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Geschichtsphilosophische Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts: Erörterung, Vergleich und Kritik

oder: Die Philosophie des Fortschritts

Diplomarbeit 2002 183 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung und persönliche Stellungnahme

Exkurs: Geschichtsphilosophie vor Hegel
Mythologische Anfänge der Geschichte
Die ersten echten Historiker
Die christlichen Denker
Die Aufklärung

1a) Hegels Geschichtsphilosophie als Synthese zwischen Aufklärung und Tradition.
Synthese und Entwicklung
Hegels Schriften
Hegels Vorlesungen über Geschichtsphilosophie –
Verbindung von Philosophie und Geschichtsschreibung bei Hegel –
Hegel als Zeithistoriker
Neuzeit, Mittelalter und Antike
Asien - Die Wiege der Kultur und der fremde Osten

1b) Marx und seine Mitkämpfer
Ein philosophierender Politiker
Ein Industrieller aufseiten der Arbeiterbewegung

1c) Die Geschichtsphilosophie nach Marx und Hegel
Die Krise der Geschichtsphilosophie
Geschichtsphilosophie als Wissenschaftstheorie der Humanwissenschaften
Burckhardt
Der Nihilismus Nietzsches

1d) Das neunzehnte Jahrhundert: Ausblick und Vergleich

2a) Der Marxismus des zwanzigsten Jahrhunderts
Revisionismus und Radikalisierung
Lenin der Dogmatiker der Revolution
Der Kalte Krieg

2b) Der Faschismus

2c) Das neozyklische Denken: Spengler und Toynbee
Spengler oder die Krise des Traditionalismus -
Zyklisches Denken –

2d) Hermeneutik und Existenzphilosophie
Ontologie und Geschichte
Die lebendige Tradition der Hermeneutik
Jaspers –

2e) Die analytische Philosophie –
Wissenschaftstheoretische Aufbrüche in der Moderne
Poppers Erkenntnisskepsis

Nachwort –

Fußnoten -

Literaturverzeichnis

Einleitung und persönliche Stellungnahme:

Ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für die unzähligen Ereignisse, welche die Welt des Menschen in unserer Vergangenheit geformt haben. Die Geschichtsschreibung beschäftigt sich mit Detailfragen aller Art. Jeder Mensch bringt seine persönliche Betrachtungsweise in die Darstellung der Vergangenheit ein, jedem kommt etwas anderes besonders wichtig vor, kaum jemand ist vollkommen frei von ideologischen Vorannahmen.

Die Weltgeschichte ist aber nicht nur eine Aneinanderreihung von ästhetisch glänzenden Schöngeistern, die dem materiellen Universum eine neue Dimension hinzufügen, sondern auch ein Panoptikum der perversesten Schwerverbrecher, deren Schandtaten jeden vernunftbegabten Menschen erschaudern lassen.(1)

Die Geschichtsphilosophie, wie die Philosophie überhaupt, zählt zu den Dingen, die das Leben erst lebenswert machen. Es scheint eine anthropologische Grundtatsache zu sein, dass der Mensch sich mit der Kontingenz und Sinnlosigkeit seiner Umwelt nicht abfinden kann.(2) Es ist eine Lebensaufgabe, sich einen Platz und eine sinnvolle Beschäftigung in dieser Welt zu suchen und damit die Wirklichkeit zu bewältigen.(3) Der deutsche Existenzphilosoph Karl Jaspers behandelte in mehreren Aufsätzen die Frage, was uns zum Philosophieren bewegt.(4) Er geht von drei Hauptmotiven aus, die er als Staunen, Zweifel und Erschütterung des Menschen bezeichnet. Wenn wir beginnen, uns tiefere Gedanken über die Vergangenheit zu machen, haben wir genau dieselben Beweggründe. Die Neugier ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Wir begeistern uns grundlos und ohne Berechnung für etwas, das wir wahrnehmen oder wahrzunehmen glauben; Wir interessieren uns für die nützlichsten und nutzlosesten Gegenstandsbereiche. Die Vergangenheit lässt uns nicht kalt, ja wir empfinden das Bedürfnis, sie aufzuarbeiten. Wir nutzen unsere Mußestunden, um unsere Neugier zu befriedigen. Der Zweifel befreit das menschliche Denken von den Ketten der Tradition. Wenn sich der gärende Zweifel zu einem radikal skeptischen Ansatz weiterentwickelt, bleiben auch unsere Hypothesen über die Vergangenheit nicht verschont. Wir zweifeln an der Richtigkeit der Überlieferung, wir zweifeln an der Angebrachtheit gewisser Interpretationen, wir erkennen, wie schwer es ist, den anderen zu verstehen. Kurzum unsere Schemata und Systeme der Vergangenheitsbetrachtung sind auf Sand gebaut, unsere Erklärungen scheitern an den Phänomenen. Die Skepsis ist zugleich Befreiung und Enttäuschung. Auch die persönliche Betroffenheit, das jaspersche Erschüttertsein, ist ein wichtiges Motiv des Geschichtsdenkens: Denn einerseits machen wir die Geschichte, andererseits ruft sie elementare Angst- und Schuldgefühle hervor. Die eigene Schwäche und Ohnmacht ist eine Grenzsituation, die den Geist stärken kann. Die eigene Macht führt uns leicht in Situationen, in welchen Machtmissbrauch eine verführerische Alternative zu verantwortungsbewusstem Handeln ist.

Wer historisch denkt, kann den Augenblick nicht so genießen, als ob er nie sterben würde. Wer historisch denkt, wird auf Schritt und Tritt an die Vergänglichkeit und an das radikal Böse im Menschen erinnert. Wie schon bemerkt, sind Schuld und Sinnlosigkeit ein Ansporn für unsere Deutungsversuche. Jedes Kind denkt historisch, sobald es das Heute vom Gestern unterscheiden kann. Gerade die Kinder werden jeden Tag mit den geschriebenen und ungeschriebenen Traditionen ihrer Kultur berieselt. Gerade die Kinder bemerken ja die Spannungen und Veränderungen, die sich in der Welt ihrer Eltern abspielen. Gerade die Kinder werden von Neugier und Zweifel angeregt, wenn sie beginnen, sich spielerisch die Welt anzueignen.(5)

Eine Voraussetzung des historischen Denkens ist die Fähigkeit, die Gegenstände als Mitwirkende von raum-zeitlichen Prozessen aufzufassen, eine zweite ist das Verstehen des Fremden als verschieden und doch verwandt. Die Wandelbarkeit der Welt, ein nicht statisches Universum, ist für den „ Hausverstand“ eine Erfahrungstatsache, die man nicht hinterfragen soll.(6) Dennoch täuschen wir uns oft in der Annahme, dass Dinge notwendigerweise so sein müssten, wie sie sind. Man kann also sagen, dass wir sowohl zu historisch als auch zu unhistorisch denken. Der Kulturrelativismus und der Eurozentrismus, welche gleichermaßen eine Schande für die Idee der universellen Werte sind, sind ein Beweis für die Bedeutung unserer Fragestellung. Ein weiterer Beweis für die Implikationen des geschichtsphilosophischen Denkens ist die Frage nach der Möglichkeit, die gesellschaftlichen Entwicklungen der Zukunft mit wissenschaftlicher Genauigkeit zu prognostizieren.(7)

Die Geschichtsphilosophie im weitesten Sinne des Wortes ist also keine rein akademische Frage, sondern ein Problem, das uns verfolgt, wenn wir gesellschaftlich handeln. Die Ethik muss sich auch mit historischen Fragen beschäftigen, da die Forderungen, die sie an das Individuum stellt, unbrauchbar wären, wenn sie nicht zumindest prinzipiell realisiert werden könnten. Die politische Philosophie und die Sozialphilosophie setzen die Veränderlichkeit der gesellschaftlichen Einrichtungen voraus, also sind sie, obwohl sie sich bemühen über systematische Erkenntnisse zu reflektieren, auch besondere Formen des historischen Denkens. Wenn man sich über Fragen wie die beste Staatsform oder die Höherwertigkeit einer Kultur beziehungsweise eines Kunststils den Kopf zerbricht, hat man meistens bereits implizite geschichtsphilosophische Annahmen. Die praktische Philosophie ist also ohne historisches Denken nahezu unvorstellbar. Dem Laien bleibt es meistens verborgen, wie viel dem historischen Wandel unterliegt, denn er tendiert dazu, Geschichte auf die Fakten zu reduzieren, die ihm durch eine tendenziöse und wissenschaftlich wertlose, aber sehr einflussreiche Sekundärliteratur übermittelt worden sind. Die Geschichtsphilosophie im engeren Sinne ist meiner Ansicht nach ein Versuch, über die unbewussten Voraussetzungen der praktischen Philosophie zu reflektieren.

Ich werde deshalb eine Unterscheidung zwischen impliziter und expliziter Geschichtsphilosophie einführen, da fast alle Denker, die sich der Geschichtsschreibung oder der politischen Theorie gewidmet haben, gelegentlich eine philosophische Inspiration verspürten. Implizite Geschichtsphilosophie ist also auch in Werken enthalten, die niemand als philosophisch, geschweige denn als geschichtsphilosophisch bezeichnen würde. Wir werden in Disziplinen der praktischen Philosophie sowie in literarischen, historischen, theologischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Hervorbringnissen auf sie stoßen. Erst wenn das gesellschaftliche Reflexionsniveau sehr weit fortgeschritten ist und die Kultur einer Beschäftigung mit der Vergangenheit positiv gegenübersteht, kann eine explizite Geschichtsphilosophie entstehen, die diesen Namen führt und den Anspruch erhebt, ein wichtiger Beitrag zur Erkenntnis der Welt des Menschen zu sein.

Die Geschichtsphilosophie muss auch von der Methodologie der Geschichtswissenschaften unterschieden werden, da die meisten Autoren, die sich mit dieser Thematik befasst haben, die deskriptive Betrachtung der Vergangenheit mit dem Ziel der Wahrheitsfindung transzendieren wollten. So wissenschaftlich sie sich auch gebärdet haben, war ihr Denken doch von Metaphysik durchsetzt. Andererseits ist aber auch die Methodologie nicht theoriefrei, da sie mit normativen Forderungen an den Wissenschaftler herangeht. Ideale wie Objektivität und eine Einschränkung der eigenen Parteilichkeit auf eine distanzierte Stellungnahme machen einen Diskurs über den Forschungsgegenstand überhaupt erst möglich. Es ist eine umstrittene Frage, ob die Methodologie wirklich allgemein verbindliche Methoden vorschreiben kann. Ich vermute, dass man zwar gewisse Methoden als unwissenschaftlich verwerfen, aber nicht die akzeptierten Methoden als für alle Problemstellungen geeignet empfehlen kann.(8) Die Wahl zwischen verschiedenen zulässigen Methoden kann ihrerseits metaphysisch oder ideologisch motiviert sein. Beispielsweise kann man Geschichte von einem individualistischen oder von einem kollektivistischen Standpunkt aus schreiben, wobei sich der Autor für eine anthropologische Grundannahme entschieden hat.(9) Die Darstellung der Entwicklung eines Forschungsgegenstandes, die ohne philosophische Inspiration auskommt, würde steril und langweilig wirken und die Frage nach dem Warum des Geschehenen nicht beantworten können. Deshalb ist eine Ansammlung von uninterpretierten Fakten nicht das, was wir von einem Sachbuchautor erwarten. Jeder Mensch hat philosophische Probleme. Hätte er keine, würde er sich auch für die Vergangenheit nicht interessieren. Die Wahl der Methode ist häufig genug von den unsystematischen philosophischen Ansichten des einzelnen Forschers bestimmt. Wenn sich dieser mit den unterdrückten Massen identifiziert, wird er sich für andere Themen und andere Methoden entscheiden als ein Historiker, der den Machtapparat verflossener Epochen glorifiziert. Darum ist das Auftauchen der expliziten Geschichtsphilosophie rational erklärbar. Denn die philosophischen Probleme lassen den Menschen, der das Verhalten seiner Artgenossen im Wandel der Zeit studiert, nicht los.

Ein Sonderfall der Geschichtsphilosophie ist die Geschichtstheologie, der Versuch das Wirken eines höchsten Wesens im Jammertal der irdischen Wandelbarkeit aufzuspüren. Wenn ein Denker Theist ist, muss er zugeben, dass die Frage nach der Rolle Gottes im Verlauf der Geschichte gestellt werden kann. Bei einem Lösungsversuch ist das offenkundig Sinnlose ein Riesenproblem, so dass nur dialektisch-metaphysische Pseudorechtfertigungen oder das Eingeständnis der Unlösbarkeit der Frage übrig bleiben.(10) Die Frage nach Gott ist im Rahmen der Philosophie durchaus legitim, doch darf dabei nicht übersehen werden, dass eine dogmatische Verhärtung des Geistes eines Philosophen unwürdig ist und zu einer verzerrten Wahrnehmung der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft führt.

Kein Philosoph ist frei von den Einflüssen anderer Denker geblieben, ja es ist notwendig, sich mit seinen Vorläufern und Kollegen zu beschäftigen. Daher gibt es auch eine Geschichte der Geschichtsschreibung und eine Geschichte der Geschichtsphilosophie, da sich die Gedankensysteme verändern, als ob sie ein mit bloßem Auge wahrnehmbares Naturphänomen wären. Der Geschichtsphilosoph ist also selbst das Produkt einer langen historischen Entwicklung, er muss sich seines Platzes in der „Weltgeschichte“ und der Relativität seiner eigenen Denkweise bewusst sein. Das, was er mit Sicherheit behaupten kann, ist ziemlich trivial, die wirklich interessanten Fragen hingegen muss er mit höchst spekulativen Theorien behandeln.

