Lade Inhalt...

Zur Bedeutung der Lehrersprache im Unterricht

Bachelorarbeit 2012 39 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Kommunikation allgemein
2.2 Unterrichtskommunikation
2.3 Definition Lehrersprache
2.4 Funktionen der Lehrersprache
2.5 Einflussfaktoren auf Kommunikationssituationen
2.5.1 Die Lehrer- und Schülerpersönlichkeit
2.5.2 Die Raumausstattung
2.5.3 Die Auswirkungen von Tageszeit, Tagesablauf und Wetter

3 Ebenen der Lehrersprache – Elemente und deren Auswirkungen auf die Schüler im Unterricht
3.1 Verbale Ebene
3.1.1 Der Sprachstil
3.1.2 Stereotype Äußerungen
3.1.3 Das Lehrerecho
3.1.4 Die Fragetechnik
3.1.5 Das Schweigen
3.2 Paraverbale Ebene
3.2.1 Die Stimme
3.2.2 Die Ton- oder Stimmlage
3.2.3 Der Stimmklang
3.2.4 Die Lautstärke
3.2.5 Das Sprachtempo
3.2.6 Die Intonation
3.3 Nonverbale Ebene
3.3.1 Die Mimik
3.3.2 Die Gestik
3.3.3 Das Blickverhalten
3.3.4 Die Körperhaltung

4 Ergebnisdarstellung der Beobachtung von Unterrichtsstunden in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Lehrersprache und Aufmerksamkeit der Schüler
4.1 Beobachtungsfeld und Beobachtungseinheit
4.2 Inhaltliche Darstellung des Beobachtungsbogens
4.3 Darstellung und kritische Betrachtung der Beobachtungsergebnisse

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
7.1 Beobachtungsbogen
7.2 Grafische Darstellung der Beobachtungsergebnisse

1 Einleitung

Die Sprache ist ein allgegenwärtiges Medium des Menschen, um Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen, sich mit ihnen auszutauschen, etwas zu präsentieren und um überhaupt Informationen verarbeiten zu können. Während in Gesprächen unter Freunden meist eine gleichrangige Beziehung besteht, so gilt dies bezogen auf bildende Institutionen wie die Schule nicht. Hier ist die Lehrkraft die leitende Person, die insbesondere mithilfe ihrer Sprache den Unterricht gestaltet und die Schülerinnen und Schüler anleitet, mit dem Ziel Lernprozesse auszulösen. Dabei kommt es auf die inhaltlichen Aspekte - den zu vermittelnden Unterrichtsgegenstand - aber auch auf die formalen Aspekte - wie z.B. den Sprachstil - an. Hinzu treten zwangsläufig stimmliche Variablen, z.B. das Sprachtempo, sowie nichtsprachliche Elemente, z.B. die Gestik. Die hohe Relevanz der Gesamtheit dieser sprachbezogenen Gesichtspunkte ist mir insbesondere im Rahmen meines Studiums der Vermittlungswissenschaften bewusst geworden. Auf der einen Seite befindet man sich in der Situation des „Schülers“, der den Dozenten beobachtet und dabei feststellt, wie einschläfernd ein überfordernder Sprachstil verbunden mit einer monotonen Stimmführung und einer geringen körperlichen Aktion des Dozenten wirken kann. Auf der anderen Seite ist man selbst z.B. im Rahmen von Referaten oder im Schulpraktikum diejenige Person, die mit ihren sprachlichen Kompetenzen im Mittelpunkt steht und sie bewusst einsetzen muss, um bei den Zuhörern Interesse zu erzeugen. Dass dies eine besondere Herausforderung sowohl für Studenten, Berufsanfänger als auch für Routiniers darstellen kann, ist jedoch den wenigsten bewusst. Aufgrund der bereits gesammelten Erfahrungen im Rahmen der Lehrerausbildung und der eher geringen Relevanz des Themas Lehrersprache innerhalb von universitären Seminaren, habe ich mich deshalb dazu entschlossen, die Lehrersprache und deren Bedeutung im Unterricht näher zu untersuchen. Dabei finden weder die Vermittlung eines Unterrichtsgegenstandes, die Unterrichtsmethoden noch Führungsstile Beachtung. Es soll um die Art und Weise bzw. die formalen Gesichtspunkte der Lehrersprache gehen. Es stellt sich insbesondere die Frage, aus welchen Elementen sich die Lehrersprache zusammensetzt und welche Auswirkungen eine positive bzw. negative Lehrersprache auf die Schüler in der Unterrichtskommunikation haben kann. Dazu werden zunächst grundlegende Aspekte der Kommunikation und der Lehrersprache geklärt und davon ausgehend die drei Ebenen der Lehrersprache separiert dargestellt. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie die einzelnen Elemente der Lehrersprache interpretiert werden können und welche Auswirkungen sie auf die Schülerinnen und Schüler im Unterricht haben. Zuletzt wird der Versuch unternommen, anhand eigener Beobachtungen dreier Unterrichtsstunden herauszufinden, ob in der Praxis ein Zusammenhang zwischen der positiven bzw. negativen Lehrersprache und der Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler wahrnehmbar ist.

