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Der Einsame, der Geist und die Stille. Vergleichende Interpretation von Poes “Silence – A Fable” und Bulwer-Lyttons “Monos and Daimonos”

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
“Silence - A Fable” - Entstehung und Erscheinung

2. “Monos and Daimonos- A Legend”

3. Monos and Daimonos” und “Silence- A Fable” - ein Vergleich
3.1 Fable und Legend
3.2 “Demon” und “Daimonos”
- ein Wechsel der Erzählperspektive?

4. Die Bezüge zur Bibel in “Silence- A Fable” und
“Monos and Daimonos”
4.1 Der Teufel an der Wand oder “the writing on the wall”
–Das Gastmahl Belschazzars (Dan. 5,1- 6,1)
4.2 Silence- Die Verwendung und Bedeutung des
Begriffes der Stille in beiden Erzählungen

5. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

“Silence - A Fable” - Entstehung und Erscheinung

Am 15. Juni 1833 reicht Edgar Allan Poe, ein mittelloser West Point- Abbrecher aus Boston, diverse Erzählungen und ein Gedicht bei einem literarischen Wettbewerb des Baltimore Saturday Visitor ein und gewinnt 50 $ für eine Erzählung. Einer der eingereichten Texte trägt den Titel “Siope- A Fable” und ist bis heute eine der undurchschaubarsten Erzählungen von Poe, deren Inhalt und Motive Literaturwissenschaftlern Rätsel aufgibt.[1]

1837 wird sie im American Monthly Magazine und im Baltimore Book veröffentlicht. Drei Jahre später wird die Fabel in Poes Kurzgeschichten- Sammlung Tales of the Grotesque and Arabesque abgedruckt, und erscheint nochmals 1845 im Broadway Journal abgeändert unter dem Titel “Silence- A Fable“.[2]

Trotz der zahlreichen Veröffentlichungen und Poes heutiger Bedeutung für die amerikanische Literatur des 19. Jahrhunderts ist “Silence- A Fable” ein eher unbeachteter Text. Vermutlich nicht nur aufgrund der umfangreichen Rezension und literarischen Bedeutung seiner eher bekannten Erzählungen, wie z.B. “The Murders in the Rue Morgue”, sondern auch wegen der Vielfalt an zeitlosen, zum größten Teil biblischen Motiven, die er in seiner mystischen Erzählung verwendet.

Jedoch ist bekannt, dass er von der Erzählung “Monos and Daimonos” des zu seiner Zeit recht bedeutenden englischen Autors Edward Bulwer- Lytton zu seiner Fabel inspiriert worden ist und den Protagonisten der Geschichte in seiner Erzählung wiederaufleben lässt.[3]

„Such articles are the " M.S. found in a Madhouse" and the "Monos and Daimonos" of the London New Monthly -- the "Confessions of an Opium-Eater" and the "Man in the Bell" of Blackwood. The two first were written by no less a man than Bulwer […][4]

In einem Brief an Thomas W. White lobt Poe zwar die Erzählung von Bulwer, allerdings ist aus anderen Quellen bekannt, dass er eher anmaßend über sein Werk schrieb, wie beispielsweise in seinem kritischen Artikel „Critical and Miscellaneous Writings of Sir Edward Bulwer- Lytton“:

„Mr. Bulwer is never lucid, and seldom profound. His intellect seems to be rather well balanced than lofty; rather comprehensive than penetrative. “[5]

In der folgenden Arbeit sollen nun Poes Erzählung “Silence- A Fable” und “Monos and Daimonos” von Edward Bulwer- Lytton (im Folgenden: Bulwer)

auf Form, Aufbau, zentrale Motive und Unterschiede analysiert und verglichen werden.

2. “Monos and Daimonos- A Legend”

Der Erzähler in “Monos and Daimonos” berichtet zunächst recht nüchtern von seiner Kindheit und Jugend als Halbwaise. Interessant an der Person des Erzählers ist seine Beziehung zur Natur. Für ihn ist sie nicht nur stiller Mentor für das praktische Leben, sondern auch ein Hort der Einsamkeit, Ruhe und Stille.

“Even in that sullen rock, and beneath that ungenial sky, I had luxuries unknown to the palled tastes of cities, or to those who woo delight in an air of odours and in a land of roses! What were those luxuries? […] Solitude![6]

Der Erzähler fährt in seiner Lebensgeschichte fort und schnell wird deutlich, was er meint, wenn er solitude[7] als seinen größten Luxus bezeichnet. Getrieben von Menschenscheu bereist er einsame Wüsten und mächtige Wälder, wo kein Mensch jemals gewesen ist. Jahrelang lebt er eremitengleich alleine und still in Einklang mit der Natur, die er mit jedem Detail zu seiner Lebensphilosophie erklärt hat.

