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Integrationschancen durch berufliche Ausbildung und Bildung Jugendlicher mit Migrationshintergrund

Magisterarbeit 2006 83 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

Einführung

1 Interkulturelle Bildung - früher und heute
1.1 Hintergründe interkultureller Erziehung
1.1.1 Phasen der Theoriebildung der interkulturellen Pädagogik
1.2 Interkulturelle Bildung in der Gegenwart
1.2.1 Prinzipien einer interkulturellen Erziehung
1.3 Migration - Deutschland, ein Einwanderungsland?
1.4 Kultur und Integration
1.5 Sozialisation junger Migranten in die Gesellschaft
1.5.1 Sozialisation und berufliche Integration von Migranten

2 Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Ausländer - Begriffsklärungen und Hintergründe
2.1 Die Problematik amtlicher Statistiken
2.2 Migranten und ihr gesellschaftlicher und sozialer Status
2.2.1 Ausländische Arbeitnehmer
2.2.2 Flüchtlinge
2.2.3 Aussiedler
2.2.4 Chancengleichheit für Menschen mit Migrationshintergrund
2.3 Schulische Bildungsvoraussetzungen und sozioökonomische Ausgangsbedingungen der ausländischen Jugendlichen
2.3.1 Schulische Bildungsvoraussetzungen
2.3.2 Bildungsbeteiligung Jugendlicher mit Migrationshintergrund

3 Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt
3.1 Der Ausbildungsstellenmarkt in Deutschland
3.2 Probleme Jugendlicher mit Migrationshintergrund beim Zugang zur Berufsausbildung
3.2.1 Zugang zum betriebsinternen Arbeitsmarkt
3.2.2 Schriftliche Auswahltests
3.2.3 Vorurteile von Personalchefs
3.2.4 Zusätzliche Schwierigkeiten
3.3 Jugendliche ausländischer Herkunft in der Berufsausbildung
3.3.1 Bildungsbeteiligung nach Nationalität
3.3.2 Berufswahlspektrum junger Migranten
3.3.3 Geschlechtsspezifischer Anteil der Migranten in der Berufsausbildung
3.4 Ausbildungsabbruch

4 Verbesserte Integrationschancen für Migranten in das Berufsleben
4.1 Bildungsberatung und Berufsbildungsplanung junger Migranten
4.1.1 Bildungsberatung im Bereich der allgemein- und berufsbildenden Schulen
4.2 Junge Erwachsene mit Migrationshintergrund ohne Berufsabschluss
4.3 Berufliche und abschlussbezogene Nachqualifizierung
4.3.1 Berufsbegleitende Nachqualifizierung
4.3.2 Vorteil der berufsbegleitenden Nachqualifizierung für die Teilnehmer
4.3.3 Bedeutung der nebenberuflichen Nachqualifizierung für die Betriebe
4.4 Berufsvorbereitung
4.4.1 Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
4.4.2 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB)
4.4.3 Berufsgrundbildungsjahr (BGJ)

5 Neue Wege zum Berufsabschluss
5.1 Widerstände gegen interkulturelles Berufslernen
5.2 Prinzipien für die Bestimmung interkulturellen Lernens
5.3 IBQM
5.4 Berufliche Qualifikation von Migranten durch berufliche Qualifikationsnetzwerke (BQN)
5.4.1 Ziele der BQN
5.4.2 Handlungsfelder der BQN
5.5 Einzelne Themenfelder der IBQM/BQN
5.5.1 Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)
5.5.2 Betriebliche Ausbildung
5.5.3 Berufliche Weiterbildung und Nachqualifizierung
5.5.4 Erhöhung des Ausbildungsanteils von Migranten im öffentlichen Dienst
5.5.5 Interkulturelles Lernen
5.5.6 Weitere Themenfelder der IBQM/BQN

6 Projekte und Initiativen Hamburgs zur beruflichen Ausbildung und Bildung Jugendlicher mit Migrationshintergrund
6.1 Übergang Schule - Beruf, Berufsberatung
6.1.1 Aktionsplan zur Integration von jungen Migrantinnen und Migranten in Arbeit und Ausbildung
6.2 Bereich Berufsvorbereitung und berufliche Orientierung
6.2.1 Tide-TV "Café Deutsch" - neues bildungsfernsehen
6.2.2 Projekt: Berufsvorbereitung und Vorbereitungsjahr für Migranten (BVJ-M und VJ-M)
6.2.3 Projekt: "Kompetenzen feststellen - Wege eröffnen"
6.3 Akquisition von Ausbildungsplätzen
6.3.1 Projekt "Migranten schaffen Jobs"
6.3.2 Zentrum für Existenzgründungen und Betriebe von Migranten
6.4 Nachqualifikation
6.4.1 Modell zum Berufsabschluss durch Integration von Lernen und Arbeiten (= MOBILA)

7 Ergebnisse und Ausblick
7.1 Einbürgerung
7.2 Schulsystem
7.3 Ausbildung und Beruf
7.4 Integrationschancen
7.5 Ausblick und Kritik

Literatur

Einführung

Deutschland ist ein Einwanderungsland.

