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Räume im Offenen Unterricht

Hausarbeit 2008 24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Räume im Offenen Unterricht
2.1 Der objektive Raum
2.2 Der private Raum
2.3 Der soziale Raum
2.4 Zwischenraum

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Kinder verbringen heute von der Einschulung bis zur Entlassung durchschnittlich 20 000 Stunden in der Schule.[1] Durch die Zunahme von allein erziehenden Eltern und dem Verfall der 'klassischen' Familienstrukturen sind Eltern immer mehr darauf angewiesen, dass ihre Kinder in einer ganztägigen oder zumindest in einer zuverlässigen halbtägigen Schule betreut und erzogen werden.[2] Diese „zunehmende Verunsicherung hinsichtlich der Beständigkeit (...) sozialer Beziehungen (der Kinder)“[3] führt zu einer Verlagerung der Verantwortung vom Elternhaus auf die Schule. Kinder müssen dann wenigstens in der Schule auf das Angebot verlässlicher Bindungen zurückgreifen können, was den Anspruch an die Schule verändert und die Erwartungen erhöht. Wenn früher der Anspruch an die Schule war den Kindern lesen und schreiben beizubringen, so wird heute oftmals erwartet, ja beinahe vorausgesetzt, dass die Kinder neben der Beherrschung eines guten Allgemeinwissens gleichermaßen zu mündigen Erwachsenen erzogen werden und ihnen überdies ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit in der Schule vermittelt wird.

Auch die Veränderung der Arbeits- und Betriebsstrukturen verlangt einen Wandel in der Schule. Auf der einen Seite werden immer mehr ungelernte Fließbandarbeiten in Billiglohnländer verlagert und auf der anderen Seite steigt die Nachfrage nach selbstständigen, kreativen Teammitarbeitern. Kompetenzen wie Gesprächsführung, Entscheidungsfindung und Zeitmanagement sind gefordert und müssen bereits in der Schule erworben und geübt werden. Kinder sollen früher mehr leisten und lernen, um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen. Dieser hohe Leistungsdruck stellt kein Problem dar, denn Schüler wollen etwas lernen. Jedoch ist es aus Lern- und Betriebspsychologie bekannt, dass Leistungsbereitschaft dauerhaft nur in einer anregenden, dem Menschen angenehmen Umgebung, erwartet werden kann. Daher haben Kinder das Recht auf eine Lernumwelt, die ihre Motivation fördert und ihnen ermöglicht den hohen Anforderungen gerecht zu werden, denn eine unzulänglich gestaltete Umgebung behindert den Lernerfolg[4].

2. Räume im offenen Unterricht

In diesem Zusammenhang möchten wir kurz einige Kennzeichen des Offenen Unterrichts nennen, der, im Gegensatz zum Frontalunterricht, das Potential hat, diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Zu den Merkmalen des Offenen Unterrichts gehören unter anderem der Klassenrat, die Freiarbeit, Wochenplanarbeit und Projektarbeit. Anzumerken wäre zudem der hohe Anteil an Eigenverantwortung, der den Kindern bei dieser Art von Unterricht übertragen wird. Wir wollen an dieser Stelle allerdings nicht weiter auf diese Kennzeichen eingehen, da ihre ausführliche Beschreibung nicht das Ziel dieser Arbeit ist. Wichtig für uns ist hingegen, dass diese Verfahren und Methoden nicht einfach irgendwo und irgendwie umgesetzt werden können, sondern einer gründlich überlegten Vorbereitung der Umgebung und der individuellen Entwicklung an der Schule bzw. in der Klasse bedürfen.

„Wenn Kinder immer mehr Zeit (...) in der Schule verbringen, erhöht dieser Umstand die Anforderungen, (nicht nur) an die Funktionalität der Räume, (sondern auch an) (...) die ästhetische Qualität der Schulen“[5].

Wir haben unterschiedliche Emotionen in Räumen, die oft unbewusst auf uns wirken. Ein Krankenhaus mit seinen langen, kahlen Gängen vermittelt uns eine andere Stimmung als ein kleines Café, in dem man gemütlich stundenlang sitzen kann. Es wird viel Zeit und Geld darauf verwendet, Räume ansprechend und zugleich zweckmäßig zu gestalten. Die Erwartungen, die wir an Räume stellen, ob zur Entspannung, zur Arbeit, zum gemeinschaftlichen Leben oder einfach als Rückzugsmöglichkeit, beeinflussen ihre Gestaltung. Wenn nun Kinder, wie bereits im oberen Abschnitt erwähnt, immer mehr Zeit in der Schule verbringen, liegt es auf der Hand, dass die Räume auch in Schulen einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen oder Misslingen schulischer Erfahrungen darstellen. Dies erkannte schon der italienische Pädagoge Loris Malaguzzi mit seiner Aussage „der Raum ist der dritte Pädagoge“[6]. Der Raum ist insofern Pädagoge, als dass er Handlungen ermöglichen soll, Vertrautheit bieten muss, und ferner ein Ort ist, an dem sich Kinder wohl fühlen, lernen und einen Teil ihres Lebens verbringen sollen. So wird der Klassenraum nicht mehr nur als ein Raum verstanden, in dem der Lehrer unterrichtet und der Schüler lernt, sondern als ein Lebensraum für Schüler und Lehrer[7].

Daraus ergibt sich die Frage: Welche Lernumgebung benötigen SchülerInnen[8] um motiviert und konzentriert arbeiten zu können?