Eines Tages beschließt er dennoch in die Gesellschaft zurückzukehren und begibt sich auf ein Schiff nach England, seinem Geburtsland. Während der Reise begegnet er einem Mann, der auf eine penetrante Art und Weise die Nähe des Erzählers sucht, so dass dieser nur noch Widerwillen und Abscheu ihm gegenüber empfinden kann.

“He was an idle and curious being, full of the frivolities, and egotisms, and importance of those to whom towns are homes, and talk has become a mental aliment.”[8]

Als das Schiff kentert, flüchtet sich der Erzähler auf eine scheinbar verlassene Insel und freut sich seiner wieder gewonnenen Einsamkeit. Doch auch der penetrante Schiffspassagier hat das Unglück überlebt und sich auf die Insel gerettet.

Bestürzt über die Anwesenheit des Überlebenden stellt der Erzähler zunächst Regeln auf, um dem Mann nicht weiter zu begegnen, doch dieser weigert sich, denn er ist auf die Hilfe des Erzählers angewiesen: Im Gegensatz zu ihm weiß er nicht, wie man in der wilden Natur überlebt und bittet ihn darum, ihm lediglich Essen zu geben und er werde ihn in Ruhe lassen. Der Erzähler willigt ein und freut sich wieder: “I shall be alone now !”[9]

Es kommt so weit, dass sich der unerwünschte Nachbar nicht an die Regeln hält und trotz der Vereinbarung das Gebiet des Erzählers betritt, weil er Gesellschaft möchte. Ungeachtet der Morddrohungen des Erzählers möchte der Mann auf keinen Fall alleine leben und erzürnt den Erzähler so, dass dieser ihn umgehend erwürgt.

Nachdem der Erzähler die Leiche seines unerwünschten Nachbars begraben hat wird er von dessen Geist heimgesucht, selbst dann als er die Insel per Schiff verlässt und nach England zurückkehrt. Dort wendet er sich an einen “skilled in such disorders”[10] und erzählt ihm sein Leid. Doch dieser glaubt ihm nicht, da er nicht die Gestalt des Mannes vom Schiff sehen kann. Daraufhin bittet der Erzähler den Arzt in einem leeren Raum Sand auszustreuen und ihm in diesen Raum zu folgen. Neben den Fußstapfen der beiden Männer sind noch die Fußabdrücke einer dritten Person im Sand sichtbar. Nun wird auch für den Arzt die Anwesenheit eines scheinbar Unsichtbaren deutlich.

Als der Erzähler den Arzt fragt, ob er ihm helfen könne jemals wieder alleine zu sein, wird eine Inschrift in den Sand wie von Geisterhand geschrieben:

“SOLITUDE IS ONLY FOR THE GUILTLESS- EVIL THOUGHTS ARE COMPANIONS FOR A TIME- EVIL DEEDS ARE COMPANIONS THROUGH ETERNITY- THY HATRED MADE ME BREAK

[...]


[1] Vgl. Edgar Allan Poe, Werke I, deutsch von Arno Schmidt u. Hans Wollschläger, Hrg. v. Kuno Schuhmann u. Hans Dieter Müller, Walter Verlag Olten: 1966, S. 1023

[2] Vgl. Ebd. S.

[3] Vgl. Ebd. S. 1023

[4] s. http://www.eapoe.org/works/letters/p3504300.htm

[5] The Poe Encyclopedia, Frederick S. Frank and Anthony Magistrale, Greenwood Press/ Westport, Connecticut: 1997, S. 86

[6] Monos and Daimonos- A Legend In: The Student- A Series of Papers by E.L. Bulwer, Hrg. v. Edward Bulwer- Lytton, Baudry’s European Library, Paris: 1835 (im Folgenden: Bulwer) S. 14

[7] 1 : the quality or state of being alone or remote from society : seclusion

2 : a lonely place (as a desert)

Synonyms solitude, isolation, seclusion mean the state of one who is alone. Solitude may imply a condition of being apart from all human beings or of being cut off by wish or circumstances from one's usual associates a few quiet hours of solitude. Isolation stresses detachment from others often involuntarily the isolation of the village in winter. Seclusion suggests a shutting away or keeping apart from others often connoting deliberate withdrawal from the world or retirement to a quiet life lived in pastoral seclusion. (Encyclopedia Britannica 2005 Ultimate Reference Suite DVD; zitiert aus dem Merriam- Webster’s Collegiate Dictionary)

[8] Bulwer, S. 15

[9] Ebd. S. 18

[10] Bulwer, S. 19

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656293675
ISBN (Buch)
9783656294269
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202822
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Poe Silence- A Fable Bulwer- Lytton Monos and Daimonos

Autor

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