In der BRD haben knapp 20% der Einwohner einen Migrationshintergrund. Sie sind Einwanderer oder Kinder von Einwanderern („Die Welt“, 03.08.2006).

Von „Migrationshintergrund“ spricht man, wenn eine Person selbst eingewandert ist oder die Eltern/ein Elternteil Migranten waren. Dies gilt auch, wenn die Person in Deutschland geboren ist oder einen deutschen Pass hat (http://www.uni-bremen.de/campus/campuspress/unipress/06-197.php3, Stand 03.08.2006).

Die relativ neue Bezeichnung Kinder oder Jugendliche mit „Migrationshintergrund“ soll deutlich machen, dass die Jugendlichen selbst oder ihre Familien zugewandert sein können. Jugendliche mit Migrationshintergrund können in der BRD aufgewachsen und geboren sein und die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Dies trifft auf die Gruppe der Aussiedler ebenfalls zu (Krüger-Potratz 2003, S. 34).

Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hat lt. Statistischem Bundesamt Migrationserfahrung:

„Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen null und unter 25 Jahren ist der Anteil mit 27,2 Prozent sogar noch größer. Das heißt: Mehr als jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.“ („Die Welt“, 30.05.2006)

Die Schwierigkeiten, die von den einzelnen Migrantengruppen bewältigt werden müssen, sind so vielfältig wie deren Herkunft. EU-Bürger brauchen beispielsweise keine Aufenthaltserlaubnis und keine Arbeitsgenehmigung. In den Art. 23 - 60 EGV sind ihnen Grundrechte zugesichert, die Migranten aus Drittstaaten nicht haben. Illegale Einwanderer haben gar keine Rechte, nicht einmal das auf gesundheitliche Versorgung.

Allen gemeinsam sind allerdings unterschiedliche kulturelle Hintergründe und große Sprachbarrieren, sowie vielerorts Vorurteile und Stigmatisierung. Probleme, die angesprochen, bearbeitet und überwunden werden müssen.

Mit dem sich daraus ergebenden kulturellen und religiösen Pluralismus umzugehen ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft und ihre Institutionen (Kindergärten, Schulen, Arbeitsmarkt, Ausbildungsstellenmarkt u.a.).

Wir benötigen soziale und gesellschaftliche Integration, für die insbesondere unser Bildungssystem den Umgang mit wachsender gesellschaftlicher Vielfalt lernen muss.

Integration ist nicht nur für den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen eine Zukunftsfrage. Zunehmend wird sie, vor dem Hintergrund demografischen Wandels und dem daraus resultierenden Mangel an Facharbeitskräften, auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Städten, Kreisen und Gemeinden.

Arbeit ist die Grundlage der Existenzsicherung.

Sie verschafft Einkommen, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Anerkennung.

In wieweit können nun junge Migranten durch berufliche Ausbildung, Beruf und Bildung in die Arbeitswelt und somit in die Gesellschaft Deutschlands integriert werden? Welche Hindernisse und Vorurteile müssen sie bei dem Versuch, eine Ausbildungsstelle zu erhalten, überwinden?

Berufstätigkeit hat für Menschen mit Migrationshintergrund eine große Bedeutung, denn sie stellt die Basis für ihre gesellschaftliche und soziale Integration in einem fremden Land dar.

Um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten, ist der internationale Austausch von Wissen notwendig. Dies erfordert neue Problemlösungen, Denk- und Arbeitsweisen.

Obwohl in Deutschland hohe Arbeitslosigkeit herrscht, können viele Stellen nicht besetzt werden, weil bereits jetzt qualifizierte Arbeitskräfte in bestimmten Branchen fehlen.

Die deutsche Gesellschaft altert aufgrund immer geringerer Geburtenzahlen und zunehmender Lebenserwartung der Menschen.

Laut einer Prognose von 2001 (Bericht der unabhängigen Kommission „Zuwanderung“ – Zusammenfassung 2001, S. 3) würde die Bevölkerungszahl bis 2050 von 82 Millionen auf 60 Millionen schrumpfen, bliebe die Kinderzahl pro Frau so wie sie zum Zeitpunkt des o.g. Berichtes war unverändert. Somit ginge die Zahl der Erwerbspersonen von 41 auf 26 Millionen zurück.

Bevölkerungsrückgang und Alterung haben unerwünschte Folgen für wirtschaftliche Entwicklung, Innovationsfähigkeit, Arbeitsmarkt, Staatshaushalt und Pro-Kopf-Verschuldung.

Die absehbare Bevölkerungsabnahme wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage schwächen. Abgeschwächtes Wachstum bremst wiederum Investitionen und Produktivitätssteigerungen der Unternehmen (ebd.). Dies führt zu einem Abbau von Ausbildungsplätzen.

Trotz steigender Ausbildungs- und Schulbesuchsdauer Jugendlicher mit Migrationshintergrund kann die „Ausbildungsnot“ dieser Personengruppe in der BRD nicht abgebaut werden.

Mangelndes Interesse ausländischer Jugendlicher, Ablehnung der Qualifikation durch die Eltern oder durch betroffene Jugendliche selbst, mögliche Rückkehrwünsche, utopische Berufswünsche – dies und noch viel mehr wird Migranten vorurteilhaft häufig vorgehalten. Hier fehlen fundierte Information und ein allgemein gesellschaftliches Umdenken.

