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Meditation mit Kindern

Programm für Kinder im Alter von 7 - 16 – Ein Manual für pädagogische Fachkräfte und interessierte Laien

Fachbuch 2012 37 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Meditation – was ist das eigentlich?

2. Meditieren mit Kindern

3. Warum Meditation?

4. Mediation – auch für Erwachsene

5. Sitzhaltung

6. ZEN – Meditation

7. Anforderungen an die Gruppe und die Einrichtung

8. Die Sitzungen (das Zazen und das Hinführungsprogramm)
8.1. Das erste Treffen
8.1.1 Arbeitsblatt Meditationserfahrung
8.2. Das zweite Treffen
8.3. Dritte bis sechste Treffen
8.3.1 Arbeitsblatt Probleme beim Meditieren
8.4. Das siebte Treffen
8.5. Das achte bis zehnte Treffen
8.6 Das 10 bis 16 Treffen
8.7. Das 16 bis 20 Treffen
8.8. Das 20 bis 23 Treffen
8.9. Das 24. Und letzte Treffen

Schlusswort

Literaturempfehlung

Vorwort

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nur dies verkünde ich, früher wie heute:

das Leiden und des Leidens Aufhebung.

Buddha

Akzeptiert und glaubt meine Worte nicht nur deshalb, weil ich sie gesprochen habe.

Seid wie ein Goldkäufer, der es schneidet, brennt,

und sein Produkt kritisch auf seine Echtheit hin überprüft.

Akzeptiert nur, was den Test besteht

und sich sinnvoll und wohlbringend für euer Leben erweist.

Buddha

Dieses Manual beschreibt ein Gruppenprogramm für Kinder im Alter von 7 bis 16 Jahren (als ungefähren Richtwert). Über mindestens 12 Wochen soll sich regelmäßig, am besten zweimal wöchentlich für ca. 45 Minuten getroffen und zusammen unter Anleitung meditiert werden. Dabei ist nicht von reiner Meditationszeit auszugehen, vielmehr werden die zu Beginn noch recht kurzen Meditationszeiten (knapp 10 Minuten) von einem Rahmenprogramm begleitet. So werden Mandalas gemalt, einfache Körperwahrnehmungsübungen (Bodyscans, kurz BS) erfahren, Achtsamkeitsübungen durchgeführt. Ziel soll sein, eine komplette Meditationszeit von 30 Minuten zu erreichen.

Meditation ist eine einfach zu erlernend Übung, die im asiatischen Raum auf eine jahrtausendalte Tradition zurückschaut.

Dass Kinder bereits im Kindergartenalter einen vollen Terminkalender haben und oftmals die Tage damit verbringen, von einer Veranstaltung zur nächsten zu hetzen, ist hinreichend bekannt. Da soll Geige gelernt, Klavier gespielt, sollen Fußball oder Basketball gespielt werden und – ganz nebenbei – sollen Freunde getroffen und zusammen gespielt werden. Das kann sich schnell zu purem Stress entwickeln (für Kinder wie Eltern).

Nicht Umsonst spricht die bekannte Psychologin und Autorin Oggi Enderlein davon, dass viele Kinder bereits heute unter Burnout –ähnlichen Symptomen wie Erschöpfung, Kopfschmerz und Antriebslosigkeit leiden.[1] Aber natürlich ist Stress ein Lebensfaktor, der nicht vollständig ausgeschaltet werden kann und soll. Denn Kinder müssen in unserer hektischen Zeit lernen, wie sie mit Stress konstruktiv umgehen können, wie Stress umgangen und abgebaut werden kann.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, der in seinem neuen Buch die „Digitale Demenz“ – den Überkonsum von digitalen Medien anprangert, weist nach, dass sich durch regelmäßige Meditation Gehirnstrukturen verändern.[2] Das kombinierte Medations – und Yogaprogramm des Amerikaners Jon Kabat-Zinn zeigt deutliche Erfolge bei Stress und Depressionen innerhalb von nur acht Wochen. Dr. Heinz Hilbrecht berichtet in seinem neuen Buch Meditation und Gehirn, das während der Meditation das Gehirn sich selbst organisiert: es wachsen neue Nervenzellen und das denken wird schneller.[3] Und die Harvard-Forscherin Sara Lazar zeigt in einer aktuellen Studie, dass 20 Minuten regelmäßige Meditation bereits erhebliche Auswirkungen auf unser Wohlbefinden, Gedächtnis, Kognition und Gesundheit haben.[4]

