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Das E-book: Mehr als nur ein wenig praktischer

Eine Untersuchung der Effekte des E-books auf die Gesellschaft

Seminararbeit 2009 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Momentane und zukünftige Entwicklung
2. 1 Was verbessert das neue Medium bzw. was verstärkt/ermöglicht/beschleunigt es?
2. 2 Was wird verdrängt oder obsolet gemacht durch das neue Medium?
2. 3 Was macht das Medium wieder aktuell, das früher obsolet gemacht worden war?
2. 4 Was löst das Medium aus, wenn es bis zu seinem Extrem überzogen wird?

3 Zusammenfassung

4 Quellenangabe

1 Einleitung

Vor noch nicht allzu langer Zeit sah es eher so aus, als ob das Medium E-book gescheitert wäre. Ein sehr überschaubares Angebot an Titeln, viel zu teure Geräte und lizenz- und kopierschutzrechtliche Probleme haben dafür gesorgt, dass sich viele Anbieter aus dem Geschäft zurückgezogen und das E-book für quasi tot erklärt haben. Seitdem hat die Branche dazugelernt. Die Reader wurden billiger, praktischer zu bedienen und vor allem hat sich das Angebot an aktuellem Lesestoff enorm vergrößert. Großkonzerne auf dem Büchermarkt, allen voran Amazon.com mit dem Kindle, haben mittlerweile eine Vielzahl aktueller Titel im Angebot und zunehmend werden Bücher gleichzeitig als Papier- und Elektronikversion veröffentlicht. Das hat dazu geführt, dass das E-book mittlerweile eine viel breitere Akzeptanz am Markt hat. Es hat jedoch momentan eher noch den Status einer etwas ‚hipperen‘, mitunter praktischeren Alternative zum normalen Buch. Vor allem bei Fachbüchern ist es relativ weit verbreitet, da es hier vor allem auf den Inhalt ankommt und die immer zitierten subjektiven Eigenschaften des Papierbuches wie Haptik, Geruch, usw. eher unwichtig sind. Auch die Möglichkeit, Texte zu aktualisieren und untereinander zu verlinken ist bei dem sich heute ständig verändernden Wissenstand von Vorteil. Das E-book macht das Lesen also zurzeit lediglich etwas praktischer, bringt für die meisten Menschen aber keine weiteren Veränderungen mit sich.

Die Änderungen, die das E-book für die Gesellschaft bringen wird, sind allerdings viel tiefgehender. Laut Marshall McLuhans Medientheorie ist das Einbringen einer neuen Technologie in eine Gesellschaft „vergleichbar mit dem Hinzufügen einer neuen Note zu einer Melodie.“[1] Es ändert sich hierdurch das Verhältnis zwischen den Sinnen und es „wird das, was vorher klar war trüb werden, und was unklar oder trüb war, wird durchsichtig werden.“ Es handelt sich also bei neuen Medien wie dem E-book nicht nur einfach um technische Weiterentwicklungen, sondern sie bringen tiefgreifende Veränderungen für die Gesellschaft, ganz McLuhans Leitsatz „das Medium ist die Botschaft“ zufolge.

2 Momentane und zukünftige Entwicklung

Die Verbesserungen die das E-book in den letzten Jahren erfahren hat sind vor allem technischer Natur. Die neuen Reader sind energiesparender, ergonomischer zu bedienen und augenfreundlicher (mehr Details dazu folgen weiter unten). Dadurch stellt das E-book mittlerweile eine ernstzunehmende Alternative zum Papierbuch dar. Genau hier jedoch liegt das Problem. Was dem E-book zurzeit noch am meisten im Wege steht, um ein oder vielleicht das Leitmedium zu werden, ist seine Uneigenständigkeit. Die bis jetzt erschienenen Versionen des E-books hatten immer zum Ziel, seine papierne Vorlage möglichst gut zu imitieren. Zwar werden mittlerweile immer mehr Bücher parallel in elektronischer und papierner Version angeboten, es gibt jedoch zwischen beiden Versionen keine Unterschiede, abgesehen eben von der Publikationsform; Käufer von E-books haben in der Regel exakt dasselbe Buch wie Käufer der Papierform. Die Situation scheint ähnlich wie beim Wechsel von Chirographie zur Typographie:

The early printers tried to make their books identical to fine manuscripts: they used the same thick letter forms, the same ligatures and abbreviations, the same layout on the page. It took a few generations for printers to realize that their new technology made possible a different writing space, that the page could be more readable with thinner letters, fewer abbreviations, and less ink.[2]

Anstatt die Möglichkeiten zu nutzen die das neue Medium ihnen bot und etwas Neues zu erschaffen, blieben Drucker zunächst den alten Traditionen verhaftet. Erst später erkannten sie, dass sich mit den neuen Mitteln bessere Produkte auf leichterem Wege herstellen konnten. Aus diesem Grunde wird hier nicht die Form des E-books untersucht werden, wie sie gerade ist. Stattdessen soll eine zukünftige Version untersucht werden, eine bei der sich das ‚Nachahmermedium‘ E-book zu einem eigenständigen Medium entwickelt hat und seine eigene Note zur Melodie zufügt. Welche Änderungen das im Detail sein werden, wird in den entsprechenden Abschnitten erklärt.

