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Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Pod- und Vodcasts in der Bildungswissenschaft
2.1 Lerntheoretische Grundlagen
2.2 Medienkompetenz
2.3 Funktionen von Pod- und Vodcasts
2.4 Didaktisches Design

3 Die Produktion von Pod- und Vodcasts
3.1 Motivation
3.2 Technische Aspekte
3.3 Das Urheberrecht

4 Der Podcast „Man lernt nie aus - Die Bedeutung des Web 2.0“
4.1 Thematik und inhaltliche Struktur des eigenen Podcasts
4.2 Bildungswissenschaftlicher Bezug
4.3 Die didaktische Struktur des Podcasts

5 Reflexion der praktischen Umsetzung
5.1 Aufgabenstellung
5.2 Motivation
5.3 Technische Umsetzung
5.4 Bewertung der persönlichen Erfahrungen

6 Fazit zum Einsatz von Pod- und Vodcasts in der Bildungswissenschaft

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In unserem Alltag sind die neuen Medien ob im Privaten, der Wirtschaft oder der Wissen- schaft fest integriert. Das Web 2.0 birgt Eigenschaften, die für die Nutzung als Plattform und unter Einbeziehung der kollektiven Intelligenz der Nutzer kommunikative Funktionen über- nehmen (Alby, 2008, S. 15f). Auch aus dem Bildungsbereich sind Kommunikationstools nicht mehr auszuschließen. Sie werden für die Wissensvermittlung und die Speicherung von Infor- mationen genutzt und haben Einfluss auf kulturelle und soziale Gefüge. Sie werden nicht nur konsumiert, sondern durch ihre veränderten Eigenschaften, die sie flexibel werden ließ, kön- nen sie ebenso produziert werden. Auch sind sie nicht mehr starr getrennt von den klassischen Medien wie Printmedien oder Filmen zu sehen, da sie inzwischen gemischt angeboten werden. So kann ein Artikel in einer Zeitschrift klassisch in Druckversion und auch über das Internet auf dem Bildschirm gelesen werden. Ein Buch kann man auch als Hörbuch konsumieren. Die Medienprodukte können so in vielfacher Form erworben werden. Die technischen Bedingun- gen werden ständig verbraucherfreundlicher, so dass die Produktion eines Mediums nicht nur Profis obliegt.

So sind Pod- und Vodcasts entstanden, die hier aufgrund einer Lernerfolgsorientierung be- trachtet werden, da mit ihnen auch Medien zur Unterrichtsgestaltung und Vermittlung von Lerninhalten entstanden sind. Mit dieser Hausarbeit wird in Kapitel 2 ein Einblick in die bil- dungswissenschaftlichen Grundlagen der Pod- und Vodcasts gegeben. Auf die motivierenden Aspekte wird folgend eingegangen. Um ein technisch und qualitativ gutes Podcast zu erstel- len, werden anschließend Lernziele und Grundlagen kurz beschrieben. Im darauf folgenden Kapitel wird der Vorgang reflektiert. Dabei ist die wesentliche Grundlage das bildungstechno- logische Thema „Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien“. Im Kapitel 4 wird die Entwicklung und Umsetzung eines eigenen Podcast unter Betrachtung von Lernziel und Moti- vation beschrieben. Die Umsetzung wird in Kapitel 5 evaluiert und mit einem Fazit über das weitere Angebot von Pod- und Vodcasts in der Bildung schließt diese Arbeit ab. Die Thematik entstand aus der persönlichen Herausforderung im Umgang mit den Angeboten des Webs 2.0. Sie verbindet die Ansätze des kooperativen und selbstgesteuerten Lernens mit Beispielen der Nutzung des Webs 2.0. Die gewonnenen persönlichen Kenntnisse der Autorin durch die prak- tische Umsetzung werden in der Arbeit betrachtet.

Der besseren Lesbarkeit halber wird in diesem Text meist die männliche Form verwendet, gemeint sind dabei aber immer beide Geschlechter gleichermaßen.

