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Wertorientierte Steuerung in der Lebensversicherung unter aktuellen Rahmenbedingungen

Seminararbeit 2012 22 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

2 Die wertorientierte Steuerung im Versicherungsunternehmen
2.1 Definition und Bedeutung
2.2 Probleme in der Steuerung von Lebensversicherungsunternehmen...

3 Grundlegende Steuerungskonzepte
3.1 Das Discounted-Cash-Flow-Verfahren
3.2 Das Embedded-Value-Model
3.2.1 Motivation
3.2.2 Modellansatz
3.2.3 Der Present Value of Future Profits
3.2.4 Der Adjusted Net AssetValue

4 Das Niedrigzinsumfeld als Herausforderung der LebensversichererlO

5 Zusammenfassung und kritische Reflexion

Anhang V

Die Ermittlung des Present Value of Future Profits V

Literaturverzeichnis VII

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in die Thematik

Die Lebensversicherung in Deutschland trägt einen entscheidenden Anteil an der finanziellen Absicherung der Menschen im Alter bei. Die deutschen Le­bensversicherer verwalteten Ende 2011 Verträge im Wert von rund 743 Milli­arden Euro für ihre Kunden.[1] Dabei garantieren traditionelle Lebensversiche­rungsverträge dem Versicherungsnehmer (neben einer Versicherungsleis­tung im Todesfall und Invalidität) bei Abschluss einen garantierten Zins und eine bereits bei Vertragsabschluss festgelegte Ablaufleistung (bzw. eine ga­rantierte lebenslange Rente) sowie eine Beteiligung über den Garantiezins hinaus an den erwirtschafteten Überschüssen.[2] Diese Garantien, die wäh­rend der oft sehr langen Laufzeit des Vertrags gegeben werden, stellen ein Laufzeitenrisiko für den Anbieter der Versicherungsleistung dar. Während der Laufzeit können Verwerfungen wie Zinsänderungen, Finanzkrisen, volatile Kapitalmärkte, neue gesetzliche und aufsichtsrechtliche Regelungen (Solvency II) sowie eine Änderung in der demografischen Entwicklung ent­stehen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob geeignete Steue­rungskonzepte in der Lebensversicherung dem Management zuverlässige Informationen liefern, um wertschaffende Maßnahmen zu identifizieren und auf die aktuellen Herausforderungen reagieren zu können.

Zur Beantwortung dieser Frage werden Konzepte zur wertorientierten Steue­rung in der klassischen Lebensversicherung vorgestellt. Im zweiten Kapitel werden zunächst die Grundlagen der wertorientierten Steuerung definiert und die sich ergebenen Probleme in der Steuerung von Lebensversicherer erläu­tert. Anschließend werden im dritten Kapitel ausgewählte Steuerungskonzep­te, wie das klassische Discounted-Cash-Flow-Verfahren und das auf Le­bensversicherungsunternehmen angewendete Embedded-Value-Model vor­gestellt, wobei der Schwerpunkt der Arbeit in der Erläuterung des Embedded Value liegt. Im vierten Kapitel wird das längerfristige Niedrigzinsumfeld am Kapitalmarkt dargestellt, das in Bezug auf Lebensversicherungen das aktuell am nachhaltigsten diskutierte Thema ist.

