Lade Inhalt...

Talententwicklung und Kompetenzentwicklung im Fußball

Bachelorarbeit 2011 57 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis / Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2 Begriffserklärung
2.1 Talententwicklung
2.2 Kompetenzentwicklung
2.3 Fußball

3 Theorien der Talententwicklung
3.1 Expertisenforschung
3.2 Talententwicklung nach K. A. Ericsson
3.2.1 10 Jahres Regel
3.2.2 Deliberate Practice
3.3 Eindimensionale Model der Talententwicklung
3.3.1 Das Münchener Hochbegabungsmodell nach Heller
3.3.2 Basale Fähigkeiten
3.3.3 Anthropometrische Merkmale
3.4 Talentförderung und sportliches Leitbild DFB
3.5 Talententwicklung und Spielphilosophie des brasilianischen Fußballs

4 Kompetenzentwicklung von Fußballern in ihrer Umwelt
4.1 Untersuchung des sozialen Systems Deutschland an Hand der BSC
4.2 Untersuchung des sozialen Systems Deutschland an Hand der BSC
4.3 Praxisbeispiel Profifußball

5 Ergebnis
5.1 Zusammenfassung
5.2 Bedeutung für die Praxis
5.3 Ausblick

6 Anhang

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Triadisches Interdependenzmodell nach J. Mönks

Abbildung 2: Factors supporting Expertise/skill Acquisition

Abbildung 3: Spielfeld im Fußball

Abbildung 4: erstes WM-Finale: Uruguay vs. Argentinien 4:2, in Montevideo

Abbildung 5: Skizze der 10 Jahres Regel

Abbildung 6: Trichtermodell deliberate Practice

Abbildung 7: Münchener Hochbegabungsmodell von Heller

Abbildung 8: Vergleich der Körpergrößen von sechs Weltklassefußballern

Abbildung 9: Einflussfaktoren und Elemente der deutschen Spielkultur

Abbildung 10: Unterschiede zwischen Futsal, Beach Soccer und Fußball

Abbildung 11: Balanced Score Card für Deutschland

Abbildung 12: Balanced Score Card für Brasilien

Abbildung 13: Vergleichstabelle der untersuchten Persönlichkeiten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Romario, Ronaldo, Ronaldhino, Robinho, Bebeto, Roberto Carlos das sind die Namen die jedem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn er die brasilianischen Weltstars spielen sieht. Ballkünstler, Fußballästheten oder auch Magier werden die Spaßfußballer Brasiliens genannt. Brasilien ist das Exportland Nummer eins, was Profifußballer betrifft. Warum sind brasilianische Fußballer so begehrt und warum sind sie so viel besser als ihre europäischen oder asiatischen Konkurrenten?

Die meisten Weltmeisterschaftserfolge im Fußball erzielten die Argentinier (2-mal), die Deutschen (3-mal), die Italiener (4-mal), Die Brasilianer (5-mal). Dies ist ein weiterer Beweis, dass der brasilianische Fußball für hervorragende Ausbildung von Talenten steht. In Deutschland scheint die Ausbildung der Talente zu stagnieren, 1996 wurde der letzte große Erfolg mit dem Gewinn der Europameisterschaft verzeichnet. Der Altersdurchschnitt der Nationalmannschaft 2000 im Vergleich zu 2010 war wesentlich höher, was als ein Zeichen fehlender Nachwuchstalente gewertet werden kann. Seitdem versuchte der Deutsche Fußballbund, durch entsprechende Förderprogramme neue Talente zu entdecken. Es wurde notwendig das sportliche Leitbild des deutschen Fußballs neu anzupassen. Der moderne, schnelle Fußball, den z.B. Brasilien, Frankreich und Spanien zelebrieren, ist an dem statischen meist kraftintensiven Fußball der deutschen Nationalmannschaft vorbeigezogen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Mathias Sammer:

„ Unsere U-Nationalmannschaften haben nach langer Durststrecke gro ß artige Erfolge erreicht.