Schon die Frage, ob die Weltgeschichte eine Einheit sei, ist von den Philosophenschulen unterschiedlich beantwortet worden: Nur wenn die Geschichte ein Ganzes ist, das mehr ist als die Summe seiner Teile, hat es einen Sinn, einen umfassenden Deutungsversuch zu unternehmen.(11) Wenn es nur eine endliche oder unendliche Anzahl von Teilgeschichten gibt, sind die großen philosophischen Gedankengebäude gescheitert. Ist die politische Entwicklung nicht prinzipiell verschieden von der des Geisteslebens? Ist nicht jede Kultur, ja jede Subkultur, eine eigene Welt, ein eigenes System? Dem zeitlichen Wandel unterliegt bekanntlich nicht nur das Menschenwerk. Allerdings kann man auch Analogien zwischen Systemen erkennen, welche in keinerlei Beziehung zueinander stehen. Dazu braucht man jedoch auf jene Systeme in ihrer Gesamtheit zutreffende Grundannahmen. In der Geschichtsphilosophie kann eine konstante, gegebene Natur des Menschen die Funktion dieser im vorigen Satz erwähnten Grundannahmen übernehmen. Analogien sind jedoch relativ willkürlich und erinnern eher an dichterische Metaphern als an empirisch fundierte Erklärungsmodelle oder gar an mit mathematischer Sicherheit bewiesene Sätze. Einen Sinn der Geschichte kann man mit diesem Verfahren nicht ermitteln, man kann höchstens schematische Gesetze des menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen aufstellen. Der Sinn des Geschehens ist ja eine empirisch nicht feststellbare Größe, die in der Geistesgeschichte meistens mit transzendenten Vorstellungen verknüpft ist.

Eine Geschichtsphilosophie, die den Verlauf der historischen Entwicklung als zielgerichtet auffasst, ist demnach meist eine Form von Geschichtstheologie, obwohl die transzendenten Vorstellungen auch gänzlich säkularisiert werden können. Bekanntermaßen übernehmen die areligiösen Ideologien einen großen Teil der heilsgeschichtlichen Rhetorik, was sich in der Geisteshaltung und im praktischen Leben ihrer Anhänger- wie ich meine unvorteilhaft- auswirkt.(12) Ich möchte hinzufügen, dass man einen Sinn der Geschichte auch postulieren kann, wenn man keine Entwicklung zu einem Endziel hin annimmt. Ich persönlich halte die Suche nach einem tieferen Sinn der Historie für einen aussichtslosen Zynismus.(13) Denn es ist meine ethische Überzeugung, dass jeder einzelne Mensch unendlich wertvoll ist. Dieser Umstand war schon dem Pessimisten Arthur Schopenhauer bewusst, ein überzeugendes Argument für die Notwendigkeit der kleinen und großen Marterstätten ist mir nicht bekannt. Es ist ein Zeichen von oberflächlichem Denken und schlechter Theologie, das Leid zu verdrängen oder mittels sophistischer Spitzfindigkeiten zu begründen. Das Urerlebnis des Schmerzes ist eine Herausforderung für die perfektesten philosophischen Gedankenschlösser. Gegen die Zielgerichtetheit der Geschichte spricht auch, dass wir so wenig prognostizieren können, obwohl uns Berge von empirischen Daten zur Verfügung stehen.

Manche empirisch orientierte und durchaus nicht mystische Wissenschaftstheoretiker hofften, dass die Geschichtwissenschaft nach dem Vorbild der Physik gestaltet werden könnte, wenn nur ein großes Genie sie aus dem Dornröschenschlaf der Fußnotenphilologie wachküssen würde. Diese Hoffnung begründete Vorhersagen zu machen, ist restlos gescheitert, weil das Wesentliche der historischen Forschung gerade die Details sind, die man durch keine Regel erfassen kann. Was sich durch Regeln erfassen lässt, ist aber Gegenstand der systematischen Wissenschaften. Die Wissenschaften vom Menschen sind jedoch weitgehend unsystematisierbar. Man kann natürlich versuchen das Verhalten aller Mitglieder unserer Spezies deterministisch auf Basis der physikalischen Gesetze zu erklären.(14) Eine physikalistische Erklärung der Motive des Einzelnen und darauf aufbauend eine physikalistische Geschichtswissenschaft wäre dennoch ein völlig absurdes Szenario. Die Willensfreiheit ist mit einer solchen Erklärung nicht in Einklang zu bringen.(15) Der primitive Reduktionismus wird dem Zusammenspiel der Teile eines Systems nicht gerecht. Naturwissenschaft und Technik tendieren dazu, ideologische Funktionen zu übernehmen. Der Erkenntnisanspruch der exakten Wissenschaften stößt aber bald an seine Grenzen, so dass eine Überbewertung ihrer Methoden irrational ist. Außerdem kann nicht einmal die Chemie auf die Physik reduziert werden, obwohl die Atomphysik zahlreiche Phänomene theoretisch behandelt hat und erklären kann. Es verwundert daher nicht, dass auch diejenigen, welche an historische Gesetzmäßigkeiten glaubten, nicht der Ansicht waren, dass diese Naturgesetze seien. Ein solcher Standpunkt ist sehr primitiv und macht eine kompliziertere geschichtsphilosophische Theorie eigentlich überflüssig, da die Geschichte damit zu einem Spezialfall der Metereologie erklärt werden würde. Ein Vertreter eines solchen reduktionistischen Standpunktes würde die Fragen der traditionellen Geschichtsphilosophie, die Standpunkte wie das mythologische Denken und den historischen Materialismus umfasst, für sinnlos halten.

Die Tatsache, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist, spricht für die Relevanz und Bedeutung der Reflexion über das Geschehene. Die historische Kultur mag eine unbedeutende Subkultur sein, aber man sollte nicht übersehen, dass auch Hilfsschülern ein Geschichtsbild vermittelt wird, dass sie an ihre Kinder weitergeben, wobei es natürlich zu volkstümlichen Modifizierungen und Irrtümern zu kommen pflegt.

Die Geschichte ist eine ganz besondere „Wissenschaft“, da sie sich mit der unsystematischen Darstellung von Zufälligem beschäftigt, was etwa für den Mathematiker undenkbar wäre. Für einen Historiker kann es genügen, wenn er einfach nur die Wahrheit sucht. Diese Wahrheit besteht aber aus „nackten Tatsachen“, von denen uns die wenigsten rational oder auch nur emotional verständlich sind. Deshalb beginnt jeder sinnbegabte Mensch zu staunen, wenn er sich mit den Kulturen der Vergangenheit oder der Gegenwart abgibt. Dieses Staunen ist so groß wie das Staunen über die Natur; die Möglichkeit, das Kulturelle zu verstehen, ist auch nicht selbstverständlich: Ich wundere mich über jedes Segment der Weltkultur, das ich als bescheidener Beobachter verstanden habe. Der Mensch ist Geschichtsphilosoph, weil er ein kulturelles, soziales Wesen ist. Darum ist die Geschichtsphilosophie nicht unaktuell geworden, auch wenn alle Versuche, das Zufällige zu deuten, mehr oder weniger gescheitert sind. Geschichtsphilosophie am Ende des Jahrhunderts der technisierten Völkermorde ist absurd.(16) Wenn ich mich plakativ ausdrücken wollte, würde ich sagen, sie sei so absurd wie die Quadratur des Kreises. Ich möchte betonen, dass der kulturelle Fortschritt schon deshalb relativ ist, weil jeder Mensch einem Wahnsinn verfallen kann. Ich verstehe Geschichtsphilosophie als Teil der ewig aktuellen menschlichen Aufgabe, sich Ziele zu setzen.

Was die Geschichte des Themas betrifft, so ist sie ungefähr so gut erforscht wie die meisten vergleichbaren Themen. Ich habe schon erwähnt, dass auch die Geschichtsphilosophie selbst in ihren konkreten Äußerungen ein historisches Phänomen ist.

Bei der Darstellung werde ich mich in erster Linie an ein konzises Taschenbuch von Emil Angehrn anlehnen.(17) Ich vermute, dass es im deutschsprachigen Raum wenige gleichwertige Neuerscheinungen gibt. Bevor ich mich mit den geschichtsphilosophischen Entwürfen der größeren und kleineren Gestalten der Philosophiegeschichte befasse, möchte ich noch einige allgemeine Problemstellungen beleuchten.

Auch Angehrn behandelt den Zusammenhang zwischen Geschichte und Geschichtsphilosophie. Er stellt die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Aktualität der Beschäftigung mit geschichtsphilosophischen Fragen, die ja durchaus ein überholter Forschungsgegenstand sein könnten. Ich habe hervorgehoben, dass der Zeitgeist und der heutige Forschungsstand die großen metaphysischen Entwürfe lächerlich und obsolet gemacht haben.

Die Geschichtsphilosophie im engeren Sinn fasst er mit Recht als ein sehr kurzlebiges und zeitbedingtes Phänomen auf: Sie tritt zum ersten Mal in der Zeit der Aufklärung auf, hat ihren Höhepunkt im deutschen Idealismus und gilt bereits den bürgerlichen Gegnern des Marxismus ( z. B. Jacob Burckhardt ) als eine Ansammlung von an den Haaren herbei gezogenen Sätzen, die der historischen Realität nicht gerecht werden. Einem Betrachter, der am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts lebt, erscheint diese Geschichtsphilosophie als ein Unternehmen, welches den Keim seines Untergangs bereits von Anfang an in sich trug. Ich persönlich kann mich diesem pessimistischen Betrachter nur anschließen, denn die Aufklärung übernahm zahlreiche Leitmotive der Epoche, deren Geisteshaltung sie bekämpfte.(18) Sie überschätzte die Bedeutung der Probleme ihrer Zeit und war noch nicht ganz von den Gedanken der Toleranz und der Humanität erfüllt. Einem späteren bürgerlichen Historiker kam ihre Vergangenheitsdeutung und Zukunftserwartung deshalb sehr einseitig und überspannt vor. Es wird zu zeigen sein, dass die Geschichtsphilosophie oft auch eine Magd der politischen Ideologie und ihrer Rechtfertigungsversuche war. Was die Gegenwart betrifft, konstatiert Angehrn Anzeichen eines Revivals der historischen Kultur auch unter ziemlich entwurzelten Weltbürgern. Es könnte sich aber um ein „Pseudorevival“ im Dienste neokonservativer Volksverhetzer handeln. Oft ist die Beschäftigung mit Geschichte auch nur ein Hobby von romantischen Biedermännern, die versuchen, ihre Heimatlosigkeit zu kompensieren. Das vorige Jahrhundert hatte noch ein eindeutiges Geschichtsbild, heute sind wir uns der Relativität der Geschehnisse deutlicher bewusst. Außerdem ist das technokratische Wissen trotz allem das Leitbild unserer Gesellschaft. Angehrn betont, dass die Geschichtsphilosophie mit den realhistorischen Prozessen und den dazugehörigen Bewusstseinsformen zusammenhängt. Dieser Zusammenhang darf bei einer kritischen Analyse der Philosophiegeschichte nicht übersehen werden. Es handelt sich um eine wechselseitige Beeinflussung zahlreicher Faktoren, so dass man kein einseitiges, formelhaftes Abhängigkeitsverhältnis feststellen kann.

Der Schweizer Philosoph Angehrn teilt die Ansicht der europäischen Historikertradition, dass von Geschichte im Sinne des normalen Sprachgebrauches erst dann die Rede sein kann, wenn sich das Kollektiv an die Vergangenheit erinnert. Denn Geschichte ist nicht objektiv durch die Ereignisse und Prozesse der Vergangenheit definierbar, sie ist vielmehr eine subjektive Größe. Das kollektive Gedächtnis ist die Grundlage der Unterscheidung zwischen historischen und unhistorischen Kulturen. Eine schriftlose Kultur kann die Vergangenheit schon in ihren Heldenepen besingen, doch fehlen ihr noch viele Züge einer historischen Hochkultur. Die moderne Informationsgesellschaft dokumentiert jedoch so viel, dass sie sich wesentlich von den klassischen historischen Kulturen früherer Epochen unterscheidet. Dadurch wird die Geschichte von Tag zu Tag unüberschaubarer und „bunter“.

Wenn es eine international anerkannte Definition des Wesens der Geschichtsphilosophie gäbe, würde ich einer anderen Fragestellung gegenüberstehen. Die Philosophie der Geschichte muss man also auf jeden Fall historisch betrachten, auch wenn man an den historischen Einzelheiten als solchen gar nicht interessiert ist. Sie ist eine typische Metatheorie, welche die Fakten sammelnde Historiographie übersteigt, falls sie überhaupt auftritt. Ohne Bezug auf die Geschichtsschreibung wäre sie widersinnig. In der einschlägigen Literatur wird der Beginn dessen, was ich „explizite Geschichtsphilosophie“ genannt habe, erst in der westeuropäischen Neuzeit angesetzt. Diese ist, wie unschwer nachzuweisen ist, auf der Ebene der reflektiv-ideologischen Kultur von den Einflüssen des klassischen Altertums und der jüdisch-christlichen Tradition geprägt.

Von den Griechen heißt es, sie hätten nicht historisch, sondern zyklisch gedacht. Die Tatsache, dass die wissenschaftliche Geschichtsschreibung bei ihnen ihren Anfang nahm, sollte uns aber vor Vereinfachungen und Verallgemeinerungen bewahren. Für das literarische Publikum, das ja bei den alten Griechen nicht besonders zahlreich war, war die Geschichtsschreibung vielleicht nur eine neue literarische Gattung. Dennoch drückt sie eine radikal veränderte Welt aus und hat auch selbst am Wandel der Welt mitgewirkt. Schon die ersten Historiker mussten sich mit einer Vielzahl von Kulturen und politischen Parteien auseinandersetzen, denn eine geschlossene Stammesgesellschaft war bereits Vergangenheit.(19) Die wissenschaftliche Revolution, welche die griechischen Naturphilosophen auslösten, wäre ohne die großen Historikerpersönlichkeiten unvollständig geblieben. Die Geschichtsschreibung blieb ihrerseits nicht ohne Einfluss auf die politische Kultur. Die Entstehung der historiographischen Literatur scheint eine gesellschaftliche Notwendigkeit gewesen zu sein. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass es seit der Antike wesentliche Fortschritte in der Arbeitstechnik der historischen Forschung gegeben hat. Auch heutige Geschichtswissenschaftler müssen sich bemühen, damit sie nicht so fabulieren wie Herodot.(20) Das christliche Denken ist ein Sonderfall, da es an Autoritäten gebunden ist, die nicht der Ratio allein unterliegen (Offenbarung beziehungsweise geistliche Obrigkeit). Ich weiß nicht, ob das christliche Denken wirklich historischer ist, weil es ein Endziel der Geschichte annimmt. Als Philosophiehistoriker erkennt Angehrn Parallelen zwischen dem fünften Jahrhundert vor Christus und dem 18. Jahrhundert unserer Zeit.

