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Der Kampf um Anerkennung: Sozial erwünschte Formen der Missachtung

Seminararbeit 2012 19 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

1 Anerkennung und Missachtung im alltäglichen Sprachgebrauch

2 Gibt es sozial erwünschte Formen der Missachtung?
2.1 Die Dimensionen der Anerkennung nach Axel Honneth
2.1.1 Liebe
2.1.2 Recht
2.1.3 Solidarität
2.2 Die korrespondierenden Dimensionen der Missachtung
2.2.1 Vergewaltigung
2.2.2 Entrechtung
2.2.3 Entwürdigung
2.3 Mögliche sozial erwünschte Formen der Missachtung
2.3.1 Mediale Entwürdigung
2.3.2 Strafe und Resozialisierung
2.3.3 Der moderne Pranger: Eine berechtigte Entwürdigung?

3 Fazit und Ausblick

Literatur

1 Anerkennung und Missachtung im alltäglichen Sprachgebrauch

Die zentralen Begriffe dieser Arbeit - jener der ‚Anerkennung‘ und jener der ‚Missachtung‘ - entstammen dem alltäglichen Sprachgebrauch, werden in der Theorie etwa Axel Honneths1 jedoch eindeutiger definiert verwendet.

Im Alltag kann vieles anerkannt werden: Leistungen eines Arbeitnehmers oder einer Hausfrau, die Rechte eines Tieres, die Legitimation des Museumsbesuchers als Student. Ebenso können viele Formen der Missachtung ausgemacht werden: Ein Verkehrszeichen wird missachtet, die Urheberrechte an einer digitalen Datei, die Gleichberechtigungsansprüche einer Frau.

Eine soziologische Theorie der Anerkennung und Missachtung muss hier zunächst eine Kategorisierung anbieten - Honneths Theorie tut dies, wie in dern Kapiteln 2.1 für die Anerkennung und 2.2 für die Missachtung ausgeführt werden wird.

Erst hierdurch kann verdeutlicht werden, worauf die Theorie abhebt und welche Deutungen sie vorschlägt. So stellt sich manchem Leser bei der Lektüre von Honneths „Kampf um Anerkennung “ die Frage, ob denn alle Formen der Anerkennung gut und nützlich, dem Individuum und der Gesellschaft zuträglich sind, und ob dies im Gegenzug auch für die Missachtung gilt: dass sie nämlich immer moralisch und funktional negativ zu bewerte, dem Einzelnen und der Gemeinschaft abträglich ist.

2 Gibt es sozial erwünschte Formen der Missachtung?

Denn zunächst stellt sich ja die Frage, weshalb Missachtung praktiziert wird, weshalb sie geduldet wird, sofern sie keinen funktionalen Nutzen erfüllt. Sofern sie aber eine Funktion erfüllt, also einen sozial gewollten Nutzen liefert, schließt sich die Frage an, ob es denn eine sozial erwünschte Form oder mehrere Formen der Missachtung gibt und welche Rolle diese genau in der Gesellschaft erfüllt.

Honneth selbst macht in „Kampf um Anerkennung “ eine Funktion aus, die ich als sozial-transformatorisch bezeichnen möchte.

In solchen Gefühlsreaktionen der Scham kann die Erfahrung von Mißachtung2 zum motivationalen Anstoß eines Kampfes um Anerkennung werden. Denn die affektive Spannung, in die das Erleiden von Demütigungen den Einzelnen hineinzwingt, ist von ihm jeweils nur aufzulösen, indem er wieder zur Möglichkeit des aktiven Handelns zurückfindet; daß diese neueröffnete Praxis aber die Gestalt einer politischen Gegenwehr anzunehmen vermag, ergibt sich aus den Chancen der moralischen Einsicht, die in jenen negativen Empfindungen unverbrüchlich eingelassen sind.

[...]

[O]b das kognitive Potenzial, das den Gefühlen der sozialen Scham und des Gekränktseins innewohnt, zu einer politisch-moralischen Überzeugung wird, hängt empirisch vor allem davon ab, wie die politisch-kulturelle Umwelt der betroffenen Subjekte beschaffen ist - nur wenn das Artikulationsmittel einer sozialen Bewegung bereitsteht, kann die Erfahrung von Mißachtung zu einer Motivationsquelle von politischen Widerstandshandlungen werden.3

Diese von Honneth betrachtete Funktion impliziert, dass das missachtete Individuum versucht, sein direktes Umfeld oder aber, in Fom von „politischen Widerstanshandlungen“, das große Umfeld der Gesellschaft umzuformen versucht, um sich die ihm verwehrte Anerkennung zu sichern.

[...]


1 Vgl.[3].

2 In den Zitaten wird die alte Rechtschreibung beibehalten, ohne dass jeweils gesondert etwa durch ein [sic] darauf hingewiesen wird.

3 [3], S. 224f.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656284475
ISBN (Buch)
9783656284703
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202595
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
anerkennung missachtung solidarität recht liebe honneth axel honneth anerkennungstheorie

Autor

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