In 11 Monaten erspielten sich unsere U19, U17 und die U21 die Titel eines Europameisters.

Diese Titel sind dabei ein logisches Produkt gro ß er Anstrengungen des DFB, seiner Landesverb ä nde und der Lizenzvereine, talentierte junge Spielerinnen und Spieler so intensiv wie m ö glich zu f ö rdern und zu fordern. “ 1

Im Zeitalter der dreistelligen Millionentransfers und der Riesengehälter macht es Sinn sich vermehrt auf die Entwicklung eigener Talente zu konzentrieren. Die Bundesligavereine die einen kleinen Etat haben wie z.B. Mainz 05 oder SC Freiburg sind gute Beispiele für die erfolgreiche Arbeit der Nachwuchsförderung. Diese Vereine profitieren durch ihre sehr gute Jugendarbeit und können trotz geringer finanzieller Mittel wettbewerbsfähig bleiben. Die Talententwicklung eigener Fußballer benötigt außer der sportlichen Entwicklung eine persönliche Entwicklung. Ein erfolgreicher Fußballer von heute braucht persönliche Kompetenzen, damit er im professionellen Fußball außergewöhnliche Leistungen erbringen kann. Diese Kompetenzen sind das Resultat der Auseinandersetzung des Fußballers mit seinen Freunden, seiner Familie, der Schule, dem Verein in dem er spielt und einigen anderen Umweltfaktoren.

Auf welche Weise erschließt jemand seine Kompetenzen? In wie weit beeinflusst den Akteur seine Umgebung? Während in Deutschland die Möglichkeiten des Lernens jedem durch das geregelte Schulsystem gegeben sind, ist es z.B. für brasilianische Kinder viel schwieriger, eine schulische Grundausbildung zu genießen. Die sportliche Kompetenz sollte bei einem Fußballprofi ebenso ausgeprägt sein wie die Selbst- und Sozialkompetenz.

Dr. Theo Zwanziger:

„ Juniorentrainer d ü rfen sich dabei zu keiner Zeit nur auf die Rolle eines reinen Fu ß ballexpertenversteifen. Alle Ausbildungsprozesse im Fu ß ball m ü ssen das Ziel haben, junge Spielerinnen und Spieler nicht nur fu ß ballerisch, sondern als starke Pers ö nlichkeiten voranzubringen. Das gilt bereits f ü r das motivierende und vielseitige Fu ß ballspielen im Sportunterricht oder Verein, das sich positiv auf motorische, geistige und soziale Eigenschaften der Kinder auswirkt. “ 2

1.2 Zielsetzung

Die Arbeit soll herausstellen, wie und warum sich Fußballtalente in bestimmten Regionen entwickeln und warum die Kompetenzen dieser Fußballer sich von anderen Fußballern unterscheiden. Hierzu werden am Anfang der Arbeit verschieden Theorien und Modelle der Talententwicklung diskutiert. Die Unterschiede des eindimensionalen Models der Talententwicklung, in der von Talent in Form von Hochbegabung die Rede ist, zum mehrdimensionalen Model der Talententwicklung nach K.A. Ericcson sollen dabei bewusst werden. Um den besseren Vergleich zwischen zwei erfolgreichen aber kulturell verschiedenen Fußballnationen darzustellen, werden im Kapitel 3 die sportlichen Leitbilder des brasilianischen Fußballs und des deutschen Fußballs unter Berücksichtigung der Talentförderung miteinander verglichen. Das Kapitel 4 erklärt die Kompetenzentwicklung der Fußballer in Brasilien und analysiert die Rahmenbedingungen für die Kompetenzentwicklung. Der Fokus auf Brasilien und Deutschland bleibt bei der Betrachtung der Talententwicklung und Kompetenzentwicklung bestehen, da die Unterschiede der Umweltfaktoren signifikant sind. Um die Untersuchung der Kompetenzentwicklung mit Fallbeispielen aus der Praxis zu belegen, folgen am Ende des vierten Kapitels zwei Persönlichkeitsbefragungen zweier professioneller Fußballer mit ähnlicher Karrierelaufbahn aber unterschiedlicher kultureller Abstammung. Diese Fragebögen werden ausgewertet und interpretiert.

