Lade Inhalt...

Typographie – Inwiefern beeinflusst und verändert eine Schriftart die Wahrnehmung eines Textes?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 26 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff Typographie

3. Anwendungsgebiete

4. Mikrotypographie vs. Makrotypographie

5. Geschichte der Typographie

6. Empirische Forschungsanalyse: Inwiefern beeinflusst und verändert ein Schriftbild die Wahrnehmung eines Textes?
6.1 Einführung
6.2 Vorgehen
6.3 Ergebnis
6.4 Schluss / Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis / Quellen

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit ist in zwei Teile gegliedert, die sich um das Thema „Typographie“ bewegen.

Beginnen werde ich im ersten Teil mit einer Definition von Typographie und einer kurzen Beschreibung ihrer Anwendungsgebiete. Anschließend werde ich erklären worum es sich bei Mikro- und Makrotypographie handelt und wie diese unterteilt ist. Darauf folgt eine Zusammenfassung der Geschichte der Typographie.

Der zweite Teil meiner Hausarbeit dreht sich um die Frage, inwiefern ein bestimmtes Schriftbild die Wahrnehmung eines bestimmten Textes beeinflusst bzw. sogar verändert. Hierzu habe ich zehn Probanden ausgewählt, die einen ausgewählten kurzen Text in drei verschiedenen Schriftarten nacheinander lesen und anschließend ihre Wahrnehmung beschreiben sollen.

2. Zum Begriff Typographie

Der Begriff „Typographie“ kommt ursprünglich aus dem altgriechischen Wort „ typograph í a “ . Der Wortteil „ typo “ lässt sich dabei mit „Abdruck“, „Schlag“ bzw. „Figur“ übersetzen. Im weitesten Sinne ist Typographie „die Gesamtheit visueller Kommunikation mit Schrift als der äußeren Form von Sprache im Druck“1. Im engeren Sinne sind die „Grundlagen der drucktechnischen Schriftvervielfältigung als auch die visuell-formale Gestaltung von Drucksachen“ gemeint2.

Definitionen, die schon länger zurückliegen, bezeichnen Typographie oft als die Arbeitsschritte, die zum Drucken benötigt wurden: Stempelschnitt, Schriftguss, Satz, Einfärben und Abdruck. Heutzutage beschäftigt sich die Typographie eher mit der visuellen Gestaltung eines Druckwerks. Damit sind vor allem der Entwurf von bestimmten Schrifttypen, die Auswahl für die Drucklegung, Festlegung des Satzspiegels und Prinzipien der Schriftkomposition gemeint. Früher verstand man unter Typographie also das Druckverfahren mit gegossenen Metalllettern, wohingegen man heute den Begriff zunehmend unabhängiger vom eigentlichen Druckverfahren sieht und ihn mit Hilfe der elektronischen Druckformenherstellung vielmehr erweitert. Bereits mit der Einführung des Photosatzes wurden die technischen Möglichkeiten erweitert und der Begriff neu definiert. Wenig später hat dann die Erfindung der EDV erneut zu einer Neudefinition von Typographie beigetragen. Der Begriff wurde somit mehrfach revolutioniert, jedoch ohne grundlegende Veränderung der gestalterischen Aufgabenstellung von Typographie (Schriftentwurf und Schriftkomposition). Diese Veränderungen in der Definition spiegeln somit den Wandel im Druckwesen sowie die zunehmende Spezialisierung und Arbeitsteilung innerhalb des Druckprozesses wider. Daraus resultiert, dass sich nun auch außer dem handwerklich-technischen Aspekt ein künstlerisch- gestalterischer Aspekt herauskristallisiert hat. Hierbei spielt vor allem das Layout eine tragende Rolle. Das Verfahren des Setzens bezeichnet heute also eher die technische Umsetzung als das kreativ-gestalterische Entwerfen. Dieser Unterschied zwischen Setzen und Gestalten stellte sich erst nach der Jahrhundertwende um 1900 heraus. Vorher erfolgte das Gestalten weitestgehend gleichzeitig mit dem Setzen. Deswegen kann man sagen, dass der Setzer zu dieser zeit gleichzeitig auch der Gestalter war.