Dies bedeutet, dass Meditation einen wissenschaftlich nachweisbaren Einfluss auf unseren Körper hat – fernab aller Esoterik. Der Begriff ist oft eng mit dem Buddhismus verknüpft und tatsächlich stellt die Meditation ein wichtiges Element in den täglichen Übungen eines Buddhisten dar. Aber auch für westlich und weltlich orientierte Menschen bietet die Mediation viele Vorteile ohne religiöse Intentionen:

- Fokussierung und Stärkung der Konzentration
- Entspannung, zur Ruhe kommen
- Klareres Denken
- Verringerung von Angst, Stress, Unruhe und Anspannung
- Senkung von Blutdruck
- Stärkung von sozialem Zusammenhalt (durch gemeinsame Meditation sowie innere Ausgeglichenheit)

Alle religiösen Traditionen der Welt ähneln sich, weil sie uns helfen, zu besseren Menschen zu werden. Seit Jahrhunderten finden Millionen von Menschen in ihrer jeweiligen Religion ihren Seelenfrieden. Heute begegnen wir auf der ganzen Welt Anhängern zahlreicher Glaubensrichtungen, denen das Wohl anderer Menschen wichtiger ist als das eigene. Ich glaube, dieser Wunsch, zum Glück anderer beizutragen, ist das wichtigste Ziel jeder religiösen Praxis.

Der Dalai Lama

Man muss also kein Buddhist sein, um in all diese Vorteile von Meditation zu kommen.

Die Gruppe ZEN Oldenburg hat es sich zum Ziel gesetzt, die Meditation in den pädagogischen Alltag zu integrieren. So sollen Fachkräfte geschult, Meditationsangebote mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt und Eltern und Erziehenden diese einfache Technik näher gebracht werden. Wir stehen für einen engagierten Buddhismus, der sich einmischt, der konkrete Hilfen anbietet und sich in Gemeinschaft und Kommune einbringen möchte.

Den Austausch mit anderen Vereinen, Glaubensrichtungen und Institutionen sehen wir als Bereicherung.

Neben unseren Meditationsfortbildungen bieten wir regelmäßige Retreats (Intensive Meditationsübungen über mehrere Tage) an. Ziel ist, die Meditation als wirksames Mittel zur Stressreduzierung, zur Beruhigung von Gedanken und als Weg zur persönlichen Heilung zu erfahren. Dabei stützen wir uns nicht auf esoterische Weltanschauungen sondern konkret auf das, was Buddha uns vorgelebt hat und mittlerweile durch wissenschaftliche Untersuchungen Bestätigung erfahren hat (zum Beispiel die positive Wirkung von Meditation auf das vegetative Nervensystem). Dies wollen wir weitergeben und zum Wohle aller Lebewesen achten.

Wir bieten in regelmäßigen Abständen mit unseren Kooperationspartnern vor Ort Gruppenkurse für Kinder in verschiedenen Altersstufen an.

Wichtig: Zen Oldenburg ist eine nicht – konfessionell gebundene, überparteiliche Gruppe, von Menschen die das Interesse an Meditation, Geistesschulung und den Worten des lebendigen Buddhas verbindet.

Drei Qualitäten machen es den Menschen möglich, die Belehrungen zu verstehen:

Objektivität, was einen offenen Geist zu haben bedeutet; Intelligenz, mit der man die Belehrungen kritisch beleuchtet; und Interesse und Hingabe, aus denen Enthusiasmus entsteht."

