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Baal, Religion und religiöse Züge im Theaterstück "Baal" von Bertolt Brecht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Inhalte und Ziele der Arbeit

2 Biografie des Autors

3 Die Genese des Theaterstückes Baal
3.1 Die Entstehung und die erste Fassung des Stückes im Sommer 1918
3.2 Die zweite Fassung des Stückes vom Sommer 1919
3.3 Die dritte Fassung des Stückes von Ende 1919 und Anfang 1920
3.4 Die vierte und fünfte Fassung des Stückes

4 Brecht und die Religion

5 Herkunft des Namens Baal
5.1 Baal im Islam
5.2 Baal im Christentum
5.3 Baal im Judentum

6 Der Dichter Baal und die Religion im Theaterstück

7 Schluss

Literatur und Quellenverzeichnis

1 Inhalte und Ziele der Arbeit

Für diese Seminararbeit habe ich mich entschieden, über den deutschen Lyriker und Dramatiker Bertolt Brecht zu schreiben. Die vorliegende Arbeit soll sich mit dem Einfluss der Religion und mit den religiösen Zügen in Bertolt Brechts Theaterstück Baal befassen und sie genauer bestimmen und zeigen. Die Religion übt einen großen einen Einfluss auf Brecht aus. In dem in dieser Arbeit bearbeiteten Theaterstück Baal ist die Hauptfigur beispielsweise eine der alten religiösen Figuren, die in den Heiligen Schriften erwähnt wird: im Tanach, in der Bibel und im Qur’an. Die Bedeutung ,Baal‘ in den drei größten Religionen der Welt wird in dieser Arbeit erklärt.

Zunächst werden in dieser Arbeit die Biografie des Autors und die Genese des Theaterstückes Baal behandelt. Das Wissen über die Phasen der Entstehung und Entwicklung des Theaterstückes ist deshalb relevant, weil sie die damaligen Situation des Dichters und den Einfluss der Religion und der Gesellschaft auf ihn zeigen. Im Anschluss wird es um Brecht und die Religion gehen. Brecht war beeinflusst von der Bibel. Auf die Frage, welches Buch auf seine Sprache und Werke am meisten Einfluss gehabt habe, antwortete er: „Sie werden lachen – die Bibel!“ Es wäre fast unmöglich, die religiösen Züge im Theaterstück aufzuzeigen, ohne vorher das Brechts Verhältnis zur Religion zu erörtern.

Danach werde ich die Bedeutung der mythischen Figur Baal, die seit dem 15. Jahrhundert vor Christus existiert, erklären und auf seine Rolle in den drei monotheistischen Religionen der Welt eingehen.

Im Anschluss daran werde ich die Figur Baal als Dichter und die Religion im Theaterstück anhand von Beispielen analysieren. Seine Denk- und Verhaltensweise in der Gesellschaft wird auch erklärt werden. Zusätzlich abgehandelte Punkte werden notwendige Hintergrundinformationen zum Leben Brechts und zu seiner Beziehung zur Religion liefern.

2 Biografie des Autors

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Er wird auf den Namen Eugen Berthold Friedrich Brecht getauft. Sein Vater ist katholisch, seine Mutter Protestantin. Der junge Brecht wird im Glauben der Mutter erzogen.[1] Seine Kindheit verbringt er in der Heimatstadt, wo der Vater als kaufmännischer Angestellter, später als Direktor einer Papierfabrik arbeitete. Seine Familie gehörte zu den wohlhabenden Familien jener Zeit.[2]