2 Pod- und Vodcasts in der Bildungswissenschaft

Mit dem Web 2.0 ist ein neues Arbeits- und Kommunikationsfeld entstanden, bei dem von der reinen Präsentation von Lernstoffen bis hin zur individuellen und selbstgesteuerten Lernum- gebung ein unermesslich großes Potenzial für die Bildung entstanden ist. Ein Produkt aus dieser Fülle ist der Pod- und/ oder Vodcast. Er ist ein neues Kommunikati- onsprodukt. In der Bildungswissenschaft werden Podcasts (Audiodatei) und auch Vodcasts (Videodatei) als Unterstützung für Lernende und als Verbreitungsmittel für Lehrende einge- setzt (vgl. Bastiaens, 2011, S. 84).

Basierend auf den Prinzipien der Open Software, durch die Materialien verbreitet und Menschen vernetzt werden können, entwickeln die Nutzer Softwareanwendungen gemeinsam nach ihren Bedürfnissen. So kann prinzipiell jeder Anwender neue Ideen einbringen und dadurch zur Erweiterung des Produktes beitragen. Ein weit verbreitetes Beispiel dafür ist die OnlineEnzyklopädie Wikipedia (vgl. Deimann, 2012, S. 5).

Ein Podcast verbindet Eigenschaften aus verschiedenen Medien, die aber nicht ausschließlich dafür entwickelt wurden. Der Begriff Podcast ist eine Wortschöpfung aus den Bezeichnungen "Ipod" von Apple und dem englischen Begriff "Broadcasting" (vgl. Alby, 2008, S. 73). Er wird genutzt für eine Sendung beziehungsweise Serie von Sendungen. Durch die Kritik an der Nähe zum Produkt iPod setzte sich auch die Bezeichnung „Audioblog“ fest. Podcasts können als eine Art Radiosendung mit vom Konsumenten festgelegten Sendezeiten betrachtet werden. Podcasts können wie News und Blogbeiträge über RSS-Feeds abonniert werden, so dass neue Folgen automatisch aus dem Netz geladen werden (vgl. Alby, 2008, S. 74f). Sie setzen sich aus einer oder mehreren Audiodateien zusammen und sind meist über das Internet veröffent- licht. Podcasts werden vielfach über iTunes und iPods abgespielt (vgl. Alby, 2008, S. 75). Ein Vodcast kann ebenso über den Feed veröffentlicht werden, jedoch besteht er aus einer Videodatei (vgl. Bastiaens, 2011, S. 96). Das Produzieren und Anbieten von Podcasts wird Podcasting genannt (vgl. Alby, 2008, S. 74).

2.1 Lerntheoretische Grundlagen

Jeder Lernprozess unterliegt Erwartungen, Durchführungsmöglichkeiten und Zielstellungen. Das konstruktivistische Lernverständnis beschreibt ihn als Kombination aus aktiven Konstruktionsprozessen, der durch Selbststeuerung Wissen auf vorhandene Wissensstrukturen aufbaut, dabei das Vorwissen interpretiert und mit Erfahrungen verknüpft. Unterstützt wird der Lernprozess durch positive Emotionen und Motivation und er erfordert vom Lernenden die Bereitschaft zur Selbstkontrolle und Planung des Prozesses. Das Lernen ist ein sozialer und situativer Prozess in Interaktion und an Kontexte gebunden. Problemorientierte Lernumge- bungen, die das selbstgesteuerte Lernen in medialen Lernarrangement unterstützen, sind auf Distribution von Informationen, Interaktion zwischen Nutzer und System und Kollaboration zwischen Lernenden ausgerichtet (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, S. 32f). Grundlegend für den Lernvorgang sind nachweisbar die entstandenen Lernkonstrukte.

Jedes Medium hat seinen eigenen Anwendungsnutzen. Jeder Lernende nimmt individuell Informationen auf, setzt sie um und gelangt zu Lernergebnissen, die je nach Vorwissen, Leistungsstand und äußeren Einflüssen formuliert sind. Das Erkennen und Wissen wird funktionell aktiv konstruiert. Ein Podcast vermittelt Wissen mit text- und bildbasierten Elementen wie z.B. den Audiodateien (vgl. Alby, 2008, S. 81).

Die kognitiven Fähigkeiten des Lernenden wirken im aktiven Lernprozess unterstützend. Aus- gehend vor einer nicht hinterfragten Grunderfahrung wird im unmittelbaren Erleben und ge- zieltem Beobachten aus den neu anstehenden Erfahrungen eine Lösung konstruiert und als Wissen im Reflektieren in einer Interaktion übernommen (vgl. Bittner, 2001, S. 39). Anhand dieser konstruktivistischen Lernfähigkeit können Individuen in den verschiedenen Lernumge- bungen agieren und durch Selektion und Transformation ihren Lernprozess problemorientiert aktivieren.