Im Jahrhundert der Aufklärung gab es schon einen akademischen Geschichtsbetrieb, der aber ganz im Dienste der herrschenden Gesellschaftsschichten stand.(21) Europa war nach mörderischen Religionskriegen nach und nach zur Toleranz gezwungen. Die Geschichtsphilosophie der Aufklärer begann als gesellschaftliches Alternativ- und Fortschrittsprogramm; sie war aber meiner Meinung nach nicht der fortschrittlichste Teilbereich des aufklärerischen Gedankenguts.

Nachdem ich nun auf ein Werk eingegangen bin, das den aktuellen Stand der Diskussion zusammenfasst, möchte ich auf meine persönlichen Erfahrungen zurückkommen: Als Kind habe ich die Neugier bemerkt, die Jaspers schildert. Als kleiner Medienkonsument habe ich erkannt, wie wandelbar das sogenannte Schicksal die Karten für die Pokerpartie der Weltpolitik mischt. In der eigenen Familie merkte ich, wie wandelbar auch der Bereich der Religion ist; ich erkannte auch, wie leicht man sich mit einem Unrechtsstaat identifizieren kann, vor allem wenn dieser das kleinere Übel zu sein scheint. Unsere Mitmenschen gestalten die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens und rufen in uns das Urerlebnis der Befremdung hervor. Die Befremdung enthält sowohl Zweifel als auch Neugier und ist eine Aufforderung zum Handeln. Eine zweite Urerfahrung ist die der Vergänglichkeit, der Tod als das Ende des Lebens ist uns allen bewusst, auch sonst haben wir uns daran gewöhnt, dass unsere Lebenspläne scheitern und unsere Habseligkeiten dem Zahn der Zeit zum Opfer fallen. Dieser Aspekt des Lebens ist ein Ansporn zum Konservieren und Archivieren dessen, was uns wertvoll erscheint. Wir wissen aber, dass unser Kampf gegen die Wandelbarkeit der Welt im Grunde zum Scheitern verurteilt ist.

Zur Erläuterung der Urerfahrung der Vergänglichkeit möchte ich ein Zitat bringen, das im Hauptteil nicht vorkommen sollte, weil ich mich auf den europäischen Kulturraum beschränke. Ein alter indischer Text verkündet uns den Untergang unseres Kosmos. Mit diesen Worten klingt meine Einleitung aus: „Danach, am Ende des Zeitalters, wird der Herr persönlich in der Form Rudras, des Zerstörers, die gesamte Schöpfung vernichten, so, wie der Wind Wolken auseinandertreibt.“(22)

Exkurs: Geschichtsphilosophie vor G. W. F. Hegel

Mythologische Anfänge der Geschichte:

Das mythologische Denken ist zwar nicht philosophisch und nicht einmal metaphysisch, aber es steht historisch vor dem Beginn der mühseligen und tiefschürfenden Reflexionen und ist zu einflussreich gewesen, um stillschweigend übergangen zu werden. In diesem Abschnitt will ich daher kurz auf die griechische und die jüdische Mythologie eingehen. Denn die Geschichte dieser beiden Völker gehört zum Allgemeingut aller gebildeten Europäer, da wir ihre klassischen Texte noch heute mit Ehrfurcht oder Erstaunen in die Hand nehmen. Ich bin hier natürlich nur an den geisteshistorischen Konsequenzen der frühen religiösen Vorstellungen interessiert, wobei ich auf eine genauere religionskritische Untersuchung verzichte. Psychologisch ist es leicht verständlich, dass jede Gemeinschaft einen Ehrenkodex entwickelt, der sich in ihrem Geschichtsbild niederschlägt. Die Eisenzeit war kein Zeitalter friedliebender Schafhirten und Gemüsepflanzer, sondern eine Epoche voll von Kriegen und Völkermorden.(23) Angesichts der Turbulenzen dieser Zeit, in welcher auch die ersten imperialistischen Großreiche auftauchten, entstanden Dichtungen mit historischem Inhalt sowie Aufzeichnungen in Chronikform. Schon die damaligen Vorstufen einer Geschichtsschreibung zeugen von einer Obsession für den Krieg und von einer Tendenz zur Verherrlichung der Heldentaten der eigenen Seite. Es wäre ein grobes Missverständnis, wissenschaftliche Maßstäbe an die Inschriften der orientalischen Despoten oder an die altgriechische Heldenepik anzulegen. Doch sind auch diese uralten Texte ein Beweis für ein reges Interesse an der Vergangenheit. Der Ruhm und die Heldentaten sollten nicht in Vergessenheit geraten, aber die Gefahren, das Negative, das überall lauerte, durften in diesen Darstellungen ebensowenig fehlen. Zur Klasse der von mir aufgezählten frühen historischen Versuche zählt auch das Alte Testament, sofern es sich mit einer historischen Thematik beschäftigt.

Die Autoren der heiligen Schriften des jüdischen Volkes schilderten das Auf und Ab der Geschichte, die innen- und außenpolitischen Veränderungen als einen Aspekt des Wirkens ihres Gottes. Das direkte Eingreifen eines höheren Wesens in den Verlauf der Ereignisse liefert eine Erklärung für die alltäglichen Erfolge und Misserfolge im schmutzigen Geschäft der Politik. Dies ist sicherlich für einen Gläubigen emotional befriedigender als eine Welt, die schlicht und einfach sinnlos und grausam ist. Das Problem der Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel dieser Welt (Theodizee) stellte sich im Rahmen der damaligen Religiosität noch nicht so dringend, für einen ungläubigen Kritiker bleibt es jedoch allemal ein Ärgernis.(24) Es ist überflüssig hinzuzufügen, dass die Bibel nicht nur wertfreie Berichte, sondern auch flammende Stellungnahmen enthält.

Auch in unserem Jahrhundert haben religiöse Menschen die Ansicht vertreten, dass die Weltgeschichte ein Gericht Gottes über seine Geschöpfe sei. Dies ist äußerst problematisch, da man dadurch den Leidenden ihre Würde wegnimmt, indem man ihnen erklärt, sie würden für einen Mangel an Frömmigkeit oder Sittenstrenge bestraft. Außerdem kann diese Denkweise zur Rechtfertigung von ungerechten sozialen Strukturen herangezogen werden, da sie allzu oft willkürlich im Interesse der eigenen Gruppe angewandt wurde. Was für die Mitglieder der eigenen Gruppe als Tugend gilt, wird den Außenstehenden vorgeworfen, als ob dasselbe Verhalten eine verabscheuungswürdige Todsünde wäre.(25)

Die Gläubigen entwickelten deshalb raffiniertere Modelle für das Wirken Gottes in der Geschichte. Zum Beispiel fassten sie Schicksalsschläge als eine Prüfung auf, die die Gottesbeziehung festigen sollte, ohne sich durch das wechselhafte Geschick in ihrem Vertrauen auf die wohlwollende Unterstützung ihres Herrn erschüttern zu lassen. Einem Skeptiker kommt dieser Glaube oft wie eine Leerformel vor, da er theoretisch mit fast allen Situationen vereinbart werden kann.

Die Religion selbst gehört auch zu den Phänomenen, die im Laufe der Geschichte ihre äußere Form ändern. Die Beziehung zwischen dem Glauben und der politischen Geschichte ist höchst komplex. Bald stand die Religion im Dienste der Politik, bald war es umgekehrt. Eine einseitige Reduktion der religiösen Sphäre auf die politisch- ökonomischen Interessen gewisser Gesellschaftsschichten ist ein unbefriedigendes Erklärungsmodell, da dieselben Glaubensvorstellungen in ganz unterschiedlichen Gesellschaften auftreten können. Die Sehnsucht des Menschen nach einer überirdischen Schönheit scheint mir in der Natur des Menschen als Gattung zu liegen, obwohl jeder Mensch und jede Kultur einen ganz spezifischen Weg gefunden hat, diese Sehnsucht zu befriedigen. Das Alte Testament ist deshalb besonders wichtig, weil es in den christlichen Ländern ein hoch geschätzter Lesestoff war. Sogar bei Hegel finden sich Spuren der Beschäftigung mit diesen Texten (schließlich hatte er eine theologische Ausbildung „genossen“), obwohl sein System für einen relativ konservativen Denker unerhört kühn ist. Einen historischen Inhalt haben insbesondere das Buch Josua, das Buch der Richter, die Bücher der Könige und die Bücher der Chronik. Die Bibelkritik hat in diesen Teilen des Alten Testaments natürlich Elemente von Heldensagen und andere legendenhafte Tendenzen nachzuweisen versucht. Es handelt sich um den Lesestoff eines nationalbewussten Volkes, das sich im Nahen Osten, der ein Kampfplatz von streitenden Großmächten war, behaupten wollte. Die Ereignisse werden natürlich aus der Perspektive des jüdischen Volkes und seiner Religion geschildert. Die Zeit der Königsherrschaft ist historisch und archäologisch etwas besser dokumentiert. Ein Zitat soll die Vorstellung vom Eingreifen höherer Mächte in die Geschichte illustrieren: „In jener Nacht zog der Engel des Herrn aus und erschlug im Lager der Assyrer 185 000 Mann. Am nächsten Morgen fand man sie alle als Leichen.“(26) Ein Versuch der Assyrer, deren Imperialismus unersättlich zu sein schien, ihrem Reich eine Provinz hinzuzufügen, war also gescheitert. Der militärische Misserfolg des Gegners wird an dieser Stelle ausdrücklich auf das Eingreifen Gottes zurückgeführt. Das Alte Testament enthält viele Beispiele einer frühen Geschichtstheologie aus einer Zeit, in welcher von einer institutionalisierten Theologie und politischen Ideologie nur Ansätze vorhanden waren.

Nach diesem kurzen Ausflug in die Bibelwissenschaft können wir zur griechischen Kultur übergehen, deren älteste schriftliche Zeugnisse uns in der Form von lyrischen und epischen Dichtungen überliefert sind. Die Geschichtsschreibung war bei den alten Griechen nämlich um mehrere Jahrhunderte jünger als die Poesie (siehe Einleitung). Es muss darauf hingewiesen werden, dass ein Universalgelehrter wie Aristoteles ihr keinen hohen Stellenwert zubilligte und für die Dichtkunst weit mehr lobende Worte fand. Die meisten griechischen Dichter behandelten mythologische Stoffe, so dass ihre Werke weder unhistorisch noch unphilosophisch sind. Der Mythos hatte zwar nicht den Anspruch buchstäblich wahr zu sein, aber er formte die Vorstellung des gemeinen Mannes von der Vergangenheit, und er war oft ein Ausdruck einer tief verwurzelten Weltanschauung. Wenn der Grieche die homerischen Epen las, tat er das nicht ohne Ehrfurcht; es gab unterschiedliche Interpretationsversuche.

Die Ilias und die Odyssee sind sehr martialische Werke, in denen jedoch der rein literarische Charakter überwiegt. Einen historischen Kern kann ja sogar die moderne Belletristik haben. Es ist indes mit gutem Grund an der Frömmigkeit der uns nicht näher bekannten Dichterpersönlichkeit Homer gezweifelt worden.(27)

Bei Hesiod, dessen poetisches Werk dem Homers geradewegs entgegengesetzt ist, finden wir tatsächlich tiefe Reflexionen über das Wesen der Geschichte, die natürlich in ein mythologisches Gewand gehüllt waren. Hesiod beruft sich ausdrücklich auf seine „Dichterweihe“ durch die Musen(28) , seine Poesie ist ein Ausdruck von echter Volksfrömmigkeit und auch ein Kampf um Gerechtigkeit in einer Zeit, in welcher das Faustrecht das Leben der kleinen Leute immer wieder zerstörte. Sein Pessimismus ist einerseits zeitbedingt, andererseits ist er Ausdruck einer philosophischen Grundstimmung, die sich zu einer echten Geschichtsreflexion verdichtete. Diese Reflexion über die Entstehung des Kosmos und die Entwicklung der Menschheit entstand natürlich in einer Zeit, als es noch keine Einzelwissenschaften gab.

Es ist ein klassischer Fall von impliziter Geschichtsphilosophie, da es dem Volkspoeten Hesiod gar nicht bewusst war, dass er mit dem Mythos vom goldenen Zeitalter ein tiefsinniges und einflussreiches Vorbild für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit geschaffen hatte. Ob dieser Mythos auf orientalische Vorbilder zurückgeht, ist eine Frage, die uns nicht weiter interessieren wird. Mit Sicherheit kann man sie ohne Nachweis einer Rezeption von Motiven nicht beantworten, da auch zwei Kulturen, die durch Ozeane voneinander getrennt sind, erstaunliche Parallelen zueinander aufweisen können. Es handelt sich keinesfalls um einen moralisch indifferenten Mythos, denn die Zunahme des menschlichen Leidens wird im Zusammenhang mit einem moralischen Verfall gesehen. Das glückliche Geschlecht des goldenen Zeitalters verdiente den Segen Götter durch eine vorbildliche Lebensführung, während die Gegenwart äußerst pessimistisch betrachtet wird. Für die Zukunft wird gar eine weitere Verschlechterung des moralischen Zustandes, ja die Ausrottung des Menschengeschlechtes durch den Himmelsvater erwartet. Ich neige zur Spekulation, dass dieses Geschichtsbild unter anderem auch eine scharfe Kritik an den Machthabern seiner Zeit ist, obwohl es keinen Aufruf zu einem politischen Umsturz enthält, was einen fatalistischen, eher unterdrückten Denker überfordern würde.

