inhaltlisch-Thematischen Analyse
2.1.2.1 Zur Deutung der Kurzgeschichte
2.1.2.2 Zu den Figuren
2.1.2.3 Zu den Motiven
2.2 Vergleich mit Hemingways „der alte Mann und das Meer“
2.2.1 Inhaltlich
2.2.2 Sprachlich

3. Schlussfolgerung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wollten die jungen deutschen Autoren, die erst nach 1945 zu schreiben begannen, eine neue Literatur schaffen, eine Literatur, die ihrem seelischen Zustand entsprach. Sie lehnten den traditionellen hypotaktischen Stil, der mit der alten Ideologie assoziiert wurde, ab, und versuchten vielmehr in einer einfachen und nüchternen Sprache ihren Wut und ihre Skepsis auszudrücken. Sie nahmen als Vorbilder zeitgenössische amerikanische Autoren. Als Ergebnis dieses Einflusses, nahm die Kurzgeschichte in Deutschland an Bedeutung zu und ist für die deutschen Nachkriegsautoren ein Mittel zur Verarbeitung der Kriegserfahrungen geworden. Als Beispiel von dieser Generation von Schriftstellern habe ich Siegfried Lenz, der ich mit seinem Roman „Deutschstunde “ entdeckt hatte, gewählt. Sein Stil und die Art und Weise, wie er Themen wie Schuld, Verfolgung und Vergangenheitsbewältigung behandelt, haben mich sehr beeindruckt. In vielen Aufsätzen, die Siegfried Lenz‘ Werk behandeln, wurde der Einfluss Hemingways auf ihn erwähnt. Er hat sich selbst darüber in seinem Essay „ Mein Vorbild Hemingway. Modell oder Provokation“ (1966) geäußert.

Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Einfluss anhand Lenz‘ Kurzgeschichte „ Jäger des Spotts“ zu veranschaulichen. „Jäger des Spotts“ wurde zum ersten Mal 1958 in der Kurzgeschichtensammlung „ Jäger des Spotts. Geschichten aus dieser Zeit “ veröffentlicht. Wenn man Lenz‘ Kurzgeschichte liest, kann man einfach nicht anders tun, als die Parallelen mit Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“ feststellen. Die Gemeinsamkeiten finden sich sowohl im Stil als auch im Thema. Es handelt sich jedoch nicht um eine Imitation, da „Jäger des Spotts“ 1950 geschrieben wurde, während „Der alte Mann und das Meer“ zwei Jahre später nämlich 1952 veröffentlicht wurde. wenn es keine Imitation ist, wie sind solche Ähnlichkeiten zwischen den beiden Werken zu erklären? Hat Siegfried Lenz Hemingways Philosophie schon vor „Der alten Mann und das Meer“ so gut verstanden, dass sie auch seine eigene Philosophie geworden ist? Ist der Einfluss so groß geworden, dass der Schüler in der Lage geworden ist, die Werke seines Meisters vorwegzunehmen?

Diese vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird über das Leben und Werk der beiden Autoren gesprochen. Für den Vergleich habe ich versucht mehr über Hemingways Schreibstil zu lernen. Außerdem Lenz‘ Essay bildet ein wichtiges Element für die Beantwortung der Problematik. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Analyse der Kurzgeschichte und mit dem Vergleich mit Hemingways Novelle.

1. Zum Leben und Werk der beiden Autoren

1.1 Siegfried Lenz :

1.1.1 Sein Leben und Werk:

Siegfried Lenz ist einer der größten deutschen Schriftsteller der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Er wurde als Sohn eines Zollbeamten am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen, geboren. Da er seine Kindheit in einem kleinen Haus am Seeufer verbracht hat, hatte er immer eine enge Beziehung zum Meer, das ein wiederkehrendes Motiv in seinem Werk ist, gehabt. Mit zehn Jahren wurde er Mitglied von der Hitler-Jugend. Nach dem Abitur wurde er mit 17 Jahren zur Marine eingezogen. Nachdem er die unerträgliche Realität des Krieges entdeckt hatte, desertierte er als er in Dänemark war und versteckte sich bis zum Ende des Krieges. In der britischen Kriegsgefangenschaft, wo er gefangen war, hatte er als Dolmetscher für die britische Entlassungskommission gearbeitet. Nach seiner Entlassung ging er nach Hamburg und fing an Anglistik, Philosophie und Literaturgeschichte zu studieren. Während dieser Zeit arbeitete er als Schwarzhändler und Blutspender. 1948 gab er das Studium auf und arbeitete als Freiwilliger in der Zeitung „die Welt“, nach einem Jahr wurde er als Feuilleton-Redakteur der Zeitung. 1949 heiratete er Lieselotte Lenz. 1951 begann er seine Karriere als Schriftsteller, indem er seinen ersten Roman „es waren Habichte in der Luft“ veröffentlicht, im selben Jahr unternahm er mit seiner Frau eine Safari nach Kenia. 1952 ist er Mitglied der Gruppe 47 geworden.