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit auf Doppelnennungen bei Personengruppen verzichtet und stattdessen die maskuline Form verwendet.

2 Grundlagen

Mithilfe der Erläuterungen, denen sich dieses Kapitel widmet, soll ein erstes Begriffsverständnis erzielt und die Relevanz der Sprache für den Lehrerberuf herausgestellt werden.

2.1 Kommunikation allgemein

Kommunikation ist der Informationsaustausch bzw. die Verständigung zwischen zwei oder mehreren Personen, dem Sender und dem Empfänger. Dabei verläuft ein Kommunikationsprozess nie einseitig, wobei ein gegenseitiges Verständnis die Basis dafür bildet. Dementsprechend muss die übermittelte Botschaft ein Mindestmaß an gemeinsamen Zeichen haben. Diese setzen sich aus den sprachlichen - verbalen und paraverbalen - sowie den nichtsprachlichen - nonverbalen - Ausdrucksmöglichkeiten zusammen.[1] Daneben sind nach Schulz von Thun (1993:12 ff.) in jeder Sprachhandlung vier verschiedene Aspekte enthalten: der Sachinhalt, die Beziehungsseite, der Appell und die Selbstoffenbarung. Der Sachinhalt beinhaltet lediglich die sachliche Äußerung, welche von der Beziehungsseite z.B. durch Tonfall, Mimik und Redeweise derart beeinflusst, dass der Empfänger darauf schließen kann, wie der Sender zu ihm steht. Hinzu tritt mit der Appellseite die Aufforderung des Senders an den Empfänger etwas zu tun. Die vierte Komponente ist die Selbstoffenbarung, die Hinweise auf die Selbstdarstellung des Senders in der Kommunikationssituation gibt.[2]

2.2 Unterrichtskommunikation

Im Unterricht angewendet wird Kommunikation zur Interaktion, also zur wechselseitigen Beeinflussung zwischen Lehrer und Schülern.[3] Es findet also stets eine Informationsübertragung sowie wechselseitige Beeinflussung statt, wobei die Lehrkraft die dominierende Position einnimmt. Ihr Kommunikationsverhalten zielt insbesondere darauf ab, Denk- und Lernprozesses anzuregen. Aufgrund individueller Persönlichkeiten, Einstellungen und Wahrnehmungen aufseiten der Schüler wird das kommunikative Verhalten der Lehrkraft jedoch stets different aufgenommen und interpretiert, was den Verlauf des Unterrichts unsicher und Schülerreaktionen ungewiss macht. Daher ist es für eine Lehrkraft von besonderer Bedeutung, dass sie sich ihrer verbalen, paraverbalen sowie nonverbalen Signale bewusst ist und sie flexibel einsetzen kann, um ihre Unterrichtsziele verwirklichen und einen Lernerfolg erzielen zu können.[4]