Trotzdem ist dieser Mythos ein leidenschaftlicher Ruf nach Gerechtigkeit, denn auch die privaten Probleme eines unpolitischen Menschen sind für das soziale Zusammenleben nicht irrelevant. (Die mythologische Erklärung findet man in seiner Theogonie, die ich mit künstlerischer Freiheit als Göttergeschichte übersetze; sein zweites bekanntes Gedicht heißt „Werke und Tage“. Es entstand anlässlich eines Erbschschaftsstreits Hesiods mit seinem Bruder und empfiehlt dem Leser ein rechtschaffenes Leben als Landmann.) Das goldene Zeitalter ist keine reine Fiktion, da wir aus der ethnologischen Forschung wissen, dass manche Naturvölker eine wesentlich gerechtere Gesellschaftsstruktur aufweisen als die eisenzeitlichen Kriegerstämme.

Vor den Perserkriegen verspürte in Griechenland nach unserem Wissensstand kein Mensch ein sozialwissenschaftliches Interesse, was angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung nicht überraschend ist. Hesiod betrachtete die Vergangenheit also nicht als ein profanes Ereignis, sondern als ein vom Wirken der Götter erfülltes Vorstadium der Gegenwart. In den homerischen Epen hatte ein eher anonymer Dichter die Taten der Adelskaste verherrlicht, während bei Hesiod der Übergang zu einer persönlicheren, lyrischen Dichtkunst zu erkennen ist.

In den Jahrhunderten nach Hesiod, diesem mittelgriechischen Landmann, entstand die Philosophie als Naturphilosophie, das politische Leben verkomplizierte sich durch soziale Auseinandersetzungen und Parteikämpfe innerhalb der Stadtstaaten, die lyrische Poesie erreichte bis heute unübertroffene Höhepunkte.

Die ersten echten Historiker:

Ich habe schon erwähnt, dass der ständige Wandel und Parteikampf im politischen Leben ein idealer Nährboden für die Entstehung von Geschichtsschreibung, die mehr als Annalistik sein wollte, war. Die frühgriechischen Lyriker schilderten außer ihren Leidenschaften auch eine Welt voll von Raufhändeln und Gewalt.

Bei Sappho, einer vornehmen Dame, finden wir erstaunlicherweise auch eine Gegenüberstellung der Männerwelt mit der Frauenwelt.(29) Die Politik war natürlich eine Männerdomäne, doch die bloße Existenz einer Lyrikerin und einer Mädchenerziehung bezeugt die Existenz einer femininen Subkultur: Sappho wollte nicht dasselbe besingen wie ihre männlichen Kollegen. Die Frauen blieben jedoch in Geschichtsschreibung und Geschichtsphilosophie bis ins zwanzigste Jahrhundert herauf weitgehend unsichtbar. Diese weibliche Gegenwelt habe ich nicht zufällig angeführt, denn sie macht uns darauf aufmerksam, dass die Historiker an etwas erinnern wollten, dass sie für groß und ruhmreich, ja in gewisser Hinsicht für schön hielten.

Eine Darstellung des frühgriechischen Lebens ist der ideale Übergang zum Vater der Geschichte, der übrigens auch ein guter Novellist und einer der ersten Prosaschriftsteller war. Geboren wurde Herodot wahrscheinlich 484 vor Christus in einer der kleinasiatischen Griechenstädte, er wirkte aber hauptsächlich im neuen Kulturzentrum Athen, in der Stadt des Perikles und der Aspasia, und soll um das Jahr 420 gestorben sein. Die Geschichtsschreibung unterscheidet sich durch ihren Gegenstandsbereich radikal vom Mythos, der die Vergangenheit als Symbol betrachtete. Die profane Welt rückt in den Vordergrund, die menschliche Neugier beginnt sich für das reale Leben der Vorfahren und für fremde Kulturen zu interessieren. Die aufklärerischen Tendenzen, die die ionische Naturphilosophie begleiteten, waren eine notwendige Voraussetzung für das Entstehen der Historiographie. Geographie und Ethnographie ergänzen den Bericht über die Vergangenheit und dienen als Hilfswissenschaften. Man hätte ein falsches Bild von Herodot, wenn man nicht wüsste, dass er sich auch mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigte. Trotz dieses fortschrittlichen Programms wirken in der Geschichtsauffassung des kleinasiatischen Historikers höhere Gewalten, so dass ein Weltbild vorliegt, dass halb mythisch und halb rational ist. Herodot teilte nämlich die Überzeugung der meisten seiner Zeitgenossen und Vorfahren, dass die göttlichen Mächte leicht in den Verlauf der Geschichte eingreifen konnten, um den Hochmut der Frevler zu brechen und die Hybris der Großen von Grund auf zu zerstören. Man kann auch einen Schicksalsglauben nachweisen, wie er für die Griechen typisch ist und sogar bei manchen Philosophenschulen seine Spuren hinterlassen hat. Geschichtsschreibung ist selektiv und setzt einen Willen zur Konservierung des Vergangenen voraus, weshalb man sich fragen muss, welche Beweggründe es waren, die Herodot zum Niederschreiben eines unterhaltsamen Sachbuches veranlassten. Wie es sich für einen guten Autor gehört, informiert uns der Grieche am Anfang seines Werks über den Zweck, welchen er verfolgte. Herodot betont, dass es sich um die Darlegung einer „Erkundung“ handelt, womit sein Bericht über die Vergangenheit einen neuen Wahrheitsanspruch erhebt, der dem Ideal der modernen Wissenschaft näher steht als die vorangegangenen Versuche, die Vergangenheit dichterisch oder gewissermaßen buchhalterisch zu bewältigen. Um zu verhindern, dass der Ruhm der großen und glanzvollen Ereignisse verblasse, bedient man sich des Mediums der Schrift. Nicht nur die Griechen, sondern auch die Angehörigen anderer Völker sind Gegenstand seines Interesses. Wie sollte man die Heldentaten der griechischen Patrioten verstehen, wenn man die Lebensweise ihrer Gegner nicht kannte? Herodot möchte also bewusst rühmen und wird von einem ästhetischen Interesse an der Vergangenheit angetrieben. Die Griechen waren wohl daran gewöhnt, das politische Leben, so schmutzig es war, für schön zu halten. Loben und Preisen allein wären jedoch zu wenig gewesen, um die Historiographie zu dem zu machen, was sie seit dem fünften Jahrhundert vor Christus sein sollte.

Das zweite Hauptmotiv Herodots klingt etwas wissenschaftlicher:

Er wollte erklären, warum es zum Krieg zwischen Hellenen und Barbaren gekommen war.(30) Das Nationalbewusstein der staatlich getrennten, aber kulturell vereinten Griechen ist eine zweite fundamentale ideologische Voraussetzung der altgriechischen Geschichtsschreibung. Die Griechen hielten sich zwar nicht für ein auserwähltes Volk, aber sie nahmen an, dass ihre Kultur und ihre Werte besonders kostbar waren und unbedingt verteidigt werden mussten. Ein Leitmotiv Herodots ist die Unterscheidung zwischen Orient und Okzident, die zu einem Topos der europäischen Literatur und Historiographie werden sollte. Obwohl er kein politischer Denker war, nimmt er durch die Schilderung des Vergangenen und die Rede seiner Figuren indirekt Stellung. Ein Leser, der so ein Buch interpretiert, kann nicht umhin, sich mit politischen Fragen zu beschäftigen. Herodot versucht, den Unterschied zwischen der politischen Kultur der orientalischen Knechte und der der freien griechischen Stadtstaaten durch einen Dialog zwischen dem persischen absolutistisch regierenden König Xerxes und dem Griechen Demaratos zu beschreiben. Dieser erteilt dem orientalischen Despoten eine Lektion, indem er ihm erklären will, aus welchen Gründen die Hellenen tapfer sind und auch vor dem Kampf gegen eine Übermacht nicht zurückschrecken. Er betont, dass Griechenland ein armes Land wäre, wenn sich seine Bewohner nicht durch Weisheit und ein strenges Gesetz zu einer bürgerlichen Tugend beziehungsweise Tüchtigkeit hochgearbeitet hätten. Besonders lobt der hellenische Gesprächspartner die Spartaner, von denen er sagt, dass sie vor ihrem eigenen Gesetz eine größere Angst hätten als die Untertanen des persischen Großkönigs vor ihrem Regenten. Der Tragiker Aischylos beschäftigte sich ebenfalls mit den Perserkriegen, was meine These vom Aufkommen der Geschichtsschreibung als einer literarischen Gattung, die Elemente des reinen Sachbuchs oder Gebrauchstextes übernimmt, bestätigt.(31)

Ich habe mich etwas ausführlicher mit den politischen Vorstellungen des ersten bedeutenden Historikers beschäftigt, weil auch bei den Geschichtsphilosophen der Neuzeit die politische Haltung nicht ohne Einfluss auf das theoretische System blieb. Ich habe zwar bei der Besprechung der religiösen Problematik vor den Einseitigkeiten von materialistischen Denkströmungen wie dem marxistischen Reduktionismus gewarnt, doch wäre ein unpolitisches Geschichtsdenken eine Contradictio in adiecto, denn es ist die Politik, die die Geschichte gestaltet.

Herodot reflektiert nicht weiter über die Alltagsideologie des Durchschnittsgriechen, der für die Polis, die ihm alles bedeutet, und seine Freiheit in den Tod geht. Aber dieses Denken bleibt bei ihm präsent. Dasselbe gilt vom zyklischen Naturdenken, welches nicht nur Herodot, sondern auch seine Nachfolger, die im allgemeinen als fortschrittlicher gelten, übernahmen. Da dieses zyklische Naturdenken bei den Historikern im engeren Sinn nicht zum Gegenstand der Reflexion wurde, darf man es nicht als einen universalgeschichtlichen Entwurf auffassen. Der Mythos steht ja seiner Natur nach außerhalb der Zeit, aber er wurde zur Zeit Herodots schon von rationalen Denkern kritisiert.

Der Fortschrittsgedanke war lange Zeit ebenso eine unreflektierte Selbstverständlichkeit, aber auch er ist das Resultat des Zusammenwirkens von zahlreichen theoretischen Überzeugungen. Einer der Sophisten, welche sich um eine rationale Erklärung des Mythos bemühten, war Kritias. Er nahm eine gesellschaftliche Fortentwicklung an, wobei er sich den Urzustand als einen Krieg aller gegen alle vorstellte. Die allgemeine Unsicherheit hätte anschließend die Menschen dazu bewegt, sich zu Staaten mit einem Rechtssystem zusammenzuschließen. Die Furcht vor den Göttern erklärt er zu einem Instrument, das die Staatsbürger vom heimlichen Begehen von Schandtaten abhalten soll.(32)

Zu einem wirklichen Konflikt zwischen Mythos und Geschichte kam es in der Antike nicht, da es offenkundig war, dass die Mythologie nicht aus wissenschaftlichen Abhandlungen bestand. Trotz dieses friedlichen Zusammenlebens gab es viele antike Denker, die weniger mythologisch dachten als Herodot, weshalb sie ihn als einen abergläubischen und altmodischen Denker abqualifizierten.(33) Der Glaube Herodots lässt sich mit den Worten des englischen Altphilologen Aubrey de Sélincourt folgendermaßen charakterisieren: Dem Menschen sind durch die kosmische Weltordnung Schranken auferlegt, die er nicht ungestraft überschreiten darf. Also gibt es ein Moralgesetz, das gültig bleibt, obwohl sehr viel davon zeit- und kulturabhängig ist.(34)

Obgleich Herodot so parteiisch war, dass man leicht erkennt, dass er mit Athen und nicht etwa mit Sparta sympathisierte, hielt er die Weisheit der Griechen nicht für die einzige (Es war bekannt, wie viel die Griechen Babylon und Ägypten verdankten). Er ist bereit, von anderen Kulturen zu lernen. Ein großer Geschichtsphilosoph wie Hegel war in dieser Hinsicht nicht so offen, denn er hätte nicht im Traum daran gedacht, die chinesische Kultur mit wohlwollender Sympathie zu beschreiben.

Der Schicksalsglaube der antiken Welt hat sogar die Christianisierung überlebt, weil der Fatalismus eine bequeme Reaktion auf die Herausforderungen unseres Lebens ist. Bei Herodot unterliegen sogar die göttlichen Wesen dem Schicksal, das mit eherner Hand das Leben der Sterblichen segnet oder zerstört. Träume und andere Vorzeichen können die Menschen vor einer zukünftigen Katastrophe warnen, Herodot glaubt also an die Orakel und an die anderen Formen der Mantik. Es ist ein „leichter Widerspruch“, dass das Schicksal den Menschen vor etwas warnt, was ohnehin nicht verhindert werden kann.(35) Die Tatsache, dass die uns selbstverständliche Vorstellung von der Willensfreiheit mit der Herrschaft des Schicksals nicht ohne weiteres vereinbar ist, kam weder Herodot noch den frühgriechischen Philosophen zu Bewusstsein. Vermutlich war die Polisgesellschaft nicht so individualistisch, dass dieses Problem in voller Schärfe aufgetreten wäre.