In einem Brief an den Kritiker Herbert Jhering berichtet Brecht über seine Kindheit. „Ich besuchte häufig den alljährlichen Herbstplärrer [Ein großes Volksfest in Augsburg][3], einen Schaubudenjahrmarkt auf dem kleinen Exerzierplatz mit der Musik vieler Karusselle und Panoramen, die krude Bilder zeigten wie ,Die Erschießung des Anarchisten Ferrer zu Madrid‘ oder ,Nero betrachtet den Brand Roms‘ oder , Die Bayerischen Löwen erstürmen die Düppeler Schanzen‘ oder ,Flucht Karls des Kühnen. Es hatte enorme, erschrockene Augen, als fühle es die Schrecken der historischen Situation.“[4] Schon als Schüler ist Brecht ein eifriger Leser, dem die schulische Kost nicht genügt. Im Realgymnasium erhält Brecht eine Ausbildung, bei der die naturwissenschaftlichen Fächer und in den Fremdsprachen besonders das Lateinische den Stundenplan bestimmen. Als 16-Jähriger lässt er Buchrezensionen in einer Augsburger Zeitung drucken. Brecht schreibt außerdem literarische Beiträge für die Zeitung „Augsburger Neueste Nachrichten“. Seine scharfe Beobachtungsgabe und der Sinn für die Formen der Dichtung ist auffällig an jenen Arbeiten. In einem Beitrag lobt er die Dichtungsform der Gedichtsammlung „Der Gärtner“ von dem [bengalischen] Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore, derer er sich später gern bedient hat.[5] „Kein äußerliches Gesetz, kein Reim, kein erkennbarer Rhythmus fesselt die Worte. Es scheint alles Prosa zu sein. Aber die Idyllen klingen doch. In einem zart schwebenden, leuchtenden Rhythmus wogen sie dahin, zum Takt einer geheimnisvollen Melodie.“[6]

Brecht macht sein Abitur im Jahr 1917. Danach immatrikuliert er sich auf Wunsch der Eltern an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität München. Brecht hört außer medizinischen und naturwissenschaftlichen auch literarische Vorlesungen.[7] Seine Interessen verlagern sich von der Medizin zur allgemeinen Wissenschaft und von der Wissenschaft zur Literatur. Er ist am meisten am Seminar über das Drama interessiert, das Prof. Dr. Arthur Kutscher leitet, der glühende Apostel und zukünftige Biograf Frank Wedekinds (†1918).[8] Wedekinds Werke und Persönlichkeit üben den stärksten Einfluss auf Brecht aus. Brecht schätzt ihn und ist besonders von seinem Vortragsstil beeindruckt. Er veranstaltet in Augsburg eine Totenfeier für ihn und fährt am 12. März 1918 aus Augsburg zum Begräbnis in München.[9] In einer Schrift kurz nach Wedekinds Tod schreibt Brecht: „Er [Wedekind] sang vor einigen Wochen in der Bonbonniere zur Gitarre seine Lieder mit spröder Stimme, etwas monoton und sehr ungeschult: Nie hat mich ein Sänger so begeistert und erschüttert. Es war die enorme Lebendigkeit dieses Menschen, die Energie, die ihn befähigte, […]. Er schien nicht sterblich. Als er uns diesen Herbst in kleinem Kreis sein letztes Werk, den »Herakles«, vorlas, staunte ich über seine eherne Energie. […] Sein größtes Werk war seine Persönlichkeit.“[10] Wedekind verwandelt in Erdgeist und Die Büchse der Pandora die biblische Gestalt der Lilith in Lulu, einen dämonischen Vampir, den Wedekind als das absolute Ding an sich betrachtet, eine transzendente, unwiderstehliche, ununterdrückbare Kraft.[11] Bertolt Brecht starb am 14. August 1956 mit 58 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Sein Tod war ein schwerer Verlust für die deutsche Literatur jener Zeit. Lion Feuchtwanger bezeugt in einem Brief an Helene Weigel, für viele sprechend, es falle ihm schwer, sich zurechtzufinden in einer Welt ohne Brecht.[12]