Trotz nachgewiesener hoher Bildungs- und Ausbildungsmotivation bleiben viele junge Migranten ohne qualifizierenden Berufsabschluss. Die Folge sind schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ein höheres Risiko der Arbeitslosigkeit und somit Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen (Beck Mai 2005, S. 5).

Schwierig ist es jedoch, Betriebe dahingehend zu motivieren, junge Ausländer oder Jugendliche mit Migrationshintergrund auszubilden.

Als qualifizierter Arbeitnehmer in das Beschäftigungssystem aufgenommen zu werden, kann durchaus eine Basis auch für soziale Integrationsprozesse sein; entscheidend dafür sind jedoch die Integrationschancen, die die Aufnahmegesellschaft den in ihr lebenden ethnischen Minoritäten bietet (Beer-Kern 1992, S.2).

Migrationshintergründe sind in vielfacher Weise mit sozialer Ausgrenzung verbunden. Geht man nicht vom Kriterium „Staatsangehörigkeit“, sondern vom „Migrationshintergrund“ aus, so kommt mittlerweile fast jedes dritte Kind bzw. fast jeder dritte Jugendliche in Westdeutschland aus Migrantenfamilien.

Ihnen den Zugang zu einer qualifizierten Berufsausbildung zu ermöglichen

„…ist entscheidend für die erfolgreiche Einmündung in den Arbeitsmarkt, für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg und damit für eine dauerhafte und stabile Integration“ (Beck Oktober 2005, S. 5).

Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe ist es erforderlich, das gesamte Ausbildungspotential auszuschöpfen. Dies gilt nicht zuletzt für Betriebe mit ausländischen Inhabern: Auch deren Ausbildungsbereitschaft muss erhöht werden, um die Chancen auf berufliche Qualifizierung und somit Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erhöhen (Beck Oktober 2005, S. 5).

Wenn es um die Ausbildung Jugendlicher mit Migrationshintergrund geht, sind immer wieder Vorurteile und Barrieren von Seiten der Betriebe festzustellen. Das besondere Potential dieser Jugendlichen, zweisprachige und interkulturelle Kompetenz, wird bei Personalentscheidungen nach wie vor stark vernachlässigt (ebd., S. 7).

Die PISA-Studie (”Programme for International Student Assessment“) ist ein Programm der OECD[1], in dem die Kompetenzen 15-jähriger Schüler international verglichen werden. Sie zeigt, dass in keinem anderen Vergleichsland die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen so deutlich vom sozialen Status der Eltern abhängen wie in Deutschland.

Diese Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Sozialstatus der Eltern trifft Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders stark.

Nach Klärung der mit dem Thema zusammenhängenden Begriffe (Kapitel 1 und 2) beleuchte ich schulische Bildungsvoraussetzungen und die aktuelle Situation jugendlicher Migranten auf dem Ausbildungsstellenmarkt (Kapitel 3).

In Kapitel 4 finden Maßnahmen Erwähnung, mit denen in der Gegenwart auf Bundesebene die beruflichen Integrationschancen Jugendlicher mit Migrationshintergrund verbessert werden sollen.

Welche neuen Wege zum Berufsabschluss beschritten werden, lesen Sie in

Kapitel 5.

Initiativen der Stadt Hamburg, welche mich aufgrund meines dortigen Wohnsitzes besonders interessieren, stelle ich in Kapitel 6 exemplarisch vor. Sie beziehen sich u.a. auf Ausbildungsberatung und Förderung der Ausbildung und Bildung junger Migranten anhand konkreter Projekte.

Abschließend wird in Kapitel 7 eine Zusammenfassung zur Situation der beruflichen Integration Jugendlicher mit Migrationshintergrund gezogen und kritisch beleuchtet.

In der jetzigen Berufs- und Ausbildungslandschaft sind es nicht mehr nur Menschen mit Migrationshintergrund, die Probleme haben, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Es trifft zunehmend Akademiker, deutsche Jugendliche, ältere Migranten und deutsche Erwachsene.

Um den Rahmen dieser Arbeit zu begrenzen, befasse ich mich hier ausschließlich mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Der besseren Lesbarkeit halber benutze ich in dieser Arbeit ausschließlich die männlichen Bezeichnungen, selbstverständlich meine ich wertungsfrei ebenso die jeweiligen weiblichen Personen.

Die Begriffe „junge Migranten“, „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ (unabhängig von einer möglicherweise vorhandenen deutschen Staatsangehörigkeit) oder „jugendliche Ausländer“ (hier bezieht sich die Bezeichnung „Ausländer“ eher auf den Migrationshintergrund als auf den Pass) benutze ich synonym, da mir die fachliche Darstellung wichtiger ist als ein emanzipatorischer Ansatz.

1 Interkulturelle Bildung – früher und heute

Die Anwerbung von „Arbeitsmigranten“ in der Wiederaufbau- und Nachkriegszeit der 50er und 60er Jahre sorgte vor allem in den Jahren des Wirtschaftsbooms in Deutschland dafür, dass schnell ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen konnten. Geplant war ein zeitlich begrenzter Aufenthalt der Arbeitsmigranten für

ca. 2 – 3 Jahre, danach ihre Rückreise in die Heimat.

