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Die Außenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik zwischen 1949 und 1969

im Spannungsfeld von Neorealismus und Realismus

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klassischer Realismus

3. Neorealismus

4. Außenpolitik der DDR
4.1. Beziehungen zur Sowjetunion
4.2. Beziehungen mit der BRD
4.3. Beziehungen mit dem "Westen"

5. Schlussfolgerungen

6. Bibliographie

1. Einleitung

Mit dem Aufstieg der Ideologie des Nationalsozialmus entwickelte sich eine Theorie in der Disziplin der internationalen Politik heraus, die zu den bisher vorherrschenden idealistischen Konzepten eine Gegenbewegung darstellte: der Realismus. Dieser wurde vor allem von Hans-Joachim Morgenthau geprägt. Diese Theorie schien die internationalen Beziehungen besser und realitätsnäher zu charakterisieren.[1] Mit der bedingungslosen Kapitulation des Nationalsozialismus veränderte sich jedoch die Struktur des internationalen Systems hin zum sogenannten Ost-West-Konflikt und konnte daher mit den herkömmlichen Theorien nur schwer analysiert werden. So begannen Wissenschaftler wie Kennetz N. Waltz ab den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts eine Weiterentwicklung des bis dahin weit verbreiteten klassischen Realismus zu konstruieren.[2] Es entstand der Neorealismus. Beide Theorien finden noch heute Anwendung und haben vieles gemeinsam, aber auch viele Unterschiede in ihrer Betrachtungsweise des internationalen Systems.[3]

Diese Hausarbeit soll die Frage klären, welche Theorie von beiden besser dazu geeignet ist, die Ereignisse in der internationalen Politik zu verstehen. Ich möchte mich mit meiner Hausarbeit auf die Außenpolitik der DDR konzentrieren, da diese im Ost-West-Konflikt eine zentrale Rolle darstellte, da sie den wichtigsten Partner der Sowjetunion sowie die "Grenze" zum Westen darstellte.[4] Vor allem die Jahre 1949 bis 1969 sollen dabei behandelt werden, da in diesem Zeitraum die Einsicht in die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des klassischen Realismus entstand. Diese Eingrenzung gibt auch insofern einen Rahmen, da 1949 die DDR gegründet wurde und ab 1969 mit der Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion der Ost-West-Konflikt eine andere Stufe erreichte.

Zunächst sollen die beiden Begriffe "klassischer Realismus" und "Neorealismus" analysiert werden, um dann mit diesen Definitionen arbeiten zu können. So wird zuerst auf den Begriff des klassischen Realismus eingegangen, da der Neorealismus auf diesen aufbaut. Daraufhin wird auf die Beziehungen zur Sowjetunion, zur BRD sowie zu den restlichen "westlichen" Staaten des zweiten Weltkrieges eingegangen. Diese Einschränkung wird vorgenommen, weil diese Akteure ebenfalls zentrale Rollen während des Ost-West-Konfliktes eingenommen haben.

Bei dem Vergleich der beiden Theorien in Bezug auf die Außenpolitik der DDR von 1949 bis 1969 beziehe ich mich vorwiegend auf die beiden bekannstesten Vertreter der Realismus-Theorien, womit Waltz und Morgenthau gemeint sind, da sonst der Rahmen dieser Hausarbeit gesprengt werden würde.

2. Klassischer Realismus

Der Begriff des klassischen Realismus richtete sich zu seiner Entstehungszeit gegen die als realitätsfern charakterisierte liberale Theorie.[5] Währenddessen der Liberalismus zukunftsorientiert die Politik danach richtet, wie die Welt beschaffen sein sollte, analysiert der klassische Realismus die internationalen Beziehungen so, wie sie sind und ist damit gegenwartsorientiert.[6]

So ging es auch Edwart Hallett Carr, ein wichtiger Vertreter des klassischen Realismus, nicht darum, die Welt nach Idealen auszurichten, sondern ihre Politik an der Realität zu orientieren.[7] Er war der Meinung, dass "wenn man sich nämlich die Theorien über internationale Moral und Harmonie und Interessenausgleich genauer anschaue, dann könne man sehr schnell feststellen, dass sich immer sehr konkrete Herrschaftsinteressen dahinter verbergen."[8]

Hans-Joachim Morgenthau, der wohl bekannteste Verfechter dieser Theorie, sagt "dass die Politik von objektiven Gesetzen bestimmt wird, deren Ursprung in der menschlichen Natur liegt."[9] So unterliegt der Mensch nicht nur der Selbsterhaltung, sondern weist auch einen starken Machttrieb auf. So sei die internationale Politik nur ein Kampf um Macht. Demnach sollte das Mittel der Außenpolitik zum Erreichen des Friedens die Mäßigung und Machtbändigung sein.[10]