Kooperatives Lernen kann angeleitet oder selbstorganisiert erfolgen; wichtig ist dafür eine Koordination oder Moderation kooperativer Lernprozesse, die durch Medien als unterstützende Lernanweisungen gefördert werden (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, S. 12). Bildungswissenschaftliche Pod- und Vodcasts können als solche Medien fungieren und eine konstruktivistische Wissensaneignung unterstützen; für die Adaption sind die Medienkompetenzen der Lehrenden und Lernenden entscheidend.

2.2 Medienkompetenz

Das ständig wachsende Angebot an virtuellen Produkten im Bereich E-Learning bedarf einer ausgeprägten Medienkompetenz. Die Anforderungen an die Lernenden und Lehrenden haben sich durch die neuen Medien verändert. Das Lernangebot sollte auf die Entwicklungsstufe des Lernenden eingehen: Anhand von

1. Bedarfsanalyse
2. Planung/ Konzeption
3. Entwicklung und
4. Einsatz/ Implementation sowie anschließender
5. Evaluation (vgl. Reinmann, 2011, S. 40)

wird, ausgehend von der Motivation, ein Zugang zu Lernumgebung und kooperativer Onli- ne-Sozialisation z.B. für einen Informationsaustausch geschaffen. Für die Wissenskonstruk- tion sind geeignete Kommunikationsmöglichkeiten wie Chats bereitzustellen und die Mode- ration schrittweise in die Verantwortung der Lernenden zu übertragen. Ziel und Zweck ist der gemeinsamen Wissenserwerb unter Nutzung von medialer Technik, unterstützt von Mo- deration (vgl. Reinmann, 2011, S. 148) und normativen Vorgaben (vgl. Boos, 2009, S. 88). Die Aktivitäten der Lernenden können durch Instruktionen gesteuert und Motivation, Vor- wissen, Verstehensprozesse sowie der Aufbau und Anwendung von Wissen durch Konstruk- tionen beeinflusst werden (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, S. 37). Es ist entscheidend, ob die Lernenden sich nur Informationen beschaffen, sich Wissen aneignen oder die Medien als Problemlösungsmittel einsetzen und damit weitere Medien aufbauen möchten (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, S. 40f).

Die Förderung der Selbstreflexion ist ein wichtiger Transformationsprozess für den Lernvor- gang. Durchdachte Konzeptionen, systematisch evaluierte Curricula zu technik-, selbst- und sozialbezogenen Kompetenzen lassen eine fundierte Medienkompetenz entstehen. Phasen in diesem Prozess sind

1. Das formelle Curriculum mit Zielformulierung, Medien, Materialien, Methoden
2. Im Anwendungscurriculum werden diese Punkte interpretiert und nachkorrigiert. Es können daraus neue Zielsetzungen entstehen. Der Lernprozess wird organisiert.
3. Das interpretierte Curriculum wird konkret umgesetzt und ein Handlungskonzept entwickelt.
4. Abschließend erfolgt die Evaluation des gesamten Prozesses und der darin wirkenden Faktoren (vgl. Kron & Sofos, 2003, S. 154f).

Dafür benötigen die Lernenden und die Lehrenden entsprechende Kompetenzen wie die sogenannte „reading literacy“ und „media literacy“, die für den Umgang mit virtuellen Textpräsentationen und die Nutzung von neuen Medien notwendig sind. Unter dem Begriff „literacy“ bündeln sich verschiedene Fähigkeiten, die dazu dienen, symbolische Systeme zu erkennen, zu verstehen und zu benutzen. Sichtbar werden sie in der Praxis, in der Menschen erfolgreich schrift- und medienbezogen kommunizieren und sich damit an Informations- und Austauschprozessen beteiligen (vgl. Bertschi-Kaufmann, 2004, S. 14).