Da durch dieses Vorgehen immer wieder neue Arbeitskräfte angelernt werden mussten, verlangte die Wirtschaft nach Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigungen.

1954 wurden dann Lohntransfer und Familiennachzug gesetzlich geregelt.

Bis 1961 wurden jährlich ca. 20.000 „Gastarbeiter“ angeworben (http://de.wikipedia.org/wiki/Gastarbeiter).

Die Pufferfunktion ihrer Arbeitskraft zeigte sich darin, dass sie in der Regressionsphase deutlich reduziert werden sollte, um die Betroffenheit deutscher Arbeitskräfte von der zyklischen Konjunkturphase zu verringern. Dies führte 1973 zum „Anwerbestopp“. In der Beschäftigungskrise 1966/67 reduzierte sich die Zahl der sog. „Gastarbeiter“ um 0,5 Millionen, was einem Anteil von 46% der anwesenden ausländischen Arbeitskräfte entsprach (Seifert 2001, S. 3).

Ihre Anwesenheit in den 60er und 70er Jahren führte zu einer Unterschichtung des deutschen Arbeitsmarktes. Ausländische Arbeitskräfte gliederten sich unterhalb der untersten deutschen Schicht in den Arbeitsmarkt ein.

In Fort- und Weiterbildung dieser Gruppe investierten weder Staat noch Industrie. Aufgrund der befristet angelegten Ausländerbeschäftigung wurden entsprechende Investitionen nicht als lohnend erachtet.

Die Idee einer interkulturellen Erziehung entstand in Folge der Arbeitsmigration und der Konfrontation mit den sozialen Folgen.

1.1 Hintergründe interkultureller Erziehung

Interkulturalität bezeichnet das Verhältnis zwischen den Kulturen. Die gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen die Interdependenz lokaler, nationaler und regionaler Ereignisse und Handlungen im Zuge zunehmender Globalisierung.

Die Internationalisierung der Märkte durch die Entwicklung der heutigen EG führt zu weltweiter Arbeitsmigration mit unmittelbaren Folgen für das Bildungssystem und die Erwachsenenbildung.

Migrationsbedingte Herausforderungen für das Lernen betreffen nicht nur die Migranten, sondern auch die mit den Migranten interagierenden Menschen des Aufnahmelandes (Friedenthal-Haase Hg. 1992, S. 17)

Sprachliche und kulturelle Heterogenität gab es zu allen Zeiten. Im Bereich von Bildung und Erziehung wird sie erst seit dem Aufkommen des Gemeinschaftsunterrichtes (1794) als Problem definiert und thematisiert. Durch die Einrichtung öffentlichen Unterrichtes wurde der Normalfall (sprachlich-kulturelle Pluralität) zum Störfall. Diese Pluralität wurde als störend und negativ empfunden und galt als „zu beseitigen“ oder als Ausnahmefall zu deklarieren (Krüger-Potratz 2003, S. 39).

Nach 1945 wurden internationale Vereinbarungen zur Beachtung der Menschenrechte unterzeichnet, die europäische Einigung wurde grundgelegt und es begannen umfangreiche Migrationsbewegungen im Rahmen der Auflösung des Kolonialsystems. Die gezielte Anwerbung von Arbeitskräften in ökonomisch schwächeren Ländern und der „Zerfall“ des Ostblocks sorgten für massive Veränderung der westlichen Gesellschaften.

„Mit den Menschen sind viele unterschiedliche Sprachen, Lebensweisen und Glaubensvorstellungen usw. in die verschiedenen Aufnahmeländer, darunter auch nach Deutschland (zu-)gewandert“( Krüger-Potratz 2003, S. 39).

Seit Beginn der 80er Jahre werden Konzepte interkultureller Erziehung in Ansätzen formuliert, 1979 taucht der Begriff „interkulturell“ erstmals in Publikationen auf.

1.1.1 Phasen der Theoriebildung der interkulturellen Pädagogik

Nieke (in Auernheimer 1995, S. 5) unterscheidet 1986

mehrere Phasen der Theoriebildung in der Ausländerpädagogik bzw. interkulturellen Pädagogik.

Während der 60er Jahre befasste sich die Pädagogik nicht nachhaltig mit der Problematik der Migration und ihren Folgen, da alle Seiten von einer Rückkehr der Arbeitsmigranten ausgingen.

In den 70er Jahren bezog sich „Ausländerpädagogik“ ausschließlich auf „ausländische“ Kinder[2] und auf deren Eingliederung in die deutsche Schule und Gesellschaft.

Als vordringlichstes Thema sahen Autoren dieser Zeit die Sprachdefizite ausländischer Schüler und es gab eine Reihe von Veröffentlichungen dazu, die hier alle zu erwähnen den Rahmen sprengen würde.