Was die Methode betrifft, muss betont werden, dass ein Erklärungs- und Wahrheitsanspruch vorhanden ist, obwohl in den Text des historischen Geschichtswerks auch rein fiktionale Elemente eingeflochten sind. Deshalb finden wir in den Historien sogar Hinweise auf die Quellentexte und Vorlagen. Herodot bezog sich auf Dichtertexte und die Autoren geographischer und völkerkundlicher Berichte, z. B. auf Hekataios von Milet ( von ca. 560/ 550 bis 500/ 494 vor Christi Geburt). Wie die modernen Zeithistoriker verlässt Herodot sich auch auf mündliche Informationen und Dolmetscher. Die Zuverlässigkeit der Quellen ist eine methodische Frage, die so trivial ist, dass ich sie nicht weiter erörtern muss. Eine übernatürliche Inspiration nimmt er dagegen nicht in Anspruch, so dass die Vergangenheitsbetrachtung in fast jeder Hinsicht säkularisiert worden ist. Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass zum ersten Mal ein Text den Anspruch erhebt, die Vergangenheit zu beschreiben, ja dass es im Text auch Bemühungen gibt, diesen Anspruch intersubjektiv und rational zu begründen.(36) Obwohl die politische Geschichte bei Herodot und den meisten antiken Schriftstellern im Vordergrund steht, findet man auch Fragestellungen, welche wir heute mit Hilfe von kulturwissenschaftlichen Methoden als Kulturgeschichte behandeln. Um nur ein Beispiel herauszugreifen, beschäftigt er sich mit der Ethnogenese des Volkes, dem er angehörte. Denn es war den Griechen aus der mündlichen Überlieferung bekannt, dass vor ihnen das Volk der Pelasger ihre Sitze innegehabt hatte. Über die Sprache der Pelasger wusste er allerdings nichts; ja wir wissen über diese Frage trotz der Entdeckungen der Archäologen auch nicht wesentlich mehr als Herodot.(37) Der positivistische Philosoph Moritz Schlick vermisste einen Erkenntnisfortschritt in der Philosophie, als Philologe muss ich hinzufügen, dass die Historiker an dieser Forderung des Wiener Kreises kläglich scheitern würden. (38, Siehe Einleitung)

Die Geschichtsschreibung entwickelte sich in der Antike weiter, aber das philosophische Niveau der Autoren erhöhte sich nicht wesentlich, auch wenn sophistisches oder rationalistisches Gedankengut rezipiert wurde.

Bei Thukydides ( um 460 - 400 ) hat sich die Darstellung der Vergangenheit geändert, sein Text besteht aus reportageähnlichen Segmenten und vielen direkten Reden. Obwohl keine mythologischen und novellistischen Exkurse vorkommen, kann man nicht einmal dieses Buch wörtlich nehmen. Vieles beruht auf Spekulationen des Autors, man darf beispielsweise nicht erwarten, dass ein zuverlässiger Informant die Reden des Perikles mitstenographiert hätte. Er beschränkt den Gegenstandsbereich der Geschichtsschreibung, denn sein Werk handelt nur von einem einzigen Krieg, was ein großer Unterschied zu Herodot ist. Dadurch gewinnt seine Arbeit einerseits an wissenschaftlicher Genauigkeit, andererseits geht die Gesamtschau der Vergangenheit verloren. Er wusste das natürlich genau, aber er hielt die entfernte Vergangenheit für unbedeutend. Dieses Desinteresse könnte auch die Einseitigkeit eines primär an der Tagespolitik interessierten Menschen sein. Trotz dieses Nachteiles muss man zugeben, dass erst der Athener Politiker die kritische und objektive Erforschung der Vergangenheit mit psychologischen Methoden und einem pragmatischen Interesse kultiviert hat. Hegel, auf den dieser Abschnitt meiner Diplomarbeit vorbereiten soll, bezeichnete Thukydides sogar als den Gewinn, den die Menschheit vom Peloponnesischen Kriege gehabt hat.(39) Dieser Krieg war nicht nur eine Fehde zwischen zwei Stadtstaaten, solche Kleinkriege hatte es vorher viele gegeben. Für Thukydides war er insbesondere deshalb interessant, weil er auch eine Auseinandersetzung zwischen Aristokraten und Demokraten, also zumindest latent ein Bürgerkrieg innerhalb verschieden organisierter Formen von Stadtstaaten war.(40) Implizite Geschichtsphilosophie enthält „Der Große Krieg“ in Form von anthropologischen Annahmen; diese legt Thukydides auch den Protagonisten seines Buches in den Mund.

Auf Herodot bin ich so ausführlich eingegangen, weil die Einführung der Kausalität in die Geschichtsschreibung die Geschichte als Wissenschaft erst möglich gemacht hat. Diese Kategorie der Kausalität hat Thukydides schon als etwas Selbstverständliches übernommen, so dass auch sein Bericht über das politische Leben der jüngsten Vergangenheit eine Darstellung der Interaktion der historisch Handelnden, ein Geflecht der unterschiedlichsten Aktivitäten, die sich im Geschichtsprozess niederschlagen, eben eine Erkundung der wichtigeren vergangenen Ereignisse ist.

Was den Erklärungsanspruch betrifft, war das literarische Schaffen des Thukydides kaum ein Fortschritt. Eher war seine Einstellung zur Wahrheitsfrage ein Fortschritt, denn erst allmählich wurde den Wissenschaftlern der Unterschied zwischen Fiktion und Fakten, der heutzutage jedem selbstverständlich ist, voll bewusst. Diese Trennung ist schwer durchzuhalten, da auch in den exakten Wissenschaften ein sprachlicher Bericht über ein einmaliges Ereignis verfasst werden muss. Bei der Interpretation der Vergangenheit, bei der Darstellung des Allgemeinen gerät man leicht in Versuchung, die Details so auszuschmücken, dass man einen Text erhält, der die eigenen Erwartungen befriedigt. Thukydides war sich dieses Problems wahrscheinlich sehr wohl bewusst. Deshalb hat man ihn immer wieder wegen seiner methodischen Klarheit gelobt. Er verzichtete auf sensationelle Schauergeschichten und bemühte sich um eine auch in den einzelnen Episoden glaubhafte Darstellung der Vergangenheit. Ein Verzicht auf die dichterische Freiheit, was Inhalt und Ausdruck betrifft, ist meiner Ansicht nach keine notwendige Konsequenz des Wahrheitsanspruchs der Geschichtsschreibung; ohne Interpretation würde das Geschichtsbuch vielmehr zu einer chronikartigen Ansammlung von Fakten degenerieren.

Von einem modernen Historiker erwartet sich jeder wissenschaftlich Gebildete, dass er den Leser darauf hinweist, wo er interpretiert hat und wo er nur referiert. Die Rationalität des Glaubens an einen bestimmten Verlauf der Vergangenheit wird trivialerweise durch die Kohärenz möglichst vieler voneinander unabhängiger Quellen, z. B. Augenzeugenberichte, gesichert.

Thukydides gehörte jedoch einer Kultur an, die sich von der unseren essentiell unterscheidet, weshalb er trotz seines hohen methodischen Bewusstseins nicht in allen Details zuverlässig ist. Was seine Vorstellung vom Ablauf der Zeit betrifft, ging er auch nicht über seinen Vorläufer Herodot hinaus, den ich als weltanschaulich extrem konservativ charakterisiert habe. Der kleinasiatische Grieche hatte sogar das Wort Kreislauf verwendet, das den modernen Sozialwissenschaftlern zur Bezeichnung einer zyklischen Zeitvorstellung dient. Diese Vorstellung scheint für Thukydides ziemlich selbstverständlich gewesen zu sein. Sie steht nicht in Widerspruch zur Vulgärpsychologie des Durchschnittsmenschen, da wir jeden Tag von der Annahme ausgehen, dass die Zukunft der Vergangenheit ähneln wird. Wenn die Griechen nicht mehrheitlich diese erkenntnisoptimistische Überzeugung geteilt hätten, hätten sie keinen Grund gehabt sich für die Geschichte mehr zu interessieren als die anderen Völker. Obwohl Thukydides keine religiösen Ansichten vertritt, geht er von einer konstanten Menschennatur aus, so dass das Geschehene für das Gegenwärtige und das Künftige lehrreich sein kann. Einerseits ist dieses zyklische Zeitverständnis konservativ, andererseits besteht ein großer Unterschied zwischen der mythologischen Zeit und der historischen Zeit, welche nun von einer neuen literarischen Gattung als belangreich proklamiert wird. Ein Mensch, der auch ein Geschichtsbuch gelesen hat, wird eine andere Zeitvorstellung haben als ein Mensch, der nicht weiß, wie relativ seine Umwelt ist. Auf diesem Fortschritt hat die historische Kultur des „Abendlandes“ gebaut.

Thukydides hat in seinem Werk auf eine Kulturgeschichte weitgehend verzichtet, wodurch in unserer Kultur die von mir beklagte Verengung des Geschichtsbegriffs veranlasst wurde. Hegel hielt die Kultur zwar für die Manifestation des objektiven Geistes, den Begriff Geschichte schränkte er aber meistens dennoch auf das Politische ein. Für Hegel ist die Geschichte die Wissenschaft von der Entwicklung des Staates, die wie alle anderen Wissenschaften Gesetze aufstellen kann. Die Evolution der Gattung Geschichtsschreibung war an die Entwicklung des Staates und der Zivilisation gekoppelt. Das Politische erregte die Gemüter der alten Griechen. Es musste ganz anders als philosophische oder ästhetische Fragen erörtert werden. In einer Welt, die säkularisierter war als die Stammesgesellschaften, wurde den Menschen die Bedeutung des bewussten Handelns klar. Wer erlebt hat, dass er ein Gesetz ändern kann, weiß, was Geschichte ist. Insbesondere waren die Extremsituationen von Krieg und Bürgerkrieg im Unterschied zur alltäglichen Harmonie Gegenstand der Berichterstattung: Dasselbe Phänomen lässt sich in den heutigen Medien beobachten. Der Kriegsbericht zwingt den Autor zu einer Stellungnahme, da man im Krieg nicht leicht neutral bleiben kann. Vom Kriegsbericht, der die Helden pries, war der Weg nicht weit zur Nationalgeschichte, die heute noch die Herzen der Jugend vergiftet, indem sie Verbrechen zum legitimen Mittel der Staatspolitik erklärt.

Die Athener zur Zeit des Peloponnesischen Krieges waren sehr stolz auf die Heldentaten ihrer Vorfahren, insbesondere auf den Sieg über die Perser. Sie hatten also bereits ein Polisbewusstsein, das dem modernen Nationalbewusstsein entspricht. Im „Großen Krieg“ wird die Eroberung von Melos beschrieben, die Athener rechtfertigen einen Aggressionskrieg gegen eine von Dorern bewohnte Insel mit dem Recht des Stärkeren. Von diesem nehmen sie an, dass es naturgegeben ist, die Natur des Menschen scheint es zu verlangen.(41) Vor und nach dem Überfall auf Melos hatten die griechischen Dichter, vor allem die Fabeldichter, darauf hingewiesen, dass das Recht des Stärkeren Unrecht ist. In diesem sachlichen Buch ( Thukydides ) wird der moralische Tadel aber nur angedeutet. Der Leser muss selbst ein ethisches Urteil fällen, wenn er als Politiker oder Privatmann aus der historischen Literatur lernen will. Thukydides hatte noch kein universalpolitisches Konzept, das heißt, er hatte keine Vorstellung von einem Ziel der Geschichte.

Die christlichen Historiker haben auf den altgriechischen Gedanken über einen Idealzustand aufgebaut, aber es wird zu zeigen sein, dass sie durch ihre Heilserwartung dem Glauben fast aller anderen Kulturen widersprachen. Hegel konnte es wagen, die Geschichte zu analysieren, weil er die Natur für vom Geist gesetzt hielt. Die Geschichte ist bei ihm Teil eines kosmischen Mysteriums, das erst dem schwäbischen Philosophen offenbart wurde. Die Griechen hätten über diesen Kosmos, der langsam aus dem Schlaf erwacht, wahrscheinlich gelacht. Die Hegelsche Verknüpfung von Evolution und Heilsgeschichte geht direkt auf die moralische Weltordnung Herodots und des alten Testaments zurück. Der Kosmos der Griechen musste ein statisches Element enthalten, sogar Heraklit nimmt ein Weltgesetz an, ohne von Entwicklung zu sprechen. Erst der Fortschrittsglaube machte die Vergangenheit zu etwas Überwundenem und führte zu einer Überbewertung der Geschichtswissenschaft.

Bei Plato und Aristoteles nimmt die Reflexion über die Geschichte einen untergeordneten Stellenwert ein, weil erst die Übertragung von theologischen und naturwissenschaftlichen Vorstellungen auf das Forschungsgebiet der Historiker ein System wie das hegelsche ermöglichte. Platos Gedankensystem ist sogar prinzipiell ahistorisch, weil die Ideenlehre eine ontologische und zeittranszendente Basis für Natur- und Sozialphilosophie liefert, die den Aufbau der praktischen Philosophie prägt. Der Fortschritt scheint ausgeschlossen zu sein, da eine Nachahmung der Ideen immer eine unvollständige Imitation des Urbildes bleiben muss. Plato stand der Entwicklung von höheren Formen aus niedrigeren überhaupt ablehnend gegenüber. Dennoch ist es denkbar, dass es einen Fortschritt in Form einer Annäherung an die Vollendung der Ideenwelt gibt, dieser Möglichkeit steht die pessimistische Variante einer Degeneration des Seienden gegenüber. Dass der Fortschrittsgedanke der Antike nicht fremd war, erkennt man an vielen Stellen des sophistischen und atomistischen Schrifttums; ich erinnere an die Staats- und Religionstheorie des Kritias. Der schon von Hesiod beklagte Sittenverfall blieb ein Gemeinplatz der antiken Moralisten und überlebte die Christianisierung.(42)

Plato weigerte sich, die Philosophie von der Praxis des Menschen als eines politischen Wesens zu trennen. Er war davon überzeugt, dass der Philosoph, der die Geheimnisse des Universums betrachtet, auch bei der Gestaltung der Polis viel zum Besseren verändern könne. Diese utopistische politische Philosophie ist so aktuell, dass ich mir erlaube, sie im Rahmen der Geschichtsphilosophie des eben vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts darzustellen. Die Geschichte ist bei Plato aber nie Selbstzweck, sie dient vielmehr der Erläuterung der Staatsphilosophie und ist eher schematisch. Genau dieselbe Fragestellung behandelt Aristoteles, der allerdings die Frage nach der besten Verfassung mit Hilfe von empirischen Methoden beantworten wollte.