Der Dalai Lama

Dies Bedeutet konkret, dass ZEN Oldenburg nicht versucht, Kinder, Jugendliche oder Erwachsene zu einer religiösen Weltanschauung zu „bekehren“ oder missionarisch tätig ist. Uns erscheint es wichtig, hier eine klare Abgrenzung zu formulieren. Gleichwohl sehen wir Buddha als Vorbild, als Lehrer (auch und gerade als Meditationslehrer), der uns Werkzeuge überlieferte, den Geist zu beruhigen. Werkzeugen die auch heute, die gerade in der heutigen Zeit noch aktuell und wirksam sind. Dabei handelt es sich allerdings nicht um mysteriöse – spirituelle Praktiken, deren Erlernung die Mitgliedschaft in einer Kirche oder einer anderen religiösen Organisationsstruktur vorsieht. Vielmehr sind es einfache Übungen, die jeder der ausreichend Zeit und Geduld mitbringt, erlernen kann.

ZEN Oldenburg hat sich zum Ziel gesetzt, die Meditation als Möglichkeit, Stille und Ruhe mit Kindern und Jugendlichen zu erfahren, bekannt zu machen. Zu diesem Zwecke, wird die Gründung eines eingetragenen Vereines angestrebt.

Dieses Manual ist ein erstes Programm, das seine Verwirklichung und Praxistauglichkeit durch ständige Überprüfung und Erweiterung erfahren soll. So sehen wir dies als Handreichung, die lebendig ist; sie lebt vom Erfahrungsaustausch und dem ausprobieren.

1.: Meditation – was ist das eigentlich?

Wem klar geworden, dass der Frieden des Geistes das Ziel seines Lebens ist, der bemühe sich um folgende Gesinnung:

Er sei stark, aufrecht und gewissenhaft; freundlich, sanft und ohne Stolz.

Genügsam sei er, leicht befriedigt, nicht viel geschäftig und bedürfnislos.

Die Sinne still, klar der Verstand, nicht dreist, nicht gierig sei sein Verhalten.

Auch nicht im Kleinsten soll er sich vergehen, wofür ihn Verständige tadeln könnten.

Buddha

Einfache Atemmeditation

Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und setzten Sie sich bequem an einen gemütlichen und ruhigen Ort. Atmen Sie zwei – drei Mal tief ein und aus, schließen Sie die Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit sanft auf Ihren Atem. Fokussieren Sie Ihre Nasenspitze und spüren Sie einfach, wie die Luft des ein – und Ausatmens daran vorbeizieht. Es werden andere Gedanken auftauchen – der Abwasch wartet, ein Telefonat muss erledigt werden – lassen Sie diese Gedanken zu und kehren Sie dann sanft wieder zu der Betrachtung ihres Atems zurück. Beenden Sie nach fünf Minuten diese Übung, öffnen Sie langsam die Augen und kehren Sie in Ihren Alltag zurück. So einfach ist das Meditieren!

Meditieren bedeutet fokussieren, den Geist zur Ruhe bringen und konzentriert (achtsam) etwas tun. Daher kann jede Betätigung, selbst das Abwaschen, zu einer meditativen Übung werden. Es braucht nicht viel, um meditieren zu können, gleichwohl ist das Angebot an Sitzkissen, Bänken und Bekleidung recht groß. Wichtig für einen guten Sitz ist ein guter Untergrund, der es ermöglicht, aufrecht und gerade zu sitzen – sei das nun Kissen, Decke oder ähnliches.

Meditieren ist das pure hier und jetzt. Es geht nicht darum, was eben war oder was später sein wird, sondern nur darum, was jetzt ist. Um dieses Zustand der „Jetzt – Bewusstheit“ zu erreichen, wird der Geist durch das Zählen der Atemzüge fokussiert. So ist es möglich, Ablenkungen zu minimieren und größere Konzentrationskraft zu erlenen.

