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Sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft – stylistique comparée

Seminararbeit 2006 22 Seiten

Romanistik - Französisch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung: Das Übersetzen – die heutige Übersetzungswissenschaft

2. Die stylistique comparée als Teilbereich der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft
2.1. Voraussetzungen und Grundwissen für die stylistique comparée
2.1.1. Übersetzungswissenschaft und sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft
2.1.2. Übersetzungstheorie
2.1.3. Stilistik und Übersetzung
2.1.4. Das Übersetzen und die Übersetzungsprozeduren
2.2. Die stylistique comparée
2.2.1. Definition der stylistique comparée
2.2.2. Grundlagen und Erkenntnisse der stylistique comparée
2.3. Die Übersetzungsprozeduren
2.3.1. Die Übersetzungsprozeduren nach der stylistique comparée
2.3.2. Andere Klassifikationsversuche

3. zusammenfassende Bewertung der stylistique comparée – Ausblick

4. Bibliographie

1. Einleitung: Das Übersetzen – die heutige Übersetzungswissenschaft

Der Vorgang des Übersetzens, wird oftmals als das „zweitälteste Gewerbe der Welt“ bezeichnet, was nicht von Ungefähr kommt. Das Übersetzen hat schon immer eine große Rolle gespielt, die mit der Globalisierung heute noch ansteigt. Es ist die einzige Möglichkeit, die Kommunikation zwischen Menschen verschiedener Sprachräume und folglich auch den betreffenden Ländern zu ermöglichen, denn selbst mit modernster Technik kann diese Tätigkeit nicht von Computern oder Maschinen zufrieden stellend übernommen werden. Demzufolge ist eine wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema nötig, die sich darum bemüht, das Übersetzen zu optimieren. Denn beim Lesen von Literatur oder auch beim Schauen von Filmen ist es heute oft noch sehr auffällig, dass Übersetzungen nicht wirklich dasselbe wiedergeben, was ursprünglich in der Ausgangssprache gesagt bzw. im Unterton angedeutet war. Das heißt es muss in diesem Bereich noch viel ergründet, beschrieben und festgesetzt werden, damit die weltweite Kommunikation und auch die gemeinsame Forschungsarbeit besser gewährleistet ist.

Die moderne Übersetzungswissenschaft ist außerdem stark linguistisch ausgerichtet, d.h. sie geht vielen grundlegenden Fragen nach, wie z.B. der nach der Unübersetzbarkeit nach. Sie befasst sich also nicht nur mit speziellen textbezogenen oder themenbezogenen Fragestellungen, sondern mit generellen, zugrunde liegenden Problemen. Die Sprache als solches soll nun übersetzt werden.[1]

Man fragt sich natürlich auch, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um ein guter Übersetzer sein zu können. Es treten heutzutage v.a. noch Übersetzungsprobleme auf, die weder mit Inhalt, noch mit der Form, noch mit dem Vokabular zusammenhängen. Häufig werden Übersetzungsvergleiche durchgeführt, um herauszufinden, woran diese liegen. Etliche Wissenschaften sind also aus der Entwicklung heraus entstanden, dass die Betrachtung und der Vergleich von Übersetzungen immer mehr ins Detail gehen und man daher nach weiterreichenden Methoden sucht, um diese beschreiben zu können. Darunter fallen z.B. die sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft und einer deren Teilbereiche, die stylistique comparée (dt.: Vergleichende Stilistik, span.: estilística comparada), die im Folgenden näher erläutert werden sollen. Diese bemühen sich die Übersetzungsvorgänge zwischen einem Sprachenpaar darzustellen und zu ergründen. Mit dem Forschungsbereich der stylistique comparée beschäftigt sich die Übersetzungswissenschaft seit 50 bis 60 Jahren.

2. Die stylistique comparée als Teilbereich der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft

2.1. Voraussetzungen und Grundwissen für die stylistique comparée

2.1.1. Übersetzungswissenschaft und sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft

Die Übersetzungswissenschaft bezieht sich auf das Übersetzen als Vorgang und die Übersetzung als Produkt. Dieser Blickwinkel bleibt immer bestehen, auch wenn die Übersetzungswissenschaft ein einzelnes Sprachenpaar untersucht. Hierbei arbeitet sie mit verschiedenen Vorgehensweisen wie z.B. dem Übersetzungsvergleich.

Heute existieren drei besondere, sehr detaillierte Forschungsgebiete der Übersetzungswissenschaft:

- Auseinandersetzung mit den sprachenpaarspezifischen Übersetzungsprozeduren
- Entwicklung einer Texttypologie
- Möglichkeiten zur Beurteilung des Äquivalenzgrades von Übersetzungen[2]

Man sieht an dieser Auflistung, dass es einen sehr hohen Stellenwert hat, bestimmte Übersetzungsvorgänge innerhalb von Sprachenpaaren zu klassifizieren.