Aus der Untersuchung werden die Ergebnisse der vorherigen Kapitel zu einem Fazit zusammengefasst und mit Ratschlägen für die Praxis ergänzt.

2. Begriffserklärung

2.1 Definition Talententwicklung

Der Begriff Talententwicklung, der seit einigen Jahrzenten erforscht wird, hat keine eindeutige Definition. Experten und Wissenschaftler sind durch die Analyse verschiedener Praxisbeispiele zu unterschiedlichen Erkenntnissen über die Entwicklung des Talents gelangt.

Nach Franz J. Mönk entwickelt sich eine Hochbegabung (Talent) nur dann, wenn die 3 Persönlichkeitsmerkmale Motivation, Kreativität und hohe intellektuelle Fähigkeit mit den 3 äußeren Umweltfaktoren Schule, Freunde und Familie harmonieren.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Triadisches Interdependenzmodell nach J. Mönks4

J.Mönks erweiterte die Theorie von Renzulli, der nur die 3 inneren Persönlichkeitsmerkmale für eine Hochbegabung ausmachte, durch die 3 sozialen Umweltfaktoren. Die resultierende Hochbegabung nach J. Mönks soll in diesem Fall das Talent darstellen.

Der auf dem Gebiet der Hochbegabtenforschung renommierte Psychologie-Professor DetlefH. Rost, der die größten Längstschnittstudien zur Entwicklung Hochbegabter und Hochleistender durchführte, definiert eine intellektuelle Hochbegabung einer Person unter folgenden Gesichtspunkten:

(a) Sich schnell und effektiv deklaratives und prozedurales Wissen aneignen.
(b) Dieses Wissen in variierenden Situationen zur Lösung individuell neuer Probleme adäquat einsetzen.
(c) Rasch aus den dabei gemachten Erfahrungen lernen.
(d) Erkennen auf welche neuen Situationen bzw. Problemstellungen die gewonnenen Erkenntnisse transferierbar sind (Generalisierung) und auf welche nicht (Differenzierung)5

Neben den Modellen der Hochbegabung von Mönk, Renzulli und Rost, die Vertreter der Theorien des genveranlagten Talentes sind, existiert auch das Münchener Hochbegabtenmodell nach Heller, auf das im 3. Kapitel näher eingegangen wird.

Der Wissenschaftler K. Anders Ericsson dagegen stellt die These auf, dass Talent nicht durch bestimmte Faktoren vorgegeben ist, sondern dass sich jeder Mensch das Talent für eine bestimmte Tätigkeit aneignen kann. K. Anders Ericsson behauptet, dass jeder Mensch der sich intensiv über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren mit einer Tätigkeit beschäftigt, zu einem Experten in diesem Bereich avancieren kann. Im Kontext dazu führt K. Anders Ericsson den Begriff des Deliberate Practice ein.

„The evidence suggests that future expert perfomers engage in intense training activities that are especially designed to maximize improvement of a given individual’s current performance (deliberate practice)6

Die These von K. Anders Ericsson basiert auf den Forschungen von Simon und Chase 1973 mit der 10 Jahres Regel und den 3 Phasen von Bloom. In dem Kapitel 3 wird auf die Forschungen von Simon und Chase 1973 näher eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Factors supporting Expertise/skill Acquisition7

K. Anders Ericsson will anhand dieser Abbildung die wichtigen Faktoren verdeutlichen, die zu einer Talententwicklung führen. Der äußere A. soziale Faktor, B. die interne Motivation und der C. äußere Informationsfaktor steuern zum Deliberate Practice bei, der unter D. dargestellt ist. Deliberate Practice heißt übersetzt bewusste Praxis (zielgerichtetes Training) und hängt von der Intensität, der Dauer und dem Inhalt des Trainings ab. Der letzte Schritt der Talententwicklung bzw. der Reifung zum Hochbegabten ist dann die Umsetzung des Deliberate Practice beim Handeln des Menschen. Die gedankliche Durchdringung bzw. das kognitive System des Akteurs wird durch die Speicherkapazität, Aufnahmefähigkeit, Lernrate und Vergesslichkeitsrate bestimmt.