In dieser ersten Phase ging es vor allem um den Abbau der Defizite ausländischer Schüler, bei dem die Pädagogik eine kompensatorische Funktion haben sollte. Hier fand vor allem eine teutozentristische Behandlung der ausländischen Schüler ausschließlich auf Schule und Kultur des Aufnahmelandes statt.

Die Auswirkungen der Immigration auf das soziale und kulturelle Leben des Aufnahmelandes wurden nicht thematisiert.

In der zweiten Phase der 80er Jahre wurde erkannt, dass sich die interkulturelle Thematik nicht nur auf die Zielgruppe der Migranten konzentrieren sollte, sondern dass eine transnationale Perspektive im Bereich von Bildung und Erziehung erforderlich ist. Es wuchs die Erkenntnis, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden war. Es wurden Konzepte einer interkulturellen Pädagogik entwickelt und diskutiert. Voraussetzung der interkulturellen Pädagogik war die Anerkennung kultureller und ethnischer Minoritäten als Bestandteil einer multikulturellen Gesellschaft (Auernheimer 1995, S. 9).

Zunehmend befasste man sich in dieser Phase auch mit außerschulischen pädagogischen Arbeitsfeldern, wie z.B. außerschulische Jugendarbeit und berufliche Bildung.

Die dritte Phase stellt für Nieke „Interkulturelle Erziehung für eine multikulturelle Gesellschaft“ dar.

Ende der 80er Jahre wuchs die Zahl der Aussiedler aus Osteuropa rapide an, seit Beginn der 90er Jahre beherrscht das Thema jugendlicher Rechtsextremismus die pädagogische Debatte. Phänomene wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus nehmen eine „antirassistische Erziehung“ in den Blick (Auernheimer 1995, S.11).

Die Phaseneinteilung durch Nieke verdeckt die Tatsache, dass die Wissenschaftler in den 80ern durchaus kontrovers über eine Theoriebildung interkultureller Pädagogik diskutierten.

1.2 Interkulturelle Bildung in der Gegenwart

Die Notwendigkeit interkultureller Bildung ergibt sich aus der internationalen Migration, aus der europäischen Einigung und aus dem Prozess der Globalisierung.

Sie ist Reaktion der Pädagogik auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen, hervorgerufen durch Einwanderung (Arbeitsmigration, Aussiedlung, Flucht).

Interkulturelle Bildung ist weder ein Harmonisierungskonzept noch reine „Ausländerpädagogik“[3]. Sie räumt allen Beteiligten die Chance ein, voneinander zu lernen, den eigenen Horizont zu erweitern und zu kultureller Neugier und zu solidarischem Verhalten zu gelangen.

An die interkulturelle Lernfähigkeit der deutschen Bevölkerung und ihrer Zugewanderten werden hohe Anforderungen gestellt: Der Umgang mit kultureller Vielfalt und unterschiedlicher Herkunft der Mitmenschen ist zu bewältigen und auch die Integration des östlichen und westlichen Teils Deutschlands ist eine nach wie vor zu bearbeitende Aufgabe.

Interkulturelle Bildung und Erziehung sind einerseits Querschnittaufgabe und Schlüsselqualifikation, andererseits ist interkulturelle Bildung eine Fachrichtung innerhalb der Erziehungswissenschaft. Interkulturelle Bildung, in anderen Texten auch interkulturelle Pädagogik oder interkulturelle Erziehungswissenschaft genannt, setzt sich als spezielle Fachrichtung mit den Folgen von Migration und Globalisierung für Bildung und Erziehung auseinander. Gleichzeitig fragt sie nach dem Umgang mit sprachlicher, kultureller, ethnischer und nationaler Heterogenität im Bereich von Bildung und Erziehung (Krüger-Potratz 2003, S. 45).

Mit dieser Perspektive stellt sie den Allgemeinheitsanspruch der allgemeinen Pädagogik in Frage. Sie kritisiert die Verallgemeinerung einer ethnozentrischen, national- und kulturspezifischen Weltsicht und die sich daraus ergebenden Legitimationen politischer und sozialer Machtverhältnisse.

Das Weiterbestehen der Segregation vieler Schüler unterschiedlicher Herkunft in Sonderklassen (z. B. Ausländerregelklassen, Förderklassen oder auch der Entwicklung ganzer Schulen zu "Ghettoschulen" mit nur geringem Anteil einheimischer Schüler) führt allerdings oft dazu, dass interkulturelles Lernen immer noch nicht stattfinden kann.

1.2.1 Prinzipien einer interkulturellen Erziehung

Interkulturelle Erziehung will das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern, zwischen Einheimischen und Zuwanderern verbessern. Ihre theoretische Konzeption hat bestimmte Prinzipien, welche nachfolgend genannt werden.

Die Besonderheiten der Migranten sollen berücksichtigt werden. Menschen aus anderen Kulturkreisen sind in vielen Lebensbereichen nicht kategorisch mit Einheimischen gleichzusetzen.

Zuwanderer unterliegen in Deutschland einem gewissen Assimilationsdruck, dieser muss, zumindest teilweise, aufgehoben werden. Eine Fixierung auf die Kultur der Herkunftsländer wird abgelehnt, vielmehr sollen die durch die Wanderung entstandenen Veränderungen einbezogen werden.