Die Übersetzungswissenschaft ist die Grundlagenwissenschaft für ihre zahlreichen Teilbereiche, unter die beispielsweise die sprachenpaarbezogene Übersetzungs-wissenschaft fällt. Sie hat zur Aufgabe für diese einen Grundstock zu erarbeiten und muss dabei oft auch auf andere Forschungsbereiche zurückgreifen.

Die sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft arbeitet mit dem Ziel syntaktische, semantische, stilistische und pragmatische Regelmäßigkeiten zwischen Texten der Ausgangssprache und Texten der Zielsprache zu beschreiben. Hierzu werden die Gründe für die Auswahl bestimmter Elemente aus einer Gruppe von gleichwertigen Elementen auf Wort-, Syntagma-, Satz- und Textebene untersucht. Ausnahmen und literarische Besonderheiten werden außen vor gelassen.

Bei der sprachenpaarbezogenen Übersetzungswissenschaft ist der Blick der Untersuchungen auf das Sprachensystem selbst gerichtet. In den Bereich dieser Wissenschaft fallen neben der stylistique comparée auch die translation rules von NEWMARK, die Übersetzungsprozeduren von JUMPELT, die translation shifts von CATFORD und die Übersetzungsdidaktik und Fehleranalyse, die vor allem von TRUFFAUT, FRIEDRICH und GALLAGHER begründet wurden.[3]

2.1.2. Übersetzungstheorie

Die Übersetzungstheorie wird oftmals als Sondergebiet oder Teilgebiet der Übersetzungswissenschaft aufgefasst.[4]

Eine aus Gebräuchlichkeiten begründete Definition der Übersetzungstheorie ist, dass diese alles umfasst,

was nicht selbst Übersetzung ist, aber in irgendeiner Form von Übersetzungsschwierigkeiten- und methoden, von Wirkungsgeschichte und Übersetzungsrezeption handelt.[5]

ĖTKINDS versucht auch eine Verbindung zwischen linguistischer und literarischer Übersetzungstheorie zu begründen. Nach JUMPELT und KLOEPFER müssen für die verschiedenen Textgattungen eigene Übersetzungstheorien aufgebracht werden. Man versucht also Methodologien aufzustellen, die möglichst allgemeingültig sind und den Übersetzungsvorgang regeln. Dies ist ein Themengebiet, mit dem sich die Übersetzungswissenschaft schon weitreichend auseinandergesetzt hat, bei dem die Meinungen jedoch noch immer so weit auseinanderklaffen, dass noch keine allgemein anerkannte Theorie existiert.

Die einzelnen Übersetzungstheorien unterscheiden sich dadurch, worauf sie ihren Blick richten, was das Sprachsystem, die Texte, die Disziplin, das Handeln oder auch der Übersetzer sein kann.[6]

Diese verschiedenen Zweige mit diversen Blickwinkeln bauen natürlich auch aufeinander auf und stützen sich gegenseitig.

2.1.3. Stilistik und Übersetzung

Neben der Semantik eines Textes ist es beim Übersetzungsvorgang sehr wichtig, den Stil, diesen „ärgerlichen Begriff“[7] , zu berücksichtigen. Schon allein die Definition dessen wirft etliche Probleme auf. Einer der zahlreichen Vorschläge soll hier als Grundlage für die Vergleichende Stilistik angeführt werden:

Stil ist die Zuschreibung sprachlicher Mittel zu bestimmten kulturell determinierten Ausschnitten der Lebenswirklichkeit durch die Sprachgemeinschaft.[8]

In der kontrastiven Linguistik existiert eine vergleichende Stilistik verschiedener Sprachen bisher jedoch nur sehr knapp und oberflächlich, wobei im Bereich der Grammatik und des Wortschatzes schon sehr gute Vergleiche angestellt worden sind. Die stilistische Komponente eines Textes wird natürlich immer dann entscheidender und wichtiger, wenn das Maß an Literarizität zunimmt. Denn dann wird dem Übersetzer „eine schöpferische Neugestaltung einer künstlerischen Aussage auf der Inhaltsebene und auf der Ausdrucksebene eines Textes“[9] abverlangt.