Nach Kron & Sofos (2003, Seite 70f) ist die Medienkompetenz multifunktional. Sie umfasst

1. Technische Kompetenzen
2. Selbstbezogene Kompetenzen
3. Soziale Kompetenzen

und aktiviert Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung (vgl. Arnold, Kilian, Thillosen & Zimmer, 2004, S. 154). Fach- und Anwendungskompetenzen wirken sich verstärkend auf Kooperation und Partizipation, sowie asynchrone und synchrone Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden aus (vgl. Arnold et al., 2004, S. 157). „ … Die Medienkompetenz in der Bildungswissenschaft stellt hohe Anforderungen: erst im kritischen Dialog über den Lerngegenstand mit einem Experten erwerben die Lernenden die reflexiven und sozialen Kompetenzen …“(Arnold et al., 2004, S. 141): Lernende und Lehrende sind jedoch nicht statisch Medienkonsumenten und Medienproduzenten; diese Rollen wechseln sie stetig in der medialen Anwendung.

2.3 Funktionen von Pod- und Vodcasts

Eine konstruktivistische Lernumgebung kann durch die sogenannte „Social Software“ aufge- baut werden (vgl. Bastiaens, 2011, Seite 71). Sie ist kein eigenständiges Produkt, sondern eher eine Begrifflichkeit, die Softwaresysteme, zur Unterstützung menschlicher Kommunikation und kooperative Zuarbeitens beschreibt. Der Begriff setzte sich im Zusammenhang mit Wikis und Weblogs im Web 2.0 durch (Alby, 2008, s. 89). Beide haben die Eigenschaft, die Nutzung und Pflege sozialer Netzwerke durch Selbstorganisation zu unterstützen (vgl. Bächle, 2006, S. 121). Die „Social Software“ wird im Web 2.0 genutzt, um webbasierte Netzwerke und Bezie- hungen aufzubauen und zu präsentieren, in denen sich Personengruppen zu bestimmten The- matiken selbstorganisiert zusammenfinden und durch Kommunikation sowie Informationsaustausch voneinander profitieren. So ist auch das Pod- und Vodcasting, das effektiv in informellen und formalen Bildungskontexten eingesetzt werden kann, eine Handlungskomponente in sozialen Kontexten, in denen Identitäten, Beziehungen und Informationen vereint werden (vgl. Ebersbach, Glaser & Heigl, 2009, S. 29).

Pod- und Vodcasts kann man als eine Form des Teleteaching betrachten, denn die Lernenden gestalten Lernmaterialien ebenso wie Lernprozesse und somit ist auch der Lehrende mitunter ein Lernender z.B. bei der Gestaltung eines Pod- und Vodcasts: „… A relatively simple design in distance education is Teleteaching. […] as a form of e-instruction in general e-learning or distance teaching. Most often, it implements a sort of direct instruction approach. Sometimes it also is used as synonym for educational videoconferencing, i.e. as a component of a design, not a design by itself. …” (Schneider, 2011, S. 165). Prozesse des kollaborativen Lernens und die Entstehung einer Lern- und Lehrkultur in Netzwerken werden unterstützt (vgl. Bastiaens, 2011, S. 81).

2.4 Didaktisches Design

Erfolgreiches Lernen bedingt Kontexte von Lernszenarien, die die Aktivitäten und Prozesse auslösen und fördern. Der individueller Lernkontext wird durch ein Instruktionsdesign mit dem Anwendungskontext, einem pädagogischen Kontext in einem technologischen Kontext verbunden (vgl. Bastians, 2011, Seite 14ff). Der pädagogische Kontext trägt durch didaktische Methoden zum Lernerfolg bei und regt die konstruktivistische Informationsaufbereitung an. Technologien wie mediale Darstellung auf Plattformen, Interaktionen z.B. in Chats bewirken als Werkzeuge einen Lernvorgang (vgl. Bastians, 2011, Seite 18). Ein konstruktivistisch orien- tierter Instruktionsdesign-Ansatz unterstützt somit selbstständige, aktive und konstruktive Lernaktivitäten und Lernprozesse (vgl. Bastians, 2011, Seite 20) und wird durch folgende Überlegungen bei der praktischen Umsetzung zum Lernziel beitragen:

1. Definition der Lernziele
2. Identifikation der Lernereigenschaften
3. Auswahl und Vorbereitung der Lerninhalte
4. Auswahl der Methoden und Medien

Folgende Fragestellungen sollten im Vorfeld erörtert werden:

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656293606
ISBN (Buch)
9783656294573
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202955
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Bildung und Medien - eEducation
Note
Schlagworte
Podcast neue Medien E-Learning Bildung und Medien lebenslanges Lernen Konstruktivismus

Autor

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