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Literaturkritik in der Weimarer Republik

Seminararbeit 2011 19 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Eine kurze Geschichte der Kritik..

3. Literaturkritik in der Weimarer Republik..
3.1. Merkmale und Innovationen
3.2. Beispiele: Bekannte Kritiker der Weimarer Republik

4. Kritik heute – Das Internet als Fluch und Segen

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Literarisches Leben [ist] ohne Kritik ebenso undenkbar [...] wie parlamentarisches Leben ohne Opposition.” So schrieb es Literaturpapst Marcel-Reich-Ranicki im Jahre

1964.[1] In der Tat nimmt die Literaturkritik im literarischen Leben eine wichtige Rolle ein. Sie, so schreiben Thomas Anz und Rainer Baasner in ihrem Überblickswerk über Literaturkritik, “verschafft Überblicke, wählt aus, informiert, wertet, und regt dazu an, über Literatur zu diskutieren.”[2] Das heißt, dass Schriftsteller durch die Literaturkritik herausfinden können, wie ihr Buch beim Publikum ankommt. Doch auch für Leser und Verlage hat die Kritik einen Nutzen. Leser können durch Kritiken Lesetipps erhalten, während Verlage durch veröffentlichte Buchbesprechungen auf kostenlose Werbung hoffen. Insgesamt kann man sagen: Kritiken werben für das Lesen. Damit nehmen sie im literarischen Betrieb eine unverzichtbare Rolle ein.

Selbstverständlich tauchte die Kritik nicht einfach aus dem Nichts auf. Frühe Formen las man erstmals im 17. Jahrhundert und im Laufe der Zeit entwickelte sie sich immer weiter.

Doch was verstehen wir heute unter Literaturkritik? Rein journalistisch betrachtet, kann man die meinungsäußernde Darstellungsform so definieren, wie Journalismus-Lehrer Walther von La Roche. Er schreibt: “Kritiken und Rezensionen verquicken in aller Regel Unterrichtung und Beurteilung.”[3] Dabei hält er fest: “Kritiklose Lobhudelei ist keinen Deut besser als liebloses Heruntermachen.”[4] Thomas Anz definiert dagegen als Literaturkritik “die informierende, interpretierende und wertende Auseinandersetzung mit vorrangig neu erschienener Literatur und zeitgenössischen Autoren in den Massenmedien.”[5]

So sieht es heute aus und, so viel sei schon einmal verraten, die angeführten Definitionen könnte man auch auf viele Epochen und Strömungen der vergangenen Jahrhunderte übertragen. Zum Beispiel auch auf die Literaturkritik der Weimarer Republik mit der sich die vorliegende Arbeit schwerpunktmäßig befasst. Folgende Fragen sollen beantwortet werden: Was machte die Literaturkritik nach dem Ersten und vor dem Zweiten Weltkrieg aus? Was für Neuheiten gab es? Und wer waren die bekannten Kritiker?

Eingeleitet wird die Arbeit durch eine kurze Geschichte der Kritik, in der einige besondere Merkmale der wichtigsten Epochen und Strömungen angesprochen werden. Es folgt das Hauptkapitel über die Weimarer Republik, in dem nicht nur die kennzeichnenden Besonderheiten und Innovationen zur Sprache kommen, sondern auch ein paar Beispiele für Kritiker und Positionen zu dieser Zeit. Es folgt ein kurzer Blick auf die Literaturkritik heute, bevor im Fazit die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst werden.

2. Eine kurze Geschichte der Kritik

Wie schon Thomas Anz und Rainer Baasner festhalten, umfassen Epochen meist Strömungen mit verschiedenen Überlappungen[6]

Erste Vorläufer der Literaturkritik gab es in der von Christian Thomasius zwischen 1688 und 1690 herausgegebenen Zeitschrift Monats=Gespräche. Dort stellten Dialogpartner ihre Meinungen über aktuelle Veröffentlichungen dar.[7] Die Urteile wurden damals allerdings noch nicht nach Ästhetik gefällt, wie in der späteren Literaturkritik, sondern nach Moral und Tugend.[8]

Nach Ralf Georg Bogner “lassen sich schon in der Antike Vorformen einer Kritik nach heutigem Verständnis ausmachen.”[9] Beispiele seien gattungsreflexive Passagen in Texten aus griechischer und römischer Dichtung, in denen Werte über Autoren gefällt werden. Auch in Spätantike und Mittelalter ließen sich Auslegungen des überlieferten Kanons finden.[10]

Am Ende der Barockzeit und gleichzeitig dem Anfang der Frühaufklärung befand sich die Literaturkritik in einer Art Wendezeit. Beispiel ist die zwischen 1695 und 1727 in insgesamt sieben Bänden veröffentlichte Neukirchsche Sammlung, die eine Zusammenstellung deutscher Gedichte ist. Benjamin Neukirch, der Herausgeber der ersten beiden Bände, sah die Literaturkritik noch in einem klassischen Sinne, das heißt, er lobte die deutsche Dichtung. Kritische Betrachtungen waren selten. Anders ist das im siebten Band, das 1727 von Friedrich Wilhelm Juncker herausgegeben wurde. Er benutzte die bis dato nicht sehr verbreitete Form des Verrisses, indem er mit Argumenten auf Schwachstellen der vorgestellten Literatur hinwies.[11]

