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Mündliches Korrekturverhalten von LehrerInnen im Fremdsprachenunterricht

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegende Prinzipien der Korrektur
2.1 Schülerwünsche berücksichtigen
2.2 Der Fehler als wichtige Instanz
2.3 Bloßstellungen von SchülerInnen verhindern

3 Vor- und Nachteile mündlicher Korrekturtechniken
3.1 Die direkte Korrektur
3.1.1 Korrektur mit anschließender Erklärung
3.1.2 In der Zielsprache durchgeführte Korrektur
3.1.3 Humoristische Korrektur
3.2 Die indirekte Korrektur
3.3 Die Initiierung von Selbstkorrekturen
3.3.1 Verbale Aufforderungsarten
3.3.2 Nonverbale Aufforderungsarten

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit der Einführung des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) im Jahre 2001 hat sich die Einstellung gegenüber Fehlern positiv verändert.[1] Während Fehler zuvor ausschließlich als Normverletzungen angesehen wurden, werden sie inzwischen auch als essentielle und natürliche Komponenten im Fremdsprachenerwerb betrachtet.[2]

Wenn nun Fehler beim Erwerb einer Fremdsprache vollkommen natürlich auftreten, zum Beispiel durch Interferenz mit der Muttersprache oder einer anderen Fremdsprache[3], dann nimmt die Korrektur[4] eine bedeutsame Rolle im Prozess des Fremdsprachenlernens ein und muss daher gründlich durchdacht werden. So geht etwa auch aus empirischen Untersuchungen hervor, dass mündliche Korrekturen unerlässlich für den Lernprozess sind und des Weiteren eine Basis für Bewertungen und Fördermaßnahmen zum weiterführenden Lernen bilden.[5]

Ferner wird angenommen, dass es nicht von Vorteil sein kann, stets dasselbe Korrekturverhalten anzuwenden, weil Korrekturen einen wichtigen Einfluss auf den Lerner haben. Vielmehr sollte man sich als Lehrkraft ein möglichst umfangreiches Repertoire an Korrekturtechniken aneignen, um die geeignete Korrektur in den unterschiedlichsten Unterrichtssituationen vornehmen zu können.[6]

Die Problematik ist jedoch, dass in der Praxis ein Großteil der LehrerInnen immer wieder auf dieselben Korrekturtechniken zurückgreift.[7] Aufgrund der Tatsache, dass ich selbst während meiner Schulzeit kein abwechslungsreiches Korrekturverhalten bei meinen LehrerInnen kennengelernt habe, möchte ich mir mithilfe dieser Arbeit über die verschiedenen Korrekturverfahren bewusst werden, um in meiner zukünftigen Unterrichtspraxis über ein möglichst großes Repertoire an Korrekturtechniken zu verfügen und demzufolge die passende Korrekturtechnik in der jeweiligen Unterrichtsphase anwenden zu können.

Bevor ich allerdings auf die verschiedenen Korrekturverfahren im dritten Kapitel eingehen werde, möchte ich mich zunächst im folgenden Kapitel den grundlegenden Prinzipien der Korrektur zuwenden, die gleichermaßen bedeutend wie die Korrekturtechniken an sich sind.

2 Grundlegende Prinzipien der Korrektur

2.1 Schülerwünsche berücksichtigen

Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, neigen ein großer Anteil der LehrerInnen dazu, bestimmte Korrekturverfahren gegenüber anderen zu bevorzugen, welche sie im Unterricht konsequent anwenden. Problematisch daran ist allerdings, neben der Korrekturroutine, dass Schüler ebenfalls Sympathien gegenüber verschiedenen Korrekturmethoden entwickeln, welche leider öfter mit den Vorlieben der LehrerInnen nicht übereinstimmen. Es empfiehlt sich daher, dass LehrerInnen über verschiedene Korrekturvarianten verfügen, um besser die speziellen Schülerwünsche berücksichtigen zu können. Darüber hinaus kann es sehr hilfreich sein, wenn ein Austausch über die jeweiligen Korrekturmaßnahmen zwischen der Lehrkraft und den SchülerInnen stattfindet.