Mit dieser Interpretation der internationalen Beziehungen ist es sehr wichtig, den Begriff der Macht zu charakterisieren, da dieser Zentral für diese Theorie ist. Morgenthau versteht unter Macht die Herrschaft von Menschen über das Handeln und Denken von anderen Menschen. Weiter unterscheidet Morgenthau in "sittlich gebundene Macht" im Bezug auf demokratische Staaten und "schrankenlose und barbarische Gewalt", mit Blick auf den Nationalsozialismus.[11]

Morgenthau sprach auch davon, dass sich die Welt in einem Zustand der Anarchie befindet und es demnach keine Zentralmacht oder keine allgemein akzeptierte Autorität gibt, welche die Konflikte zwischen den einzelnen Staaten dirigieren könnte. Schlussfolgernd ging er davon aus, dass das primäre Nationalinteresse in der eigenen Sicherheit liegt. Diese Sicherheit könne nur mit der Bewahrung beziehungsweise Vergrößerung der eigenen Macht erreicht werden.[12] Somit wird Macht gleichzeitig Mittel und Ziel der nationalen Außenpolitik.

"Die internationale Politik erscheint im realistischem Verständnis als Nullsummenspiel: was der eine Staat an Ressourcen, Territorien, Einfluß, Macht gewinnt, geht stets zu Lasten anderer und kann daher nur umverteilt […] werden."[13] Demnach stellt die Theorie des klassischen Realismus den Terminus Macht und dessen Gleichgewicht in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung.[14]

Die realistischen Schule geht davon aus, dass die Machtbeziehungen einem Regelungsbedarf unterliegen, der durch die "Balance of Power" gewährleistet wird. Zum einen wird unter der "Balance of Power" die annähernde Gleichheit der Macht von den einzelnen Nationalstaaten verstanden, zum anderen geht man davon aus, dass ein Staat ein Machtübergewicht über die anderen erhalten müsse. Diese würden die Unabhängigkeit der Akteure bewahren, sowie die Sicherung des Friedens bewirken. Dieses Anstreben des Gleichgewichts zwischen den einzelnen Machthabern stellt die normative Grundlage der klassisch-realistischen Schule dar.[15] Dennoch war die Schule des klassischen Realismus eine eher pessimistisch eingestellte, verursacht vor allem aus dem Entstehungskontext und den Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg .[16]

[...]


[1] Gu, Xuewu: Theorien der internationalen Beziehungen. Einführung, in: Mohr, Arno (Hrsg.): Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft, München 2000, S.37.

[2] Ebd. S.47.

[3] Ebd. S.47.

[4] Bruns, Wilhelm: Die Außenpolitik der DDR, in: Jesse, Eckhard / Haungs, Peter (Hrsg.): Beiträge zur Zeitgeschichte, 20 Bd., Bd. 16, Berlin 1985, S.7.

[5] Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen, 4. Aufl., Baden-Baden 2009, S.140.

[6] Vgl. Lemke, Christiane: Internationale Beziehungen. Grundkonzepte, Theorien, Problemfelder, in: Mohr, Arno (Hrsg.): Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft, München 2000, S.20.

[7] Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen, 4. Aufl., Baden-Baden 2009, S.144.

[8] Ebd. S.145.

[9] Ebd. S.147.

[10] Vgl. Ebd. S.148.

[11] Vgl. Ebd. S.148.

[12] Vgl. Lemke, Christiane: Internationale Beziehungen. Grundkonzepte, Theorien, Problemfelder, in: Mohr, Arno (Hrsg.): Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft, München 2000, S.20-21.

[13] Lehmkuhl, Ursula: Theorien Internationaler Politik. Einführung und Texte, 2. Aufl., in: Mohr, Arno (Hrsg.): Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft, München 1997, S.73.

[14] Vgl. Ebd. S.71.

[15] Vgl. Ebd. S.74.

[16] Vgl. Lemke, Christiane: Internationale Beziehungen. Grundkonzepte, Theorien, Problemfelder, in: Mohr, Arno (Hrsg.): Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft, München 2000, S.21.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656303350
ISBN (Buch)
9783656303879
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203664
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Internationale Politik
Note
1,7
Schlagworte
außenpolitik deutschen demokratischen republik spannungsfeld neorealismus realismus

Autor

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Titel: Die Außenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik zwischen 1949 und 1969