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La France d'outre-mer

Eine Darstellung von Frankreichs Überseegebieten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 22 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Frankreichs Staatsgebiete außerhalb Europas

2 Kolonialmacht Frankreich
2.1 Französische Kolonialisierung
2.2 Französische Dekolonialisierung

3 Frankreichs Überseegebiete
3.1 Départements et régions d'outre-mer (DOM-ROM)
3.2 Collectivités d’outre-mer (COM)
3.3 Collectivité sui generis (CSG)
3.4 Terres australes et antarctiques françaises (TAAF)

4 Das Überseeministerium

5 Zustand und Zukunft der Überseegebiete

Bibliographie

1 Frankreichs Staatsgebiete außerhalb Europas

Im 18. Jahrhundert plante man den Place de la Concorde in Paris als Symbol des französischen Territoriums. Der größte Platz Frankreichs ist oval, in seiner Mitte steht der Obelisk von Luxor, links und rechts begleitet von zwei Brunnen, der Meeres- und der Fluss-Fontäne. Umrandet wird der Platz von acht allegori­schen Statuen der Grenzstädte Frankreichs: Lille, Rouen, Brest, Nantes, Bordeaux, Lyon, Marseille und Strasbourg.

Bildlich wird dadurch Paris als Hauptstadt Frankreichs dargestellt. Eine Stadt, die ein Land regiert, das von vier Flüssen eingeteilt ist: Seine, Loire, Garonne und Rhône. Ein Land, das begrenzt ist von der Nordsee im Norden, dem Atlantik im Westen, dem Mittelmeer im Süden und vom Rhein im Osten. Dieses erste Bild stimmt auch überein mit dem Bild, das die Franzosen von ih­rem Land haben: ein Hexagon, ein Sechseck, der Welt gegenüber geöffnet über den Seeweg, aber begrenzt durch natürliche Grenzen.

Die Gesamtfläche Frankreichs einschließlich der Inseln in Europa beträgt 547.030 km, davon sind ca. 545.000 km2 Landfläche und 1.400 km2 Wasserflä­che. Frankreich ist somit der flächenmäßig größte Staat Westeuropas. Nach Deutschland liegt Frankreich innerhalb der Europäischen Union mit 65, 53 Millio­nen Einwohnern auf dem zweiten Platz. (vgl. INSEE: estimations de population et statistiques de l’état civil1)

Neben dem Territorium auf dem europäischen Festland gehören zu Frankreich jedoch auch Überseegebiete in der Karibik, Südamerika, vor der Küs­te Nordamerikas, im Indischen Ozean und in Ozeanien sowie ein Teil der Antark­tis. Diese Überseegebiete, Reste des einstigen Kolonialreiches Frankreich, ha­ben insgesamt eine Fläche von ca. 120.000 km2 (ohne die antarktischen Gebie­te) und eine Bevölkerungszahl von ca. 2,65 Millionen. (vgl. alles Ministère des affaires étrangères et européennes 20102

Diese Arbeit skizziert im Folgenden erst kurz die Kolonialgeschichte Frankreichs über die letzten fünf Jahrhunderte, um verständlich zu machen, wa­rum Teile des französischen Staatsgebiets außerhalb Europas liegen. Dann werden die Gebiete systematisch, ihrer verwaltungsmäßigen Einteilung folgend, vorgestellt. Als Abschluss soll kurz das zuständige Ministerium sowie die allge­meinen Bedingungen und Zukunftsaussichten beschrieben werden.

2 Kolonialmacht Frankreich

Über vier Jahrhunderte lang war Frankreich eine bedeutende Kolonialmacht. Die Zeit des Kolonialismus begann mit dem Erwerb der ersten Kolonien am Ende des 16. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Frankreich nach Eng­land zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt. In den 1950er und 60er Jahren brach das französische Kolonialreich schließlich bis auf wenige Gebiete zusam­men. Die Geschichte lässt sich dabei in zwei Kolonialisierungsphasen einteilen: das 1. und das 2. Kolonialreich.