Am einfachsten lässt sich dieser Zustand durch das Zählen der Atmung erreichen (siehe Einfache Atemmeditation). Während der Meditation soll sich nur darauf konzentriert werden – tauchen andere Gedanken auf, gilt es, diese zwar wahrzunehmen, ihnen aber nicht nachzuhängen. So wird vielleicht der Gedanke kommen, dass man hungrig ist. Dies kann wahrgenommen und akzeptiert werden, dann wird der Gedanke verschwinden. Beginnt man aber, das Abendessen geistig zu planen, inklusive vorherigem Einkauf, ist das ein Nachhängen, das zu weiteren Gedanken führt. Hier kehrt man nun sanft zum Atemzählen zurück und lenkt so den Geist in ruhigere Bahnen.

Wichtig ist, offen und ohne Erwartungen an die Übungen zu gehen, sich auf das Einlassen, was kommt und all dies wertschätzend wahr zu nehmen. Erwachsenen wie Kindern kann es passieren, dass in der Stille des Meditierens negative Emotionen präsent werden. Wut, Trauer oder Angst – Gefühle die wir oft verdrängen, können dann in den Raum treten. Lässt man diese Gefühle aber liebevoll zu, akzeptiert sie, werden sie schnell wieder verschwinden. Dies ist eine Schlüsselhaltung der Meditation: liebevoll und achtsam das wahrzunehmen, was ist, ohne es kontrollieren zu wollen.

In der buddhistischen Meditation geht es nicht darum, mit dem Denken aufzuhören. Entwicklung von Einsicht verlangt ganz eindeutig einen intelligenten Gebrauch von Gedanken und unterscheidender Wahrnehmung. Was aufhören muss ist die ständige und zwanghafte Konzeptualisierung, die mechanisch und unintelligent, gewöhnlicherweise sinnlos und oftmals sogar wirklich gefährlich werden kann.

Allan Wallace

2.: Meditieren mit Kindern

Um mit Kindern zu meditieren braucht es:

- Einen angenehmen und ruhigen Raum der zum Verweilen einlädt und für die Kinder mit der Meditation assoziiert werden kann (Ruheraum o.ä.)
- Rituale: Begrüßung, Mediation, Verabschiedung sowie einen festen wiederkehrenden Platz im KiTa Alltag
- Eventuell Sitzkissen, Mediationskissen oder Bänke
- Die richtige Haltung: Aufrecht im Schneidersitz bei geradem Rücken sollten die Kinder sitzen, die Hände könne gefaltet oder auf die Knie gelegt werden
- Am wichtigsten aber einen geduldigen Pädagogen, der die Kinder in dem Kennenlernen der Meditation kontinuierlich begleitet.

Versuchen wir, das Beste eines jeden Menschen zu erkennen, den anderen im bestmöglichen Licht zu sehen.

Diese Einstellung erzeugt sofort ein Gefühl der Nähe,

eine Art Geneigtheit, eine Verbindung.

Dalai Lama

Meditation ist kinderleicht und lässt sich gut in den Alltag der KiTa integrieren. Wichtig ist, dass sie dort einen festen Punkt bildet. Es empfiehlt sich, mit kleinen Gruppen von vier oder fünf Kindern zu starten. Gleich zu Beginn sollten Erwartungen geklärt werden. Es ist wichtig, mit den Kindern zu besprechen, was während der Meditationszeit passieren soll (und was nicht). Klare Regeln helfen, während dieser Zeit Stille und Ruhe zu ermöglichen. Da Meditation im ersten Moment nicht mehr ist, als gemeinsam still zu sitzen und den Atem zu beobachten, fällt es manchmal schwer, die Stille auszuhalten. Da wir so sehr daran gewöhnt sind, ständig irgendeinen Reiz von außen zu bekommen, ist die Fokussierung auf unser Inneres erst einmal ungewöhnlich und kann sich komisch anfühlen. Dabei fällt es Kinder allerdings oftmals leichter als Erwachsenen, sich auf dieses Neue einzulassen. Wichtig ist, entspannt und ohne Zwang an die Übungen heranzugehen.