Zu dieser Erkenntnis gelangte man, als man Übersetzungen, die unzureichend erschienen, betrachtete. Ihnen war kein offensichtlicher Fehler anzusehen, jedoch haben sie nicht alle Nuancen und nicht das Flair, wie sie im ausgangssprachlichen Text vorhanden waren, beinhaltet. Diese ungreifbaren Probleme wurden dann als Stilfragen bezeichnet, die einen Text bestimmen und dem Übersetzer fast die Vollbringung eines Wunderwerks abverlangen.[10]

Es ist folglich sehr schwierig eine Übersetzungstheorie zu schaffen, da nicht etwa der Inhalt oder die Form allein die wichtigsten Komponenten des Texts sind, sondern dieser noch andere Untertöne, Werte und konnotative Zusatzinformationen beinhaltet, die man auf gewisse Weise „fühlt“. Der Stil des zielsprachlichen Textes muss absolut mit dem des ausgangssprachlichen Textes übereinstimmen, damit er authentisch ist und dieselbe Wirkung beim Rezipienten erzielt wird. Sowohl die Sprachebene, einzelne Stilelemente, grammatikalischer Stil, rhetorische Figuren als auch Stilbrüche oder -mischungen müssen berücksichtigt werden.[11]

Man darf die Vergleichende Stilistik jedoch nicht mit einer Wissenschaft, die sich um die Darstellung des Stils bemüht, verwechseln, sondern es liegt hierbei ein Wissenschaftszweig vor, der im Bereich der Übersetzungswissenschaft arbeitet und sich um die Einbeziehung der stilistischen Komponenten bemüht.

2.1.4. Das Übersetzen und die Übersetzungsprozeduren

Da es schon immer diverse Möglichkeiten des Übersetzens gibt, häufen sich demzufolge auch die Klassifikationssysteme.

Meist wird zuallererst in die wörtliche und die nichtwörtliche Übersetzung eingeteilt, was jedoch nicht mit der veralteten Klassifizierung in wörtliche und freie Übersetzung verwechselt werden darf. Bei dieser war nämlich gemeint, ob der Übersetzer sich eher an der Ausgangssprache und deren Normen, Gebräuchlichkeiten, usw. orientiert, oder eher an der Zielsprache und das Werk bestmöglich in diese einbettet. Dies war eine Entscheidung für den gesamten Text. Bei der wörtlichen Übersetzung im heutigen Sinne wird die Oberflächenstruktur des Ausgangstextes nachvollzogen wobei natürlich trotzdem z.B. die syntaktischen Regeln der Zielsprache respektiert werden, bei der nichtwörtlichen Übersetzung wird die Syntax und/oder die Semantik verändert.[12]

Ist dieses Definitionsproblem übergangen, treten jedoch noch weitere begriffliche Schwierigkeiten auf. Selbst wenn VINAY und DARBELNET die beiden Begriffe Wort-für-Wort-Übersetzung und wörtliche Übersetzung synonym verwenden, existiert zwischen den beiden ein Unterschied, da die Wort-für-Wort-Übersetzung sich im Gegensatz zur wörtlichen Übersetzung an der Syntax der Ausgangssprache festhält. Die Frage ist zudem wo die Grenze von der wörtlichen zur nichtwörtlichen Übersetzung anzusetzen ist und wann diese überschritten werden muss bzw. darf. Bei der Suche nach akzeptablen Übersetzungsprozeduren muss man neben grammatikalischen Vorschriften, der Semantik und der Syntax auch die vorher bereits beschriebenen Stilfragen berücksichtigen. Der erste wirklich systematische Versuch diese Übersetzungsvorgänge zwischen zwei Sprachen in Worte zu fassen und alle akzeptablen Übersetzungsprozeduren darzulegen, zu beschreiben und zu bewerten, stammt von den Vertretern der stylistique comparée. Diese sind zuallererst MALBLANC, der sich mit dem Französischen und dem Englischen befasste und VINAY/DARBELNET, die sich mit dem Sprachenpaar Französisch und Deutsch auseinandersetzten. Später haben sich auch SCAVÉE/INTRAVAIA, GRÜNBECK und ZIMMER mit dieser Thematik befasst.

[...]


[1] KOLLER 1972: 36.

[2] WILSS 1977: 101f.

[3] STOLZE 2001: 5ff.

[4] KOLLER 1972: 31.

[5] KOLLER 1972: 28.

[6] STOLZE 1994: 3ff.

[7] GAUGER 1995: 208.

[8] STÖRL 2003.

[9] WILSS 1977: 90.

[10] MOUNIN 1963: 86.

[11] REISS 1971: 66f.

[12] WILSS 1977: 103ff.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656285403
ISBN (Buch)
9783656287513
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202350
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Romanische Philologie
Note
Schlagworte
stylistique comparée sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft übersetzen Übersetzungswissenschaft Sprachvergleich Übersetzungsvergleich Spanisch Französisch

Autor

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