2.2 Definition Kompetenzentwicklung

Der Begriff der Kompetenz kann viele Bedeutungen haben. In Bezug auf die Kompetenzentwicklung eines Fußballers ist die Definition der Kompetenz in der Pädagogik am besten geeignet, denn in der pädagogischen Definition der Kompetenz wird die Problemlösefähigkeit eines Menschen thematisiert. Der Mensch steht in einer ständigen Interaktion mit seiner Umwelt. Je besser die Umwelt und der Mensch harmonieren, umso kompetenter erscheint der Mensch in seinem Handeln.

Kompetenz ist nach Erpenbeck und Heyse die selbstorganisierte Fähigkeit, die von anderen Menschen zugeschrieben wird, um ein Problem oder eine Aufgabe zu lösen. Da Kompetenzen je nach Perspektive unterschiedlich zugeschrieben werden und nicht absolut wirken, spricht man von relationalen Kompetenzen.8

„Kompetenzentwicklung entsteht aus der Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt. Es ist die Suche nach Lösungen aus dem Repertoire der vorhandenen Muster des Gelernten, wobei je nach Kompetenzgrad neue Verknüpfungen von Mustern entstehen.“9

Die Kompetenzentwicklung eines Menschen definiert sich als die Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit in Verbindung mit der Anpassung an die Umwelt. Es ist ein langwieriger Prozess, bei dem der Akteur seine Stärken, Schwächen und Talente kennenlernen und einschätzen muss. Der Prozess unterliegt folgenden 3 Phänomenen:

Die früh abgeschlossene Gehirnentwicklung

Die Tendenz jedes Individuums, sich die passende Umwelt auszusuchen, was Bestärkungen der eigenen Erlebniswirklichkeit auslöst.

Das Bemühen des Individuums, eine gewisse Verlässlichkeit auszubilden, um sozialfähig zu wirken.10

2.3 Definition Fußball

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Spielfeld im Fußball11

Fußball ist eine Ballsportart, in der 2 Mannschaften a 11 Spieler gegeneinander spielen. Der Ball darf mit dem Fuß, dem Kopf und allen anderen Körperteilen außer der Hand und dem Arm berührt werden. Jede Mannschaft stellt einen Torwart, der im Strafraum den Ball mit der Hand abwehren darf, und 10 weitere Feldspieler, die entsprechend ihrer zugeteilten Positionen von Abwehr bis Angriff aufgestellt werden. Beide Mannschaften duellieren sich in 2 mal 45 Minuten Spielzeit mit der Intention, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Ziel ist es, mindestens ein Tor mehr zu schießen als der Gegner, damit das Spiel mit einem Sieg beendet wird. Aus Gründen der Fairness leitet ein unparteiischer Schiedsrichter und 2 seiner Assistenten, die als Linienrichter fungieren, das Spiel und unterbricht dieses bei Regelverstößen der Mannschaften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 das erste Fußball-WM-Finale: Uruguay vs. Argentinien 4:2, in Montevideo, Uruguay am 30 Juli 193012

3. Theorien der Talententwicklung

3.1 Expertisenforschung und Hochbegabtenforschung

Die Modelle der Talententwicklung sind Ergebnisse der über Jahrzehnte praktizierten Expertisenforschung einiger Wissenschaftler. Eine Vielzahl an empirischen Untersuchungsbeispielen verschiedenster Sportarten und der Musik ermöglichte es, Hypothesen über die Talentwicklung aufzustellen.