Da die Effekte welche ein Medium auf die Gesellschaft hat sehr komplex sein können (vor allem bei elektrischen Medien wie dem E-book), entwickelte McLuhan das Hilfskonstrukt eines Tetraeders. Die Details dieses Hilfsmittels zu erklären würde hier zu weit führen. Wichtig ist das Ergebnis, nämlich vier Kategorien bzw. Fragen mit deren Hilfe mit dem die Auswirkungen eines Mediums strukturiert dargestellt werden können:

- Was verbessert das neue Medium bzw. was verstärkt/ermöglicht/beschleunigt es?
- Was wird verdrängt oder obsolet gemacht durch das neue Medium?
- Was macht das Medium wieder aktuell, das früher obsolet gemacht worden war?
- Was löst das Medium aus, wenn es bis zu seinem Extrem überzogen wird?

Diese Fragen liefern ein Grundgerüst, mit welchem sich die sonst viel zu komplexen Effekte des E-books strukturieren lassen. Die erste Frage, die sich stellt, ist natürlich, welchen Vorteil das Medium bietet. Was ist der Vorteil des E-books gegenüber einem normalen Buch? Was wird zukünftige Nutzer dazu bringen, anstatt zum Papierbuch zu greifen sich lieber ein elektronisches Buch zu besorgen? Die Klärung dieser Frage ist der erste Schritt um zu ergründen, welche Veränderungen das E-book der Gesellschaft bringen wird.

2.1 Was verbessert das neue Medium bzw. was verstärkt/ermöglicht/beschleunigt es?

McLuhan sagte in seinem Werk „Die Gutenberg-Galaxis“ voraus, dass auf Jahrhunderte der Explosion, also einer Ausweitung der Welt, eine Implosion folgen würde, ausgelöst durch die elektrischen Medien.[3] Die Welt würde zu einem globalen Dorf, die individualistische Gesellschaft zu einer Stammesgesellschaft werden. Computer und Internet haben dafür gesorgt, dass diese Vorhersage im Begriff ist sich zu erfüllen, indem sie die Mittel für das Zusammenwachsen der Gesellschaft bereitstellen. Die Voraussetzung für diese neue Stammesgemeinschaft ist nämlich, dass die Menschen die Möglichkeit haben, miteinander zu kommunizieren, sich zu vernetzen. Denn deshalb ist das Internet so erfolgreich: Es ermöglicht Menschen mit jedem anderen Menschen (der Zugang zu diesem Kommunikationsmittel hat) zu kommunizieren. Der große Unterschied zu anderen Medien wie Fernseher oder Radio ist, dass mit minimalem Aufwand durch beispielsweise Blogs oder Videoportale (YouTube) auch der normale Mensch zum aktiven Sender werden kann, anstatt nur passiver Empfänger zu sein. Das E-book wird dasselbe auf einem Gebiet ermöglichen, das bisher fast nur dem (papiernen) Buch vorbehalten war, nämlich der Literatur.

Das „alte“ Buch fördert den Individualismus. Wer ein Buch liest, lies es in aller Regel allein, er beschäftigt sich mit diesem Medium ohne andere einzubinden und ‚tritt in Dialog mit dem Buch‘. Auch hat ein Buch in den meisten Fällen einen Autor. Das E-Book ist von seiner Anlage her ganz anders. Durch ganz andere technische Möglichkeiten ist nicht ein Dialog das Ziel, sondern ein ‚Polylog‘. Das E-book überführt das ‚P-book‘ in die neue Ära, indem es statt des Individualismus die Vernetzung, die Bildung von Communities fördern wird. Die gravierendste Änderung beim E-book wird sein, dass es Schluss macht mit dem System des einen Autors/Senders und der vielen Leser/Empfänger. Die Produktion von Texten wird nicht mehr nur einem relativ kleinen Anteil von Autoren überlassen sein, wie es seit Anfang des Buchdrucks, vielleicht sogar seit Erfindung der Schrift gewesen ist. Lesen wird keine individuelle Erfahrung mehr sein, sondern eine soziale. Noch ist das E-book in seiner Entwicklung nicht so weit. Sobald die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, kann man jedoch davon ausgehen, dass sich im Bereich Literatur ähnliche Entwicklungen ergeben werden wie bei Computer und Internet. Die Literaturproduktion wird eine Massenerscheinung werden, mit deren Hilfe ein weit größerer Anteil der Gesellschaft als jetzt mit ebendieser kommunizieren wird (mehr zu den Entwicklungen in den Abschnitten 2.2 und 2.3). Das
E-book wird also das natürliche Kommunikationsbedürfnis des Menschen verstärken, bzw. seine Befriedigung erleichtern.

[...]


[1] McLuhan, M.: The Gutenberg Galaxy, Toronto 1962, S. 41

[2] Bolter, D.: The Computer, Hypertext, and the History of Writing, New Jersey 1991, S.3.

[3] McLuhan, M., a.a.O., S.9.

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656289913
ISBN (Buch)
9783656290766
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202702
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – German Department
Note
1,7
Schlagworte
e-book society electronic book

Autor

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