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Umgang mit sexueller Gewalt in schulischen Institutionen anhand eines Fallbeispiels

Ausarbeitung 2012 11 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Versuch einer Definition von sexueller Gewalt

3. Erklärungsansätze für sexualisierte Gewalt

4. Reaktionsmöglichkeiten am konkreten Beispiel

5. Abkürzungsverzeichnis

6. Fallbeispiel

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Ausarbeitung wird sich mit sexueller Gewalt an Minderjährigen durch Schutzbefohlene an Institutionen beschäftigen. Dabei wird auf ein gegebenes Fallbeispiel eingegangen.

Zunächst wird versucht eine Definition über sexuelle Gewalt vorzunehmen, da geklärt werden muss, ob es sich in dem Fallbeispiel um sexuelle Gewalt gegen Schüler/innen handelt oder nicht. Anschließend werden Strukturen erläutert, die sexualisierte Gewalt begünstigen könnten und sie werden mit dem Kontext im Fallbeispiel verglichen. Zum Schluss wird eine mögliche Reaktionsmöglichkeit beleuchtet, wie in dem konkreten Beispiel gehandelt werden kann.

2. Versuch einer Definition von sexueller Gewalt

In der Literatur gibt es noch keine einheitlichen Definitionen für sexuelle, sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch, sodass sie meist ineinander übergehen und nicht klar voneinander unterschieden werden. Der Begriff sexueller Missbrauch wird vor allem in der juristischen Sprache verwendet, wobei sexuelle Gewalt ein Synonym dazu darstellt. Sexualisierte Gewalt findet dann statt, wenn ein gewaltvoller Akt stattfindet, der Ämit sexuellen Mitteln ausgeführt wird.³ (Braun 2006, 13) Laut Gesetz handelt es sich um einen sexuellen Missbrauch, wenn jemand eine Person missbraucht in Ausnutzung des Machtgefälles, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, indem ÄHU Xnter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit sexuelle Handlungen an ihr vornimmt RGHU DQ VLFK YRQ LKU YRUQHKPHQ OlVVW³ † 6W*% Sexuelle Nötigung beginnt nicht erst bei der ausgeführten Vergewaltigung, sondern findet immer dann statt, wenn beabsichtigt Grenzen von anderen überschritten werden, sich die Betroffenen unwohl fühlen und der Wille nicht beachtet wird. Daher kann sie mit und auch ohne Körperkontakt geschehen, wie beispielsweise durch anzügliche Blicke, Äußerungen, exhibitionistische Handlungen, Anfassen von eigenen oder fremden Körperteilen (vgl. Bundesministerium 2008, S. 11-15).

Im Fallbeispiel wird zunächst erwähnt, dass der Lehrer Herr M. seinen 6FK OHU LQQH Q ÄVHKU ]XJHZDQGW³ LVW ZDV LP HUVWHQ %OLFk positiv scheint, da er sich um seine Schüler/innen kümmert. Jedoch wird allmählich deutlich, dass er ÄDXIIlOOLJ RIW³ körperlichen Kontakt zu seinen Schüler/inne/n sucht. Es wird nicht konkret erläutert, wie dieser Kontakt aussieht, aber er geschieht in einem intimen Moment des Zubettgehens, bei dem sich die Schüler/innen ruhig und geborgen fühlen sollten. Der Körperkontakt zu den Schüler/inne/n sollte sich auf ein Minimum beschränken und eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Da es KLHU ÄVHKU DXIIlOOLJ RIW³ JHVFKLHKW VFKHLQW HV VFKRQ QRUPDO I U GHQ /HKUHU ]X VHLQ Es sind zwar noch keine konkreten Fälle von sexueller Gewalt durch den Lehrer bekannt, aber es heißt, dass drei Schüler/innen HV ÄHNOLJ³ ILQGHQ ZHQQ +HUU 0 sie anfasst. Sie fühlen sich demnach offensichtlich unwohl bei den Berührungen durch den Lehrer. Dadurch findet eine Grenzverletzung statt. Herr M. könnte das Machtgefällte zwischen ihm und seinen Schüler/inne/n ausnutzen, wenn er sexuelle Nötigung ausüben würde. Es kann festgehalten werden, dass Handlungsbedarf notwendig ist, da hier sehr wahrscheinlich eine Grenzverletzung stattfindet, aber es ist nicht ersichtlich, wie diese explizit aussieht und ob schon sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Dies muss im Gespräch weiter geklärt werden.

3. Erklärungsansätze für sexualisierte Gewalt

Laut Studien findet sexuelle Nötigung inner- wie auch außerhalb der Familie statt (vgl. Bergmann 2011, S.6). Es gibt zwar noch keine ausreichende empirischen Studien über bestimmte Typen von Täter/inne/n1 oder Faktoren, die sexuelle Gewalt begünstigen, aber es lassen sich Vermutungen äußern. Beispielsweise kann es möglich sein, dass die besondere Geschlossenheit von Internaten und ähnlichen Einrichtungen den Täter/inne/n ihr Handeln erleichtert, da sie von außen schwer einsehbar sind. Pädagog/inn/en in Heimen oder Internaten sind eng miteinander verknüpft, weil sie auf eine längere Zeit in Kontakt treten und somit gut miteinander arbeiten und auskommen müssen. Dadurch können Freundschaften zwischen Lehrer/inne/n und der Leitung entstehen, die zwar für das Arbeitsklima von Vorteil sind, aber somit Beschuldigungen hinsichtlich sexueller Gewalt gegen Kinder verstummen lassen können und so eher weggesehen als gehandelt wird (vgl. Deutsches Jugendinstitut 2011, S. 19-21). Vor allem die Landerziehungsheime und damit vergleichbare Institutionen setzen sich zum Ziel, dass eine besondere Nähe zwischen Kind und Pädagoge/in mithilfe von familiären Strukturen aufgebaut wird. Aber gerade diese Strukturen können sexuelle Übergriffe begünstigen, weil einerseits die Erzieher/innen die Grenzen schnell überschreiten können, weil sie den ganzen Tag mit den Kindern zusammen sind und eine intimere Beziehung zwischen beiden entsteht als in Schulen, und andererseits die Missbrauchten sich niemanden anvertrauen können, GD VLH $QJVW KDEHQ DXV GLHVHU Ä)DPLOLH³ P|JOLFKHUZHLVH DXVJHVWR‰HQ ]X ZHUGHQ und nicht wollen, dass die Vertrauenspersonen mögliche Konsequenzen verspüren müssen (vgl. Oelkers 2012, S. 1-3).

[...]


1 Auch Frauen werden zu Täterinnen, wobei der Anteil der Männer allerdings überwiegt (vgl. Conen 2006, S. 54).

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656292043
ISBN (Buch)
9783656318842
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202834
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Sexuelle Gewalt Vergewaltigung sexuelle Nötigung Definition Sexuelle Gewalt Reaktionsmöglichkeiten

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