Wird die Mediation als fester Programmpunkt geführt, kann sie effektiv zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit bei Kindern führen. Gut ist es, einen Raum zu haben, der immer zu diesem Zweck genutzt wird.

Es ist notwendig, eventuelle Erwartungen fallen zu lassen, sonst drohen Enttäuschungen. Ähnlich wie Bewegungsangebote um ihrer selbst willen Angeboten werden (und nicht, um Spitzensportler schon im Kindergarten auszubilden) sollten Meditationsübungen etwas selbstverständliches sein, um den Geist zu formen. „Formen“ mag sich etwas streng anhören, aber genau darum geht es; zu lernen, den Geist auch unter ungünstigen Umständen zur Ruhe zu bringen. Buddhisten vergleichen den Geist gerne mit einem Affen, der kreischend von Ast zu Ast springt und kaum jemals still sitzt. Bei der Meditation geht es also darum, den Affen zu „zähmen“. Wie schnell und unbeherrscht der Geist von „Ast zu Ast“ springt wird deutlich, wenn man im Selbstversuch ca. 10 Minuten sitzt, sich auf das zählen der Atemzüge konzentriert und recht schnell bemerkt, dass man nach kurzer Zeit das Mittagessen des nächsten Tages plant oder noch einmal über den Kinofilm des letzten Wochenendes nachdenkt. All dies ist kein Problem, Ablenkung gehört dazu, wichtig ist, die Aufmerksamkeit dann wieder sanft auf die Meditation zu bringen. Auch Kinder erleben diese Unkonzentriertheit; gerade zu Beginn ist es Aufgabe der Pädagogen, dem Rechnung zu tragen. Kürzere Mediationseinheiten sind am Anfang besser (ein Richtwert sollten ca. fünf bis 10 Minuten sein). Auch wichtig: Es gibt keine „schlechte“ Meditation. Auch wenn die Kinder einmal unruhig sind, abgelenkt werden, ist dies nicht schlimm. Mit nicht – wertender Aufmerksamkeit gilt esden Prozess zu begleiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kinder berichten über ihre Meditationserfahrung (9 Jahre)

Besonders gefördert werden:

- wache Präsenz im Augenblick
- sich auf das einlassen, was gerade geschieht
- Gedanken und Gefühle so anzunehmen wie sie sind
- Empfindungen nachspüren, ohne sie zu bewerten
- Selbstakzeptanz und Selbstsicherheit
- Konzentration durch innere Zentrierung
- Aufgeschlossenheit und Offenheit
- Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit

3.: Warum Meditation?

Verweilt ganz und gar im gegenwärtigen Augenblick, und ihr werdet sehen, dass auch die Zukunft vorhanden ist. Ebenso wie die Vergangenheit, die ihr verwandeln könnt. Denn im gegenwärtigen Augenblick sind alle Augenblicke enthalten.

Thich Nhat Hanh

Einfache Achtsamkeitsübung

Bei der Achtsamkeit geht es darum, wahrzunehmen, was gerade im her und jetzt passiert. Setzen Sie sich mit ca. sechs Kindern an einen Ort im Freien (bei schlechtem Wetter natürlich drinnen). Bitten sie die Kinder, sich entspannt hinzusetzen, und die Augen zu schließen. Nun soll auf alles geachtet werden:

- Welche Geräusche höre ich?
- Was rieche ich?
- Was fühle ich (zum Beispiel den Wind auf meiner Haut)

Stellen Sie diese Fragen während der Übung, sagen Sie aber dazu, dass jetzt noch nicht darauf geantwortet werden soll – das würde die Ruhe stören. Nach ca. fünf Minuten bitten Sie die Kinder, das Erlebte vorzutragen.