2.3 Definition Lehrersprache

Lehrersprache setzt sich zunächst einmal aus dem Sprachgebrauch und dem Sprachverhalten der Lehrkraft zusammen. Überdies spricht Westdörp (2010:2) ihr „alle Elemente kommunikativen Verhaltens (verbale, nonverbale, paraverbale und sonstige)“[5] zu. Zu den verbalen Elementen zählen sowohl die Schriftsprache als auch jegliche lautsprachliche Äußerungen wie z.B. das Erklären und Befragen sowie formale Aspekte wie der Sprachstil. Diese Äußerungen werden durch paraverbale Elemente wie die Stimmlage oder das Sprachtempo gestaltet. Begleitet werden sie von nonverbalen Elementen wie Gestik, Mimik usw. Zu den sonstigen kommunikativen Mitteln, die z.B. bei Rosenbusch & Schober (2004:5 f.) der nonverbalen Ebene zugeordnet werden, zählen z.B. die äußere Erscheinung der Lehrkraft, Schrift, Symbole etc. Diese sonstigen Parameter finden im Rahmen dieser Arbeit jedoch keine weitere Beachtung. Nähere Ausführungen zur verbalen, paraverbalen und nonverbalen Ebene sowie deren Auswirkungen auf die Schüler folgen in den Abschnitten 3.1 bis 3.3.

2.4 Funktionen der Lehrersprache

Arbeitsfelder wie der Lehrerberuf sind geprägt von einem hohen Maß an Kommunikation und verlangen vom Sprecher anpassungsfähige kommunikative Kompetenzen. Eine der wichtigsten Aufgaben besteht in dem Sprechen zu- und miteinander. Diese Aufgabe wird zum Großteil in der Beschäftigung mit spezifischen Unterrichtsgegenständen realisiert, die mithilfe differenter Unterrichtsmittel erarbeitet werden. Neben Lehrbüchern, Arbeitsblättern, Filmen usw. ist die Sprache des Lehrers das bedeutendste Mittel, um den Schülern Unterrichtsinhalte näherzubringen. Mit ihr können existente Gegenstände, die nicht anwesend oder anders darstellbar sind, näher bestimmt und beschrieben werden, so dass die Schüler eine Vorstellung davon entwickeln können. Die erfolgreiche Darstellung hängt dabei insbesondere von einer präzisen, lebendigen und illustrativen Sprache ab. Des Weiteren ist sie selbst Unterrichtsgegenstand, z.B. im (Fremd-) Sprachunterricht, und kann auf der Meta-Ebene betrachtet werden. Dabei spielt die Herausstellung des Sach- und Beziehungsaspekts durch den Lehrer eine wichtige Rolle, um Probleme und Störungen des Informationsaustausches aufzuzeigen und die Schüler sowohl in der sachlichen als auch in der interpersonalen Kommunikation zu unterstützen.[6] Gleichzeitig drücken sich beide Aspekte auch in der Lehrersprache selbst aus und sind voneinander abhängig. Während Sachinhalte vermittelt werden, spiegelt sich die persönliche Einstellung des Lehrers zu seinen Schülern und dem Unterrichtsgegenstand in seinem kommunikativen Verhalten wider. Dies kann nach Glöckel (2003:18) zu einer gegenseitigen Förderung oder Hemmung bzw. zu Erfolg oder Misserfolg im Unterricht führen. Daher plädiert Neumann (2003:80) in diesem Zusammenhang für einen sensiblen Umgang mit Sprache in der unterrichtlichen Kommunikation. Darüber hinaus besitzt die Lehrkraft Vorbildfunktion und ist selbst Lernmedium. Indem Schüler die sprachlichen Äußerungen des Lehrers wahrnehmen und verarbeiten, werden die Lernprozesse und sprachlichen Kompetenzen der Schüler beeinflusst. Demnach sollten nicht nur die eigenen kommunikativen Ziele verfolgt, sondern die mündlichen, kommunikativen Kompetenzen der Schüler bewusst gefördert werden, was ferner ein allgemeines Bildungsziel darstellt.[7] Die Lehrkraft dient jedoch auch als Modell hinsichtlich der Lernmotivation der Schüler. Die Haltung des Lehrers gegenüber dem Unterricht und seinem Fach, die z.B. Engagement, Ideenreichtum, Unlust usw. erkennen lässt, kann auf die Lernmotivation der Schüler einwirken.[8] Auch dient die Lehrersprache der Regulierung von Verhaltensweisen in der Klassengemeinschaft, indem wiederum Sprachformen wie Anweisungen, Bitten oder Ermahnungen angewendet werden.[9] Sie ist folglich ebenso Ausdruck des Führungsstils der Lehrkraft. Zuletzt resultiert aus den vorangegangenen Funktionen und Sprachformen die Erziehung der Schüler. Indem die Lehrkraft z.B. sprachliche Kompetenzen und Umgangsformen fördert, selbst als Sprachmodell dient und das Nachdenken über den interpersonalen Austausch anregt, beeinflusst sie die Werthaltung der Schüler. Auch die bereits erwähnten Sprachformen, die durch Lob, Anerkennung, Zuspruch, Rat und Zurechtweisung ergänzt werden können, entfalten ihre erzieherische Wirkung bei den Schülern.[10]

