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Die Entwicklung guter Theorien – Qualitätsmerkmale und methodische Empfehlungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 23 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Organisationstheorien und wozu braucht man sie?

3. Gute Theorien

3.1 Aktuelle Dimensionen für theoretische Beiträge

3.2 Gap-Spotting (Lücken-Entdecken)

3.3 Problematization (Problematisierung)

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Current Dimensions for Theoretical Contribution

Abb. 2 Problematization Methodology and Its Key Elements

1. Einleitung

Was ist eine Theorie? Wenn im Alltag von einer Theorie die Rede ist, bezieht es sich meist auf unsichere Erkenntnisse oder Vermutungen. Das hat mit der wissenschaftlichen Definition aber kaum etwas gemeinsam. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff Theorie ein Konzept zur Beschreibung der Welt. Das Wort selbst stammt aus dem Griechischen „theorein“ und bedeutet ursprünglich beobachten, betrachten, schauen. Damit gemeint war die Betrachtung der Wahrheit durch reines Denken unabhängig ihrer Realisierung.1

Aber was stellt eine Theorie heutzutage in einem wissenschaftlichen Kontext dar?

Es gibt viele Antworten und nur wenige Übereinstimmungen, nämlich einen Mangel an Einigkeit was eine Theorie genau bedeutet. Ein ganz treffendes Zitat aus dem Jahre 1990 stammt von Gioia und Pitre: „Theory is a statement of concepts and their interrelationships that shows how and/ or why a phenomenon occurs.“2 Eine produktivere Frage um diese Thematik deutlicher zu machen, wäre aber beispielsweise: Was ist ein theoretischer Beitrag und vor allem, was ist ein nützlicher theoretischer Beitrag? Teil des Problems, das flüchtige Konzept der theoretischen Beiträge abzugrenzen ist, dass Organisations- und Managementstudien ein vielseitiges Feld sind und noch dazu eins mit vielen Beteiligten.3 Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine Übereinstimmung von theoretischen Beiträgen gibt oder es diese überhaupt geben kann?

In dieser Arbeit soll nicht die Suche nach der „einen“ Theorie erfolgen, sondern vielmehr der Frage nachgegangen werden, was zu der Entwicklung von nützlichen theoretischen Beiträgen und guten Organisationstheorien führt. Welche Qualitätsmerkmale lassen sich identifizieren und welche methodischen Empfehlungen herausarbeiten?

Einführend wird zunächst die Thematik der Organisationstheorien im Allgemeinen behandelt, um ein erstes Verständnis für diesen Wissenschaftsbereich zu erlangen. Dazu wird erkläret, was Organisationstheorien überhaupt sind und wozu man sie in unserer Gesellschaft und im alltäglichen Leben braucht. Im nächsten Abschnitt sollen die Organisationstheorien etwas genauer betrachtet werden, um Indikatoren für gute und nützliche Theorien zu bestimmen. Anschließend werden einige

Methoden, die sich im Laufe der Zeit für die Entwicklung interessanter Theorien etabliert haben, untersucht. Beginnend mit der Erklärung der aktuellen Dimensionen für theoretische Beiträge, wird dann zu der Methodik des weit verbreiteten GapSpotting übergegangen und abschließend die nicht sehr verbreitete Art Forschungsfragen zu bilden, die Problematization/ Problematisierung betrachtet. Dabei werden Vor- und Nachteile dieser Methodiken herausgearbeitet und Empfehlungen für zukünftig noch interessantere Theorien herausgefiltert. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist, die Art und Weise, wie die zugrundeliegenden Annahmen bestehender Theorien bei den einzelnen Methodiken analysiert, artikuliert und kritisiert werden.

