Lade Inhalt...

Alfred Schütz´ Theorie des Fremden

Am Beispiel des Umgangs mit Krankheit in der Fremde

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie des Fremden: Alfred Schütz
2.1 Allgemeine Theorie Alfred Schütz´
2.2 Die Theorie des Fremden

3 Herausforderungen bei der medizinischen Versorgung von Migranten aus Sicht Alfred Schütz´ Theorie des Fremden
3.1 Der Migrant als Fremder
3.2 Die Kultur des Fremden
3.3 Die Krisis – Der Kulturschock
3.4 Das Wissen und Handeln des Fremden
3.5 Grundzüge des Fremden
3.6 Das Herangehen an die Krisis

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Anteil von Migranten steigt in der deutschen Bevölkerung stetig an. Deutschland kann demnach als Einwanderungsland bezeichnet werden (Vgl. David/Borde 2001, S. 13). Aufgrund dessen wird der Staat vor neue Herausforderungen gestellt, beispielsweise in finanziellen Aspekten und in den Bereichen des Arbeitsmarktes und der medizinischen Versorgung. Das Hauptaugenmerk wird sich in dieser Arbeit auf die Empfindungen von Migranten bei der medizinische Versorgung in Deutschland richten, aus Sicht von Alfred Schütz´ Theorie des Fremden. Die Behandlung von Migranten in Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen stationären Einrichtungen wie Altenheimen kann für das Personal durch Sprachprobleme und unbekannte kulturelle Hintergründe erschwert werden und zu einer falschen medizinischen Behandlung führen (Vgl. Akyol 2006). In der Fremde zu erkranken ist also nicht nur für den Patienten, sondern auch für das medizinische Fachpersonal problematisch. Alfred Schütz hat in seinem Aufsatz Der Fremde (Vgl. Schütz 1944) versucht, die typische Situation in der sich der Fremde befindet, zu untersuchen, sowie sein Verhältnis zur Zivilisation und Kultur einer sozialen Gruppe und wie sich der Fremde in ihr zurechtfindet. Die Arbeit verfolgt die Fragestellung, wie sich Migranten als Fremde und auch ihre Situation im Migrationsland durch Alfred Schütz Theorie des Fremden erklären lassen. Um ein gezielteres Verständnis für die Dringlichkeit der Verbesserung im Umgang mit ausländischen Patienten zu bekommen, wird ein kurzer historischer Rückblick auf die Entwicklung der Zuwanderung in Deutschland vorgenommen. Geiger/Hamburger (1984) haben sich bereits in den 1980er-Jahren mit der Thematik der Erkrankung in der Fremde auseinandergesetzt, wobei sie sich in erster Linie auf ehemalige Gastarbeiter und deren Familien beziehen. Dies rührt daher, dass in den 1950er-Jahren ein Arbeitskräftemangel in Deutschland herrschte und die Regierung Adenauers diesem durch Gastarbeiter entgegenwirken wollte (Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2010). Die Gastarbeiter sind jedoch nach dem Ausgleich des Arbeitskräftemangels geblieben und wurden somit zu Arbeitsmigranten. Sie sind fremd in der Welt, in der sie leben und müssen daher versuchen, sich anzupassen.

2 Die Theorie des Fremden: Alfred Schütz

In den kommenden Abschnitten wird Alfred Schütz´ allgemeine Theorie sowie seine Theorie über den Fremden erläutert, um anschließend einen Bezug zum Umgang mit in der Fremde erkrankten Menschen, in diesem Fall kranken Migranten, herstellen zu können.

2.1 Allgemeine Theorie Alfred Schütz´

Alfred Schütz (1899-1959) war ein aus Österreich stammender Jurist, Philosoph und Soziologe. Schütz hatte fast sein gesamtes Leben ein Doppelleben. Tagsüber arbeitete er als Bankier, nachts und in seiner Freizeit widmete er sich der Philosophie und der Soziologie. Durch sein reges Interesse an der Soziologie tauschte er sich mit seinen zahlreichen Bekanntschaften und Freundschaften mit angesehenen Philosophen und Soziologen wie Edmund Husserl, Talcott Parsons und Maurice Natanson aus und fand Anregungen bei ihnen für seine Schriften. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der verstehenden/phänomenologischen Soziologie. Schütz versuchte in seinen Arbeiten, einen verstehenden Zugang zur Alltagswelt zu schaffen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt (1932) und Strukturen der Lebenswelt. Letzteres wurde nach seinem Tod von Thomas Luckmann anhand seiner hinterlassenen Vorbereitungen ausgearbeitet (Vgl. Endreß 2006, S. 7). In diesen beiden Werken kommt die Grundlegung einer phänomenologisch fundierten verstehenden Soziologie zum Ausdruck, welche sich für Schütz als ein lebenslanges Projekt herausstellte (Vgl. ebd., S. 8). Alfred Schütz´ Werk enthält eine umfangreiche Beschreibung von sozialen Handlungsmustern, Strukturen, Typisierungen und eine Zuordnung, wie sie sich in der Alltagswelt ratifizieren bzw. wie diese das Leben in der Alltagswelt bewältigen (Vgl. Universität Duisburg-Essen 2010). Dazu zählt seine Theorie sozialen Handelns, welche sich mit der verstehenden Rekonstruktion sozialer Ereignisse auseinandersetzt, sowie die daraus abgeleitete kommunikative zeichenvermittelnden Verständigungsprozesse in der Alltagswelt (Vgl. ebd.).

