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Das Organonmodell von Karl Bühler und seine Weiterentwicklung durch Roman Jakobson

Probleme bei der Anwendung an abstrakten sprachlichen Zeichen

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Organonmodell der Sprache von Karl Bühler

3. Das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson

4. Fragestellung

5. Fazit

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Ob in der Straßenbahn, in der Schule, auf Arbeit, im Internet, unter Menschen, selbst ganz allein am Strand - immerfort sind wir von Zeichen umgeben. Ob wir miteinander kommunizieren oder uns einfach nur in unserer Umwelt orientieren wollen, Zeichen sind unser Freund und Helfer. Wir benutzen Zeichen, bewusst und unbewusst und werden so Teilnehmer von Zeichenprozessen.

Zeichen bestimmen unsere Welt, sie bedeuten, wo es sonst nichts zu verstehen gäbe. Ihre wichtigste Eigenschaft ist jedoch, dass sie für den Zeichenbenutzer etwas darstellen, ohne dieses selbst sein zu müssen. Und eben weil Zeichen unsere Welt bestimmen, können sämtliche auf dieser Welt wahrnehmbaren Dinge als Zeichen fungieren - begonnen bei Sprache über Gegenständliches bis hin zu Vorstellungen und bloßen Einbildungen. Somit sind Zeichen das zentrale Instrument für zwischenmenschliche Kommunikation.

Da diese Kommunikation einer intuitiven Komplexität unterlegen ist, die sich nur schwerlich erklä- ren lässt, versuchen sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts Philosophen, Sprachwissenschaftler, Psy- chologen oder auch Naturwissenschaftler an der Erschaffung von Kommunikationsmodellen. Diese sollen die Komplexität in ihren grundlegenden Faktoren erfassen und überzeugend darzustellen.

Diese Arbeit soll sich mit dem Organonmodell von Karl Bühler und seiner Weiterentwicklung durch Roman Jakobson befassen, um beide Modelle nach einem kurzen Einblick in ihre Funktionen anhand eines praktischen Beispiels kritisch zu begutachten und ihre Grenzen aufzuzeigen.

2. Das Organonmodell der Sprache von Karl Bühler

Eines der bedeutendsten Zeichenmodelle des letzten Jahrhunderts wurde vom deutschen Psycho- logen, Arzt und Philosoph Karl Bühler (1879-1963) entwickelt. Im Rahmen seiner Sprachtheorie von 1934 rückt er mit dem Organonmodell das Zeichen ins Zentrum seiner Theorie. Er lehnt sich dabei an Platons Metapher der „Sprache als Werkzeug“ (griechisch: Organon)1 an und befasst sich mit den Funktionen der Sprache, welche ihm als Hilfsmittel gilt, mit dem eine Person einer anderen einen Sachverhalt mitteilt, um sie zu informieren oder um eine Verhaltensänderung zu bewirken.2

Laut Bühler besteht eine Kommunikationssituation aus drei Elementen: dem Sender, dem Empfänger und dem Gegenstand. Die Leistung eines sprachlichen Zeichens ist somit dreifach und von der Gesprächssituation determiniert, in der das Zeichen geäußert wird, sowie dem sozialen Raum und den Rollen der Kommunikationsteilnehmer.

„Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten, Symptom kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den Somit hat das sprachliche Zeichen drei Funktionen: Darstellungs-, Ausdrucks- und Appellfunktion.

Bei der Darstellungsfunktion beschreibt das Sprachzeichen als Symbol die Beziehung zwischen Zeichen und Objekt und stellt Gegenstände und Sachverhalte dar. Durch die Ausdrucksfunktion drückt das sprachliche Zeichen als Symptom die persönlichen Befindlichkeiten des Senders aus. Mittels Appellfunktion beschreibt Bühler die Beziehung zwischen Zeichen und Empfänger, auf den es als Signal wirkt. Dieses Signal wird vom Sender mittels Körpersprache, Tonlage oder der Art der Beschreibung beeinflusst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das Organonmodell der Sprache von Karl B ü hler (1934)

Das Dreieck symbolisiert die Zeichenfunktion, die das Schallphänomen besitzt. Der Kreis symbolisiert den Zeichenträger wie beispielsweise Schallphänomene oder Schriftzeichen. Die Linien stellen die semantischen Funktionen des Sprachzeichens dar.4

Dort, wo das Dreieck über den Kreis hinausragt, findet laut Bühler das Prinzip der apperzeptiven Ergänzung Anwendung. Dieses sagt, dass der Zeichenträger auch unvollständig sein kann. Der Empfänger ergänzt dann automatisch und meist unbewusst all das, was an der wirklich gehörten Äußerung des Senders unvollständig war. Zeichenfunktion und Lautfunktion sind bei Bühlers Mo- dell nicht kongruent. Häufig werden redundante Informationen produziert, die es herauszufiltern gilt, um nur die Aspekte des Zeichens zu betrachten, die für das Verstehen relevant sind. Die irrelevanten Bereiche werden im Modell mit dem über das Dreieck hinausragenden Kreissegment dargestellt. Diese Eigenschaft nennt Bühler das Prinzip der abstraktiven Relevanz.5

Allerdings fehlt Bühlers Modell eine grundlegende Eigenschaft - die des Kontextes, der erst ein Verstehen des Zeichens ermöglicht. Der Kontext bezeichnet alle Elemente einer Kommunikationssituation, die das Verständnis einer Äußerung bestimmen.6

Aufbauend darauf soll nun die Weiterentwicklung des Organonmodells durch Roman Jakobson in seinem Aufsatz Linguistik und Poetik (1960) betrachtet werden. Jakobson erweitert das dreigliedrige Zeichenmodell Bühlers zu einem Sprachmodell mit sechs Funktionen - Sender, Empfänger, Kanal, Botschaft, Kontext und Code.7

3. Das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson

Trotz differenzierter Ausgestaltung ist das nachfolgend dargestellte Modell Jakobsons durch eine ähnliche Herangehensweise gekennzeichnet wie beim Organonmodell. Auf diesem aufbauend formulierte der russische Formalist Roman Jakobson (1896-1982) ein Kommunikationsmodell, demzufolge an jeder sprachlichen Mitteilung sechs Faktoren beteiligt sind. Um es kritisch beurteilen zu können, werden hier dessen Grundzüge erläutert.

Jakobson erweitert Bühlers Modell nicht nur um drei Funktionen, sondern setzt die Botschaft an die Stelle des Sprachzeichens. Damit sind die Sprachzeichen nicht lediglich Symbol mittels ihrer Zuordnung zu den Sachverhalten oder Gegenständen, sie sind sprachlich bedeutungstragende Elemente.8 Das heißt, sie enthalten eine Bedeutung, durch die sie auf etwas verweisen können.

[...]


1 Lexikon der Sprachwissenschaft (1983): 365.

2 Vgl. Pelz (2000): 28.

3 Bühler (1934): 28.

4 Vgl. Bühler (1976): 116.

5 Vgl. Pelz (2000): 47.

6 Vgl. Bußmann (2002): 374.

7 Vgl. Pelz (2000): 28.

8 Vgl. Busse (1975): 216f.

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656295457
ISBN (Buch)
9783656296058
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203084
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Organon

Autor

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