3 Die Genese des Theaterstückes Baal

3.1 Die Entstehung und die erste Fassung des Stückes im Sommer 1918

Baal ist Brechts erstes großes Bühnenstück. Es entstand 1918-19 und wurde bis zu dem Drucken mehrfach umgearbeitet. Brechts Theaterstücks erzählt in 24 Szenen die Geschichte des Dichters Baal,[13] einem Mann mit großer Sehnsucht nach dem Leben. Brecht siedelt das Geschehen um Baal in seiner Gegenwart zu Beginn des 20. Jahrhunderts an, die Handlung umfasst einen langen Zeitraum von mehr als acht Jahren und spielt an so unterschiedlichen Orten wie zum Beispiel Baals Dachkammer, verschiedenen Nachtcafés und Gasthäusern sowie einer Bretterhütte im Wald. Nach Brechts Erklärung im Seminar Kutschers[14] ist Baal als Gegenstück zu Hanns Johsts 1917 erschienenem Drama Der Einsame. Ein Menschenuntergang entstanden. Der unmittelbare Anlass für die erste Konzipierung des Baal war die Aufführung von Johsts Drama in den Münchener Kammerspielen. Dieses Stück richtete sich dezidiert gegen die gesamte zeitgenössische Kunst und im Besonderen gegen die Kunst des Expressionismus.[15] Die Bürgerwelt, aus der Brecht kam, mit ihren Konventionen und Vorurteilen gefiel ihm nicht mehr. Diese Unzufriedenheit führte zum Protest gegen die überlebte Gesellschaft. Ihre Negation aber war für ihn das Lumpenproletariat. Dessen Dasein und Vorstellungswelt zogen ihn an. Hier glaubte er das wirkliche Leben vorzufinden. Dieses frühe Stück lässt schon durch seine Sprachgewalt aufhorchen. Bildhaftigkeit und Volkswitz zeugen von Brechts Verbundenheit mit einfachen Menschen und vom Naturerleben.[16] Brecht sieht sein Stück zunächst als eine Komödie,[17] deren Titel Baal frißt! Baal tanzt!! Baal verklärt sich !!! lauten sollte.[18] In einem Brief an Hanns Münsterer am 1. Mai[19] 1918 schreibt Brecht: „[…] Die halbe Komödie BAAL ist schon fertig.“[20] Es ist bemerkenswert, dass Brecht, gerade einen Monat nach der Erstaufführung von Johsts Drama Der Einsame, mit seiner Arbeit an der ,Komödie Baal‘ so weit gekommen ist, dass er das Stück als halb fertig bezeichnen kann. In einem auf den 1. Mai 1918 datierten Brief an ihn schreibt Brecht: „[…] Ich habe jetzt einen (guten?) Titel für den Baal: »Baal frißt! Baal tanzt!! Baal verklärt sich!!!«. Was meinen Sie? Hätten Sie einen bessern? Einen Einfall zum Baal? Sie sollten mir schreiben!“[21] Ende Juli 1918 legt Brecht den ersten Entwurf des Stückes Baal in der bestmöglichen Form , nach mehreren Veränderungen, dem Theaterprofessor Artur Kutscher zur Begutachtung vor. Dieser Text könnte somit das Endergebnis der Überarbeitungen sein und die wirklich abgeschlossene erste Fassung des Stückes darstellen.

3.2 Die zweite Fassung des Stückes vom Sommer 1919

Ein Jahr nach der ersten Fassung überarbeitet Brecht das Stück Baal grundlegend. In der zweiten Fassung wird das Stück in Einzelheiten sorgfältiger geformt, die Zusammenhänge werden klarer herausgearbeitet und die Handlung ist besser begründet. Brecht löst sich von der antithetischen Referenz zu Johsts Konzeption des verkannten Genies und setzt sich nun gezielt mit der zeitgenössisch expressionistischen Vorstellung von Dichtung und Genie auseinander.[22] Große Partien des ersten Teils, insbesondere auch die Redaktionsszenen, in denen sich Baal noch geradezu an ein geregeltes Leben klammert, sind gestrichen. Einige Szenen werden durch andere Szenen ersetzt, zum Beispiel: Die frühere Hotel-Kontinental-Szene durch die Fuhrmannskneipen-Szene.[23] Brecht liest diese Fassung einigen Freunden darunter Münsterer mehrere Male in einem Café vor. Münsterer hält die zweite Fassung für die beste, weil sie viel vom damaligen Leben erzähle. Trotz der intensiven Überarbeitung und Brechts große Hoffnung findet die zweit Fassung kein Interesse bei Theatern und Verlagen. Er gibt in einem Brief vom 28.04.1919 dem deutschen Dramaturgen und Drehbuchautor Jacob Geis (1890-1972) Bescheid und bittet ihn um Ratschläge für Baal. „Das [ein Sturz vom Pferd) gab mir die Muße, zwischen Fluchen und Stöhnen in einem halbdunklen Zimmer den »Baal« umzuarbeiten, und ich bedaure nur, daß ich es ohne Ihre Ratschläge tun mußte. Jedenfalls hat »Baal« viel gewonnen, besonders in der Kurve, aber auch im Detail, es sind Szenen ganz umgeändert, andre rausgeschmissen, etliche eingefügt. Er ist überhaupt erst jetzt aufführbar.“[24] Brecht lässt das Stück von einigen zeitgenössischen Literaten lesen. In einem Brief vom September 1919 schreibt Brecht an Hanns Johst: „Nun wird »Baal« neugetippt, anfangs nächster Woche schicke ich Exemplare an Märker und Frank und auch eines an Sie.“[25]

[...]