Um diese Frage ausführlich beantworten zu können, gehen wir auf folgende Aspekte ein: Das erste Kapitel „Der objektive Raum“ beinhaltet die Aufteilung des Raumes und dessen Farbgestaltung. Anschließend beschäftigen wir uns im zweiten Kapitel mit dem „privaten Raum“, welcher die Ähnlichkeit zum Wohnraum darstellt. Im dritten Kapitel setzen wir uns mit dem „sozialen Raum“, welcher den Raum als Gemeinschaftsort meint, auseinander. Schließlich erklären wir mithilfe des „Zwischenraums“ die Verbindung des Innen- und Außenbereiches.

2.1 Der objektive Raum

Wichtigstes Kriterium für eine angenehme und produktive Arbeitsumgebung sind die Räume an sich. „In einem der reichsten Länder der Welt haben die Kinder, Pädagogen und Eltern das Recht auf ausreichende und ausreichend große Räume und eine ästhetisch anregende Arbeitsumwelt, die die Freude an der gemeinsamen Arbeit und die damit verbundene Produktivität erhöht“[9]. Diese Aussage bildet die Grundlage und Voraussetzung für viele der später beschriebenen Verbesserungen eines Klassenraumes.

Schon vor dem Eintreten in einen Klassenraum kann die individuelle Gestaltung der Tür durch den Klassenverband wichtige Signale senden. So werden alle Besucher und Beteiligten schon beim Eintreten in den Klassenraum daran erinnert, dass hier nicht anonyme Gestalten ihre Zeit absitzen, sondern Schüler und Lehrer sich einen Raum für die gemeinsame Arbeit schaffen und geschaffen haben.

Im Raum angekommen ist die Farbauswahl eine wichtige Überlegung bei der Gestaltung des Raumes. Farben transportieren Informationen und sind wichtiges Orientierungs- und Bewertungskriterium. So werden Räume, die in Rot-Orange gehalten sind, als 3° Celsius bis 4° Celsius wärmer empfunden als Räume in Blau- bzw. Grüntönen. Rittelmeyer befragte 1994 Kinder zu der Gestaltung von Schulräumen und ihrer Farbgebung. Kinder empfanden Räume mit großen dunklen Flächen, insbesondere Decken in dunklen Farben, als ausgesprochen bedrängend und beengend. Hingegen assoziierten die Schüler Räume mit hellen und darüber hinaus noch lasierten Farben als weiter, offen und positiv.[10] Es mag nebensächlich erscheinen in welcher Farbe ein Klassenraum gehalten ist, jedoch müssen Schüler, wie bereits erwähnt, viel Zeit in diesem Raum verbringen. Wenn dieser Raum ihnen nun ein positives, offenes Gefühl vermittelt, so wirkt sich dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch positiv auf ihre Aufnahmebereitschaft aus. Jedoch sind die Wände im Offenen Unterricht nicht nur als leere, unveränderbare Farbflächen gedacht, sondern erfüllen sogleich einen funktionalen Zweck.

So können die Wände zwei Hauptfunktionen erfüllen. Pinnwände bieten zum Beispiel die Möglichkeit Meinungsäußerungen der Schüler und Nachrichten des Lehrers für jeden sichtbar zu machen, was zur Information aller Mitglieder des Klassenverbandes dient. Die Schüler heften ihre Gedanken und Mitteilungen an die Pinnwand, um sich auf einem für alle zugänglichen Weg miteinander verständigen zu können[11].

Auch ist eine Darstellung des Lernstandes, als ein Mittel der Selbstkontrolle für die Schüler, möglich[12]. Schülerarbeiten, vor allem selbst gemalte Bilder, können auch an den Wänden ausgestellt werden und diese beleben. Dies trägt zur persönlichen, vielfältigen und wechselnden Gestaltung der Wände bei.

Ein weiteres Merkmal der Raumgestaltung im Offenen Unterricht ist die Nutzung der Wände für Materialien, wie Grammatiktabellen und andere Hilfsmittel, die die selbstständige Arbeit und die Selbstkontrolle der Schüler unterstützen.

Für die Förderung der Selbsttätigkeit des Schülers ist auch die Zugänglichkeit und Bereitstellung der Arbeitsmaterialien unabdingbar. Dies wird meist durch Regale verwirklicht, die gleichzeitig die Möglichkeit zur Unterteilung des Raumes bieten. Damit das selbstständige Lernen jedoch funktionieren kann, müssen sowohl Lehrer als auch Schüler dafür sorgen, dass die Regale stets ordentlich und übersichtlich zur Verfügung stehen, wodurch auch der Geräuschpegel niedriger gehalten und eine allgemeine Unruhe verringert wird.[13] In den Regalen können dann Fächer für verschiedene Themenbereiche angeordnet und ein eigenes Fach für jeden Schüler eingerichtet werden.[14] Dies ermöglicht den Schülern dann ohne Probleme ihre Arbeiten und das benötigte Material zu finden um sich auf das wesentliche, ihr Lernen, konzentrieren zu können.

[...]


[1] vgl. Dreier 1999, S.24

[2] vgl. Dreier 1999, S.24

[3] vgl. Dreier 1999, S.21

[4] vgl. Dreier 1999, S. 21f.

[5] Dreier 1999, S.24

[6] Kahl 1992, S.30

[7] vgl. Gervé 1998, S.104

[8] Die Bezeichnung Schüler und Lehrer schließt im Folgenden immer auch den Personenkreis Schülerinnen und Lehrerinnen mit ein.

[9] Dreier 1999, S.8

[10] vgl. Forster 2000, S.36f.

[11] siehe Abbildung 1

[12] siehe Abbildung 2

[13] vgl. Nicolas 1997, S.11

[14] siehe Abbildung 4

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656298731
ISBN (Buch)
9783656299769
DOI
10.3239/9783656298731
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Erscheinungsdatum
2012 (Oktober)
Note
1,3
Schlagworte
Offener Unterricht Räume Unterricht Raumgestaltung Schule Grundschule Räume im Offenen Unterricht

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Titel: Räume im Offenen Unterricht