2 Die wertorientierte Steuerung im Versicherungsunternehmen

2.1 Definition und Bedeutung

Die wertorientierte Steuerung orientiert sich, im Gegensatz zu den traditionel­len rechnungslegungsbasierten Kennzahlen, nicht primär an dem Erfolg his­torischer Leistungen und Kosten und dem Prinzip der Einzelbewertung, son­dern an der Schaffung von zukünftigen Werten für die Eigentümer des Un­ternehmens.[3] Das Interesse der Aktionäre an einer nachhaltigen Wert­entwicklung ist dadurch begründet, dass im Gegensatz zu den Fremdkapital­gebern, Lieferanten oder anderen Anspruchsgruppen der Vergütungsan­spruch der Eigner für die Kapitalüberlassung aus dem Residualanspruch re­sultiert, welcher entscheidend vom Unternehmenserfolg abhängt.[4] Die Ei­genkapitalgeber tragen mit deren Beteiligung das volle Risiko der Unterneh­mensentscheidung bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Daher ist es im Interesse der Eigner, dass das Management Entscheidungen trifft, welche im Einklang mit den Zielen der Eigenkapitalgeber stehen und deren zukünftige Einkommensströme resultierend aus Gewinnbeteiligungen, Ak­tienkurssteigerungen und sonstigen Gewinnansprüchen maximieren.[5] Die Ziele der Eigenkapitalgeber sind für das Management als zu komplex anzu­sehen, sodass stellvertretend eine Maximierung des Marktwertes des Eigen­kapitals als approximative Entscheidungsgrundlage verfolgt wird.[6]

In der Realität ist es jedoch schwierig, einzelne wertsteigernde Instrumente, sogenannte Wertreiber, auf eine durchgeführte Maßnahme zurückzuführen, den Unternehmenswert und seine Veränderungen festzulegen sowie die Wertveränderungen auf die verschiedenen Anspruchsgruppen (Aktionäre, Mitarbeiter, Versicherungsnehmer, Fremdkapitalgeber, Unternehmensleitung oder anderen Anspruchsgruppen) aufzuteilen.[7] Dennoch profitieren alle be­teiligten Interessengruppen von einer marktwertorientierten Steuerung des

Unternehmens, da so sichergestellt wird, dass sowohl die vertraglichen An­sprüche aus Versicherungsverträgen als auch der Residualanspruch der Eigner in angemessenen Maß befriedigt werden.[8]

Die wertorientierte Steuerung liefert entscheidungsnützliche Informationen zur effizienten Verwendung des Engpassfaktors Kapital, die signalisieren, ob aus Sicht der Eigner ökonomische Werte geschaffen werden. Dies ist der Fall, wenn mindestens eine Rendite über den risikoadjustierten Kapitalkosten des eingesetzten Kapitals erwirtschaftet wird.[9] Das klassische Wertmanage­mentkonzept orientiert sich an den zukünftigen Ein- und Auszahlungen der Investitionsentscheidung, die zu einem Wachstum des Eigenkapitals führt, wenn die diskontierten künftigen Cashflows den Zahlungsmitteleinsatz über­kompensieren.[10]

2.2 Probleme in der Steuerung von Lebensversicherungsunternehmen

Die Generierung eines Wertbeitrags im Lebensversicherungsunternehmen resultiert aus dem Versicherungs- und Anlagegeschäft.[11] Eine Besonderheit in der Lebensversicherungspolice ist dabei die lange Laufzeit, bei derer die Einnahmen- und Ausgabenstruktur nicht gleichmäßig im Zeitablauf anfallen. Der Lebensversicherer tätigt eine Anfangsinvestition zur Deckung der Ver­mittlungsprovisionen und Abschlusskosten, die bei Abschluss des Vertrags die Prämieneinnahmen in der Regel übersteigen, wodurch der Wertbeitrag für das Unternehmen im ersten Jahr negativ ausfällt.[12] Während der Rest­laufzeit der Police übersteigen die Einnahmen aus Prämienzahlungen bzw. dem Anlagegeschäft die Verwaltungskosten und generieren so ein positives Beitragsergebnis. Die aktuellen Cashflows einer Periode zeigen daher nur ein eingeschränktes Abbild der Profitabilität, sodass viele Neuabschlüsse das

Ergebnis zunächst negativ beeinträchtigen und unter der Annahme eines einperiodigen Planungshorizonts nicht abgeschlossen werden dürften.[13]