2. Was sind Organisationstheorien und wozu braucht man sie?

Menschen bewegen sich täglich in Organisationen und erleben diese als Systeme von impliziten und expliziten Regeln, die dazu dienen Verhaltenserwartungen an die Mitglieder der Organisation zu kommunizieren.4

Neben diesen Regeln existieren meist auch eine klare Hierarchie und bestimmte Zielvorgaben. Organisationen dienen demnach zur Koordination der Handlungen der einzelnen Individuen, der Steigerung der Effizienz sowie der Herrschaftssicherung.5 Die Organisation ist folglich ein wichtiges Instrument, um Handlungen aufeinander abzustimmen, und die Aktivitäten zu einer logischen Gesamtheit zu vereinen. Organisationstheorien hingegen ermöglichen es uns, das Entstehen, das Bestehen, den Sinn und Zweck, den Wandel und die Funktionsweisen von Organisationen besser zu verstehen und zu erklären.6

Zur Theoriebildung werden Annahmen aufgestellt, die in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. Sobald dieses Gesamtkonzept einen Teilbereich der Wissenschaft umfasst, spricht man von einer Theorie. Im Rahmen einer Theorie treten Gesetzmäßigkeiten, Schlussfolgerungen und Prognosen über einen Gegenstand auf, die einen Vergleich der Theorie mit der von ihr beschriebenen Realität erlauben. Von diesem Vergleich ausgehend, kann der Anwendungsbereich bestimmt werden. Dadurch dienen Theorien dem Zuwachs an Wissen über die Welt.7

Organisationstheorien versuchen demzufolge allesamt auf verschiedene Weise, stetig die Organisationspraxis zu verbessern, indem sie sich durch systematische Vorgehensweisen und Nachvollziehbarkeit von einfachem Alltagswissen unterscheiden.

Wenn man sich mit dem Fachgebiet der Organisation beschäftigt, muss man jedoch feststellen, dass es „die eine“ Theorie gar nicht gibt, sondern eine Vielzahl verschiedener Theorien existieren, die selbst bei genauer Betrachtung nur wenig gemeinsam haben und in sehr vielen Fällen sogar widersprüchlich zueinander sind. Doch warum gibt es so viele verschiedene Organisationstheorien und warum können sich die Wissenschaftler nicht auf einen Konsens einigen?8

Ein Grund hierfür ist, dass die verschiedenen Organisationstheorien die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Akteuren, der Umwelt und vielen weiteren Faktoren untersuchen. So kann man beispielsweise die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Individuen und der Organisation, der Gruppe und der Organisation oder der Organisation und der Umwelt betrachten. Des Weiteren ist es möglich sich eher auf die Organisationsstrukturen und -prozesse, die Organisation und alternative Koordinationsformen oder die Rolle von Machtprozessen zu konzentrieren.

Je nachdem, mit welcher Analyseeinheit sich die Wissenschaftler beschäftigen, unterscheidet man zwischen Mikrotheorien, Mesotheorien und Makrotheorien. Die Mikrotheorien ergründen das Verhalten von Individuen in Organisationen. Die Mesotheorien versuchen das Verhalten ganzer Organisationseinheiten und deren Strukturen zu erklären, und die Makrotheorien widmen sich den Beziehungen zwischen den Organisationen.

Ein anderer Grund dafür, dass es schwierig ist, sich auf „die eine“ Theorie zu einigen ist, dass jeder der vorherigen Teilaspekte aus ebenfalls verschiedenen theoretischen Perspektiven betrachtet werden kann.9

Organisationstheorien dienen der Reflexion der Organisationspraxis. Sie fragen danach, wie die Organisationspraxis betrieben wird und wie sie betrieben werden sollte.

Aber was sind dann die Indikatoren für nützliche Organisationstheorien? In der Literatur finden sich auch hierzu unterschiedliche Auffassungen. So wird beispielsweise die Ansicht vertreten, dass die Organisationswissenschaft sich derzeit noch in einem „unreifen“ Forschungsstadium befindet.10

Dies kann jedoch überwunden werden, indem „bewährte“ Theorien systematischen Tests unterworfen werden, sodass schließlich ein Kern gesicherten Wissens herausgearbeitet werden kann.11

Seit den 70er Jahren wurden die Organisations- und Verwaltungstheorien kontinuierlich weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang konnten u.a. beachtliche Fortschritte hinsichtlich der empirischen Überprüfbarkeit erzielt werden.12 Die empirische Verifizierung oder Falsifikation ist ebenfalls ein wichtiges wissenschaftliches Kriterium für die Beurteilung der Güte einer Theorie.13