2.5 Einflussfaktoren auf Kommunikationssituationen

Neben den unterschiedlichen Funktionen der Lehrersprache existieren diverse Faktoren, die die unterrichtliche Kommunikation beeinflussen. Demnach ist die Lehrersprache nicht allein für das Gelingen des Unterrichtsgeschehens und auch den Lernerfolg verantwortlich.

2.5.1 Die Lehrer- und Schülerpersönlichkeit

Aufgrund individueller Anlagen, Einstellungen und Erfahrungen verhält sich jeder - Lehrer und auch Schüler - anders in der Unterrichtskommunikation. In der Interaktion mit Schülern muss besonders der Lehrer fähig sein, sich auf die individuellen Kenntnisse und Bedürfnisse seiner Schüler einzustellen, Empathie zu zeigen, sie wertzuschätzen und fair zu behandeln.[11] Jedoch werden nicht alle Schüler gleichermaßen von den Bestrebungen und dem Enthusiasmus der Lehrkraft angesprochen aufgrund differenter geistiger und körperlicher Fähigkeiten, Neigungen sowie innerer Stimmungen jedes einzelnen Schülers. Das Alter und die Herkunft aus einer sozialen oder ethnischen Gruppe prägen ebenfalls die Schülerpersönlichkeit und damit auch ihre Einstellung zum Unterricht. Die Lehrkraft wird folglich täglich mit individuellen Interessengruppen konfrontiert, deren Anzahl und Zusammensetzung den Unterricht beeinflussen können.[12] Demzufolge besteht eine starke Wechselwirkung zwischen der Lehrkraft und seinen Schülern, wobei die Lehrerpersönlichkeit und der Führungsstil das Lehrer-Schüler-Verhältnis besonders stark beeinflusst.[13] Aus diesen Faktoren resultiert wiederum das Klassenklima, das geprägt sein sollte von Freundlichkeit, gegenseitigen Respekt und Kooperation, aber auch von Fairness, Fürsorge und Regeleinhaltung in der Klassengemeinschaft. Auch in diesem Punkt wird der Lehrkraft eine herausgehobene Rolle zugesprochen.[14]

2.5.2 Die Raumausstattung

Ein freundlich gestaltetes Klassenzimmer mit möglichst beruhigenden Farbtönen und eigenen Entwürfen der Schüler verstärkt die „Wohlfühlatmosphäre“ bzw. Geborgenheit, wirkt lernfördernd und führt zu einer besseren Identifizierung mit der Schule. Zudem sollten Entfaltungsmöglichkeiten für die Schüler, also Plätze zur Freiarbeit, zur Materiallagerung sowie für eigene Unterrichtsmittel, vorhanden sein, um ebenfalls das Lernen zu erleichtern.[15]