Schütz´ Leben und sein Werk sind von seiner erzwungenen Emigration stark beeinflusst worden. Aufgrund seines jüdischen Glaubens emigrierte er während des zweiten Weltkrieges vorerst nach Paris und später weiter nach New York. Seine beiden Aufsätze Der Fremde (1944) und Der Heimkehrer (1945) beruhen nicht nur auf allgemeinen Beobachtungen und Forschungen, sondern spiegeln Erfahrungen und subjektive Empfindungen wider, die Schütz selbst durch seine zweifache Emigration erlebt hat (Vgl. Endreß 2006, S. 22).

2.2 Die Theorie des Fremden

Alfred Schütz´ Aufsatz über den Fremden stellt einen sozialpsychologischen Versuch dar, in welchem er die typische Situation, in der sich ein Fremder befindet, untersucht. Er definiert den Fremden als „[…] einen Erwachsenen unserer Zeit und Kultur […], der in einer Gruppe zu leben beginnt, von der er dauerhaft akzeptiert oder zumindest geduldet werden möchte“ (Schütz 1944, S. 59). Der Fremde verkörpert demnach eine Person, die in eine fremde soziale Gruppe eindringt und somit auch als Neuankömmling angesehen werden kann. Schütz schließt aus seiner Definition Besucher und Gäste aus, da es sich bei diesen um zeitlich begrenzte Aufenthalte handelt, sowie Kinder und Primitive. Bei letzteren lässt sich erahnen, dass Schütz sie aufgrund von fehlender Urteilskraft und teilweise noch nicht abgeschlossener Sozialisation ausklammert.

Das Leben in der bekannten Alltagswelt ist für ein Individuum routiniert und basiert auf erprobtem und bewährtem Rezeptwissen. Zudem gibt es in der Heimatgruppe ein kollektiv geteiltes Wissen und gemeinsame Relevanzsysteme. Das Wissen einer Person, die in der Welt ihres täglichen Lebens handelt und denkt ist nicht homogen, sondern inkohärent. Dies rührt daher, dass die Interessen der Person, welche in das Relevanzsystem eingegliedert werden, schwanken, da sich die Hierarchie der Pläne im Laufe der Entwicklung einer Person stetig verändert. Je nach persönlichem Interesse ändern sich die Relevanzen für ein Individuum. Zudem kommt, dass ein Individuum nur teilweise an der Klarheit seines Wissens interessiert ist, wodurch sein Wissen nicht konsistent ist. Es genügt ihm beispielsweise zu wissen, dass sein Telefon funktioniert, ohne exakt zu wissen, wie dies zustande kommt. In der in-group haben die Mitglieder ein ähnliches System des Wissens und können sich darüber verständigen. Die jeweiligen Kultur-, Verhaltens- und Zivilisationsmuster werden hierbei als Rezepte bzw. Auslegungsschemen verstanden. Das Denken-wie-üblich wird durch die Relevanzen und die natürlichen Annahmen einer sozialen Gruppe geprägt. Das Denken-wie-üblich besteht, solange vier Grundannahmen anerkannt sind: 1. Dass das Leben, insbesondere das soziale Leben, wie gewohnt seinen Lauf nimmt. 2. Dass sich ein Individuum auf das Wissen verlassen kann, das ihm durch Eltern, Lehrer, Regierung, Traditionen etc. vermittelt wurde, auch wenn ihm der genaue Ursprung dieses Wissens nicht bekannt ist. 3. Dass es im Alltagsleben ausreicht, etwas über den allgemeinen Stil von Ereignissen zu wissen, um ihn gebrauchen und überprüfen zu können. 4.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656299394
ISBN (Buch)
9783656299806
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203757
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Alfred Schütz Phänomenologie Der Fremde

Autor

Zurück

Titel: Alfred Schütz´ Theorie des Fremden