Die Expertiseforscher analysieren das bereits gegebene Datenmaterial, in diesem Fall das Untersuchungsbeispiel, und werten es dann aus (retrospektiv). Die Hochbegabtenforscher arbeiten prospektiv, in dem sie die zu überprüfende Hypothese im Untersuchungsbeispiel anwenden und an Hand dessen zu Ergebnissen kommen. In der Expertisenforschung versucht der Wissenschaftler, die von ihm untersuchten Fallbeispiele im Sport oder der Musik, zu beschreiben, zu erklären und zu fördern. Das Ziel des Wissenschaftlers ist die Ursache der außergewöhnlichen Leistungen zu erforschen. Deshalb werden nur bestimmte Untersuchungsbeispiele aus dem Hochleistungsbereich gewählt.

Die Theorien der modernen Talententwicklung gehen auf die Expertiseforscher de Groot (1965), Simon und Chase (1973), Chase und Ericsson (1981), Ericsson und Smith (1991) und Williams und Ericsson (2005) zurück. Die Basis der Expertisenforschung bildete De Groot (1965), der sich mit professionellen Schachspielern beschäftigte. Simon und Chase (1973) erweiterten die Thesen de Groots (1965) um eine Bedingung. K. Anders Ericsson erweiterte und verbesserte die Theorien seiner Vorgänger ab 1981 bis 2005 mit Hilfe anderer Wissenschaftler kontinuierlich.13

Einen anderen Ansatz der Talententwicklung verfolgen die eindimensionalen Modelle nach den Hochbegabungsforschern Terman (1925) und Rost (1993). Terman und Rost repräsentieren die Theorie das Talent doch von der Genetik und hier insbesondere von der kognitiven Fähigkeit (IQ) abhängt. Lewis M. Terman entwickelte eine Studie in dem er herausstellte, das Hochbegabte in der Schule und im Beruf besser waren als durchschnittliche Schüler.14 Detlef H. Rosts Studien basieren auf den Ergebnissen der Terman-Studie, jedoch sind die nach modernen psychologischen Standards modifiziert worden.

3.2 Talententwicklung nach K. Anders Ericsson

K. Anders Ericsson gilt als einer der glühender Verfechter des mehrdimensionalen Modells der Talententwicklung, die Talent als eine über einen längeren Zeitraum erlenbare Fähigkeit ansehen. Seit 1981 beschäftigte sich K. Anders Ericsson mit der Frage, welche Ursachen einen Menschen zu einem herausragenden Künstler, Wissenschaftler oder Sportler befähigen können. In seinem Buch „The Road to Excellence“ entwickelt Ericsson mit Hilfe von empirischen Untersuchungsbeispielen Hypothesen, die eine Erklärung für ein besonderes Talent geben sollen.

„In every domain of expertise, many start on the „road to excellence“ but few reach the highest level of achievement and performance.“15

Das Zutreffen der Aussage Erikssons spiegelt sich in keiner Sportart so gut wieder wie in der des Fußballs. Nehmen wir als Beispiel den deutschen Fußballverband DFB und seine 6,7 Millionen Fußballanhänger, so wird schnell klar warum die Aussage Ericssons so gut zutrifft.16 Der DFB verfügt mit der 1., 2. Und 3. Liga über 3 professionelle Fußballigen mit insgesamt 1563 bezahlten Profifußballern.17 D.h. das in Deutschland von den 6,7 Millionen DFB-Mitgliedern nur jedes 4286te Mitglied im Profifußball beschäftigt ist!

3.2.1 10 Jahres Regel nach Simon und Chase

Simon und Chase stellten 1973 nach der Untersuchung von Schachspielern die Hypothese auf, dass ein Sportler 10 Jahre intensives Training und Wettkampfpraxis brauch, damit er eine professionelle Ebene erreicht. Die meisten Akteure schaffen es erst nach 10 Jahren den Profistatus zu erlangen.

Die Skizze der 10 Jahres Regel von Simon und Chase soll den Zusammenhang zwischen Entwicklung und Training verdeutlichen. Die Vertikale Achse in der Skizze stellt die Entwicklungsstufe des Sportlers und die horizontale Achse die Jahre des intensiven Trainings dar. Der Schnittpunkt der Kurve mit der Konstante „Internationales Toplevel“ zeigt, dass nach 10 Jahren intensivem Training das Internationale Toplevel erreicht wird.