2.1 Französische Kolonialisierung

Das 1. Kolonialreich beschreibt die Zeit von 1534 bis 1815 und war geprägt vom langsamen Aufstieg, von weiter Ausdehnung und jähem Niedergang. Es begann mit der Atlantiküberquerung von Jacques Cartier 1534 und der Suche nach Fischgründen bei Neufundland, hatte die Entdeckung des Sankt-Lorenz-Stroms bei Québec sowie Neufrankreichs zur Folge und war entscheidender Ausgangs­punkt für eines der größten Kolonialreiche der Geschichte.

Das 1. Kolonialreich umfasste über 10 Millionen km2 Landfläche und ca. 40 Millionen Einwohner. Es erstreckte sich vom nordöstlichen Kanada (Neufund­land, Labrador, Québec und die Territorien um die Hudson Bay) über das kom­plette Zentralgebiet der USA (Louisiana machte damals fast ein Drittel der Ge­samtfläche der heutigen USA aus) bis in die Karibik und den Indischen Ozean. Auch Teile des heutigen Brasiliens, Französisch-Guayana, Teile Nordafrikas, des Senegals sowie zahlreiche Kontore an der indischen Küste waren französi­sche Kolonie.

Der Zerfall des 1. Französischen Kolonialreiches begann mit der Nieder­lage im Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Durch den Pariser Frieden 1763 musste Frankreich den größten Teil seiner amerikanischen und indischen Besit­zungen an Großbritannien abgeben. 1803 kaufte der US-Präsident Thomas Jef­ferson dann im sog. Louisiana Purchase von Napoleon I. die französische Kolo­nie Louisiana zurück, und Haiti, im 18. Jahrhundert reichste Kolonie des franzö­sischen Kolonialreichs, erkämpfte sich in blutigen Sklavenaufständen 1804 seine Unabhängigkeit. Als endgültiges Ende des 1. Kolonialreiches gilt der 2. Pariser Friede vom 20. November 1815, das Ende der Napoleonischen Kriege. Zu die­sem Zeitpunkt bestand das französische Reich nur noch aus vereinzelten Inseln in der Karibik, im Indischen Ozean und im Südpazifik.

Das 2. Kolonialreich begann 1830 mit der Besetzung Algeriens. Ab 1830 konzentrierte sich Frankreich weiter auf Afrika und eroberte zwischen 1845 und 1897 die gesamte Sahara, den größten Teil West- und Zentralafrikas sowie Ma­dagaskar. Erst ein Konflikt mit Großbritannien im Jahr 1898 stoppte die Expansi­on des 2. französischen Kolonialreiches in Afrika.

Unter Napoleon III. erweiterte sich das französische Reich dann um Indo­china, und somit erstmals auch um große asiatische Gebiete. 1883 errichtete Frankreich ein Protektorat über Annam (das heutige Vietnam) und bekam schließlich nach dem Ersten Weltkrieg auch noch die bis dahin deutschen Kolo­nien Togo und Kamerun zugesprochen. Nebenbei beherrschte Frankreich große Teile der Inselwelt des Indischen Ozeans und Ozeaniens. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte das französische Kolonialreich seine flächenmäßig größte Aus­dehnung erreicht und machte mit ca. 68 Millionen Einwohnern knapp 12 Millio­nen km2 aus. (vgl alles Krosigk 1999: 484-500)

2.2 Französische Dekolonialisierung

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das französische Kolonialreich nach und nach zu zerfallen. In den verschiedenen Kolonien wurden Unabhängigkeitsbe­mühungen immer übermächtiger, obwohl Frankreich diese erst zu ignorieren versuchte. Stattdessen versuchte es, den Verfall durch Reformkonzepte aufzu­halten und dadurch die Vormachtstellung in den Kolonien zu retten. Die Union Française, die 1946 zusammen mit der 4. französischen Republik gebildet wur­de, sollte das Kolonialreich nach dem Beispiel des Britischen Commonwealth of Nations umgestalten.