2.5.3 Die Auswirkungen von Tageszeit, Tagesablauf und Wetter

Zuletzt sollten auch die Auswirkungen von Tageszeit, Tagesablauf und Wetter im Unterricht bedacht werden. Diese Aspekte können verschiedene Stimmungen und Zustände bei den Schülern hervorrufen.[16] Bezogen auf die Tageszeit kann z.B. in den ersten Unterrichtsstunden durch das frühe Aufstehen Müdigkeit und Unlust auftreten. Niedergeschlagenheit und Aggressivität können z.B. durch eine schlecht benotete Kontrollarbeit oder Auseinandersetzungen mit Mitschülern im Tagesablauf zum Tragen kommen. Hingegen können kurz bevorstehende Ferien in der Klassengemeinschaft für Ausgelassenheit sorgen.

3 Ebenen der Lehrersprache – Elemente und deren Auswirkungen auf die Schüler im Unterricht

In Kapitel drei werden ausgewählte Elemente der verbalen, paraverbalen und nonverbalen Ebene der Lehrersprache dargestellt und deren Auswirkungen auf die Schüler erläutert. Besonderes Augenmerk liegt auf den Elementen der beiden erstgenannten Ebenen, die auch Bestandteil der in der Einleitung genannten Beobachtung waren. Aufgrund des erheblichen Umfanges des nonverbalen Bereichs können im Rahmen dieser Arbeit einige der dazugehörigen Elemente lediglich umrissen werden.

3.1 Verbale Ebene

Die verbale Ebene der Lehrersprache umfasst alle sprachlichen Äußerungen, sowohl die mündlichen als auch die schriftlichen, wobei auf die letzteren im weiteren Verlauf nicht näher eingegangen wird. Wie bereits in Abschnitt 2.4 angedeutet, werden dabei Informationen auf zwei unterschiedlichen Stufen übermittelt. Zum einen kommt die Denotation zum Ausdruck, also die feststehende Wortbedeutung bzw. der Sachinhalt. Zum anderen ist eine verbale Äußerung stets mit einer Konnotation behaftet, das heißt mit einer Nebenbedeutung, Einstellung, Vorstellung oder Wertung. Diese können in der interpersonalen Kommunikation identisch sein, aber auch voneinander abweichen, so dass z.B. Missverständnisse entstehen.[17] In der Unterrichtskommunikation muss dieser Aspekt folglich bedacht werden, da der Erfahrungs- und Wissenshintergrund von Lehrer und Schülern stets unterschiedlich ist. Die verbale Ebene zeichnet sich durch vielfältige Elemente aus. Dazu werden die Gesprächsformen, Frage- und Impulstechniken, der Sprachstil, stereotype Redewendungen, das Lehrerecho, das reflektierende Sprechen und auch das Schweigen gezählt. Aufgrund des erheblichen Umfangs werden in diesem Abschnitt diejenigen Elemente erläutert, die auch im Rahmen der Beobachtung berücksichtigt werden konnten. Dazu gehören der Sprachstil, die stereotypen Äußerungen, das Lehrerecho, die Fragetechnik sowie das Schweigen.