Die moderne Kritik hat im 18. Jahrhundert ihren Ursprung. Vielleicht wird es deshalb auch von Immanuel Kant “Zeitalter der Kritik” genannt.[12] Während der Aufklärung dominierte die rationale Kritik, dessen auffälligstes Merkmal das Suchen und Mitteilen von Fehlern war.[13] Dabei sollte die Kritik nicht aggressiv sein, weil sie das Ziel verfolgte zu verbessern.[14]

Ein bekannter Kritiker des 18. Jahrhunderts war Johann Christoph Gottsched, der “ein rationales Konzept von rationalistischer Literatur” vertrat und stets nach Maßstäben der Vernunft urteilte.[15] Eine andere wichtige Kritikerpersönlichkeit im 18. Jahrhundert war Gotthold Ephraim Lessing, der ab circa 1750 einen Stil der persönlichen Kritik pflegte und für einen polemischen und teils gehässigen Ton bekannt wurde.[16] Und noch ein weiterer Kritiker hat sich im 18. Jahrhundert einen Namen gemacht: Friedrich Schiller. So heißt es: “Letztendlich entspringen jene großen Rezensionen, die in der Literaturwissenschaft seit eh und je stillschweigend als Quintessenz klassischer Literaturkritik gewürdigt werden, Schillers Feder.”[17]

Das sind alles große Namen, doch insgesamt gesehen, war die Literaturkritik im 18. Jahrhundert noch etwas für Insider. Sie war eine Textform, die fast ausschließlich von Akademikern geschrieben wurde. Beispiele sind Philosophen wie Immanuel Kant oder der angesprochene Literaturprofessor Gottsched.[18] Ab der Phase des Sturm und Drang (ca.1767-1785) zählten sich auch freie Schriftsteller zu den Verfassern von Kritiken.[19] Ein Beispiel ist der ebenfalls bereits genannte Gotthold Ephraim Lessing. Im 19. Jahrhundert, indem immer mehr Journalisten Kritiker wurden, gab es die beiden angesprochen Typen so nicht mehr.[20]

Lange war es möglich sich gleichzeitig als Literat und Kritiker zu sehen. Ab dem 20. Jahrhundert, als sich die Kritik als journalistische Praxis etablierte und ein breiteres Publikum erreichte, musste neben einer fundierten intersubjektiven Begründung, der Leser auch unterhalten werden.[21]

Zurück ins 19. Jahrhundert und damit auch in die Zeit der Romantik. Als wichtigste Vertreter der romantischen Kritik (ca. 1790-1840) gelten Friedrich und August Wilhelm Schlegel.[22] So sehr sich die Kritiken dieser Zeit voneinander unterschieden, hatten alle den Anspruch ein intellektuelles Publikum anzusprechen. Ganz nach Novalis’ Spruch von der “Poesie der Poesie” vollbrachten die Autoren der Romantik häufig, wie Rainer Baasner schreibt, “rhetorische Glanzleistungen.”[23]

Das 19. Jahrhundert steht nicht nur für eine gehobene Kritik. Zu dieser Zeit öffnete sich die Kritik, wie Sascha Michel festhält, auch der bürgerlichen Lebenswelt und der Politik.[24]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ab 1820, ging der Trend zum unkonventionellen Ton und zur Personalisierung. Der Verfasser trat nun als Person auf und schrieb nicht mehr unter Pseudonym, wie es vorher lange Zeit der Fall war.[25]

Zur Zeit des Realismus (1850 bis 1890) verstand sich die Literaturkritik als Kunstwächterin. Gustav Freytag war beispielsweise der Meinung, dass man den Standpunkt der Kunst gegen den Dichter vertreten müsse.[26]

[...]


[1] Reich-Ranicki, S.79.

[2] Anz/Baasner, S.7.

[3] Walther von La Roche, S.157.

[4] Ebd., S.158.

[5] Anz (b), S.194.

[6] Vgl. Anz/Baasner, S,10.

[7] Vgl. Bogner, S.18/19.

[8] Vgl. Ebd., S.21.

[9] Ebd., S.14.

[10] Vgl. Ebd., S.14.

[11] Vgl. Ebd., S.16/17.

[12] Vgl. Michel, S.17.

[13] Vgl. Baasner (a), S.24.

[14] Vgl. Ebd., S.24.

[15] Baasner (b), S.29.

[16] Vgl. Ebd., S.34/35.

[17] Baasner (c), S.46.

[18] Vgl. Michel, S.10.

[19] Vgl. Ebd, S.10.

[20] Vgl. Ebd., S.10.

[21] Vgl. Ebd., S.11.

[22] Vgl. Baasner (d), S.55.

[23] Ebd., S.64.

[24] Michel, S.18.

[25] Vgl. Baasner (a), S.24.

[26] Vgl. Zens, S.81.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656307518
ISBN (Buch)
9783656308232
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204191
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Literaturkritik Kritiker Theaterkritik Weimarer Republik Journalisten Kurt Tucholsky Alfred Kerr Marcel Reich-Ranicki Literaturpapst Laienkritik Internet Gotthold Ephraim Lessing Friedrich Schiller 19. Jahrhundert 20. Jahrhundert Sturm und Drang Romantik NS-Kritik DDR Bertolt Brecht

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