Eine weitere Herausforderung der wertorientierten Steuerung stellt die garan­tierte Mindestverzinsung[14] der bereits vereinnahmten Prämien sowie die da­rüber hinausgehende Beteiligung der Versicherungsnehmer an den erzielten Überschüssen dar. Die Beteiligung hängt wie der Residualanspruch der Akti­onäre von einer erfolgreichen Unternehmenssteuerung und der effizienten Verwendung des eingesetzten Kapitals ab.[15] Dabei setzt sich die Über­schussbeteiligung in Deutschland aus der laufenden Überschusszuteilung der Periode, den Schlussüberschussanteilen sowie der Beteiligung des Ver­sicherungsnehmers an der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) zu­sammen.[16] Gemäß der Mindestzuführungsverordnung, setzt sich die RfB aus dem Kapitalanlage-, dem Risiko- sowie dem übrigen Ergebnis für ab dem 01.01.2008 abgeschlossene Verträge nach folgender Berechnungsvorschrift zusammen:[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die RfB dient weiterhin als Verlustpuffer der Eigenmittel und besitzt, sofern noch keine Zuteilung an die Versicherungsnehmer erfolgt ist, teilweisen Ei­genkapitalcharakter.[18]

3 Grundlegende Steuerungskonzepte 3.1 Das Discounted-Cash-Flow-Verfahren

Wie in Kapitel 1 erwähnt, ist die wertorientierte Steuerung eng mit der Steue­rung des Unternehmenswertes verbunden, der sich aus Sicht der Eigner im Marktwert des Eigenkapitals widerspiegelt. Grundsätzlich existieren zwei tra­ditionelle Ansätze zur quantitativen Ermittlung des Marktwertes des Eigenka­pitals: die Entity- und Equity-Methode. Beide Methoden basieren auf dem investitionstheoretischen Modell der Kapitalwertbestimmung.[19] Bei der Entity- Methode wird der Wert des Eigenkapitals durch Diskontierung aller den Kapi­talgebern zustehenden Zahlungsströmen und anschließender Reduktion um die Ansprüche der Fremdkapitalgeber bestimmt und bei der Equity-Methode erfolgt die Bestimmung direkt über die Diskontierung der Zahlungsströme, die auf die Eigner entfallen.[20] Nguyen und Oletzky argumentieren, dass auf­grund des hohen Fremdkapitalanteils und den damit verbundenen Unge­nauigkeiten in der Schätzung der Kapitalkosten die Equity-Methode als Spe­zialfall des Discounted-Cash-Flow-Models (DCF) bevorzugt zur quantitativen Ermittlung des Eigenkapitals von Versicherungsunternehmen angewendet werden sollte.[21] Um den Wert des Eigenkapitals (EK) während des Bewer­tungszeitraums (T) zu bestimmen, wird bei der Equity-Methode folgende Be­stimmungsgleichung angewendet:[22]

In diesem Ansatz werden die erwarteten freien Cashflows (FCF^) um die An­sprüche der Fremdkapitalgeber korrigiert und mit den Eigenkapitalkosten der (keu, ket) Periode (t) bzw. (u) diskontiert, welche sowohl das Risiko der In­vestition als auch die Renditeforderung der Eigner berücksichtigt.[23]

[...]


[1] Vgl. Andersch, C. (2012): Garantiezusagen Herausforderungen Niedrigzins, in: Kurs Son­derausgabe 2012, S. 13.

[2] Vgl. Wagner, F. (Hrsg.) (2011): Gabler Versicherungslexikon, Wiesbaden, S. 395.

[3] Vgl. Wagner, F. (Gabler Versicherungslexikon, 2011), S. 762.

[4] Vgl. Malik, A. (2007): Wertorientierte Steuerung in der Lebensversicherung Möglichkeiten und Grenzen, Saarbrücken, S. 5.

[5] Vgl. Oletzky, T. (1998): Wertorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen: ein Steuerungskonzept auf der Grundlage des Shareholder-Value-Ansatzes, Karlsruhe, S. 35.

[6] Vgl. Oletzky, T.; Schulenburg, J.-M., Graf von der, (1998): Shareholder Value Management Strategie in Versicherungsunternehmen, in: ZVersWiss, 87. Ba., S. 67.

[7] Vgl. Farny, D. (2011): Versicherungsbetriebslehre, 5. Aufl., Karlsruhe, 543.