Internationales Toplevel Abbildung 5 Skizze der 10 Jahres Regel18 Entwicklung 10 Vorbereitung in Jahren Die 10 Jahres Regel von Simon und Chase ist von den Untersuchungen Conley und Krahenbuhl 1980, die Langstreckenläufer untersucht haben und dem 3 Phasen Modell von Bloom bestätigt worden. Bloom teilt die 10 Jahres Regel in 3 Phasen ein, in denen er die Entwicklung des Kindes mit Ambitionen zum Profisportler beschreibt.

Die erste Phase bezeichnet Bloom als Orientierungsphase, in der das Kind sich für eine Beschäftigung bzw. Sportart interessiert und die Eltern hierfür professionelle Betreuung z.B. einen Trainer für das Kind beschaffen. In der zweiten Phase intensiviert sich das Training für das Kind. Die Eltern versuchen dem Kind einen noch besseren Trainer zur Verfügung zu stellen, und fördern und treiben ihr Kind an, sich zu verbessern. Dadurch verbessert sich die Entwicklung des Kindes und erreicht ein neues Niveau. Die dritte Phase ebnet den Weg zum Weltklasseniveau. Die Trainingsbedingungen und der Trainer entsprechen den höchsten Standards und manchmal ist ein internationaler Wohnsitzwechsel notwendig. Das Etablieren in die Elite bedeutet für die Sportler, dass sie den Trainingsinhalt der Trainer verinnerlicht haben und jetzt ihre sehr guten Voraussetzungen in außerordentliche Erfolge umwandeln können. Für die Entwicklung und Gestaltung der Profikarriere des Kindes sind folgende Faktoren nach Bloom wichtig:

Der auszubildende Trainer war entweder selbst Profisportler oder er hat in der Vergangenheit eine Person zu einem Leistungssportler ausgebildet. Die auszubildenden Kinder sind abhängig von der logistischen,Und von der finanziellen Hilfe der Eltern. ( „It is estimated that the additional direct cost per year to develop an elite performer in some sports may exceed 5000 $”, (Chamblis,1988))19

3.2.2 Deliberate Practice

Die Übersetzung für Deliberate Practice lautet „bewusste Praxis“. K. A. Ericsson hebt in seiner Theorie der Talentforschung das deliberate practice auf Grund seines hohen Stellenwertes für die Talentenwicklung hervor. Laut dem Expertiseforscher steigert die „bewusste Praxis“ bzw. das intensive Training die Fähigkeiten und die Leistung des trainierenden Akteurs sukzessiv. Jedoch soll mit zunehmendem Alter und Erfahrung das Trainingsvolumen erweitert werden, damit die Leistungen des Akteurs sich verbessern. Die Elemente die das Deliberate Practice charakterisieren, umschreibt K.A. Ericsson folgendermaßen: „ Based on a review of century of laboratory studies of learning and skill acquisition, Ericsson, Krampe, and Tesch Römer (1993) concluded that the most effective learning requires a well-defined task with an appropriate difficulty level for the particular individual, informative feedback, and opportunities for repetition and corrections of errors.”20

Außerdem macht K.A. Ericsson bezüglich der erfolgreichen Ausführung des Deliberate Practice, mit dem Ziel, Weltklasse zu werden 3 wesentliche Prognosen:

1. Die Quantität und die Qualität des Deliberate Practice wirken sich unmittelbar auf die Stufe der Entwicklung aus.

[...]