"Das Kolonialreich ist tot. An seiner Stelle errichteten wir die Union. Frank­reich bereichert, geadelt und vergrößert, wird morgen 100 Millionen Bürger und freie Menschen besitzen." Mit diesen Worten des Generalberichterstat­ters Pierre Cot in der Verfassunggebenden Nationalversammlung sollte das Kolonialproblem gelöst werden. (Der Spiegel 1947: 11)

Vorsitzender der Union war der französische Präsident. Frankreich sollte nur noch die gemeinsame Außen-, Verteidigungs-, Justiz- und Währungspolitik der Mitgliedstaaten kontrollieren. Die Verfassung von 1946 aber sicherte den franzö­sischen Kolonien zwar einen Platz als „egalitäre" Teile in der Union Française zu, gewährte ihnen aber gleichzeitig nur Vertretungs- und Mitsprachebefugnisse durch Repräsentation in zwei Organen, dem Haut Conseil de l’Union Française und der Assemblée de l’Union Française, die jeweils nur über beratende Kompe­tenzen verfügten.

Daneben wurden die kolonialen Gebiete neu klassifiziert: aus Protektora­ten, wie z.B. Tunesien und Marokko wurden „assoziierte Staaten" mit parlamen­tarischen Vertretungsrechten in Paris, aus Mandaten, wie z.B. Togo und Kame­run wurden „assoziierte Territorien". Aus den vier Altkolonien Guadeloupe, Mar­tinique, Guayana und Réunion wurden Übersee-Departements (Départements ďoutre-mer, DOM) und aus den restlichen und damit der Mehrzahl der Kolonien wurden Überseeterritorien (Territoires ďoutre-mer, TOM).

Auf die Unabhängigkeitsbemühungen der Kolonien reagierte die französi­sche Regierung mit Unterdrückung. Letzten Endes ließen sich die Probleme je­doch friedlich und mehr oder weniger gewaltlos regeln: 1950 beendete der Über­seeminister François Mitterand die Verfolgung der schwarzafrikanischen Unab­hängigkeitsbewegungen, 1953/54 traten die unabhängig gewordenen assoziier­ten Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha aus der Union aus, 1954 folgte das Ende des Indochina-Krieges, 1956 wurden Marokko und 1957 Tunesien unab­hängig. Französisch-Indien ging 1963 vollständig an Indien zurück. Nur in Algeri­en versuchte Frankreich zunächst, Härte zu demonstrieren und antwortete auf einen bewaffneten Widerstand der Front de Libération Nationale (FLN) mit der Entsendung von Hunderttausenden Soldaten. Das personell und materiell weit überlegene französische Militär führte einen gewaltsamen Kampf und schlug letztendlich die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN. Trotzdem resultierte der Konflikt schließlich 1962 in der Unabhängigkeit des seit 1848 als Bestandteil Frankreichs betrachteten Gebiets.

Nach dem Verlust von Indochina, Tunesien und Marokko versuchte Frank­reich mit dem Loi-cadre Defferre von 1956 noch, die Situation in den verbliebe­nen Kolonien zu entschärfen und ihnen größere demokratische Mitbestimmungs­rechte einzuräumen. Man führte das allgemeine Wahlrecht ein und erlaubte erste Formen lokaler Regierungen, die jedoch fast keine Befugnisse hatten. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Aufstände in Algerien und den afrikanischen Territorien nicht mehr aufzuhalten.