Siegfried Lenz hatte viel und in mehreren Gattungen geschrieben. Sein bekanntestes und erfolgreichstes Werk „Deutschstunde“ 1968 wurde in mehreren Sprachen übersetzt. Er hat Romane und Erzählbände wie „Duell mit dem Schatten“ 1953, „So zärtlich war Suleyken“ 1955, „Der Mann im Strom“ 1957, „Jäger des Spotts“ 1958, „Brot und Spiele“ 1959, „Stadtgespräch“ 1963, geschrieben. Er schrieb auch Bühnenstücke „Zeit der Schuldlosen“ 1961, „Das Gesicht“ 1964 und „Die Augenbinde“ 1970, Hörspiele „Haussuchung“ 1967, Essays „Beziehungen“ 1970, „Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur“ 2001 und auch Novellen „Schweigeminute“ 2008. Viele von seinen Romanen und Erzählungen wurden verfilmt. Er erhielt mehrere Auszeichnungen für sein Werk wie den „Gerhart – Hauptmann- Preis“1961, den „Thomas Mann Preis“ 1984, „Ehrenbürger von Hamburg“ 2002, „Goldene Feder“ 2006, „Nonino-Preis“ 2010, usw... .Er ist seit 2003 Gastprofessor an der Düsseldörfer Heinrich Heine Universität und schreibt immer noch, sein neuer Roman „die Maske “ wird im Herbst 2011 veröffentlicht.

1.1.2 Lenz’ Essay als Orientierung für den Vergleich :

Siegfried Lenz hatte 1962 in seiner „autobiographischen Skizze“ am Ende seiner Kurzgeschichtensammlung „Stimmungen der See “ den Einfluss von großen Schriftstellern wie Hemingway, Faulkner, Dostojewski und Camus erkannt. Hemingway hatte ihn jedoch am Anfang seiner Karriere als Schriftsteller am stärksten beeinflusst. Neben „Jäger des Spotts “ trägt eine andere Kurzgeschichte nämlich „ Das Wrack “ (1952) die Spuren von Hemingways Stil und Themen. Sie erinnert uns an Hemingways Geschichte „Nach dem Sturm “, die im Erzählband „Der Sieger geht leer aus “ 1933 erschien. Im „ Nach dem Sturm “ fand ein Fischer ein Wrack, konnte aber nichts von ihm auskriegen, obwohl er das erste dort war. In Lenz Kurzgeschichte „ Das Wrack“ fanden ein Vater und sein Sohn ein Wrack, sie konnten es erreichen, stellen aber schnell fest, dass es nichts Wertvolles im Schiff gab. Lenz kommentiert selbst in seinem Essay „Mein Vorbild Hemingway. Modell oder Provokation“ seine Geschichte:

„wird die Niederlage ohne Erregung, ohne Kommentar mitgeteilt. Das Eingeständnis der Niederlage drückt sich allenfalls in der Regungslosigkeit aus, mit der Vater und Sohn sich am Schluss gegenübersitzen, während die Strömung ihr Boot antreibt.“[1]

Was die zwei Autoren gemeinsam haben ist Ihre Vorstellung von Sieg und Niederlage. Der Sieger nach Hemingway, wie der Titel seiner Erzählungssammlung „Der Sieger geht leer aus“ es zeigt, gewinnt nicht „etwas Konkretes, Greifbares, weil er das unausweichlich verlieren wird. Es ist vielmehr ein innerlicher Sieg, ein Sieg des Geistes, der wichtiger als irgendetwas anderes ist“[2] . So werden auch Lenz‘ Helden ihre Niederlage mit Würde und Schweigen annehmen, denn sie wissen, dass sie durch die Probe etwas gelernt haben. Lenz fand in Hemingways Erzählungen eine Entsprechung seiner eigenen Erfahrungen und die Perspektive, die ihm fehlte:

Ich wu ßte durchaus, wovon ich erzählen wollte, doch mir fehlte – neben manchem anderen- die Perspektive, und ich fand sie bei Ernest Hemingway. Ich fand sie vor allem in seinen Geschichten, die für mich, zum Teil auch heute noch, den Ausdruck einer musterhaften Spannung darstellen: es ist der Antagonismus zwischen Traum und Vergeblichkeit, zwischen Sehnsucht und Erfahrung, zwischen Auflehnung und demütigender Niederlage.“[3]