Ich muss immer wieder betonen, dass es ohne Zeitvorstellung auch kein Geschichtsdenken gibt. Plato wollte die Zeit in sein idealistisches System integrieren, weshalb man sich die platonische Zeit als ein „Abbild der Ewigkeit“ (Angehrn) vorstellen muss. Was dem Kreislauf von Werden und Vergehen unterliegt, ist nicht überzeitlich. Die Welt des Werdens wird im naturphilosophischen Dialog „Timaios“ als Schöpfung begriffen. Der Schöpfungsgedanke führt aber keinesfalls automatisch zu einer Aufwertung der Geschichte. Plato bleibt dem Kreislaufdenken verhaftet, und in den pessimistischen Passagen erscheint die Zeit als Abweichen vom Weg der Ewigkeit. Pointiert formuliert, ist die Geschichte ein Betriebsunfall. Denn die Ordnung der Ideen ist ewig und perfekt. Die antiken Philosophen schauderten vor der Formlosigkeit zurück. Gerade dieser Wille zur perfekten Form verhinderte, dass sie das Kreislaufmodell aufgaben.

Hegel verkehrte diesen antiken Gedanken ins Gegenteil, indem er die Natur für nur ungenügend gestaltet hielt und gerade die Geschichte als die Epoche der Formgebung auffasste. Aristoteles befasste sich nicht nur mit dem Menschen als zoon politikon, das heißt mit der Sozialphilosophie, sondern auch mit den Schriftdokumenten seiner Kultur. In seiner Poetik ist nicht nur die Ästhetik und Texttheorie entwickelt, nein, auch über die Geschichtsschreibung wird theoretisiert. Der Geschichtsschreiber wird natürlich vom Dichter unterschieden, weil er sich mit dem Besonderen, wie es sich wirklich ereignet hat, beschäftigt.

Aristoteles macht auf die Tatsache aufmerksam, dass der Historiker beschreibt, was sich zu einer bestimmten Zeit abspielte. Dabei ist gerade das Ungewöhnliche und Zufällige erzählenswert. Vom Zufall kann es aber keine Wissenschaft geben, weil er ja keinen Regelmäßigkeiten und Gesetzen unterliegt. Aristoteles warnte also vor der Überschätzung der literarischen Gattung der „Faction“, ohne jedoch von den neuzeitlichen Sozialwissenschaftlern beachtet zu werden.(43)

Nach der Klassik, das heißt in den Epochen des Hellenismus und der römischen Kaiserzeit, ist keine fundamentale Weiterentwicklung des historischen Denkens festzustellen. Die Römer übernahmen die Gattung der Geschichtsschreibung sowie die Methoden des Thukydides, obwohl gewisse italische Eigenarten vorhanden sind.

Polybios lebte im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeit ( er starb nach 120 ), als die Römer sich anschickten, den griechischen Osten ihrem Herrschaftsbereich einzuverleiben. In seinen historischen Studien geht es um die Frage nach der besten Verfassung, wodurch auch der Sieg der römischen Republik gegen ihre Feinde erklärt werden soll. Er war ein Mann der Praxis, aber er begann, am zufälligen Charakter der historischen Ereignisse zu zweifeln. Denn die politischen Veränderungen folgen gewissen Gesetzmäßigkeiten. Dieser Gedanke steht nur bei wenigen antiken Autoren im Vordergrund. Die Verfassungsformen Aristokratie, Monarchie und Demokratie sowie ihre Entartungen hatte freilich schon Aristoteles beschrieben, der ja im empirischen Arbeiten sehr fortschrittlich war. Den Verfall jener drei prinzipiell guten Staatsformen versucht Polybios durch das Nachlassen der bürgerlichen Tugenden der Regierenden zu erklären. Dieses Schema ist ein Musterbeispiel des Kreislaufdenkens, wie es in der Neuzeit noch Renaissance- und Barockdenker vertreten haben. Denn auf den Verfall der Sitten und der Politik folgt eine ethische Reinigung, so dass ein geschlossener Formenkreislauf vorliegt. Es ist auffällig, dass zur Zeit des Hellenismus schärfer zwischen Politik und Ethik unterschieden wurde als zuvor.Wie Plato verstand auch Polybios politische Theorie als eine Ratgeberin der Praxis. Deshalb empfiehlt er die Einrichtung einer gemischten Verfassung, welche die positiven Elemente von Königs- Adels- und Volksherrschaft miteinander verbindet. Dieses Verfassungsideal sieht er im Sparta Lykurgs und in Rom, wo sich nach den inneren Wirren der Ständekämpfe eine Verfassung mit Ansätzen einer Gewaltenteilung ausgebildet hatte, verwirklicht.(44) Auch die Tyrannen, die Rom später regieren sollten, hielten an der äußeren Form der Mischverfassung fest. Man kann also sagen, dass die offizielle Ideologie der Kaiserzeit die Verkörperung eines scheinheiligen Konservatismus ist.

Die christlichen Denker:

Durch die Übernahme des Christentums, dessen Anspruch auf Exklusivität ein Novum in der antiken Welt mit ihren unzähligen Kulten war, wurde das politische und historische Denken vor neue Herausforderungen gestellt. Die antiken Autoren hatten zwar Religion und Politik vermischt, aber erst das Christentum führte zu einer Verknüpfung von Geschichte mit dem Heil, da das eschatologische Denken der Zeitlichkeit eine neue Dimension gab. Alle unsere Erlebnisse sind zeitlicher Natur. Die Behauptung, dass die Gegenwart nicht so wichtig sei, weil das Heil in der Vergangenheit in die Welt gekommen sei und sich in der Zukunft vollenden werde, wäre eine überspitzte Formulierung der christlichen Heilserwartung. Die Übertragung von theologischen Vorstellungen auf das Geschichtsdenken führt zu dessen Aufwertung. Augustinus war einer der sogenannten Kirchenväter, wobei seine Bedeutung für die Geschichte der Philosophie auf seiner Rezeption in Westeuropa und auf seiner Thematisierung der Zeit beruht.

Zu Lebzeiten des Augustinus war die katholische Kirche zwar eine vom Staat unterstützte Organisation, ja sie wurde auch zur offiziellen Staatsreligion, aber sie befand sich in einer Auseinandersetzung mit anderen religiösen Gruppen, die ihre Eigenart um keinen Preis aufgeben wollten. Die Notlage der Völkerwanderungen und der Fall Roms im Jahr 410 zwangen den Bischof von Hippo Regius zu einer Beschäftigung mit der Zeitgeschichte. Er wehrte sich gegen eine Übernahme der antiken Vorstellungen von der Geschichte als Kreislauf und zweifelte auch an vielem, was den alten Römern als Tugend gegolten hatte. Die Wiederholungen des antiken Kosmos erscheinen dem Verteidiger der Orthodoxie sinnlos und unmoralisch. Nur das radikal Neue der Zukunft, auf die die Katholiken warten, ermöglicht ihm Hoffnung. Auch der Niedergang Roms bestätigt sein christliches Geschichtsbild.(45) Andere Theologen vertraten eine sogenannte Reichstheologie, die besagt, dass die christlichen Kaiser tatsächlich zu einer weltlichen Verwirklichung der christlichen Religion beitragen könnten. Augustinus stand diesem Gedanken reserviert gegenüber, obwohl er als Bischof auch weltliche Aufgaben hatte. Er leugnete ohne Zögern einen Fortschritt im Bereich des Irdischen, womit das Staatskirchentum relativiert war. Das Staatskirchentum ist bekanntlich bei den Orthodoxen und den Protestanten stärker ausgeprägt als bei den Katholiken. Hegel hielt den Staat für heilig.

Das Theodizeeproblem war den Denkern bewusst geworden, da viele religiöse Gruppen, zum Beispiel die Manichäer, die Existenz des radikal Bösen thematisierten. Hegel ging von der These aus, dass die Welt an sich schon versöhnt sei. Für ihn war also die Geschichte selbst das Wirken des Messias, wenn man seine Geschichtsphilosophie in religiöse Begriffe übersetzen darf. Um zu dieser radikal dialektischen Lösung zu kommen, musste er mehrere Traditionen verbinden. Der Gedanke der Erlösung verliert bei ihm den übernatürlichen Charakter. Augustinus war im Zuge seiner theologischen Auseinandersetzungen geradezu dazu gezwungen, Geschichtsphilosoph zu werden. Die Kirche musste sich rechtfertigen, weil sie zur Stütze der herrschenden Ideologie geworden war und weil ihre Heilsversprechungen nicht in Erfüllung gingen. Die Politik der herrschenden christlichen Kreise des vierten und fünften Jahrhunderts widerspricht meinen ethischen Überzeugungen und meiner seelischen Intuition. Augustinus sah das natürlich anders als ich: Er wollte zeigen, wie die weltliche Geschichte und ihre Schandtaten mit dem Wirken des göttlichen Heils verknüpft sind. Die Erwartung einer endgültigen Erlösung der Welt durch die Wiederkunft des Heilands war, wie erwähnt, auch bei ihm präsent, doch stand sie nicht so im Vordergrund.

Die evangelikalen Gruppen, etwa die Zeugen Jehovas, legen einen wesentlich größeren Wert auf den Krieg Gottes gegen das ungerechte System der Dinge. Die Anhänger der Wachtturmgesellschaft sind der Ansicht, dass die politischen und religiösen Umstände der heutigen Welt ein reines Chaos sind, welches man mit der babylonischen Sprachverwirrung vergleichen kann. Die Geschichtsphilosophie der Zeugen Jehovas ist einfach: Sie glauben, dass die Mächte und Religionen der Welt dem Untergang geweiht sind; in der Geschichte ihrer Religionsgemeinschaft, so glauben sie, haben sich die biblischen Prophezeiungen zu erfüllen begonnen.(46)

Die Geschichtsphilosophie des Augustinus rezipiert aber nicht nur die Bibel, sondern auch die philosophische Tradition der Antike. Die griechischen Philosophen waren sich in ihren Debatten nicht darüber einig, was wir unter Zeit zu verstehen haben. Die einflussreichste und beste Theorie stammt von Aristoteles, der die Zeit in sein Kategoriensystem einbaute. Die aristotelische Zeit ist ein objektives Maß für die Dinge als Grundlage der Veränderungen. Bei Augustinus stand aber der modischere Platonismus stärker im Vordergrund, eine objektive Zeit hätte den Kirchenmann nicht restlos befriedigt. In seiner Autobiographie, den Bekenntnissen, untersucht Augustinus unser Zeiterlebnis. Während Plato noch an eine Ähnlichkeit zwischen Zeit und Ewigkeit glaubte, betont Augustinus, dass das Zeitliche und das Ewige qualitativ verschieden sind. Der Ewigkeit versucht er sich anzunähern, indem er uns an unser Gegenwärtigkeitserlebnis erinnert. Sie bleibt aber allen Vergleichen unzugänglich. Der Mensch soll sie sich nicht als eine unendlich lange Zeit vorstellen, weil die Vergangenheit nicht mehr und die Zukunft noch nicht real ist. Die Gegenwart, die wir im täglichen Leben als solche empfinden, ist ja eigentlich nur ein unvorstellbar kurzer Augenblick zwischen den Schluchten der schicksalhaften Vergangenheit und dem Abgrund einer ungewissen Zukunft. Die christliche Zeitphilosophie gibt der Geschichte als dem zeitlichen Wandel des Menschenwerks eine neue Bedeutung. Augustinus und die meisten Christen vertreten sogar die Vorstellung, dass die Welt einen Anfang gehabt hätte. Dies ist angesichts einer objektiven Zeit eine widersprüchliche Vorstellung, da man eine Zeit vor der Zeit annehmen müsste. Für die subjektive Zeit des Augustinus ist dieser Widerspruch kein Problem, weil dieses Zeiterlebnis durch das Wunder der Ewigkeit ergänzt wird. Diese Zeit hat erst mit dem Schöpfungsakt begonnen, vor ihr aber war Ewigkeit. Ohne Ewigkeit aber kann sich Augustinus kein wahres Glück beziehungsweise Heil vorstellen. Die Zeit zählt zu den Geschöpfen Gottes; wer das Weltall erschaffen kann, wird an der Zeit nicht scheitern. Die Dauer erfassen wir mit einer räumlichen Metapher als lange Zeit, für Augustinus ist sie nur eine relative Vorstellung der irrenden Menschheit. Entscheidend ist die Gegenwart, denn das Vergangene kennen wir aus der Erinnerung und über die Zukunft wissen wir nichts, sondern vertrauen unseren Ahnungen.(47)

Deshalb gibt es eine katholische Zukunftserwartung, aber keine Prognose. Die Zukunft ist keine Wiederholung des Bisherigen, sondern die Möglichkeit des radikal Anderen.

Was die christliche Geschichtsschreibung betrifft, glaube ich, von einem Primat der Gegenwart sprechen zu dürfen. Das Vergangene soll erzählt werden, weil es wichtig für den gegenwärtigen Kampf der Kirchen um die geistige Vorherrschaft ist. Über die Zeit reflektierte Augustinus in seiner Autobiographie, über die Geschichte aber im Buch, das er „Gottesstaat“ ( lateinisch: civitas dei ) nannte. Seine Geschichtsphilosophie ist zeitgeschichtlich motiviert und hat das Ziel, Propaganda im Sinne der katholischen Konzilskirche zu betreiben. Um den religiösen Kern der Geschichte, der den Katholiken in der Offenbarung gegeben ist, baut er eine Universalgeschichte auf. Der Gedanke einer Universalgeschichte ist nicht ganz neu, da viele antike Völker von einer Mission ihrer Nation ausgingen. Aber erst die Missionsreligion, die die Welt von der Schöpfung bis zum jüngsten Gericht erklären will, schafft eine Totalität der Geschichte und vermehrt das Vergangene, das um keinen Preis vergessen werden darf.