Das Konzept interkultureller Erziehung fordert eine Abkehr von der „Defizittheorie“, nach der die Anwesenheit der Migranten für die Betroffenen selbst und für die Gesellschaft ausschließlich als Problem gesehen wird.

Die Voraussetzungen für ein gemeinsames Leben und ein Miteinander von Deutschen und Ausländern sollen durch die o.g. Betrachtungsweisen geschaffen werden. Es geht letztendlich darum, miteinander und voneinander lernen zu können.

Interkulturelle Erziehung leistet nicht nur Orientierung für die Pädagogik, sondern verlangt die Bereitschaft, die anderen Kulturen wahrzunehmen und bei der Auseinandersetzung mit ihnen den eigenen Standpunkt zu relativieren. Anpassungsleistungen sind nicht nur von den Minderheiten zu erbringen, sondern auch von deutschen Personen und Institutionen, nicht zuletzt von Betrieben und von allen Mitgliedern der aufnehmenden Gesellschaft (Boos-Nünning 2005, S. 36).

„Die Idee des interkulturellen Lernens ernst zu nehmen verlangt, dass die üblichen Formen von Bildung und Erziehung und das Verständnis vom Lernenden und von der Lernsituation hinterfragt werden und eine Öffnung gegenüber neuen Sichtweisen und neuen pädagogischen Ansätzen erfolgt.“ (ebd.)

In Bereichen wie Schule, Sozialarbeit und Jugendarbeit sind Ansätze interkulturellen Lernens schon längere Zeit im Fokus. Im Zusammenhang mit beruflicher Bildung werden sie noch wenig diskutiert.

Gedanken interkulturellen Lernens werden nicht auf die Qualifizierung des Lehrpersonals und der Ausbilder in Deutschland angewendet. Sie finden allenfalls in Bereichen des Managements in fremden Kulturen oder zur berufspädagogischen Aus- und Weiterbildung von Lehr- und Ausbildungskräften aus den Entwicklungsländern Anwendung (Boos-Nünning 2005, S. 37).

Beim interkulturellen Lernen/Training (es gibt dazu viele Seminare und Workshops) geht es also um den Abbau von Stereotypen und um den Aufbau von Toleranz. Den eigenen Ethnozentrismus abbauen und ein Fremdverstehen zu erreichen gehören ebenfalls dazu.

Der Weg dorthin ist nicht genau planbar, aber das Ergebnis interkulturellen Lernens sollte interkulturelle Kompetenz sein.

1.3 Migration – Deutschland, ein Einwanderungsland?

Migration ist jede längerfristige Verlagerung des Lebensschwerpunktes über eine größere Distanz. Dies zieht ein Verlassen des bisherigen sozialen Aktionsraumes nach sich (Krüger-Potratz 2003, S. 34).

Wird eine Ländergrenze überschritten, spricht man von internationaler Migration, innerhalb eines Landes spricht man von Binnenmigration (z.B. Landflucht). Das Einwandern in eine neue Heimat ist Immigration, das Verlassen der alten Heimat Emigration.

Migration kann freiwillig oder erzwungen erfolgen.

Ursachen sind oft politische Verfolgung aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder politischer Anschauung. Nach den Genfer Flüchtlingskonventionen gelten diese Menschen als Asyl Suchende.

Ökonomisch zwingende Gründe der Migration führen selten zu einer Anerkennung als Asylbewerber oder Flüchtling, obwohl eine schlechte

wirtschafliche Lebenslage durchaus bedrohlich sein kann und die Migration somit nicht zwingend freiwillig sein muss, sondern ebenfalls erzwungen ist.

Migration gibt es in Form von Völkerwanderungen seit Jahrtausenden. Meist waren sie mit Kriegen verbunden, in denen das neue Heimatland erobert wurde.

Viele Zielländer haben heute umfangreiche Gesetze zur Verhinderung des Zuzugs „unerwünschter“ Migranten. Grundlage sind oft subjektive Kriterien wie die erschöpfte Aufnahmekapazität des Aufnahmelandes oder die drohende finanzielle Überlastung der Sozialsysteme der aufnehmenden Länder. Da diese Begründungen jedoch nicht auf die eigene Bevölkerung angewendet werden, sind sie zwangsläufig ausgrenzend.

Nach vielen Jahrzehnten der „nationalen“ Abgrenzung beginnt die Bundesrepublik Deutschland, sich als Ein- oder Zuwanderungsland zu sehen.

Als Gründe für diesen Wandel werden vor allem demographische, ökonomische und sozialpolitische genannt: Die zunehmende Vergreisung der bundesrepublikanischen Gesellschaft, das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte und das Problem der unsicheren Renten.

1.4 Kultur und Integration

Die Verwendung der Begriffe Kultur und Integration ist breit gefächert.

Kultur ist die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. einer Ethnie[4] und - bezogen auf den einzelnen Menschen - seine Bildung, Gesittung und Lebensweise.

Sie hängt mit den jeweiligen Bedingungen einer Epoche zusammen.

Enkulturation beschreibt den Lernvorgang, in dem sich der Mensch die Bestandteile der Kultur aneignet, in der er lebt (Krüger-Potratz 2003, S. 33).