Dabei kann der Austausch auf ganz unterschiedliche Art und Weise erfolgen: über anonyme, schriftliche Fragebögen, Einzel- oder sogar Klassengespräche. Dieser Austausch ermöglicht es, dass die SchülerInnen über ihre Wünsche und Bedürfnisse von Korrektur mit dem Lehrkörper sprechen können. Es ist verständlich, dass LehrerInnen nicht auf alle individuellen Anliegen von jedem Schüler eingehen können, jedoch werden sie angeregt ihr eigenes Korrekturverhalten zu reflektieren und gegebenenfalls zu erweitern, um folglich mit ihren Korrekturmaßnahmen viele SchülerInnen erreichen zu können. Es bietet sich für das Aneignen einer Korrekturtechnik nahezu an, diese bestimmte Korrekturform in der gesamten Unterrichtsstunde oder -tag zu benutzen. Darüber hinaus muss der Lehrer bzw. die Lehrerin darauf achten, dass das Korrekturverhalten für alle SchülerInnen transparent gemacht wird, damit das Korrekturverhalten des Lehrers bzw. der Lehrerin nachvollziehbar ist und es zu keinen Unklarheiten führt.[8]

2.2 Der Fehler als wichtige Instanz

Auf den Fakt, dass Fehler heutzutage ein natürlicher und bedeutsamer Bestandteil im Lernprozess sind, wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Ich möchte jedoch in diesem Unterkapitel noch näher auf diese Gegebenheit eingehen, weil Fehler eine essentielle Rolle bei der Korrektur spielen.

Zunächst sollten LehrerInnen sich darüber bewusst werden, dass Fehler aus ganz unterschiedlichen Faktoren entstehen[9], die sich einander beeinflussen können. Mögliche Fehlerursachen sind zum Beispiel nicht vorhandenes Wissen, welches etwa eine Folge von Unkonzentriertheit ist oder aus defizitäre Vernetzung mit älterem Wissen hervorgeht, falsche Verarbeitungsstrategien, hervorgerufen durch Interferenz, die in der Einleitung schon erklärt wurde, aber auch außersprachliche Faktoren wie Überforderung, Druck und Unsicherheit.[10]

Darüber hinaus verweisen Fehler außerdem oft darauf, dass Lerner instinktiv und teilweise sogar bewusst Hypothesen über Sprachen bilden. Mit dem Hypothesenbildungsverfahren meint Chomsky, dass der Mensch in der Sprache und in den Lautfolgen der ihn umgebenden Personen gleiche Muster entdeckt, anhand derer er Hypothesen über die Regeln, die der Lautstruktur zugrunde liegen, bildet. Als Konsequenz daraus sollte die Lehrkraft SchülerInnen nicht daran hindern etwas noch Ungelerntes zu formulieren, sondern ganz im Gegenteil dazu ermutigen Unbekanntes auszuprobieren, um eine Kommunikationsabsicht verwirklichen zu können. Im Anschluss daran kann die Aussage gegebenenfalls korrigiert werden und der Lerner kann die Korrektur zum Weiterlernen verwenden.[11]

[...]


[1] vgl. Kleppin 2009, S.60

[2] vgl. Raabe 1982, S.600

[3] Unter Interferenzen sind Übertragungen von Regeln von einer Sprache, meist die Muttersprache, auf eine andere Sprache zu verstehen. Ein Beispiel für Interferenz wäre: Ich helfe ihr. - *Je lui aide. vgl.: http://www.uni-saarland.de/fak4/bilingualFam/27_11_Teil%201.htm (letzter Zugriff: 16.09.2009)

[4] Die Korrektur ist als „interaktives Verfahren zur Verständnissicherung in der Kommunikation“ zu verstehen. Quelle: Hahnke 1992, S.109

[5] vgl. Kleppin 2009, S.60

[6] vgl. Kleppin 1998, S. 264

[7] vgl. Kleppin 1998, S.266f.

[8] vgl. Kleppin 1998, S.271

[9] vgl. Kleppin 2008, S.17

[10] vgl. Polleti 2001, S.5

[11] vgl. Kleppin 2008, S.17

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656298748
ISBN (Buch)
9783656300281
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203318
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Korrekturverhalten Prinzipien der Korrektur Korrekturtechniken indirekte Korrektur direkte Korrektur Fremdsprachenunterricht Schule

Autor

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Titel: Mündliches Korrekturverhalten von LehrerInnen im Fremdsprachenunterricht