Der Kosmopolitismus wurde bereits wesentlich früher von der Stoa, einer hellenistischen Philosophenschule, vertreten, was aber nicht mit der Vorstellung einer Heilsgeschichte verbunden war. In der Zeit nach Hegel sollte Wilhelm Dilthey, der die Existenz der Geisteswissenschaften rechtfertigen wollte, das Christentum für die Voraussetzung eines genuin historischen Bewusstseins halten. Es wäre aber ein Missverständnis, wenn man die Aufwertung der Geschichte durch Augustinus überschätzte. Denn das Ziel des christlichen Lebens ist die Überwindung von Natur und Geschichte, die Befreiung von der determinierenden Macht der historischen Fakten ist ein integraler Bestandteil der Erlösung. Die Geschichte scheint vielen Denkern, die sich an der Philosophie des Augustinus orientieren, wichtiger zu sein als der Kosmos. Trotzdem ist die Geschichte letztlich nur die Geschichte der Sünde, denn der asketische Gedanke bleibt im Vordergrund.(48)

Im „Gottestaat“ wird ausführlich dargelegt, dass der Staat nicht aus frommen Motiven, sondern aus Egoismus gegründet wurde. Die Staaten seiner Feinde erscheinen ihm als Räuberbanden, deren Wertvorstellungen bloß ein Loblied auf tüchtige Verbrecher singen. Der Brudermörder Kain wird im alten Testament als der Gründer einer Gemeinschaft bezeichnet. Somit konnte der Kirchenvater zeigen, dass auch seine staatskritische, aber nicht staatsfeindliche oder umstürzlerische Theologie eine Interpretation des biblischen Erbes darstellt. Der Menschenstaat ist ein sündhaftes Gebilde: Es ist kein Wunder, dass jeder nach eitlem Ruhme strebt. Die Herrschgier und die Ruhmsucht sind Ausdruck der Vermessenheit des Menschen; sie sind Symptome für die Tatsache, dass er Gott nicht kennt.

Im Gottestaat, das heißt für den überzeugten Christen in der Kirche als sichtbarer Organisation, soll es anders sein. Die Herrschenden sollen ihre Untertanen lieben, und Ruhm und Weisheit sollen in der Anbetung des wahren Gottes bestehen. Ich erlaube mir die provokante Frage, ob nicht gerade die Aufstellung des Ideals eines Gottesstaats das Theodizeeproblem verschärft. Denn die Intrigen und Verleumdungen der Menschen, ihr Hass und ihre Heuchelei sind eine Realität, die einen am moralischen Fortschritt zweifeln lässt. Die meisten Christen gingen ja davon aus, dass eine Harmonie zwischen dem Glauben und dem politischen Leben möglich, ja bereits historisch verwirklicht sei. Dieser Friede ist aber nur bedingt, wie ich schon wiederholt bemerkt habe. Augustinus legt Wert darauf, dass die Bürger des Gottesstaates Fremdlinge auf Erden bleiben.(49) Ich bin sehr ausführlich auf Augustinus eingegangen, weil er ein Musterbeispiel für eine Synthese der religiösen und der politischen Sphäre bei einem Übergewicht der ersteren ist. Es wäre ein Thema für sich, seinen Standpunkt mit dem der anderen Kirchenväter oder mit dem der Scholastiker zu vergleichen.

Das Mittelalter werde ich nur mit wenigen Worten behandeln, weil die Geschichtsschreibung weitgehend aus banalen Chroniken bestand und die Philosophie doch im Dienste der Theologie stand. Die Geistlichen dominierten sicherlich das Geistesleben, auch wenn reiche Laien ihre Gedanken in literarischen Werken verewigt haben. Da das Erziehungssystem fest in den Händen der Kirche war, blieb das Denken theologisch geprägt. Das Geschichtsbild des Mittelalters war ein christliches, obwohl die Beschäftigung mit den Klassikern niemals ganz zum Erliegen kam.

Die Auseinandersetzungen aus der Zeit des Augustinus waren noch im Hochmittelalter sehr aktuell. Das Übel in der Welt musste immer wieder erklärt werden. Wie im christlichen Römischen Reich hielten sich auch im feudalistischen Europa die Monarchen und die christliche Hierarchie für die Stellvertreter Jesu auf Erden. Die Auseinandersetzung zwischen der weltlichen und der geistlichen Gewalt führte im Mittelalter zu einem Parteienstreit, der jedoch im Rahmen einer christlichen Scholastik blieb. Von Ketzerei konnte keine Rede sein, es handelte sich eher um schismatische Bewegungen, die doch die zentralen Dogmen und teils auch die Hierarchie anerkannten.

Die Renaissance war noch sehr mittelalterlich, denn sie war das Resultat des Bildungsideals der Lateinschulen des Mittelalters. In den italienischen Stadtrepubliken galt das feudalistische Mittelalter als eine dunkle Epoche, die ein Rückschritt gegenüber dem Römischen Reich war. Die Renaissancephilosophen, zum Beispiel Machiavelli, dachten, ihre Zeit sei ein radikaler Bruch mit dem Mittelalter. Deshalb konnten sie sich die Geschichte nicht als kontinuierlichen Fortschrittsprozess vorstellen, so dass sie in ein zyklisches Denken zurückfielen. Das entsprach auch ihren klassizistischen Neigungen.(50)

In der frühen Neuzeit hatte sich die politische und gesellschaftliche Situation grundlegend verändert. Der Wohlstand und die Auseinandersetzungen der Tagespolitik führten zu einem verstärkten Schaffen der Historiker. Die Kirchenspaltung der sogenannten Reformationsjahre ( 1530/ 1550 ) und das zunehmende Nationalbewusstsein schufen eine Nachfrage nach Propaganda und politischer Theorie. Insbesondere das siebzehnte Jahrhundert führte zu einer Reihe von Bürgerkriegen, die teilweise ideologisch motiviert waren. Unter einem ideologisch motivierten Krieg verstehe ich eine bewaffnete Auseinandersetzung, deren Beteiligte sich nicht nur aus materiellen oder Prestigegründen, sondern auch aus ideologischen, zum Beispiel ethnischen oder konfessionellen, Gründen befehden.

Der Name Thomas Hobbes darf in meiner Darstellung nicht fehlen, obwohl auch er kein echter Geschichtsphilosoph war, da er sich wie Plato mit der Frage einer möglichst guten Verfassung beschäftigt. Dieser Engländer war Anglikaner und Monarchist, ja Anhänger des Absolutismus, was sich in seinen extrem konservativen gesellschaftstheoretischen Ansichten niederschlug. Das Ziel des Staates sieht er in der Sicherung eines Zusammenlebens, das wirklich lebenswert ist und ein ethisches Handeln (im Sinne seiner Konfession) ermöglicht. Die politische Wissenschaft soll also die Verwirklichung der Forderungen der Ethiker ermöglichen.

Zur Zeit von Hobbes hatten die Mathematiker und Naturwissenschaftler aber auch ein neues Methodenideal aufgestellt. Seit Francis Bacon, Galileo Galilei und René Descartes war es die Aufgabe der exakten Wissenschaften, mit Hilfe der Mathematik akkurate Gesetzesaussagen zu machen und damit die Beherrschung der Natur zu ermöglichen. Hobbes war beeindruckt und wollte die geometrische Beweisführung auf die Ethik übertragen. Denn die Wissenschaften vom Menschen bauen auf der Ontologie und der Physik auf, also sollten sie helfen, Bürgerkriege zu verhüten. Gerade das Naturrecht begründet den Staat als legitime Organisation, so dass man die Geschichte als einen Kampf gegen den natürlichen Menschen und seine destruktiven Triebe interpretieren kann. Dem dient die Erzählung ( Sie ist ein nicht empirisches Modell der Vergangenheit) vom Gesellschaftsvertrag, die Jean Jacques Rousseau und John Locke in einem politisch freisinnigen und optimistischen Geist umdeuten sollten.


[...]

(1) In der Literatur und in der Philosophie wirkte schon die bloße Beschreibung dieser Grausamkeiten als Korrektiv einer optimistischen Geschichtsauffassung. Die Geschichtsphilosophie wurde zur Zeit Voltaires intensiver betrieben als je zuvor. Seine Verachtung für einen naiven Optimismus, der unsere Welt für die beste hält, drückte er in einem Abenteuerroman aus. Im Candide geht es um legales Unrecht, wie dieses Zitat zeigen wird: Es war ein Avarendorf, das die Bulgaren nach den Bestimmungen des Völkerrechts niedergebrannt hatten. Hier mußten aus tausend Wunden blutende Greise mit ansehen, wie ihre erwürgten Frauen noch im Sterben ihre Kinder an die blutenden Brüste preßten. Dort hauchten Mädchen mit aufgeschlitzten Bäuchen ihre letzten Seufzer aus, nachdem einige Helden ihre natürlichen Bedürfnisse an ihnen befriedigt hatten. Andere, die halb verbrannt waren, flehten schreiend um den Gnadenstoß - und ringsum bedeckten Gehirne und abgehauene Arme und Beine den Boden. Da Voltaire die Heuchelei und das Verbrechen erlebte, tendierte er dazu, einen gesunden Skeptizismus zu vertreten. Man merkt leicht, dass Voltaire auch Rousseaus Heilmittel, der Natur, misstraute. Siehe: Voltaire, Candide oder der Optimismus, Insel Taschenbuch, Leipzig,1992, S. 19.

(2) In meinem Mittelschullehrbuch wird den Schülern die Geschichtsphilosophie als die Frage nach dem Sinn der Geschichte präsentiert. Zunächst soll der Schüler seine enge Vorstellung von Geschichte erweitern. Schließlich gehört es ja zur Allgemeinbildung, aus dem Positiven und aus dem Negativen der Vergangenheit gelernt zu haben. In einer Demokratie muss sich ein junger Erwachsener mit der Frage beschäftigen, was seine politische Philosophie ist. Der Geist der Knechtschaft widerspricht dem Wesen unserer Verfassung. Siehe:Liessmann und Zenaty, Vom Denken, Braumüller, Wien, 1996, S. 113 ff.

(3) In unserem Jahrhundert hat sich der Mediziner und Psychotherapeut Viktor Frankl mit der Frage nach dem Sinn beschäftigt. Diese stellt sich angesichts der anachronistischen Barbarei besonders dringend. Auch den Verwöhnten stellt sie sich als Reaktion auf die Sinnlosigkeit seiner Position und den inhaltsleer programmierten Ablauf seiner Tätigkeit. Es fragt sich, ob der Fortschritt zum Glück beiträgt oder, ob es sich um eine reine Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten ohne Bezug auf unsere fundamentalen Bedürfnisse handelt. Siehe: Viktor Frankl, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn, Piper Verlag, München, 1997, S. 202.

(4) Ich beziehe mich auf einen Text aus dem Sammelband „Was ist Philosophie?“ Jaspers war selbst ein bedeutender Geschichtsphilosoph, obwohl der Existenzialismus als Strömung eher individualistisch orientiert ist. Allerdings kann sich auch der Einzelne dem Geschichtsprozess nicht entziehen. Die Erfahrungen, die bei Jaspers und in der philosophischen Tradition als Motive für das Philosophieren genannt werden, haben, wie die meisten aus der eigenen Lebenserfahrung wissen, auch die Geschichtsdenker zu ihrer Tätigkeit angeregt. Quelle: Kurt Salamun, Was ist Philosophie?, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1992, S. 57 ff.

(5) Es ist innerhalb des Gedankengebäudes von Jaspers nur konsequent, dass er das Auftreten von philosophischen Problemen im Kindesalter nicht stillschweigend übergeht. Dem habe ich mich in der Einleitung angeschlossen, indem ich darauf hinwies, dass die Kinder sehr früh beginnen, historisch zu denken. Denn das menschliche Leben ist kulturell bestimmt. Jaspers schildert in einem anderen Text das kindliche Interesse an tiefschürfenden philosophischen Fragen. Quelle: Kurt Salamun, Was ist Philosophie?, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1992, S. 52/ 53.

(6) In der Geschichte der Philosophie hat es aber Versuche gegeben, die Veränderlichkeit als Sinnestrug aufzufassen und alle Vorgänge im Rahmen eines im Prinzip statischen Universums zu erklären. Ein Beispiel aus der Zeit des klassischen Altertums ist die Philosophenschule der Eleaten mit ihren Vertretern Parmenides und Zenon. Das historische Denken wird im allgemeinen von einer statischen Kosmologie nicht befruchtet. Eine Abwertung der vergänglichen Dinge führt auch zu einem Desintersse an der Geschichte. Die meisten Sozial- und Geschichtsphilosophen setzen eine wandelbare Welt im Sinne Heraklits, des Gegenspielers der Eleaten, voraus. Obwohl er persönlich eher konservativ war, musste er sich mit der Realität des sozialen Wandels auseinandersetzen. Da er in der Naturphilosophie ebenfalls dynamisch dachte, machte ihm die Zeitgeschichte in den uns bekannten Fragmenten keine Probleme. Siehe: Karl R. Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1992, S. 16 ff.

(7) Siehe: Georg Lukács, Geschichte und Klassenbewusstsein, Luchterhand, Darmstadt und Neuwied, 1970, S. 282 ff.

(8) Siehe: ebenda, S. 59 ff.

(9) Siehe: Helmut Skowronek, Umwelt und Begabung, Ullstein ( Erscheinungszeit und -ort nicht zu ermitteln ), S. 5 ff.

(10) Siehe: Ernst Topitsch, Vom Ursprung und Ende der Metaphysik, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1972, S. 253 ff.

(11) Siehe: Bernd- Olaf Küppers, Der Ursprung biologischer Information, Piper, München, 1986, S. 165 ff.

(12) Schon in der Aufklärung machten sich neben dem fortschrittlichen Gedankengut totalitäre Restbestände breit. Das Bekenntnis zu Toleranz und Humanität war ein Fortschritt, der nicht leicht zu verwirklichen war. Die Übernahme des Naturrechts bewirkte, dass man weiterhin gesellschaftliches Unrecht als naturgegeben hinnahm. Alte, bis in die Antike zurückreichende metaphysische Inhalte wurden nur geringfügig verändert und übernommen. Dennoch war in der Aufklärung der Rückschritt in eine geschlossene Gesellschaft nicht angelegt. Es gab ja auch die mächtige Bewegung der Gegenaufklärung. Siehe: Ernst Topitsch, Vom Ursprung und Ende der Metaphysik, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1972, S. 283 - 300.

