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Rezension zu David Harveys "Der Neue Imperialismus"

Rezension / Literaturbericht 2012 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Das Buch "Der Neue Imperialismus", im englischen Original "The New Imperialism", wurde von Professor David Harvery geschrieben und erschien ursprünglich im Jahr 2003 im Oxford Press Verlag. Bevor ich näher auf den Inhalt eingehe, möchte ich noch ein paar theoretische Voraussetzungen bzw. Vorannahmen präsentieren. Zuallererst wäre zu sagen, dass Harvey Marxist ist und dementsprechend kritisch gegenüber dem Kapitalismus steht. Weiters vertritt er die Annahme, dass es sich bei der Expansion des Kapitalismus auf den globalen Level um eine neue Form von Imperialismus handelt, die von den USA fleißig vorangetrieben wird, z.B. durch geografische Umschuldung. Auf dieser Denkweise basiert und baut dieses Buch auch auf. Stilistisch ist das Buch zunächst wie ein Abriss aus der Geschichte der USA aufgebaut, welcher dann in einen philosophischen Monolog übergeht.

Harvey beginnt das Buch mit einer ausführlichen Einleitung zum Irakkrieg, was dahinter stecke und was eigentlich die Absichten der USA seien. Es ist eine gute Analyse der Geschehenisse und Einleitung in den Gegenstand, ist aber für den weiteren theoretischen Verlauf des Buches im weiten Sinne nicht besonders wichtig, weshalb ich diesen Teil nicht ausführlich bearbeiten werde; er ist allerdings interessant zu lesen.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich zuallererst mit ein paar grundlegenden Definitionen. Harvey spricht über die verschiedenen Arten von Imperialismus und definiert für das Buch einen speziellen ">>kapitalistischen Imperialismus<<... als widersprüchliche Verschmelzung von der >>Politik von Staaten und Imperialen<<". (Harvey 2005, S.33) Die staatliche Macht konzentriert sich darauf, seine eigenen Interessen auf globaler Ebene zu sichern, während die kapitalistische Macht um Kapitalakkumulation besorgt ist, wobei diese nicht unbedingt an einen einzigen Ort gekoppelt ist, sondern durch Staaten, Institutionen und andere regionale Machtblöcke hindurchmigriert. Er trifft allerdings eine ganz wichtige Unterscheidung zwischen den beiden imperialen Mächten. Der Kapitalist ist niemandem als sich selbst Rechenschaft schuldig und kann wo und wann auch immer seine Akkumulation vorantreiben. Der Politiker hingegen, ist an sein Amt (somit auch sein Land), seine Amtszeit und in gewissen Maßen auch an den Willen des Volkes gebunden, bzw. Ihnen zumindest Rechenschaft schuldig. Hinzu kommt, dass im Staate viele verschiedene Meinungen und Interessen aufeinander prallen und trotz alledem müssen und werden auch schwerwiegende Entscheidungen getroffen, die auch offen diskutiert werden. (vgl. Harvey 2005, S.33f)

Finanzmärkte sind jedoch viel diffuser und können nicht leicht kontrolliert werden, selbst wenn Staaten versuchen zu intervenieren.Sie setzen sich aus allen Menschen zusammen. Aus deren Bedürfnissen, Ängsten, Hoffnungen, Träumen, allem was sie tun heraus, wird von ihnen die Weltwirtschaft verändert. Ein momentaner Gesamtüberblick und ein gewisser Zukunftstrend kann zwar errungen werden, aber im Endeffekt ist die Wirtschaft so launisch, wie die Menschen, die sie geschaffen und am Leben erhalten haben. Deswegen ist es auch wichtig, beide Arten von Macht von einander zu unterscheiden und gleichzeitig anzuerkennen, dass sie miteinander verwoben sind. (vgl. Harvey 2005, S.35f) "Die Schwierigkeit bei konkreten Analysen tatsächlicher Situationen ist, gleichzeitig auf beiden Seiten dieser Dialektik anzusetzen und weder in eine ausschließlich politische noch in eine überwiegend wirtschaftliche Argumentationsweise zu verfallen." (Harvey 2005, S.37)

Für mich persönlich ist das ein sehr wichtiger Punkt. Zu oft muss ich mitansehen, wie verschiedene wissenschaftliche Disziplinen sich gegenseitig bekriegen, anstatt zusammen an Probleme heranzu­treten, ob das nun eine Meinungsverschiedenheit zwischen Politologen und Soziologen ist oder Politologen und Wirtschaftswissenschaftlern, ist völlig gleich. Tatsache ist, dass die Wissenschaft nicht nur dazu da ist reale Gegebenheiten zu vereinfachen, um sie dann in eine schöne Theorie zu pressen, es ist mindestens genau so wichtig, zu versuchen. Lösungsansätze aufzustellen. Transdisziplinarität ist die Antwort. Warum sollten wir uns gegenüber Andersedenkenden verschließen? Sind wir Wissenschaftler wirklich so arrogant und gar kindisch, dass wir unbedingt beweisen müssen, dass nur wir Recht haben können?

Die kapitalistische Logik zielt darauf ab, Ungleichheiten in Raum und Zeit auszunutzen, um den eigenen Wohlstand auf Kosten anderer zu verbessern. Die Aufgabe des Staates in diesem globalen Spiel, ist es diejenigen Asymmetrien zu erhalten und zu verstärken, welche ihm am ehesten nutzen. (vgl. Harvey 2005, S.38)

Harvey ist sich bewusst, dass es innerhalb von Staaten auch regionale Assymetrien gibt, konzentriert sich aber lieber auf die zwischenstaatlichen Beziehungen. (vgl. Harvey 2005, S.39)

Während ich verstehe, dass es eines Fokus bedarf, um überhaupt Forschungen zu tätigen, finde ich gerade dieses Versäumnis sehr schade. Viele Städte, wie New York, London, Shanghai, Hong Kong etc. bündeln sehr viel Macht und sehr viele Ressourcen in sich und haben somit auch großen Einfluss auf Staaten und die Weltwirtschaft. Erst vor ein paar Tagen gab es einen kurzzeitigen Backbone-Serverausfall in London und viele Internetservices in ganz Europa waren für einen ganzen Tag unerreichbar. Ich wage mich nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn London eines Tages plötzlich lahm gelegt werden würde. Allerdings greift er die regionalen Einflüsse in Kapitel 3 kurz auf.

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656308065
ISBN (Buch)
9783656308324
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203783
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
2
Schlagworte
rezension david harveys neue imperialismus harvey new imperialism USA America kapitalismus globalisierung

Autor

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