[1] Vgl. Frederic Ewen: Bertolt Brecht. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Hamburg u. Düsseldorf 1970. S. 41.

[2] Vgl. Werner Hecht u.a. (Hrsg.): Bertolt Brecht. Sein Leben und Werk. Berlin 1969. S. 11.

[3] Vgl. http://www.volksfeste-in-deutschland.de/herbstplaerrer-in-augsburg.html (abgerufen am 10.07.2012)

[4] Zit. nach: Hecht, Werner u.a. (Hrsg.): Bertolt Brecht. Sein Leben und Werk. Berlin 1969. S.12

[5] Vgl. Werner Hecht u.a. (Hrsg.): Bertolt Brecht. Sein Leben und Werk. Berlin 1969. S. 13.

[6] Zit. nach. Hecht, Werner u.a. (Hrsg.): Bertolt Brecht. Sein Leben und Werk. Berlin 1969. S. 13.

[7] Vgl. Werner Hecht u.a. (Hrsg.): Bertolt Brecht. Sein Leben und Werk. Berlin 1969. S. 14.

[8] Vgl. Frederic Ewen: Bertolt Brecht. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Hamburg u. Düsseldorf 1970. S. 48.

[9] Vgl. Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Bertolt Brecht I. Text und Kritik. Sonderband. 3. Aufl. München 2006. S. 123.

[10] Brecht, Bertolt: Schriften I. Schriften 1914-1933. Hrsg. von Werner Hecht u.a. Frankfurt a.M. 1992. S. 35f.

[11] Vgl. ebd. S. 50ff.

[12] Vgl. Heinz Kächele: Bertolt Brecht. Sein Leben in Bildern. Leipzig 1963. S. 56.

[13] Vgl. http://www.staatstheater-kassel.de/baal,s1469.html (abgerufen am 10.07.2012)

[14] Zit. nach: Schmidt, Dieter: Baal und der junge Brecht. Eine textkritische Untersuchung zur Entwicklung des Frühwerks. Stuttgart 1966. S. 62.

[15] Vgl. Dieter Schmidt: Baal und Junge Brecht. S. 62

[16] Vgl. Heinz Kächele: Bertolt Brecht. Sein Leben in Bildern. Leipzig 1963. S. 8f.

[17] Vgl. Hanns O. Münsterer: Bert Brecht. Erinnerungen aus den Jahren 1917-22, mit Fotos, Briefen und Faksimiles. Zürich 1963. S. 21.

[18] Brecht, Bertolt: Baal. Drei Fassungen. Kritisch ediert und kommentiert von Dieter Schmidt. Frankfurt a.M. 1966. S 11.

[19] Vgl. Dieter Schmidt: Baal und der Junge Brecht. S. 64.

[20] Münsterer, Hanns O.: Bert Brecht. Erinnerungen aus den Jahren 1917-22. Zürich 1963. S. 21

[21] Ebd. S. 22.

[22] Vgl. Hanns O. Münsterer: Bert Brecht. Erinnerungen aus den Jahren 1917-22. Zürich 1963. S 108f.

[23] Vgl. ebd. S. 107f.

[24] Brecht, Bertolt: Briefe I. Hrsg. von Werner Hecht u.a. S. 83f.

[25] Brecht, Bertolt: Briefe I. Hrsg. von Werner Hecht u.a. S. 88.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656298199
ISBN (Buch)
9783656298410
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203721
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Geisteswissenschaft
Note
2,5
Schlagworte
baal religion züge theaterstück bertolt brecht

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Titel: Baal, Religion und religiöse Züge im Theaterstück "Baal"  von Bertolt Brecht