Der Begriff Integration ist in der öffentlichen Diskussion ein Allerweltsbegriff und wird je nach Wissenschaftsrichtung und politischem Lager unterschiedlich benutzt. Integration wird teilweise ohne Definitionsversuch synonym

verwendet für Anpassung, Enkulturation, Einbürgerung, Assimilation und Chancengleichheit.

Durch Integration sollen bisher außen stehende Personen oder Gruppen Mitglieder einer größeren sozialen Gruppe oder Gesellschaft werden. Hier ist nicht Assimilation (völlige Anpassung) an ein bereits bestehendes

Ganzes gemeint, sondern die Schaffung eines neuen Ganzen unter Einbringung der Werte und Kultur der außen stehenden Gruppe in die neue Gesellschaft bei Erhalt der eigenen Identität.

Integration ist eine dauerhafte politische und gesellschaftliche Aufgabe, die alle im Land lebenden Menschen betrifft.

Der Appell an Integration richtet sich teilweise ausschließlich auf die Minorität, manchmal wird die Majorität im Hinblick auf ihre Bereitschaft und Integrationsangebote einbezogen.

Grundsätzlich ist ein Klima der Akzeptanz für das Gelingen sozialer Integrationsprozesse wichtig.

Denn: Das „Ausleben-dürfen“ kultureller Verhaltensweisen und des religiösen Lebens innerhalb der Regeln der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wird nicht uneingeschränkt toleriert.

1.5 Sozialisation junger Migranten in die Gesellschaft

Sozialisation ist der Prozess, in dessen Verlauf der Mensch zum Mitglied einer Gesellschaft und Kultur wird. Nach Tillmann (1991, S. 10) entwickelt sich während der Sozialisation die Persönlichkeit in Interdependenz zwischen gesellschaftlich vermittelter sozialer und materieller Umwelt. Bedingungen am Arbeitsplatz gehören ebenso dazu wie die Wohnsituation oder das elterliche Sprachverhalten.

Sozialisation ist als lebenslanger Prozess zu verstehen.

Der Sozialisationsprozess ausländischer Kinder und Jugendlicher ist geprägt von Widersprüchen. Migrantenfamilien sind sehr häufig weder in der Lage, ihren Kindern die Normen und Werte des sich veränderten Herkunftslandes noch die der Bundesrepublik so zu vermitteln, dass die Kinder für beide Gesellschaften nur unzureichende Verhaltensmuster mit auf den Weg bekommen. Sie haben so innerhalb und außerhalb der Familie Schwierigkeiten,

den entsprechenden Verhaltensanforderungen zu entsprechen (Beer-Kern 1992, S. 46).

Spät eingereiste Jugendliche mit einer quasi ungestörten Sozialisation im Herkunftsland zeigten sich in den Modellversuchen des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) statistisch gesehen als stabile und konfliktfähige Persönlichkeiten.

Die Gruppe der vor oder während der Sekundärsozialisation[5] eingereisten Jugendlichen erlebten die Sozialisationsbrüche in einem Alter, in dem ihre Persönlichkeitsbildung noch nicht abgeschlossen war. Sie konnten weder eine Ich-Identität aufbauen noch den muttersprachlichen Prozess abschließen. Vor allem diese Gruppe reagiert auf ihre Situation ängstlich und mit Stress, der sich negativ in den Leistungen niederschlägt (Beer-Kern 1992, S. 46).

Auffällig ist, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind, oft noch schlechtere Ergebnisse erzielten als Jugendliche, die im Ausland geboren und dort zur Schule gegangen sind. Das frühe Einreisealter scheint also keine Bedingung für Erfolg im deutschen Bildungssystem zu sein (Lagebericht 2005, S. 49).

1.5.1 Sozialisation und berufliche Integration von Migranten

Migration findet häufig im Familienverband statt. Verwandtschaftliche Netzwerke geben Stabilität und führen so zu einer erfolgreichen Bewältigung von Eingliederungsprozessen. Sie schützen in vielen Fällen vor Identitätsverlust und Marginalisierung.

Bisher ist allerdings der Nachzug der Kernfamilie noch nicht in allen Fällen rechtlich abgesichert. Er ist an verschiedene Bedingungen geknüpft, wie z.B.: Zuzugsberechtigt sind nur Kinder unter 16 Jahren; es muss ausreichend Wohnraum vorhanden sein; Sicherung des Lebensunterhaltes muss gewährleistet sein; Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung oder –berechtigung des in Deutschland lebenden Angehörigen (www.bmi.bund.de, November 2004, S.23).

Berufliche Qualifizierung als ein Aspekt der Sozialisation im Jugendalter hat entscheidenden Einfluss auf die Herausbildung einer Identität und ist so wesentliche Voraussetzung für jegliche Art von Integrationsleistung. Der Sozialisationsverlauf im Jugendalter, in einer psychologisch äußerst labilen Phase, hat für die Herausbildung der Identität entscheidende Bedeutung.

In dieser Phase ist der Einfluss beruflicher Sozialisation qualitativ noch bedeutender als schulische Sozialisation im Kindesalter.