[8] Vgl. Ehrlich, K. (2009): Wertorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen mit Solvency II, Köln, S. 154.

[9] Vgl. Malik, A. (Wertorientierte Steuerung in der Lebensversicherung, 2007), S. 6.

[10] Vgl. Schwenker, B. (2005): Versicherungen zu Werten führen, in: Spremann, K. (Hrsg.): Versicherungen im Umbruch - Werte schaffen, Risiken managen, Kunden gewinnen, Ber­lin, Heidelberg, S. 28.

[11] Vgl. Swiss Re AG (Hrsg.) (2012): Profitabilität in der Lebensversicherung, Sigma-Studie Nr. 1/2012, S. 1.

[12] Vgl. Rapp, S., Rederer, E. (2005): Wertorientierte Steuerungsansätze in Versicherungsun­ternehmen, in: Spremann, K. (Hrsg.): Versicherungen im Umbruch - Werte schaffen, Risi­ken managen, Kunden gewinnen, Berlin, Heidelberg, S. 65.

[13] Vgl. Seyboth, M. (2009): DCF und MCEV/MCAV als wertorientierte Bemessungsansätze für die Lebensversicherung, Preprint Series: 2009-18, Universität Ulm, URL: http://www.mathematik.uni-ulm.de/numerik/preprints/2009/MCAV.pdf, (Abruf: 19.06.2012), S. 3.

[14] Die Mindestverzinsung für ab dem 01.01.2012 abgeschlossene Lebensversicherungsver­träge beträgt 1,75 %. § 2 Abs. 1 DeckRV (Verordnungen über die Rechnungsgrundlagen für die Deckungsrückstellungen) (2011) vom 6. Mai 1996 (BGBl. I S. 670) in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. März 2011 (BGBl. I S. 345).

[15] Vgl. Malik, A. (Wertorientierte Steuerung in der Lebensversicherung, 2007), S. 7.

[16] Näheres zu den gesetzlichen Vorschriften zur Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Überschüssen siehe Römer, Wolfgang (2008): Was bringt das neue VVG zur Le­bensversicherung?, in: Recht und Schaden, 10. Heft2008, S. 406 ff.

[17] § 4 Abs. 2-4 MindZufVo (Verordnung über die Mindestbeitragsrückerstattung in der Le­bensversicherung) (2008) vom 4. April 2008 (BGBl. l S. 690). Die MindZufVo ist für alle Vertragsabschlüsse, die ab dem 01.01.2008 abgeschlossen wurden, anzuwenden. Für Verträge, die vom 01.07.1994 bis 31.12.2007 abgeschlossen wurden, gilt weiterhin die ZRQuotenV (Verordnung über die Mindestbeitragsrückerstattung in der Lebensversiche­rung) (1996) vom 23. Juli 1996 (BGBl. I S. 1190).

[18] Vgl. Oletzky, T. (Wertorientierte Steuerung 1998), S. 103 f.

[19] Vgl. Schradin, H.; R., Zons, M. (2005): Konzepte einer wertorientierten Steuerung von Versicherungsunternehmen, in: Gründl, H.; Perlet, H. (Hrsg.): Solvency II &Risikomangement-Umbruch in der Versicherungswirtschaft, Wiesbaden, S. 165.

[20] Vgl. Oletzky, T. (Wertorientierte Steuerung 1998), S. 41.

[21] Siehe Nguyen, T.(2008): Handbuch der wert- und risikoorientierten Steuerung von Versi­cherungsunternehmen, Karlsruhe, S. 171.; Oletzky, T. (Wertorientierte Steuerung 1998), S. 94 f.

[22] Vgl. Oletzky, T. (Wertorientierte Steuerung 1998), S. 54.

[23] Vgl. Nguyen, T. (Handbuch der wert- und risikoorientierten Steuerung, 2008), S. 179 ff.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656304333
ISBN (Buch)
9783656304609
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203732
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Versicherungslehre
Note
2,0
Schlagworte
Lebensversicherung Wetorientierte Steuerung Embedded Value DCF-Verfahren Controlling Versicherung

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