3. Gute Theorien

„Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie.“14 Eine gute Theorie ist deshalb praktisch, weil sie wissenschaftlich fundierte Antworten auf unternehmensspezifische Fragen bereitstellt und somit den Berufsstand des Managers erforscht.15

Ein wichtiger Aspekt, warum eine Theorie der anderen vorgezogen wird, ist das subjektive Empfinden des Entscheidungsträgers. Dementsprechend würden Theorien, die in keinster Weise nachvollziehbar sind, in der Praxis keine Anwendung finden.

Folglich kann schon das einfache Hinzufügen einer neuen Variablen unser Verständnis eines Phänomens verändern.16 Das veränderte Verständnis kann sowohl positive als auch negative Folgen haben. Nicht selten führt die Berücksichtigung zusätzlicher Variablen zu steigender Komplexität und folglich zu mangelnder Verständlichkeit.

Wie sehr der Fortschritt bei der Verarbeitung von Wissen erforderlich ist, zeigt sich darin, dass nützliche Beiträge immer dann entstehen, wenn Theorien das offenbaren, was man ansonsten nicht gesehen, gewusst oder sich vorgestellt hätte. Mit anderen Worten ermöglichen neue Theorien Phänomene tiefer, fantasievoller und unkonventioneller zu betrachten, wo man eigentlich dachte, sie bereits verstanden zu haben. Theorien bringen schließlich nichts, es sei denn, dass sie am Anfang Änderungswahrnehmungen hervorrufen d. h. überraschen.17

3.1 Aktuelle Dimensionen für theoretische Beiträge

Das Verfassen theoretischer Beiträge mittels bereits existierender Literatur soll in zwei Dimensionen strukturiert werden, Originality und Utility. Das Bestreben hierbei ist eine Änderung der Art und Weise, wie sich Gelehrte diesen Dimensionen nähern.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Current Dimensions for Theoretical Contribution, Quelle: GIOIA/ CORLEY (2011), S. 15

Für ein besseres Verständnis was, die Dimensionen Originality und Utility bedeuten, ist es notwendig, diese in zwei weitere Unterkategorien zu unterteilen. Die Dimension Originality, was sich am besten mit Neuheit übersetzen lässt, wird in folgende Unterkategorien eingeteilt: Incremental (Zuwachs), d.h. Neuheiten schaffen ein zusätzliches Verständnis und Revelatory (Aufschluss), d.h. Neuheiten die Aufschluss geben oder eine Form der Enthüllung darstellen.

[...]


1 vgl. SANDERS/ KIANTY (2006), S. 10.

2 vgl. GIOIA/ PITRE (1990).

3 vgl. GIOIA/ CORLEY (2011), S. 12.

4 vgl. SCHERER (2006), S. 19.

5 vgl. KIESER/ WALGENBACH (2010), S. 29.

6 vgl. KIESER/ WALGENBACH (2010), S. 29.

7 vgl. SANDERS/ KIANTY (2006), S. 10.

8 vgl. SCHERER (2006), S. 20.

9 vgl. SCHERER (2006), S. 20-21.

10 vgl. PFEFFER (1993)/ MCKELVEY (2004).

11 vgl. ALBERT (1980), S. 47 ff; Opp/Wippler (1990).

12 vgl. ARGWAL/ HOETKER (2007).

13 vgl. KIESER/ WALGENBACH (2010), S. 62.

14 LEWIN (1951), S. 486.

15 vgl. VAN DE VEN (1989), S. 486.

16 vgl. WHETTEN (1989), S. 4939.

17 vgl.MINTZBERG (2005), S. 361.

18 vgl. Gioia/ Corley (2011), S. 15.

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656287032
ISBN (Buch)
9783656287933
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202610
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Management und Unternehmensführung
Note
2,0
Schlagworte
entwicklung theorien qualitätsmerkmale empfehlungen
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