Viele östliche Kulturen sind mit der Mediation eng verbunden, schon Kinder meditieren regelmäßig im Elternhaus, in der Schule, im Kindergarten. Nicht immer spielen dabei religiöse Gründe eine Rolle, denn man schätzt seit Jahrtausenden die Vorteile der Mediation, die ganz unmittelbar zum Tragen kommen (z.Bsp. größere Ruhe, Konzentrationskraft usw.). Die Mediation hat einen festen Platz im Tagesablauf und ist völlig alltäglich. Genauso wie in der KiTa wiederkehrende Rituale wie zum Beispiel der Begrüßungskreis, Angebote usw. stattfinden, genau so lässt sich auch eine tägliche Meditationseinheit anbieten. Nur so, durch alltägliches Üben, lässt sich ein deutlicher Zuwachs an innerer Ruhe erreichen. Damit kann ein Gegengewicht geschaffen werden, dass Kindern ermöglicht, Zuflucht von ihrem stressigen Alltag zu finden. Kurze Augenblicke der bewussten Besinnung reichen oft für einen ganzen Tag.

Neuere Untersuchung zeigen ganz oft, dass schon Kindergartenkinder nahezu vollständig in der elektronischen Welt angekommen sind[5], da wird Fernsehen geschaut, Computer gespielt, oft schon das erste eigene Handy benutzt. Die Meditation setzt dem Fernsehen, das hunderte von Bildern pro Minute liefert die Ruhe des Atems entgegen. Normalerweise Atmen wir ca.12 – 18 Mal pro Minute, wird sich auf das Atmen fokussiert, bringt dies den Geist ganz automatisch zur Ruhe.

Neben der Ruhe und der verbesserten Konzentrationsfähigkeit ist aber noch ein weiterer, wesentlicher Aspekt wichtig: die Kinder lernen, Stress wirksam zu reduzieren und zwar dann, wann es notwendig ist. Einmal gelernt, kann das fokussieren auf den Atem jederzeit in Stresssituationen angewendet werden. Egal ob Prüfungsstress, Angst, Leistungsdruck. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass die Mediation kein „Allheilmittel“ ist sondern lediglich helfen kann, Situationen erträglicher zu machen und hilft, diese leichter zu bewältigen. So findet die Meditation mittlerweile auch bei Phobien im Rahmen von Verhaltenstherapien Anwendung.

Insgesamt kann regelmäßige Meditation zu einem harmonischeren Umgang von Kindern und Erwachsenen beitragen, denn da wo entspannte und weniger gestresste Menschen zusammen sind, ist es oftmals angenehmer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Klassisches Zubehör: Decke, Sitzkissen (Zafu) und Matte (Zabuton)

Es ist extrem schwierig, auch nur für einen einzigen Moment ungestört und unabgelenkt in der Natur des Geistes zu verweilen. Wir denken oft, dass nur, weil wir etwas intellektuell verstehen – oder zumindest denken, dass wir es tun -, wir es auch bereits realisiert haben.

Das ist ein großer Irrtum.

Es erfordert die Reife, die nur aufgrund von jahrelangem Zuhören, jahrelangem Kontemplieren, jahrelangem Reflektieren, jahrelangem Meditieren und unabgelenkter Meditation entstehen kann.

Sogyal Rinpoche

[...]


[1] Vgl.:Oggi Enderlein: Große Kinder: Die aufregenden Jahre zwischen 7 und 13, DTV 2010

[2] Vgl.: Sendung Gehirn und Geist

[3] Vgl.: Meditation wirkt bis in die Zellen, Interview mit Dr. Hilbrecht in Buddhismus aktuell 3/2012

[4] Vgl.: Interview mit Sara Lazar, Spiegel 25.11.2008

[5] Vgl.:KIM – Studie 2010, Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest

Details

Seiten
37
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656312697
ISBN (Buch)
9783656313014
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203380
Note
Schlagworte
Pädagogik Meditation Buddhismus Zen Manual Gruppenprogramm Oldenburg Zen Oldenburg Meditationshilfe Meditation mit Kindern

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Titel: Meditation mit Kindern