Das primäre Gestaltungsmittel der Typographie ist die Druckschrift. Man muss dabei einen Unterschied zur Kalligraphie, womit die künstlerische Gestaltung von Handschrift gemeint ist, und zur Graphik (technische Zeichnungen) ziehen. Früher druckte man kalligraphische Schriften im Kupferstich sowie lithographisch. Der Unterschied zur Typographie besteht jedoch darin, dass die Kalligraphie keine beweglichen Typen besitzt, nicht frei kombinierbar ist und identisch zu reproduzieren wäre wie beispielsweise Druckschreibschriften.3

3. Anwendungsgebiete

Typographie sollte den Inhalt, einen Zweck und die Anmutung eines Werkes insgesamt verdeutlichen. Die Aussage eines Textes sollte möglichst visuell unterstützt werden. Hierbei ist die optimale Lesbarkeit immer primär. Es wird versucht die optische Erscheinung eines Werkes mit dessen Botschaft zu verbinden. Dabei bedient man sich Stilmittel wie zum Beispiel eine klare Strukturierung oder Reduktion (etwa bei einem Warnhinweis oder Ähnlichem) oder Ironie mit beabsichtigt schlechter Lesbarkeit. Möglichkeiten einer solchen typografischen Gestaltung sind der Einsatz verschiedener Schriftarten, Schriftgrößen, die Wahl der Satzbreite, des Zeilenfalls, des Satzspiegels innerhalb des Papierformates, die Auswahl des passenden Papiers und vieles mehr.

Zu den Anwendungsbereichen der Typographie gehören neben der Gestaltung von Fließtexten in Romanen oder Sachbüchern vor allem der Akzidenzsatz. Hierunter versteht man Geschäftsdrucksachen (Briefblätter, Visitenkarten, Formulare), Werbedrucksachen (Flyer, Prospekte, Plakate) oder auch Familiendrucksachen (Einladungen).

Bei der Typographie in einem Roman ist besonders auf einen gleichmäßigen und störungsfreien Lesefluss zu achten. Lediglich die zu betonenden Sätze oder Wörter werden zum Beispiel durch Kursivschrift hervorgehoben. In Lexika ist der Text ebenso übersichtlich gegliedert. Er ist meistens in Abschnitte gegliedert und durch fett gedruckte bzw. kursive Wörter ausgezeichnet. Die Normen für die gute Gestaltung von Druckwerken stehen bei der Bearbeitung an erster Stelle. Die Regeln für gute Typographie sind zwar immer mit dem historischen Kontext und den technischen Möglichkeiten verknüpft, sie verlieren aber nie die Lesbarkeit als primäres Ziel aus dem Auge. Mit dem Lauf der Geschichte sind viele Regeln aufgestellt worden, die ein Typograph zu berücksichtigen hat. Diese sind nach Zeit und Ort unterschiedlich: So werden Anführungszeichen, Gedankenstriche, Satzzeichen und Überschriften in verschiedenen Ländern der Welt sehr differenziert dargestellt.4

Seit Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg ist die Typographie ein Teil des Fachwissens der Drucker und Schriftsetzer. Heute ist sie ein wichtiger Bestandteil in der Ausbildung von Grafikern und. Besonders die neuen Medien und das Entwerfen von Websites stellten die Typographen vor die Frage nach der Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität. Inzwischen kann heute fast jeder am Computer Schriftstücke oder sogar seine eigene Homepage erstellen und somit typographisch tätig werden.5

4. Mikrotypographie vs. Makrotypographie

Die Mikrotypographie ist ein Segment der gestalterischen Typographie, welches man auch als „Detailtypographie“ bezeichnet. Im Vergleich zur Makrotypographie beschreibt sie die Schrift und ihre Anwendung an sich und umfasst sowohl die Schriftgestaltung, also den Entwurf von Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen, als auch deren Anwendung im eigentlichen Schriftsatz.

Mikrotypographische Arbeiten setzen produktionsfähige Schriften und einen schlüssigen makrotypographischen Schriftentwurf voraus.

Zur Mikrotypographie im Schriftsatz zählen unter Anderem die Wahl der Fonts, Abstimmung des Schriftgrades, die Wahl von Sonderzeichen, Ziffern, Satzzeichen, Fußnoten und Gliederungszeichen, Wortzwischenräume, Zeilenabstand, Satzbreite und Anpassung des Randes.6

Die Makrotypographie ist ebenso ein Segment der gestalterischen Typographie. Sie beschreibt jedoch den optischen Gesamtkomplex einer gestalterischen Satzarbeit. Hierbei werden besonders die Funktion, der Stil, die Ästhetik und der didaktische Nutzen eines Druckwerkes festgelegt. Ein solcher Entwurf basiert auf einem so genannten Rohlayout.