Lenz beschrieb Hemingways Schreibstil in seinem Essay, indem er sagte:

„Es ist ein Stil der Strenge, der Sparsamkeit, der Einfachheit. Sein typischer Satz ist gekennzeichnet durch gewissenhafte Schlichtheit. Sein Satz stellt fest oder verbindet mehrere kurze Aussagesätze durch eine Konjunktion […]. Alle Wahrnehmungen des Schriftstellers werden unmittelbar, unverändert, ungefiltert mitgeteilt; Hemingway gibt streng darauf acht, jederzeit aus dem Spiel zu bleiben, das heißt: er vermeidet es als Autor, sich zwischen Geschehnis und Leser zu drängen.“[4]

Aber mit der Zeit entdeckt Lenz, dass Hemingways Technik nicht für alle Themen geeignet ist, und begann sich allmählich von seinem Vorbild zu distanzieren:

ich dachte an keine gewaltsame Distanzierung, wollte Hemingway nicht spontan überwinden, um, sozusagen, das Etikett seines Schülers zu verlieren; vielmehr war ich nur darauf aus, herauszubekommen, wie weit der eigene Pfeil fliegt. Neugierde auf meine Möglichkeiten – das war es, was die Tendenzen zur Unabhängigkeit zunächst weckte und charakterisierte.“[5]

Der Titel der Kurzgeschichte „Der Anfang von etwas“ (1958) symbolisiert Lenz´ Unabhängigkeit und neuer Anfang als Schriftsteller. Siegfried Lenz gab in seinem Essay zu, dass „Der Anfang von etwas“ eine Entgegnung zur Kurzgeschichte Hemingways „Das Ende von etwas “ sei:

„Ich wollte Hemingway antworten, daß nichts mit dem Ende aufhört, und daß andererseits jeder Anfang nicht makellos vorhanden ist, sondern seinerseits eine Vorgeschichte voraussetzt. Dabei kam es mir nicht darauf an, Hemingway zu widerlegen, sondern ihn zu korrigieren im Sinne meiner Erfahrungen.“[6]

1.2 Ernest Hemingway

1.2.1 Sein Leben und Werk:

Ernest Miller Hemingway ist in Oak Park, Illinois am 21. Juli 1899 geboren. Sein Vater Clarence war ein Arzt und seine Mutter Grace eine Musikerin. Er verließ die Oberschule (1917) und begann bei dem Kansas City Star zu arbeiten. Dort lernte er den journalistischen Schreibstil. Als die USA in den ersten Weltkrieg eintraten, ging er freiwillig nach Italien als Krankenwagenfahrer. Dort wurde er verletzt und sollte sechs Monate in einem Krankenhaus in Mailand verbringen. Seine Krankenschwester, Agnes von Kurowsky, in die er verliebt war, ist als Modell für Catherine Barkeley in seinem Roman „Farewell to Arms“ (in einem anderen Land, 1929) geworden. 1919 ging er nach Toronto, wo er bei dem Toronto Star arbeitete. Als er 1920 nach Chicago ging, traf er den amerikanischen Schriftsteller Sherwood Anderson, der sein Mentor wird. Nach seiner Heirat mit Hadley Richardson, ging das Paar nach Europa zurück. In Paris traf er Gertrude Stein, eine amerikanische Schriftstellerin, die einen sehr großen Einfluss auf Hemingway gehabt hat. In Steins Salon traf er mit der „verlorenen Generation“ zusammen, einer Gruppe von amerikanischen Schriftstellern und Künstlern, die in Paris lebten. Diese Amerikaner, die an dem ersten Weltkrieg teilgenommen haben, haben alle ihre Werte und Illusionen während des Kriegs verloren. Hemingway wurde als Vertreter dieser Generation betrachtet.

[...]


[1] Lenz, S : Mein Vorbild Hemingway. Modell oder Provokation. In: Beziehung. Ansichten und Bekenntnisse zur Literatur, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1970, S. 56

[2] Vgl. Benson, J.J.: Suffering and loss without tears. In: Hemingway. The Writer’s Art of Self-Defense, University of Minnesota, 1969, S. 129

[3] Lenz, S.: ebd., S. 53

[4] Ebd., S. 62

[5] Ebd., S. 58

[6] Ebd., S. 61

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656276432
ISBN (Buch)
9783656277194
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201655
Note
15
Schlagworte
siegfried lenz kurzgeschichte jäger spotts echo hemingways schreibstil themen

Autor

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