1 Vgl. DFB, http://talente.dfb.de/index.php?id=518883 S.3 abgerufen am 20.03.2011 2

2 Vgl. DFB, http://talente.dfb.de/index.php?id=518883 S.3 abgerufen am 20.03.2011 3

3 Vgl. J. M ö nks, Begabtenförderung in Thüringen, das Triadische Interdependenzmodel, in: http://www.thillm.th.schule.de/pages/thillm/projekte/begab/begabthur/DasDrei-Ringe- ModellvonRENZULLIunddasTri.html abgerufen am 22.02.2011

4 Vgl. J. M ö nks, Begabtenförderung in Thüringen , das Triadische Interdependenzmodel, in: http://www.thillm.th.schule.de/pages/thillm/projekte/begab/begabthur/DasDrei-Ringe- ModellvonRENZULLIunddasTri.html abgerufen am 22.02.2011

5 Vgl. Springerlink, Hochbegabung nach D. Rost (2004), S.43http://www.springerlink.de/content/k4136062p15762m7/fulltext.pdf, abgerufen am 28.02.2011

6 Vgl. K. Anders Ericcson, The road to Excellence, The Aquisation of Expert Perfomance in the art and Sciences,Sports and Games, Lawrence Erlbaum Associates,Pubilshers, Mahwah New Jersey, 1996, S.41

7 Vgl. Emerald, http://www.emeraldinsight.com/fig/7230_10_1016_S1074-7540_05_08008-6.png , abgerufen am 22.02.2011

8 Vgl. Gustav Bergmann, Systemisches Innovations- und Kompetenzmanagement, Grundlagen-Prozesse- Perspektiven, Wiesbaden(Gabler),2006, S.74

9 Vgl. Gustav Bergmann, Systemisches Innovations- und Kompetenzmanagement, Grundlagen-Prozesse- Perspektiven, Wiesbaden(Gabler),2006, S.90

10 Vgl. Gustav Bergmann, Systemisches Innovations- und Kompetenzmanagement, Grundlagen-Prozesse- Perspektiven, Wiesbaden(Gabler),2006, S.75

11 Vgl. arcor ihr Internetportal, http://home.arcor.de/fussball-sport/regeln/spielfeld_a.gif, abgerufen am 26.02.2011

12 Vgl. Spox, http://www.spox.com/de/sport/diashows/1007/Fussball/wm-historisch-alle-finals/wm-finale- 1930.jpg, abgerufen am 26.02.2011

13 Vgl. Norbert Hagemann, Maike Tietjens & Bernd Strau ß , http://www.hogrefe.de/programm/media/catalog/Book/978-3-8017-2033-9_lese.pdf, abgerufen am 28.02.2011

14 Wilfred Schmid, Terman eindimensionales Modell der Talententwicklung,http://journals.zpid.de/index.php/PuG/article/viewFile/170/207 abgerufen am 28.02.2011

15 Vgl. K. Anders Ericsson, The road to Excellence, The Aquisation of Expert Performance in the art and Sciences, Sports and Games, Lawrence Erlbaum Associates, Publishers, Mahwah New Jersey, 1996, S.1

16 Vgl. DFB, http://www.dfb.de/index.php?id=11015, abgerufen am 01.03.2011

17 Vgl. Transfermarkt, www.transfermarkt.de abgerufen am 02.03.2011

18 Vgl. K. Anders Ericsson, The road to Excellence, The Aquisation of Expert Performance in the art and Sciences, Sports and Games, Lawrence Erlbaum Associates, Pubilshers, Mahwah New Jersey, 1996, S.11

19 Vgl. K. Anders Ericsson, The road to Excellence, The Aquisation of Expert Performance in the art and Sciences, Sports and Games, Lawrence Erlbaum Associates, Pubilshers, Mahwah New Jersey, 1996, S.20

20 Vgl. K. Anders Ericsson, The road to Excellence, The Aquisation of Expert Performance in the art and Sciences, Sports and Games, Lawrence Erlbaum Associates, Pubilshers, Mahwah New Jersey, 1996, S.20-21

Details

Seiten
57
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656305453
ISBN (Buch)
9783656306290
Dateigröße
5.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203597
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
talententwicklung kompetenzentwicklung fußball

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Talententwicklung und Kompetenzentwicklung im Fußball