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Der Ausdruck der Temporalität im Deutschen

Hausarbeit 2004 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

1. Was sind die wichtigsten Ausdrucksmittel der Temporalität in der Sprache?

In der Sprache gibt es sechs wichtigsten Ausdrucksmittel der Temporalität. Das sind Tempus, Aspekt, Aktionsart, temporale Adverbiale, Partikel und Diskursprinzipien.

Tempus ist ein Ausdrucksmittel zur Einordnung des Geschehens auf der Zeitachse relativ zur Sprechzeit. Es gibt drei Auffassungen darüber wie viel Tempora im Deutschen gibt. Die erste Richtung ist der Meinung, dass es sechs Tempora gibt, die zweite Richtung geht von einem „idealen Tempussystem“ von 3*3 Tempora. Eine dritte Richtung ist die Einteilung der Tempora in zwei Tempusgruppen.

Die bis heute am weitesten verbreitete Tempussystem geht davon aus, dass es im Deutschen sechs morphologisch unterschiedliche Tempora gibt. Das sind Präsens, Präteritum, FuturI, Perfekt, Plusquamperfekt und FuturII. Man unterteilt sechs Tempora in zwei Gruppen, nämlich in Präsens, Präteritum und FuturI einerseits und Perfekt, Plusquamperfekt und FuturII andererseits. Die erste Gruppe wird als „absolute“ oder „direkte“ Tempora bezeichnet (z.B. Admoni 1982, Moskalskaja 1975). Sie beziehen sich direkt auf die drei Zeiträume Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die zweite Gruppe wird als „relative“ oder „indirekte“ Tempora bezeichnet. Es wird angenommen, dass diese Tempora sich auf dieselben Zeitpunkte oder Zeiträume beziehen wie die Tempora der 1. Gruppe, jedoch mit dem Unterschied, dass sie „Vollzug“, „Vollendung“ oder „Abgeschlossenheit“ ausdrücken, während die Tempora der 1. Gruppe den „Verlauf“ bezeichnen. Es besteht zwischen diesen beiden Gruppen nicht ein temporaler, sondern vielmehr ein aspektueller Unterschied.

Nach der zweiten Interpretation, beziehen sich die Tempora auf eine Zeit. Die Tempora der ersten Gruppe bezeichnet Gleichzeitigkeit mit der Zeit, auf die sie sich beziehen. Die Tempora der zweiten Gruppe werden als Tempora der Vorzeitigkeit angesehen.

Ein ideales Tempussystem von Gedicke soll so aussehen, dass es neben je drei Tempora für Gleich-, Vor-, und Nachzeitigkeit noch drei weitere Tempora, die „ die reine oder absolute Zeit“ bezeichnen, also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, unabhängig von Gleich-, Vor- und Nachzeitigkeiten. Es gibt aber in der Welt keine Sprache, die dieses ideales System hätte.

Jespersen (1965) hat sieben Tempora vorgeschlagen, die auf einer Linie angeordnet sind, weil nach seiner Meinung die Zeit nur eine Dimension habe. Auf der Linie stehen before-past, past und after-past auf der linken Seite und before-future, future und after-futureauf der rechten Seite in der gleichen Beziehung zum present, das in der Mitte steht. Es treten aber die folgenden Probleme auf: das Perfekt ist nicht mehr Bestandteil des Tempussystems.

Die bekannteste Arbeit, die Tempora in zwei Tempusgruppen neu ordnet ist Weinrich (1985).Seine Theorie besagt, dass es in den germanischen und romanischen Sprachen zwei Tempusgruppen gibt, die „Gruppe der besprechenden Tempora“ und die „Gruppe der erzählenden Tempora“ (Weinrich 1985:20). Zur Gruppe der besprechenden Tempora gehören Präsens, Perfekt, FuturI und FuturII, zu den erzählenden Tempora Präteritum, Plusquamperfekt, FuturpräteritumI und FuturpräteritumII. Da die beiden Tempusgruppen sich nur hinsichtlich Besprechen unterscheiden, ist das Verhältnis der Tempora untereinander in beiden Tempusgruppen gleich. Weinrich verwendet die Begriffe „Textzeit“ und „Aktzeit“. Die Textzeit ist die Zeit, in der etwas vereinfacht gesagt, ein mündlicher oder schriftlicher Text gesprochen, gehört oder gelesen wird, die Aktzeit wird als „ der Zeitpunkt oder Zeitverlauf des Kommunikationsinhalts“ definiert. Die Tempora haben nun die Funktion, das Verhältnis von Textzeit und Aktzeit auszudrücken.

Das zweite Ausdrucksmittel der Temporalität ist Aspekt. Der Aspekt ist keine zeitliche Einordnung des Geschehens, sondern eine bestimmte Blickweise auf die Situation. Der Begriff „Aspekt“ kommt aus der Slawistik, wo neben den fünf Verbkategorisierungen noch obligatorisch Aspekt zukommt. In der letzten Zeit wird behauptet, dass Aspekt auch in den germanischen und romanischen Sprachen existiert und außer zwei grundlegenden Aspekten perfektiv und imperfektiv werden der progressive Aspekt, der perfektische und retrospektive und der prospektive Aspekte genannt. Es wird bestritten, dass Sprachen, die nicht über die spezifische slawische Aspekt-Opposition verfügen, die Bedeutung dieser Kategorie überhaupt zum Ausdruck bringen können.

Das Perfektiv präsentiert eine Handlung in ihrer Vollkommenheit zum bestimmten Punkt, das Imperfektiv zeigt den Verlauf des Geschehens.

Klein (1974) definiert Aspekt auf folgender Weise:

1. Aspekt hat nichts mit Zeitstufen zu tun.
2. Aspektuelle Differenzierungen finden immer auf ein und derselben Zeitstufe statt.
3. Das Kriterium der Dauer einer Handlung hat nichts mit dem Aspekt zu tun.
4. Die Begrenzung einer Handlung muss kein Unterscheidungskriterium sein.
5. Es gibt zwei Aspekte, oder: zwei Glieder einer binären Aspektopposition.
6. Lexikalische Differenzierungen des Deutschen haben nicht mit Aspekt zu tun.

Im Deutschen liegt eine Aspektopposition imperfektiv/perfektiv nicht vor. Einige Sätze im Deutschen können Ambiguität aufweisen. Man wiedergibt imperfektiven oder progressiven Aspekt mit den Wendungen wie dabei/daran sein zu tun, beim/am Tun sein, damit beschäftigt sein zu tun. In der geschriebenen Sprache tauchen diese Formen nicht so oft, aber in der gesprochenen nehmen sie ständig zu. In Aspektsprachen muss der Aspekt bei jedem Verb markiert werden, in aspektlosen Sprachen geschieht es nur, wo der Kontext es erfordert.

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Details

Seiten
8
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656301875
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203813
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
Schlagworte
Tempus präteritum Perfekt

Autor

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