Das Identitätsproblem trifft junge Ausländer in der Jugendphase besonders deutlich.

Die Bewältigung der eigenen Vergangenheit und die Suche nach einer persönlichen Zukunft werden durch geringe berufsbildende Chancen und auch durch die ständig offene Frage nach Rückkehr oder Verbleib stark erschwert.

Für die berufliche Integration sind mehrere Faktoren maßgeblich. Wichtig ist der erfolgreiche Abschluss der Berufsausbildung. Ein Abbruch wirkt sich negativ auf die berufliche Integration aus. Als qualifizierte Fachkräfte in den Arbeitsprozess zu gelangen und mittel- bzw. langfristig gesichert qualifiziert tätig sein zu können würde eine erhöhte vertikale Mobilität als positive Folge haben.

Das Erlernen der deutschen Sprache im Zusammenhang mit Berufsqualifizierung ist von zentraler Bedeutung für den beruflichen Aufstieg.

„Die gestiegene berufliche Integration wiederum erhöht die Chancen zu vorurteilsfreien Kontakten mit deutschen Arbeitskollegen; damit werden [….] für den einzelnen entscheidende Barrieren der weitergehenden Assimilation abgebaut.“ (Schöneberg in Beer-Kern 1992, S. 50)

Weiter geht Schöneberg davon aus, dass Sprachkompetenz und beruflicher Aufstieg u.a. steigendes Einkommen und Wohnqualität nach sich ziehen. Dies bedingt eine Lebenszufriedenheit, die sich positiv auf die Assimilationsbereitschaft auswirkt. Gleichzeitig verringert sich der Rückkehrwunsch (ebd., S. 50-51).

2 Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Ausländer – Begriffsklärungen und Hintergründe

Eine Fülle unterschiedlicher Fachbegriffe mit differenzierten Bedeutungen und gesetzlich festgelegten Begrenzungen und Beschränkungen macht eine Vorabklärung dieser Begriffe notwendig.

Ferner werden schulische Eingangsvoraussetzungen für eine Berufsausbildung und Ausbildungsbeteiligung junger Migranten erörtert.

2.1 Die Problematik amtlicher Statistiken

Das „Hamburger Abendblatt“ schreibt am 07.06.2006:

„Nach den Aussagen des Statistischen Bundesamtes haben 15,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund, somit ist fast jeder fünfte ausländischer Herkunft. Dazu zählen zugewanderte oder in Deutschland geborene Ausländer sowie als Deutsche eingebürgerte Ausländer und Spätaussiedler sowie deren Kinder.“

Die Datenlage amtlicher Statistiken ist oft verzerrt, da eingebürgerte Migranten und spät ausgesiedelte Familien als Deutsche erfasst werden. Ihr Migrationshintergrund ist in Statistiken nicht aufgeführt.

Durch das seit 2000 geltende Einbürgerungsgesetz wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt jährlich mehrere Zehntausende der Kinder, die in Deutschland von Ausländerinnen geboren werden automatisch von Geburt an Deutsche, so dass ihr Migrationshintergrund statistisch nicht ersichtlich ist.

Aus dieser Tatsache ergeben sich Informationsdefizite, die die Aussagekraft der Statistiken in Frage stellen.

Noch ungeklärt ist die Frage, was genau mit dem Begriff „Migrationshintergrund“ erfasst werden soll. Bedeutet z.B. ein zugewanderter Elternteil bereits einen Migrationshintergrund, oder besteht dieser nur bei einer Zuwanderung beider Elternteile?

Die Staatsangehörigkeit der Wohnbevölkerung wird in Deutschland in den Melderegistern erfasst. Allerdings wird nur jeweils eine Staatsangehörigkeit aufgeführt. Haben Deutsche oder Ausländer mehrere Staatszugehörigkeiten, werden diese somit nicht sichtbar (Beck August 2005, S. 554).

[...]


[1] Deutsche Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

[2] Der Begriff „Ausländerpädagogik“ wurde 1970 entwickelt. Er war nicht Programm, sondern bestand aus ehrenamtlicher Nachhilfe.

[3] Ausländerpädagogik war als Bezeichnung bis Anfang der 80er Jahre üblich. Darunter wurden alle bildungspolitischen, pädagogischen und Forschungstätigkeiten gefasst, die im Zusammenhang mit der Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien standen (Krüger-Potratz 2003, S. 29).

[4] Ethnologen verstehen darunter eine Gruppe von Personen, die einer gemeinsamen Sprachgruppe, Kultur oder Religion angehören. Fernen gehen die Mitglieder einer Ethnie von einer gemeinsamen Abstammung aus.

[5] Primäre Sozialisation ist die frühe Sozialisation allein in der Familie, sekundäre Sozialisation ist die nachfolgende Sozialisation in Familie, Schule und Altersgruppe (Tillmann 1991, S. 19)

Details

Seiten
83
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656289654
ISBN (Buch)
9783656448105
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202941
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
3,3
Schlagworte
Migration; Übergang Schule - Beruf Bildungssystem Bildungschancen

Autor

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Titel: Integrationschancen durch berufliche Ausbildung und Bildung Jugendlicher mit Migrationshintergrund