In der Makrotypographie beschäftigt man sich vor allem mit der Wahl des Trägermediums (Naturpapiere, Feinstpapiere, gestrichene Papiere, Kunststoffe, Bildschirme, Lichtprojektionen etc.). Außerdem wird das Herstellungsverfahren (Offset, Tiefdruck, Blindprägedruck, Siebdruck, HTML, Flash etc.) festgelegt und die Schrifttechnologie (TrueType, PostScript, Screen-Schriften, Flashpixel, ISO- Pixelfonts, Bleitypen etc.) gewählt. Außerdem spielen die Wahl der Farbsysteme und der Maßsysteme (Metrisch, Zoll, Geviert, Typographischer Punkt, Pixel etc.). Auch die Schriftsatzart, Schriftgattungen, Schriftarten und Schriftstile sind hierbei wichtig.7

5. Geschichte der Typographie

Die Geschichte der Typographie bietet eine chronologische Übersicht über die Entwicklung von Schrift. Im Mittelpunkt stehen hierbei die historische Herausbildung der unterschiedliche Druckschriften. Handschriften hingegen zählt man in der Regel zur Vorgeschichte der Typographie.

Bis zu Beginn des Buchdrucks war das Erstellen von Dokumenten und Büchern handschriftlich. Die lateinische Schrift veränderte sich während dieses Zeitraums mehrmals. Einige Vorformen der Druckschriften sind römische Capitalis, frühmittelalterliche Unizialschriften, der Karolingische Minuskel und die gotischgebrochenen Schriften des Mittelalters.

In Deutschland entwickelte sich im Mittelalter eine alternative Form der gotischen Schrift, die Rotunda oder Rundgotische. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts wurde diese Schriftart allerdings weitestgehend von anderen Schriften verdrängt. Eine weitere Entwicklung der hochmittelalterlichen Gotik waren Vorformen der heutigen Kursivschriften. In Mitteleuropa bildete sich zum Ende des Mittelalters die Frakturschrift heraus. Diese Frakturschrift bestimmte in Deutschland das Druckbild bis ins 20. Jahrhundert hinein. In den Ländern um das Mittelmeer setzen sich hingegen die Antiqua-Schriften durch. Im Zuge der Industrialisierung wurde die Herstellung und Anwendung von Schriften immer stärker von industriellen Fertigungsmethoden bestimmt. Ein Folgeaspekt des Industrialisierungsprozesses war die bis dahin unbekannte Anzahl und Verbreitung neuer Schriften (Garamond, Bodoni oder neue, zeitgemäße Schriftentwürfe wie Futura, Times und Helvetica). Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Situation in Deutschland und Europa wesentlich durch eine traditionelle Zweischriftigkeit geprägt. Der Streit zwischen Anhängern der Fraktur und Anhängern der Lateinschrift (Antiqua) reicht zurück bis ins Mittelalter. Vor dem 2. Weltkrieg gab es Initiativen zur Übernahme der Antiqua durch die SPD und den Liberalen. Die Frakturschrift wurde aber dann von den Deutschen als „Deutsche Schrift“ tituliert und war bis weit in die dreißiger Jahre hinein der dominierende Schrifttyp. Nach 1928 wurde über die Hälfte aller in Deutschland erschienenen Buchtitel in Fraktur gedruckt. Antiqua fand vor allem in wissenschaftlichen Publikationen und Gebieten der Kunst und Technik ihre Anwendung.

[...]


1 Wehde, Susanne: Typographische Kultur. Eine zeichentheoretische und kulturgeschichtliche Studie zur Typographie und ihrer Entwicklung. Niemeyer-Verlag. Tübingen, 2000. S. 3.

2 Wehde, Susanne: Typographische Kultur. Eine zeichentheoretische und kulturgeschichtliche Studie zur Typographie und ihrer Entwicklung. Niemeyer-Verlag. Tübingen, 2000. S. 3.

3 Vgl. Wehde, Susanne: Typographische Kultur. Eine zeichentheoretische und kulturgeschichtliche Studie zur Typographie und ihrer Entwicklung. Niemeyer-Verlag. Tübingen, 2000. S. 3 ff.

4 Vgl. http://isgwww.cs.uni-magdeburg.de/graphik/lehre/EInf/Uebung/Blatt20/Typografie.pdf (13. Januar 2010)

5 Vgl. http://isgwww.cs.uni-magdeburg.de/graphik/lehre/EInf/Uebung/Blatt20/Typografie.pdf (13. Januar 2010)

6 Vgl. http://www.typolexikon.de/m/mikrotypographie.html (13. Januar 2010)

7 Vgl. http://www.typolexikon.de/m/makrotypographie.html (13. Januar 2010)

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656305804
ISBN (Buch)
9783656306245
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203806
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Schlagworte
typographie inwiefern schriftart wahrnehmung textes

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Typographie – Inwiefern beeinflusst und verändert eine Schriftart die Wahrnehmung eines Textes?