3.1.1 Der Sprachstil

In der Literatur zählen zum Sprachstil sowohl verbale als auch paraverbale Elemente.[18] Zum Zweck der besseren Übersichtlichkeit werden sie dennoch getrennt betrachtet. Im Hinblick auf die Verständlichkeit der Lehrersprache spielt z.B. der Satzbau eine zentrale Rolle. Kurze, vollständig formulierte Sätze führen dazu, dass sich das Risiko eines Versprechers stark vermindert und die Schüler der Lehrkraft gut folgen können. Bei der Bildung komplizierter, langer Sätze hingegen läuft der Lehrer Gefahr, nicht nur sich selbst zu überfordern, indem er angefangene Sätze grammatikalisch oder inhaltlich falsch beendet, sondern auch die Schüler. Diese können infolge ausschweifender Satzgefüge leicht überlastet werden und sich gedanklich abwenden. Die Folge wäre eine verminderte Aufmerksamkeit.[19] Motivierend und aufmerksamkeitsfördernd wirkt ein vielfältiger Wortschatz zusammen mit der Fähigkeit einer lebendigen Artikulation. Heidemann (2009:153) meint damit z.B. das Verwenden anschaulicher Beispiele sowie rhetorischer Mittel mit dem Zweck, den Schülern das Lernen und Verinnerlichen zu erleichtern. Dubs (2009:146) spricht des Weiteren das zu verfolgende Ziel an, den Wortschatz des Lehrers hinsichtlich von Synonymen und Fachbegriffen ständig zu vergrößern, um auch den Wortschatz der Schüler zu erweitern. Dabei sollte auf eine zu große Redundanz, d.h. das überflüssige Wiederholen bereits bekannter Informationen, verzichtet werden, da sie Schüler häufig verwirrt. Unklare, mehrdeutige oder auch relativierende Äußerungen erwecken nicht nur den Anschein einer unzureichenden Unterrichtsvorbereitung des Lehrers, sondern wirken sich negativ auf die Lernleistung der Schüler aus. Gezeigt haben dies Studien in den 1960er und 1970er Jahren. Denn häufig angewendet wirken Äußerungen wie „gewissermaßen“, „irgendwie“, „ähm“, „halt“ oder „ne“[20] auf die Schüler belustigend und lenken daher vom eigentlichen Unterrichtsgegenstand ab.[21] Darüber hinaus ist der Soziolekt von besonderer Bedeutung. Aufgrund der Rolle des Lehrers und der an ihn gestellten Erwartungen hinsichtlich seiner Professionalisierung ist eine Nutzung des so genannten Jugendjargons sowie anderer Soziolekte nicht zulässig. Jegliche von der Standardsprache abweichende verbale Handlungen führen aufseiten der Schüler zur Ablehnung. Die so entstandene Distanz zwischen Lehrer und Schülern erschwert den Lernzuwachs und zerstört die Vorbildrolle des Lehrers.[22]

[...]


[1] Vgl. Gimmler/ Gleich/ Six (2007), S. 21; Glöckel (2003), S. 17 f.

[2] Vgl. Schulz von Thun (1993), S. 12 ff.

[3] Vgl. Glöckel (2003), S. 17 f.

[4] Vgl. Schmitt/ Weiß (2004), S. 168.

[5] Westdörp (2010), S. 2.

[6] Vgl. Glöckel (2003), S. 52 ff.

[7] Vgl. ebd., S. 52 ff.; Miosga (2006), S. 44; Spanhel (1971), S. 82 ff.

[8] Vgl. Helmke (2009), S. 219.

[9] Vgl. Spanhel (1971), S. 75 ff.

[10] Vgl. Glöckel (2003), S. 55.; Spanhel (1971), S. 76.

[11] Vgl. Köck (2005), S. 81 ff.

[12] Vgl. Glöckel (2003), S. 168 ff.

[13] Vgl. Köck (2005), S. 81.

[14] Vgl. Helmke (2009), S. 220 f.

[15] Vgl. Köck (2005), S. 145.

[16] Vgl. Glöckel (2003), S. 173 f.

[17] Vgl. Glöckel (2003), S. 52.

[18] Vgl. Dubs (2009), S. 146 ff.; Heidemann (2009), S. 152 ff.

[19] Vgl. Bittner (2006), S. 89.; Dubs (2009), S. 146; Heidemann (2009), S. 152 ff.

[20] Helmke (2009), S. 193.

[21] Vgl. ebd., S. 193.

[22] Vgl. Heidemann (2009), S. 154 f.

Details

Seiten
39
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656288534
ISBN (Buch)
9783656445197
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202856
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Institut für Schulpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung lehrersprache unterricht

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Zur Bedeutung der Lehrersprache im Unterricht