1985, mit Charles de Gaulles Bildung der V. Republik, versuchte Frank­reich noch einmal, den Kolonien politische Mitbestimmung zuzusichern, indem er zusammen mit der neuen Verfassung die alle Kolonien umfassende Commun­auté Française einrichtete, die allerdings nur zwei Jahre Bestand haben sollte. Im Herbst 1958 sollten die Kolonien über ihren politischen Status abstimmen, d.h. ob sie Departement, Territorium oder ein Staat sein wollen. Die Mehrheit entschied sich für den eines Staates innerhalb der Communauté Française. Die dabei entstandenen afrikanischen Staaten, also das gesamte ehemalige Franzö- sisch-Westafrika außer Senegal, reklamierten jedoch gleichzeitig die Unabhän­gigkeit von Frankreich und setzten diese bis 1960 auch durch. Keine der Kolo­nien entschied sich für den Status eines Departements, d.h. es behielten nur die bereits seit 1946 so benannten Kolonien Guadeloupe, Martinique, Guayana und Réunion den Status eines DOM, weitere fünf votierten für den Verbleib als Terri­toire ďoutre-mer in der Communauté. Nach der Unabhängigkeit Djiboutis und der Komoren in den 1970er Jahren und dem Zugeständnis größerer Eigenstän­digkeit an Saint-Pierre-et-Miquelon und Mayotte besitzen heute ausschließlich die französischen Gebiete im Pazifik den Status eines TOM.

Heute wird üblicherweise das Jahr 1962, also die Unabhängigkeit Algeri­ens, als das Ende des französischen Kolonialzeitalters betrachtet. Es existierte kein Kolonialreich mehr, die Union Française sowie die Communauté Française gab es nicht mehr, sondern nur noch ein paar verstreute Departements und Ter­ritorien. Trotzdem kann man nur von einer unvollständigen Dekolonialisierung sprechen, denn Frankreich trennte sich nicht von allen seinen Errungenschaften. Bis heute hält der französische Staat an den Departements und den Territorien fest, die ihm seit dem Ende der Kolonialzeit geblieben sind: die Departements Guadeloupe, Martinique, Guayana und Réunion, sowie das seit 2011 als Depar­tement verwaltete Mayotte, und die Territorien Neukaledonien, Französisch­Polynesien, die Inseln Wallis-et-Futuna und Saint-Pierre-et-Miquelon, und die Südpolar- und Antarktische Gebiete (TAAF, Terres Arctiques et Antarctiques Françaises) sowie einige unbewohnte Inseln im Pazifik und im Indischen Ozean. (vgl. alles Krosigk 1999: 484-500)

3 Frankreichs Überseegebiete

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie bereits im Kapitel vorher erörtert, sind die französischen Überseegebiete Teile des französischen Staatsgebiets außerhalb Europas und im Wesentlichen ehemalige französische Kolonien. Auf Französisch werden die Überseegebiete formell als la France ďoutre-mer bezeichnet. Die damit verbundene Abkürzung DOM-TOM, die bis heute jeder Franzose oder Frankreichkenner versteht, exis­tiert in dieser Form jedoch nicht mehr. Die teilweise seit 1946 bekannten Be­zeichnungen Département ďoutre-mer und Territoire ďoutre-mer existieren so heute nicht mehr. Seit einer Neufassung der Verfassung im Jahr 2003, genauer

[...]


1 <http://www.insee.fr/fr/themes/document.asp?reg_id=0&ref_id=ip1385> [Zugriff am 07.04.2012].

2 <http://www.diplomatie.gouv.fr/fr/la-france/territoire/generalites/article/l-amenagement-du- territoire> [Zugriff am 07.04.2012].

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656295099
ISBN (Buch)
9783656295259
Dateigröße
744 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203393
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Romanistik Kulturwissenschaft Kulturraum Frankreich Frankophonie Civilisation France d'outre-mer Überseegebiete DOM-TOM DOM TOM Departement d'outre-mer Territoire d'outre-mer Kolonialmacht Frankreich Kolonialisierung Dekolonialisierung DOM-ROM COM CSG TAAF Überseeministerium Ministère de la France d’outre-mer Ministère de l’Intérieur- de l’Outre-Mer- des Collectivités territoriales et de l’Immigration

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