(13) Schopenhauer grenzte sich bewusst vom optimistischen, den Staat verherrlichenden Gedankengut seines Zeitgenossen Hegel ab. Er war sogar so pessimistisch, dass er sich für eine konservative Geisteshaltung entschied. Dadurch verliert die Tätigkeit in der Welt an Wert, denn die Verneinung des Lebenswillens wird zum Ideal erhoben. Der Kunstgenuss, welcher ja kein selbstsüchtiges Vergnügen ist, wird zum Vorbild für eine Einstellung zur Welt. Für eine kollektivistische Fortschrittsideologie bleibt kein Platz. Siehe: Kurt Schilling, Geschichte der sozialen Ideen, Krönerverlag, Stuttgart, 1957, S. 330 ff.

(14) Siehe: Malte Hossenfelder, Der Wille zum Recht und das Streben nach Glück, Verlag C. H. Beck, München, 2000, S. 199 ff.

(15) Siehe: ebenda, S. 181 ff.

(16) Das Versagen der Fortschrittsideologien ist nach 1945 von vielen Denkern thematisiert worden. Die Verbrechen unseres Jahrhunderts waren viel zu sinnlos, um sie für eine List der Vernunft im Sinne Hegels zu halten. Der postmoderne Denker Lyotard drückte das allgemeine Misstrauen gegen die Fortschrittsideologien aus. Er bezeichnete diese sogar als Metaerzählungen. Laut ihm muss auch die Frage nach der Gerechtigkeit neu gestellt werden, da eine einseitige Gerechtigkeitsvorstellung den Keim des Terrors in sich trägt. Siehe: Bernd Lutz, Die großen Philosophen des 20. Jahrhunderts, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1999, S. 300/ 301.

(17) Das von mir erwähnte Buch ist der Band 15 der Serie Grundkurs Philosophie und bietet einen historischen und systematischen Überblick über die Geschichtsphilosophie. Ich habe mich bemüht, meine Darstellung durch den Vergleich mit dem Standardwerk abzurunden. Ich habe mich bei der Endauswahl der besprochenen Theorien von einem persönlichen Interesse für das wirkmächtige Geschichtsdenken leiten lassen. Siehe: Emil Angehrn, Geschichtsphilosophie, Kohlhammer, Stuttgart, 1991, S. 9 -16;

(18) In der Sozialphilosophie Rousseaus, der allerdings nicht an den welthistorischen Fortschritt glaubte, kann man exemplarisch die Vermischung von totalitärem und demokratischem Gedankengut nachweisen. Die französische Revolution führte zwar zur Verkündung von erstrebenswerten Prinzipien, doch hielten sich die Republikaner in den Wirren der Revolutionszeit selbst nicht an die Menschenrechte. Bei Robespierre wird die Nation, das Volk geradezu zu einer Ersatzreligion, was durch die philosophischen Phrasen nicht überdeckt werden konnte. Siehe: Friedrich Sieburg, Robespierre, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1963, S. 30.

(19) Siehe: Karl R. Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1992, S. 6 /7.

(20) Siehe: ebenda, S. 288.

(21) Die akademischen Lehrstühle für Geschichte sind relativ jung, da der philosophische beziehungsweise theologische, philologische und juristische Lehrbetrieb wesentlich länger in die Universitätsgeschichte zurückreicht. Natürlich entstanden auch im Mittelalter viele historische Chroniken, diese standen jedoch nicht im Zentrum des Geisteslebens. Ansätzen zu einer historischen Forschung mit Quellenkritik begnen wir in der frühen Neuzeit. Im Barock wurde der Ruf nach einer institutionalisierten Geschichtsschreibung, die die Dynastie, den Glauben und das Vaterland verherrlichen sollte, lauter. In meiner Geburtsstadt Graz wurde die Lehrkanzel für Geschichte erst im Jahre 1729 ins Leben gerufen. Quelle: Karl - Franzens - Universität, Verzeichnis der Lehrveranstaltungen / Bulletin 3/ 2001, S. I / 19.

(22) Das Srimad - Bhagavatam ist ein episch philosophischer und literarischer Klassiker der Hindus. Es steht in der Tradition der vedischen Sanskrittexte. Über die Geschichte des vorislamischen Indiens wissen wir sehr wenig, da in der indischen Kultur auf die Aufzeichnung des vergänglichen Geschehens kein großer Wert gelegt wurde. Quelle: His Divine Grace A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada,Srimad- Bhagavatam, The Bhaktivedanta Book Trust Vaduz, 1983, S. 523.

(23) Die Kriegsführung war durch den Einsatz neuer Technologien wesentlich effektiver, im Sinne von mörderischer, geworden, als sie es in der Steinzeit gewesen war. Nachdem bereits die Domestizierung des Pferdes ein Fortschritt gewesen war, ermöglichte die Eisentechnologie die Produktion von billigen Angriffswaffen. Siehe: John Keegan, die Kultur des Krieges, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, S. 343 ff.

(24) Einem Menschen, der sich ernsthaft mit dem Walten der kosmischen Kräfte beschäftigt, kann es nicht verborgen bleiben, wie absurd all seine Bilder und Gleichnisse notwendigerweise sind. Der Theist kann schwerlich darauf beharren, dass wir in der besten aller Welten leben. Seine Behauptung, Gott sei gut, wird schnell zu einem sinnlosen Satz, da sie jeden Bezug zum normalen Sprachgebrauch verliert. Die enge Bindung der Moral an die Religion entspricht dem religiösen Empfinden aller Menschen. Tatsächlich will der magisch denkende Mensch, dass ihm Gott bei seinem unrechten Tun beisteht. Das religöse Erlebnis lässt sich nicht auf die Moral reduzieren.

In einer moralistisch geprägten Epoche musste die Frage nach der Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Güte stärker in den Vordergrund rücken. Die meisten christlichen Denker vertrösten auf das Jenseits. Vergleiche: Gustav Wyneken, Abschied vom Christentum, Szczesny Verlag, München, 1963, S. 75 ff. und S. 228 ff.

(25) Siehe: Arnold Gehlen, Sozialpsychologie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1957, S. 73.

(26) Der Kampf der jüdischen Könige gegen die expandierenden Assyrer ist auch in nicht biblischen Quellen bezeugt. Er war die ernsthafteste Bedrohung für die selbständige Entwicklung des jüdischen Volkes seit dem Auszug aus Ägypten. Im Buch Könige wird insbesondere auch die psychologische Kriegsführung des assyrischen Königs Sanherib beschrieben. Die Entscheidung führt Gott direkt durch seine Engel herbei. Siehe: Manfred Barthel, Was wirklich in der Bibel steht, Ullstein, Frankfurt, 1982, S. 200.

(27) Gerade die homerische Darstellung der Götter als einer Gruppe von unsterblichen, aber unvollkommenen menschenähnlichen Wesen rief den Spott zahlreicher Griechen, die mehr oder weniger „religiös“ waren, hervor. Die modernen Religionswissenschaftler versuchen, diesen Mythos als das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung zu erklären. Diese bemühen sich auch um eine Abgrenzung des echten Mythos von eher literarisch und philosophisch angehauchten Texten. Es gibt schwer beweisbare Hypothesen über ein Matriarchat im heutigen Griechenland etc. Da Moral und Religion nicht immer Hand in Hand gehen, können wir diesen Mythos als ehrliche Projektion einer kriegerischen Zeit verstehen. Siehe: Robert von Ranke - Graves, Griechische Mythologie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1984, S. 10 ff.

(28) In der Theogonie beschreibt er seine „Berufung“ mit folgenden Worten: Diese Göttinnen haben eines Tages Hesiod schönen Gesang gelehrt, wie er die Schafe weidete, am Hang des gotterfüllten Helikon. Dichtertexte schreibe ich fortlaufend, da die deutschen Übersetzungen nicht wie gebundene Sprache, sondern wie rhythmische Prosa wirken. Der Dichter schreibt also sehr persönlich und enthüllt uns auch seine Biographie. Er war zwar kein Philosoph, aber seine Gedanken waren tief genug, dass er die Vergangenheit und ihr Verhältnis zur Gegenwart zu erfassen versuchte. Quelle: Marion Giebel, Sappho, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1991, S. 20 / 21.

(29) Das Sapphofragment lautet: Die einen sagen: eine Truppe von Reitern, andere wieder: Fußvolk oder eine Flotte von Schiffen sei auf der dunklen Erde das Schönste -ich aber sage: das, was jeder lieb hat. Sie negiert also die Alleingültigkeit der aristokratischen Männerwelt und ihrer ästhetischen Ideale. Wenn die Kultursphäre, welcher Sappho angehört, dominiert hätte, hätten die antiken Historiker sich für andere Themen interessiert. Siehe: ebenda, S. 53.

(30) Angehrn fragt sich, ob die ersten Historiker neue Wirklichkeitsdimensionen erschlossen, ja einen neuen Erkenntnisstand entdeckten, indem sie ihr Interesse der Vergangenheit zuwandten. Ich habe diese Fragen zu lösen versucht, indem ich eine von ihm zitierte Anfangspassage von Herodot analysierte. Diese lautet: Dies ist die Darlegung der Erklärung (historie) des Herodot von Halikarnass, auf dass weder, was von Menschen geschehen mit der Zeit verblasse noch große und ruhmreiche Werke, die von den Griechen wie Barbaren hervorgebracht wurden, ruhmlos werden, vor allem aber aus welchen Gründen/ durch welche Schuld (aitia) sie miteinander in Krieg gerieten. Quelle: Emil Angehrn, Geschichtsphilosophie, Kohlhammer, Stuttgart, 1991, S. 17.

(31) Rudolf Bultmann versuchte, das Urchristentum als eine von mehreren antiken Religionen zu beschreiben. Er analysiert das Christentum als ein synkretistisches Phänomen, das vom griechischen und vom jüdischen Erbe geprägt ist. An einer Stelle erwähnt er auch Herodot, dessen Weltbild sich überhaupt in vielen Zügen mit dem der Tragiker deckt. Quelle: Rudolf Bultmann, Das Urchristentum, Rowohlt, München, 1962, S. 100.

(32) Ich beziehe mich auf eine Übersetzung dieses Sophisten ins Kroatische Siehe: Boris Kalin, Povijest Filozofije, Skolska knjiga, Zagreb, 1990, S. 214.

(33) A. D. Sélincourt, Brockhaus, Wiesbaden, 1967, Die Welt Herodots, S. 348.

(34) ebenda, S.23.

(35) ebenda, S. 55.

(36) Herodot, Historien, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1991, S. XI.

(37) ebenda, S. 28 ff.

(38) Schlick dachte, die Philosophie müsse sich für ihre Existenz rechtfertigen, weil sie keinen überprüfbaren Erkenntnisfortschritt vorweisen könne. Sehr viele Einzelwissenschaften, vor allem die historischen Wissenschaften, haben aber genau dasselbe Problem. Siehe: Salamun, Was ist Philosophie, J. C. B. Mohr, Tübingen, 1992, S. 13.

(39) Thukydides, Der große Krieg, Alfred Kröner, Stuttgart, 1940, S. IX ff.

(40) Die parteipolitischen Kämpfe innerhalb der einzelnen Stadtstaaten passten nicht in das ideologische Bild der Polis als einer harmonisch geordneten Gemeinschaft der Bürger und der von ihnen Abhängigen im Rahmen der kosmischen Gesamtordnung. Es hatte zwar schon jahrhundertelang politische Auseinandersetzungen bis hin zum Bürgerkrieg gegeben, aber sie radikalisierten sich zur Zeit des Thukydides. Er schildert, wie der Respekt vor dem Sakralen und den Familienbanden der Parteileidenschaft untergeordnet wird. Er verwendet das Wort Rohheit, aber keinen Ausdruck wie Frevel. Siehe: ebenda, S. 70/ 71.

(41) Die Athener wiesen die Melier gemäß Thukydides sogar darauf hin, dass eine Unterwerfung angesichts der Kräfteverhältnisse nicht unehrenhaft, sondern vernünftig sei. Daran kann man erkennen, dass das fünfte Jahrhundert vor unserer Zeit nicht von überlieferten Tabus geprägt war. Athener und Melier hatten eine populäre Vorstellung vom Geschichtsverlauf. Siehe: ebenda, S. 88/ 89.

(42) CF: Lexikon der Antike, Gondrom, Bayreuth, 1985, S. 189/ 90.

(43) CF: Angehrn, Geschichtsphilosophie, Kohlhammer, Stuttgart, 1991, S. 35 - 44.

(44) Siehe: Herfried Münkler, Machiavelli, Fischer, Frankfurt am Main, 1985, S. 121 ff.

(45) ebenda, S. 67 ff.

(46) Siehe: Weltweite Sicherheit unter dem Fürsten des Friedens, Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, Selters/ Taunus, 1986, S. 29/ 30 und S. 67.

(47) Siehe: Augustinus, Bekenntnisse, Buchclub Ex Libris, Zürich, 1970, S. 309 -331.

(48) Siehe: Angehrn, Geschichtsphilosophie, Kohlhammer, Stuttgart, 1991, S. 45 - 56.

(49) Siehe: Henri Marrou, Augustinus, Rowohlt, Hamburg, 1991, S. 109 - 113.

Details

Seiten
183
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783656289029
ISBN (Buch)
9783656290803
Dateigröße
4.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202500
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Geschichtsphilosophie Erörterung der Probleme Vergleich geschichtsphilosophischer Systeme Persönliche Kritik und Stellungnahme von Voltaire bis Fukuyama

Autor

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Titel: Geschichtsphilosophische Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts: Erörterung, Vergleich und Kritik